| Bakterien | ||||
|---|---|---|---|---|
| Bacillus subtilis.jpg]] | ||||
| Klassifikation: | Lebewesen |
| Domäne: | Bakterien |
Traditionell wird die Bezeichnung „Bakterien“ in der Mikrobiologie für alle mikroskopisch kleinen, meistens einzelligen Organismen gebraucht, die keinen echten Zellkern besitzen und deshalb zu den Prokaryoten gehören. Hierzu zählen auch die Archaeen. Heute werden dagegen die Archaeen einer separaten Domäne zugeordnet. Zur Abgrenzung von dieser Gruppe spricht man manchmal auch von Eigentlichen Bakterien oder Echten Bakterien. Früher wurden sie zur Unterscheidung von den dann Archaebacteria genannten Archaeen mit wissenschaftlichem Namen auch Eubacteria genannt. Dies war eine unglückliche Benennung, weil es auch eine Bakteriengattung Eubacterium gab.
Da Bakterien Prokaryoten sind, ist ihre DNA nicht in einem vom Cytoplasma durch eine Doppelmembran abgegrenzten Zellkern enthalten wie bei Eukaryoten, sondern bei ihnen liegt die DNA wie bei allen Prokaryoten frei im Cytoplasma, und zwar in einem engen Raum zusammengedrängt (Kernäquivalent), auch Nucleoid genannt.
Bakterien wurden erstmalig 1676 von Antoni van Leeuwenhoek mit Hilfe eines selbstgebauten Mikroskops in Gewässern und im menschlichen Speichel beobachtet und von ihm in Berichten an die Royal Society of London beschrieben.
Über dreihundert Jahre nach der Beschreibung der ersten Bakterien und trotz unzähliger schon beschriebener und katalogisierter Arten, ist nach heutigem Kenntnisstand davon auszugehen, dass die große Mehrheit von 95 bis 99% aller auf unserem Planeten existierenden Bakterienarten noch immer nicht entdeckt wurde (Stand: 2006). Daher ist es nicht verwunderlich, dass immer wieder neue und aufregende Entdeckungen gemacht werden. So wurde im Jahr 1999 das größte bislang bekannte Bakterium entdeckt: Die so genannte Schwefelperle von Namibia, Thiomargarita namibiensis, ist mit einem Durchmesser von bis zu einem dreiviertel Millimeter ein bereits mit bloßem Auge sichtbares Schwefelbakterium.
Bakterien besitzen zumeist eine Zellwand, alle besitzen Cytoplasma mit Cytoplasmamembran und Ribosomen. Die DNA liegt als strangförmiges, in sich geschlossenes Molekül, als so genanntes Bakterienchromosom, frei im Cytoplasma vor. Häufig befindet sich im Cytoplasma weitere DNA in Form von ebenfalls strangförmigen, in sich geschlossenen Molekülen Plasmiden, die unabhängig vom Bakterienchromosom vervielfältigt und bei der Fortpflanzung weitergegeben werden oder von einem Individuum auf ein anderes übertragen werden können. Das Genom des Darmbakteriums Escherichia coli besteht aus knapp 4,7 Millionen Basenpaaren, deren Sequenz vollständig bekannt ist. Das DNA-Molekül ist etwa 1,4 Millimeter lang, aber nur 2 Nanometer breit und enthält rund 4400 Gene. Trotz seiner Länge von mehr als dem Tausendfachen des Zelldurchmessers ist es auf einen Bereich von etwa der Hälfte des Zelldurchmessers (vermutlich hochgeordnet) zusammengeknäult (Nucleoid). Neben dem Genom von E. coli sind auch von einer großen Anzahl weiterer Bakteriengenome die Nukleinsäurebasen-Sequenzen vollständig bekannt (siehe Sequenzierte Organismen).
= Lebensweise der Bakterien = Lebensweise und Stoffwechsel der Bakterien können sehr verschieden sein. So gibt es Bakterien, die Sauerstoff benötigen (aerobe Bakterien oder Aerobier), Bakterien, für die Sauerstoff Gift ist (obligat anaerobe Bakterien oder obligate Anaerobier), und Bakterien, die sowohl Sauerstoff als auch Sauerstoffmangel aushalten (fakultative Anaerobier). Einige Bakterien sind zur Photosynthese fähig, also phototroph, zum Beispiel die früher auch Blaualgen genannten Cyanobakterien, die meisten sind dagegen chemotroph. Von den Chemotrophen sind die meisten heterotroph, einige jedoch chemoautotroph, und zwar lithoautotroph. Manche Bakterien bilden Dauerstadien (Sporen), die extreme Umweltbedingungen aushalten. Bakterien, die sich extremen Umweltbedingungen angepasst haben, nennt man Extremophile.
