Die Bahnstrecke Erfurt–Schweinfurt ist im Kursbuch der Deutschen Bahn als Kursbuchstrecke 570 bzw. zwischen Meiningen und Schweinfurt als 815 verzeichnet. Es handelt sich um eine größtenteils eingleisige Hauptbahn, die von der DB Netz AG betrieben wird. Sie wird auch Mainfranken-Thüringen-Verbindung genannt.
Im Süden wurde 1871 von Schweinfurt aus der Eisenbahnbetrieb nach Bad Kissingen über Ebenhausen aufgenommen. Die Eröffnung des 64 Kilometer langen Abschnittes von Ebenhausen über Ritschenhausen nach Meiningen und damit der Anschluss der Landeshauptstadt Sachsen-Meiningens an Unterfranken erfolgte drei Jahre später 1874 durch die Bayerische Staats-Eisenbahn.
Die eigentliche Querung des Thüringer Waldes und der Lückenschluss zwischen Plaue und Ritschenhausen wurde 1879 durch die Preußische Staatseisenbahn in Angriff genommen. 1882 wurde der Abschnitt Suhl – Grimmenthal eingeweiht. Zwei Jahre später war Grimmenthal mit Ritschenhausen verbunden sowie der 33 Kilometer lange Abschnitt zwischen Plaue und Suhl fertiggestellt. Beim Bau dieses Streckenteils mit Rampen von durchschnittlich 2% Steigung war insbesondere der 3039 Meter lange Brandleitetunnel mit knapp vier Jahren Bauzeit sehr aufwändig.
Im August 1884 konnten schließlich die ersten Züge auf der anfangs eingleisigen Strecke zwischen Erfurt und Schweinfurt verkehren.
Schnell entwickelte sich die Strecke zu einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung, so dass schon von 1886 bis 1893 zwischen Neudietendorf und Ritschenhausen der zweigleisige Ausbau erfolgte, für den bayerischen Abschnitt geschah dies von 1908 bis 1913.
Bis zur Gründung der Deutschen Reichsbahn im Jahre 1920 war Ritschenhausen ein gemeinsamer Grenzbahnhof der preußischen und der bayerischen Staatsbahn, wo die Lokomotiven gewechselt wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke im Juli 1945 durch die Grenze zwischen der amerikanischen und sowjetischen Besatzungszone zwischen Rentwertshausen und Mühlfeld unterbrochen. In Thüringen wurde 1946 im Rahmen der Reparationsleistungen das zweite Streckengleis bis auf den Abschnitt Gehlberg - Oberhof ausgebaut, obwohl es weiterhin eine wichtige Verbindung zwischen Südthüringen und Erfurt blieb. Erst dreißig Jahre später konnte zumindest zwischen Neudietendorf und Plaue wieder zweigleisig gefahren werden.
1984 wurde der Abschnitt Neudietendorf - Arnstadt elektrifiziert, weil für die Städteexpresszüge von Meiningen nach Berlin im Erfurter Hauptbahnhof für den Lokwechsel, das Beistellen von zusätzlichen Reisezugwagen sowie die nächtliche Wagenbehandlung keine ausreichenden Kapazitäten vorhanden waren. Über den Thüringer Wald fuhren die Züge mit sieben Wagen und ab Erfurt wurden weitere acht Wagen benötigt. In den 1990er Jahren wurde die Fahrleitung zwischen Neudietendorf und Arnstadt wieder rückgebaut.
Auf dem bayerischen Streckenabschnitt wurde das zweite Gleis zwischen 1947 und 1950 abgebaut. Ab 1971 fuhr zwischen Mühlfeld und Mellrichstadt kein Zug mehr. Aufgrund des zurückgehenden Verkehrsaufkommens und des Streckenrückbaus bekam dieser Teil immer mehr den Charakter einer Nebenbahn.
Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurde im Herbst 1991 die Lücke zwischen Mellrichstadt und Rentwertshausen geschlossen, so dass Meiningen wieder von Schweinfurt aus direkt zu erreichen war. Anderthalb Jahre später gab es auch direkte Züge zwischen Erfurt und Schweinfurt.
Seit 2003 wird die Strecke für den Einsatz von Neigetechnikzügen hergerichtet, dies soll bis Ende 2007 abgeschlossen sein. Dabei wurde unter anderem der Brandleitetunnel fast ein Jahr gesperrt und saniert sowie und ein Elektronisches Stellwerk (ESTW) in Arnstadt installiert, welches den Streckenabschnitt Neudietendorf – Zella-Mehlis überwacht.
Höhepunkt war das Jahr 1938 mit täglich einem Fernschnellzugpaar und fünf Schnellzugpaaren, welche von Berlin über Erfurt-Schweinfurt-Würzburg nach Stuttgart fuhren. Der FD 8 hatte zum Beispiel Kurswagen nach Zürich und Ventimiglia in Italien. Die Bespannung der hochwertigen Reiszüge erfolgte durch die Baureihe 39. Da die Zuglast meist mehr als 250 Tonnen betrug, mussten diese auf den Rampen vor dem Brandleitetunnel nachgeschoben werden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nur noch Fernverkehrszüge auf der thüringischen Strecke zwischen Erfurt über die Bezirkshauptstadt Suhl nach Meiningen. 1981 waren es acht Zugpaare, unter anderem der Städteexpress Rennsteig sowie ein Schnellzug des Städteschnellverkehrs nach Berlin.
Mit der Wiedervereinigung und dem Lückenschluss der Strecke entfiel der Bedarf an schnellfahrenden Züge von Meiningen nach Berlin. Ersatzweise fuhr bis 2001 der InterRegio „Rennsteig“ Erfurt – Stuttgart.
2006 verkehrt auf der Strecke im Zweistundentakt mit dem Mainfranken-Thüringen-Express die Regionalexpresslinie 7 der Deutschen Bahn AG von Erfurt über Schweinfurt nach Würzburg. Verdichtet zum Einstundentakt wird der Verkehr in Thüringen durch Züge der Linen RE14 und STB4 der Süd-Thüringen-Bahn nach Meiningen und in Unterfranken geschieht dies durch den UnterfrankenShuttle der Erfurter Industriebahn.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es auf der Strecke in Thüringen aufgrund der zu bedienenden Industrie mit täglich acht Güterzügen von Arnstadt nach Grimmenthal sowie bis zu fünf Ganzzügen weiterhin eine hohes Verkehrsaufkommen. Typische Lokomotive war die Baureihe 44 mit Kohlestaubfeuerung, da diese bei der Durchfahrt des Brandleitetunnnels abgestellt und das Qualmen vermieden werden konnte. Ab 1980 wurden die Züge mit bis zu 80 Achsen meist von der DR Baureihe 132 befördert und mussten oft zusätzlich ab Gräfenroda bzw. Suhl bis zum Brandleitetunnel geschoben werden.
Nach dem Lückenschluss erlebte die Relation zwischen Jahren 1991 und 1994 aufgrund von weiträumig umgeleitetem Verkehr ihren letzten Höhepunkt im Güterverkehr. Bis zu acht schwere Güterzüge fuhren täglich zusätzlich über diese Nord-Süd-Verbindung. Seitdem gibt es nur noch bei Bedarf, zum Beispiel zum Transport von Holz, Güterzüge zwischen Erfurt und Grimmenthal.
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