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Baiqongyr (kasachisch-kyrillisch Байқоңыр/Baiqongyr, in neuer kasachischer Lateinschrift Bayqoñır; russisch Байконур/Baikonur) ist eine Stadt im südlichen Kasachstan, etwa 200 Kilometer östlich des Aralsees am Nordufer des Flusses Syrdarja. Die geografischen Koordinaten des Stadtzentrums sind . Hier befindet sich, ab 20 km nördlich der Stadt, der größte russische Weltraumbahnhof, das Kosmodrom Baiqongyr () (kasach. Байқоңыр ғарыш айлағы/Baiqongyr gharysch ailaghy bzw. Bayqoñır ğarış aylağı; russ. Космодром Байконур/Kosmodrom Baikonur) Die Stadt Baiqongyr bildet einen eigenständigen Distrikt (Байқоңыр қаласы/Baiqongyr qalasy).
Die Siedlung, die sich um das Kosmodrom rasch entwickelte, erhielt nach Namen wie Sarja, Swesdograd, Taschkent-90 und Leninski mit dem Stadtrecht 1966 den Namen Leninsk. Der Bahnhof heißt nach wie vor Tjuratam.
Am 20. Dezember 1995 wurde Leninsk schließlich in Baiqongyr (russische Schreibweise in Umschrift Baikonur) umbenannt. Offizielle Bezeichnung des Raumfahrtzentrums ist mittlerweile "5. Staatliches Versuchskosmodrom der Russischen Föderation"
Angetrieben vom Kalten Krieg wurde das Kosmodrom sehr schnell ausgebaut. Insbesondere Chruschtschow drängte auf immer neue und effektvolle Rekorde im prestigeträchtigen Wettlauf ins All.
Sputnik 1, der erste künstliche Satellit im Weltraum 1957. Laika, das erste Lebewesen im Weltraum 1957. Strelka und Belka, die ersten Lebewesen, die auch heil wieder zurückkehrten 1960. Juri Gagarin, der erste Mensch im Weltraum 1961. Walentina Tereschkowa, die erste Frau im Weltraum 1963. Lunochod 1, das erste ferngesteuerte Mondfahrzeug 1970. Saljut 1, die erste Raumstation 1971. Mir, die erste ständig bemannte Raumstation 1986 – sie alle starteten von Baikonur.
Der enorme Zeitdruck führte allerdings auch zu zahlreichen Unfällen. So ereignete sich am 24. Oktober 1960 in Baikonur der schwerste Unfall der Raumfahrtgeschichte, das sogenannte Nedelin-Desaster. Die Explosion einer Interkontinentalrakete vom Typ R-16 bei den trotz offensichtlicher Mängel von Moskau angeordneten Startvorbereitungen kostete 126 Menschen das Leben, darunter auch Mitrofan Nedelin, Chef der strategischen Raketentruppen. Das Zentralkomitee der KPdSU ließ in einer kurzen Notiz daraufhin lediglich verlauten, Marschall Nedelin sei bei einem Flugzeugabsturz umgekommen. Die Katastrophe gelangte erst 1989 an die Öffentlichkeit, die offizielle Liste der Todesopfer wurde erst unter Präsident Jelzin freigegeben. Die Startvorbereitungen der nächsten R-16 Rakete wurden bereits am 4. Januar 1961 fortgesetzt .
Als erste Person aus dem Westen besuchte der französische Staatspräsident Charles de Gaulle am 20. Juni 1966 Baikonur. Dem ersten NASA-Team wurden am 28. April 1975 im Rahmen der gemeinsamen Sojus-Apollo-Docking- Mission Teile des Kosmodroms gezeigt. Bei solchen Besuchen versuchte die Sowjetunion, den militärischen Charakter des Geländes zu verschleiern. Alles militärische Personal, das in Sichtweite der ausländischen Besucher geraten konnte, erhielt die Anweisung, Zivilkleidung zu tragen.
Auch wenn Baikonur in der Welt vor allem für die bemannten Raumflüge bekannt wurde, lag der Hauptzweck der Einrichtung von Anfang an bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 im Test von flüssigkeitsgetriebenen Langstreckenraketen.
Mitte der 80er Jahre hatte die verbotene Stadt Leninsk nach offiziellen Angaben 100.000 Einwohner, 356 Wohnblöcke, 9 Schulen, 31 Kindergärten, 18 Hotels, einen eigenen Fernsehsender, mehrere Kinos, ein Stadion, eine Getränkefabrik und zwei Betonwerke.
Gehälter und Renten wurden nicht mehr ausgezahlt. Wasser- und Energieversorgung brachen des öfteren zusammen, Anwohner plünderten die Einrichtung, stahlen Autos, rissen Kabel aus technischen Anlagen, um sie als Wertmetall zu verkaufen. Im Januar 1992 war der Start eines Versorgungsschiffes zur Mir gefährdet, weil am Boden die unbezahlten Militärangestellten revoltierten. Etwa 40% der Bevölkerung verließ die Gegend.
Nach offiziellen Angaben verließen 1993 die letzten Atomsprengköpfe Baikonur.
Am 28. März 1994 pachtete Russland schließlich für jährlich 115 Millionen Dollar das Gelände von Kasachstan. Die Vertragslaufzeit betrug vorerst 20 Jahre, wurde am 9. Januar 2004 aber bis zum Jahr 2050 verlängert. Im Dezember 1994 wurden letzte Details vereinbart und die Stadt Leninsk unter russische Verwaltung gestellt.
1996 waren im Haushaltsplan der Russischen Föderation 761 Milliarden Rubel für Baiqongyr vorgesehen, von denen aufgrund finanzieller Probleme lediglich 296 Milliarden die Stadt erreichten.
Trotz der Schwierigkeiten ging es in Baiqongyr leicht aufwärts. Mit der Zunahme kommerzieller Aufträge und internationaler Zusammenarbeit wie zum Beispiel der internationalen Raumstation ISS floss wieder Geld in die Stadt. Die Möglichkeit der Gewährung von Steuererleichterungen führte zur Scheinverlegung des Firmensitzes zahlreicher großer russischer Firmen, darunter JUKOS und LUKOIL, nach Baiqongyr. Die großen Steuerverluste veranlassten Russland, im Mai 2002 den Bürgermeister zu ersetzen und einen weiteren Russen, den Ex-Gouverneur des Leningrader Oblast Aleksei Malkow, mit der Stadtverwaltung zu beauftragen.
Baiqongyr hatte 2002 etwa 70.000 Einwohner, davon 70% Kasachen.
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Zur Bodeninfrastruktur gehören neun Startkomplexe mit 15 Startvorrichtungen, 4 Abschusseinrichtungen zur Erforschung Interkontinentaler Langstreckenraketen, 11 Montage- und Versuchskomplexe, zwei Tankstellen, zwei Flugplätze, ein Meßkomplex, ein 600-Megawatt-Wärmekraftwerk, 470 Kilometer Eisenbahngleise, 1.281 Kilometer Straßen und 6.610 Kilometer Elektroleitungen.
70% aller russischen Starts von kosmischen Flugkörpern finden im kasachischen Baiqongyr statt. Weitere Startplätze (auch für Satellitenraketen, aber nicht für bemannte Missionen) sind Snamensk, Plessezk und Swobodny in Russland.
Ort in Kasachstan | Raketenstartplatz | Kasachstan
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