Die Vermehrung der Bakterien erfolgt meistens asexuell durch Zellteilung, bei zylindrischen durch Querteilung, bei einigen durch Knospung. Auch Sexualvorgänge (Konjugation) kommen bei Bakterien vor und sie können so ihr Erbgut von einem Individuum auf ein anderes übertragen. Dazu produzieren einige so genannte Sexualpili (Proteinröhren), durch die DNA von einer Zelle zur anderen übertragen werden kann. Die DNA-Übertragung kann auch ohne diese Pili erfolgen, wenn sich zwei Bakterienzellen eng aneinander legen.
Die weitaus meisten Bakterien leben in der Natur in Form von Biofilmen.
Verschiedene Umweltfaktoren können die Bewegungsrichtung der Bakterien beeinflussen. Diese Reaktionen werden als Phototaxis, Chemotaxis (Chemotaxis gegenüber Sauerstoff: Aerotaxis), Mechanotaxis und Magnetotaxis bezeichnet.
Eine große Gruppe von Bakterien bilden die so genannten Cyanobakterien, die früher etwas irreführend auch als Blaualgen bezeichnet wurden. Da sie Prokaryonten sind, gehören sie nicht zu den Algen. Sie betreiben Photosynthese und sind entsprechend unabhängig von organischer Nahrung, brauchen jedoch Licht zur Energieversorgung. Gemeinsam mit den Grünalgen (Chlorophyta) und anderen Algengruppen bilden sie das Phytoplankton der Meere und Süßgewässer und so die Nahrungsgrundlage vieler Ökosysteme.
Spezielle Bakterien kommen als Symbionten im Darm oder in anderen Organen vieler Lebewesen vor und wirken bei der Verdauung und weiteren physiologischen Vorgängen mit. Escherichia coli und Enterokokken sind die bekanntesten Vertreter dieser Gruppe. Aber auch anaerobe Bifidobakterien gehören dazu.
Unter die Bakterien fallen auch viele Krankheitserreger. Gegen Bakterien wirken Antibiotika wie Penicilline, die durch Pilze der Gattung Penicillium gebildet werden. Penicillin stört die Synthese der Bakterien-Zellwand, daher wirkt es nur gegen wachsende Bakterien. Bei der Therapie mit Penicillin muss beachtet werden, dass nicht nur pathogene Bakterien, sondern auch mutualistische Bakterien durch das Penicillin gestört, bzw. getötet werden.
Eine Resistenz gegen Antibiotika ist die Folge einer Mutation. Um das zu beweisen, entwickelten die Biologen Max Delbrück und Salvador Edward Luria den "Fluktuationstest".
Die Fähigkeit einer großen Anzahl von Bakterien, für den Menschen wichtige Stoffe wie Antibiotika und Enzyme zu produzieren, wird in der Biotechnik genutzt. Neben klassischen Verfahren in der Nahrungsmittelproduktion gehört auch die Nutzung ihrer Fähigkeiten zur Beseitigung problematischer Abfälle sowie zur Produktion von Medikamenten hierher. Häufig werden zu diesem Zweck nützliche Teile des Genoms bestimmter Bakterien in das Genom einfach zu haltender, einfach zu kultivierender und weitgehend ungefährlicher Bakterien wie Escherichia coli eingepflanzt (Gentechnik).
