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Das Bohai-Reich, auch Balhae genannt, war ein mandschurisch-koreanisches Königreich in der südöstlichen Mandschurei und dem nördlichsten Zipfel des heutigen Nordkorea. Es existierte von 696 bis 926, verfügte über eine Bürokratie im chinesischen Stil und angeblich fünf große Hauptstädte. Seine Erforschung steckt noch in den Anfängen.

Gegründet wurde das Bohai-Reich 696 von Tae Choyŏng (Da Zuorong), einem früheren Goguryeo-General im Zusammenwirken mit den tungusischen Malgal, auch Mohe genannt.

Als die mongolischen Kitan die Grenze Tang-Chinas überfielen und die örtliche Tang-Verwaltung isolierten, rebellierte er und floh mit seinen Leuten an den Sungari-Fluss im heutigen Kirin, wo er sich zum König ausrief. 712 wurde das Königreich von Tang-China anerkannt, sicherheitshalber bekannte sich Tae Choyong auch als kök-türkischer Vasall.

Sein Volk setzte sich aus drei Gruppen zusammen: den Sumo-Mohe, die chinesischen Einflüssen unterlagen und das Königshaus hervorbrachten, dann aus den "restlichen" Mohe (Mo-ho, auch Malgal), Abkömmlinge der Tungusen, die als vergleichsweise primitiv galten und die Bevölkerungsmehrheit stellten, und drittens aus den Koreanern, die aus dem alten Koguryo-Reich stammten. Die Bedeutung der einzelnen Gruppen im Staat ist zwecks politischer Nutzbarmachung der Geschichte umstritten.

Tae Choyŏng starb 719. Ihm folgte sein Sohn Tae Muye (Da Wuyi, gest. 737), der sich einen eigenen Herrschertitel zulegte. Unter seiner Regierung gab es Streit zwischen der pro und antichinesischen Fraktion bei Hofe. Sein jüngerer Bruder Tae Munye rebellierte, als er gegen die Mohe-Gruppen entlang des Amur geschickt werden sollte. Er war lange Zeit als Geisel am Kaiserhof gewesen und fühlte sich den Tang verpflichtet. Die Folge war ein Krieg mit China, bei dem König Tae Muye 732 sogar eine Flotte nach Shantung schickte. Erst 735 einigte man sich wieder.

Der dritte König, Tae Hŭngmu (Da Jinmao, gest. 793) regierte 57 Jahre lang. Unter seiner Regierung wurde chinesisch zur lingua franca im Bohai-Reich. Er kopierte die Institutionen und Literatur Tang-Chinas, zahlte formal Tribut an China und bekam von dort seine Titel verliehen. Seine Botschafter waren immer bei den Neujahrsempfängen am Tang-Hof zugegen. Die Grenzen des Bohai-Reiches wurden bis an den Amur und auf die Halbinsel Liaodong ausgedehnt.

Das Bohaireich wurde 926 von den benachbarten Kitan erobert. Seine Einwohner hatten jedoch noch bis ins 13. Jahrhundert einen gewissen Sonderstatus. Viele Koreaner kehrten nach Korea zurück ins damals neu entstehende Goryeo Reich.

Weblinks


Koreanische Geschichte | Staat (historisch)

Balhae | 渤海 (国) | 발해 | Bohai-rijk | Пархэ | 渤海国

 

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