Baldur Benedikt von Schirach (* 9. Mai 1907 in Weimar; † 8. August 1974 in Kröv an der Mosel, Rheinland-Pfalz) war ein Politiker der NSDAP während der Zeit des Nationalsozialismus.
Er heiratete am 31. März 1932 in München Henriette Hoffmann (* 3. Februar 1913; † 27. Januar 1992), die Tochter des Hitler-Fotografen Professor Heinrich Hoffmann und dessen Frau Maria Theresia, geb. Baumann. Henriette brachte zwischen 1933 und 1942 die Kinder Angelika, Klaus, Robert und Richard zur Welt. Einer von Baldurs Enkeln ist der Strafverteidiger und Wirtschaftsanwalt Ferdinand von Schirach, der Günter Schabowski wegen der Mauertoten in dem sogenannten Politbüroprozeß vor dem Berliner Landgericht erfolgreich verteidigte. Die Ehe der von Schirachs wurde am 20. Juli 1949 in München wieder geschieden.
Weitere Namensträger siehe unter Schirach.
Nach der Machtergreifung und der Gleichschaltung aller Jugendverbände ernannte ihn Hitler am 17. Juni 1933 zum Jugendführer des Deutschen Reiches.
1936 wurde er Staatssekretär und machte die Mitgliedschaft in der Hitler-Jugend (HJ) zur Pflicht, so dass die HJ auf 6 Millionen Mitglieder anwuchs. Seine Bemühungen, die Kontrolle über die gesamte Jugenderziehung zu erlangen, führte zu einem Machtkampf mit Arthur Axmann. 1939 meldete Schirach sich freiwillig an die Front und nahm am Frankreichfeldzug teil. Axmann wurde am 1. Mai 1940 zunächst Schirachs Stellvertreter und am 7. August 1940 sein Nachfolger. Schirach wurde umgehend von Hitler zum Gauleiter und Reichsstatthalter in Wien ernannt und zog mit seiner Familie in die repräsentative Wiener Hofburg. Nach ihm wurde in dieser Zeit der Schirachbunker benannt.
In dieser Position, die er bis zum Ende 1945 behielt, war er für die Deportation der Wiener Juden verantwortlich, was er als "meinen Beitrag zur europäischen Kultur" bezeichnete. Schirach war erklärter Antisemit, allerdings äußerte er einige Male vorsichtige Kritik an der nationalsozialistischen Judenpolitik. Beispielsweise war er 1938 nicht mit den Pogromen der Reichskristallnacht einverstanden gewesen und hatte den Unterführern der Hitlerjugend verboten, daran teilzunehmen. Als er zudem am 24. Juni 1943 eine bessere Behandlung der Osteuropäer forderte, fiel er bei Hitler in Ungnade.
Ab September 1940 organisierte er die erweiterte Kinderlandverschickung, während der ca. 2,5 Millionen Kinder aus den vom Luftkrieg bedrohten Städten aufs Land verschickt wurden.
Während seiner Haftzeit wurde er 1949 von seiner Frau geschieden. Nach der gemeinsamen Entlassung mit Albert Speer im Jahre 1966 lebte er in einer Pension in Kröv und veröffentlichte 1967 unter dem Titel Ich glaubte an Hitler seine Memoiren. Darin bestritt er, von dem Massenmord an Juden gewusst zu haben. Schirach liegt im unteren Teil des Kröver Friedhofs in der dritten Grabreihe begraben. Auf seinem Grabstein findet sich die Inschrift: „Ich war einer von euch“.
Das Hitlerjugendlied Vorwärts! Vorwärts! stammt aus der Feder Baldur von Schirachs (Melodie: Hans Otto Borgmann, 1942) und wurde zuerst in dem Tonfilm Hitlerjunge Quex der Öffentlichkeit präsentiert.
Mann | Kriegsverbrecher | NSDAP-Mitglied | Politiker (3. Reich) | Nationalsozialismus (Literatur) | Staatssekretär (Drittes Reich) | Geboren 1907 | Gestorben 1974 | Jugend im Nationalsozialismus
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