Das derzeit "gültige" phylogenetische System der Bakterien ist das nach Garrity, G. M.; J. A. Bell und T. G. Lilburn: "Taxonomic Outline of the Prokaryotes. Bergey's Manual of Systematic Bacteriology", Second Edition, Release 5.0, Springer-Verlag, New York, 2004 (DOI: 10.1007/bergeysoutline200405), das gleichzeitig eine Klassifikation der Archaeen vornimmt. Nachstehend wird dieses System, beschränkt auf die Bakterien im eigentlichen Sinne (Domäne Bacteria) bis auf Ordnungsebene wiedergegeben.
| Phylum (Stamm) | Klasse | Ordnung |
|---|---|---|
| Aquificae | Aquificae | Aquificales |
| Thermotogae | Thermotogae | Thermotogales |
| Thermodesulfobacteria | Thermodesulfobacteria | Thermodesulfobacteriales |
| Deinococcus-Thermus | Deinococci | Deinococcales |
| Thermales | ||
| Chrysiogenetes | Chrysiogenetes | Chrysiogenales |
| Chloroflexi | Chloroflexi | Chloroflexales |
| Herpetosiphonales | ||
| Anaerolineae | Anaerolineales | |
| Thermomicrobia | Thermomicrobia | Thermomicrobiales |
| Nitrospira | Nitrospira | Nitrospirales |
| Deferribacteres | Deferribacteres | Deferribacterales |
| Cyanobacteria | Cyanobacteria | Subsectionen I - V |
| Chlorobi | Chlorobia | Chlorobiales |
| Proteobacteria | Alphaproteobacteria | Rhodospirillales |
| Rickettsiales | ||
| Rhodobacterales | ||
| Sphingomonadales | ||
| Caulobacterales | ||
| Rhizobiales | ||
| Parvularculales | ||
| Betaproteobacteria | Burkholderiales | |
| Hydrogenophilales | ||
| Methylophilales | ||
| Neisseriales | ||
| Nitrosomonadales | ||
| Rhodocyclales | ||
| Procabacteriales | ||
| Gammaproteobacteria | Chromatiales | |
| Acidithiobacillales | ||
| Xanthomonadales | ||
| Cardiobacteriales | ||
| Thiotrichales | ||
| Legionellales | ||
| Methylococcales | ||
| Oceanospirillales | ||
| Pseudomonadales | ||
| Alteromonadales | ||
| Vibrionales | ||
| Aeromonadales | ||
| Enterobacteriales | ||
| Pasteurellales | ||
| Deltaproteobacteria | Desulfurellales | |
| Desulfovibrionales | ||
| Desulfobacterales | ||
| Desulfarcales | ||
| Desulfuromonales | ||
| Syntrophobacterales | ||
| Bdellovibrionales | ||
| Myxococcales (3 Unterordn.) | ||
| Epsilonproteobacteria | Campylobacterales | |
| Firmicutes | Clostridia | Clostridiales |
| Thermoanaerobacteriales | ||
| Haloanaerobiales | ||
| Mollicutes | Mycoplasmatales | |
| Entomoplasmatales | ||
| Acholeplasmatales | ||
| Anaeroplasmatales | ||
| Incertae sedis | ||
| Bacilli | Bacillales | |
| Lactobacillales | ||
| Actinobacteria | Actinobacteria | Acidimicrobiales |
| Rubrobacterales | ||
| Coriobacteriales | ||
| Sphaerobacterales | ||
| Actinomycetales (17 Unterordn.) | ||
| Bifidobacterales | ||
| Planctomycetes | Planctomycetacia | Planctomycetales |
| Chlamydiae | Chlamydiae | Chlamydiales |
| Spirochaetes | Spirochaetes | Spirochaetales |
| Fibrobacteres | Fibrobacteres | Fibrobacterales |
| Acidobacteria | Acidobacteria | Acidobacteriales |
| Bacteroidetes | Bacteroidetes | Bacteroidales |
| Flavobacteria | Flavobacteriales | |
| Sphingobacteria | Sphingobacteriales | |
| Fusobacteria | Fusobacteria | Fusobacteriales |
| Verrucomicrobia | Verrucomicrobiae | Verrucomicrobiales |
| Dictyoglomi | Dictyoglomi | Dictyoglomales |
| Gemmatimonadetes | Gemmatimonadetes | Gemmatimonadales |
Die Vielfalt bakterieller Lebensformen ist aber deutlich größer als dieses System repräsentiert. Basierend auf den bis heute bekannten 16S-rRNA-Sequenzen vermutet man mehr als 50 verschiedene Bakterien-Phyla. Die Existenz dieser Phyla wird anhand großer, in Umweltproben immer wieder auftauchender Gruppen bestimmter rRNA-Sequenzen vorhergesagt, jedoch konnte bisher kein Bakterium aus diesen Phyla kultiviert werden.
Serologisch unterscheidbare Variationen von Bakterien nennt man Serotypen.
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