Bahnstörungen sind Abweichungen der tätsächlichen Flugbahn eines Himmelskörpers von der nach einem Modell berechneten theoretischen Flugbahn.
Was unter einer Bahnstörung zu verstehen ist, hängt vom Detaillierungsgrad des zugrundeliegenden Modells ab, und von den darin enthaltenen Vereinfachungen. Im Folgenden wird nur das Sonnensystem betrachtet, wenn nichts Anderes erwähnt wird.
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Bahnstörungen werden eingeteilt in:
Um zu "Bahnen" zu kommen, wird weiter angenommen, dass Gebiete hoher Massenkonzentration, die etwa Kugelform haben, durch einen einzigen "Massenpunkt" beschrieben werden können. Lokal betrachtet ist dieser Massenpunkt der Schwerpunkt der Massenkonzentration. Diese Dinger werden dann als Sonne, Planeten, Monde, Kometen, Asteroiden u.s.w., allgemein als Himmelskörper, bezeichnet und ihnen werden "Bahnen" zugewiesen.
Theoretisch kann die Bahn von 2 (!!) Massenpunkten berechnet werden, d.h. es kann eine Formel dafür aufgeschrieben werden. Bei drei Massenpunkten spricht man vom 3-Körper-Problem, oder vom n-Teilchen-Problem bei vielen Massenpunkten. Dafür können nur Näherungen ausgerechnet werden.
Im nächsten Schritt der Vereinfachung werden lokale Ansammlungen solcher Massenpunkte betrachtet. Ihnen wird ein einziger Schwerpunkt als Systemschwerpunkt zugeordnet, der in einem größeren System wieder als ein Massenpunkt behandelt wird. Konkret bewegen sich die Schwerpunkte der Erde und des Mondes umeinander, während der Systemschwerpunkt des Erde-Mond-Systems sich auf einer Bahn um die Sonne bewegt.
Eine störungsfreie Keplerbahn mit 6 unveränderlichen Bahnelementen gibt es nur, wenn lediglich ein Planet (oder Komet etc.) auf seiner Umlaufbahn um die Sonne existieren würde. Außerdem setzt dieses (streng lösbare) Zweikörperproblem voraus, dass Planet und Sonne kugelsymmentrisch aufgebaut sind, sich im Vakuum bewegen und keinen weiteren (nicht-gravitativen) Kräften ausgesetzt sind. Nur dann lässt sich die Planetenbewegung mit den drei Keplerschen Gesetzen und sechs Bahnelementen genau lösen.
Die Bahnachsen (a) der neun Planeten unseres Sonnensystems bleiben weitgehend konstant, weil ihre Massen groß und die Bahnen kreisähnlich sind. Kleinplaneten (Asteroide) und Kometen können aber gravierende Änderungen erfahren, wenn sie einem Planeten nahekommen. Durch "chaotische", sich aufschaukelnde Bahnstörungen wird deshalb der 30 km große Eros in etwa 20 Millionen Jahren in die Sonne stürzen. Durch ähnliche, langfristige Wirkungen bindet der größte Planet Jupiter dutzende Kometen, hunderte Asteroiden (Trojaner) und neue kleine Monde an sich, kann sie aber bisweilen auch wieder "freilassen".
Erdnahe Satellitenbahnen werden vor allem durch die Erdabplattung und die bremsende Wirkung der Atmosphäre beeinflusst. Erstere lässt die Bahnen um einige Kilometer von der idealen Keplerellipse abweichen und dreht die Lage der Ellipse (Ω, ω) um mehrere Grad pro Tag (Kreiselgesetze). Die Hochatmosphäre bremst die Satelliten geringfügig, sodass sie sich bei Bahnen unter etwa 1000 km der Erde spiralförmig nähern und ihre Umlaufzeit abnimmt. Zusätzliche Störungen resultieren vom Erdmond, solarem Strahlungsdruck und von Unregelmäßigkeiten der Erdkruste.
Die Anwendung solcher und ähnlicher analytischer Verfahren wird als Störungsrechnung bezeichnet.
In einem weiteren Vereinfachungsschritt wird den Planeten ein Massenschwerpunkt zugewiesen. bzw. einem Planeten mit Monden ein Systemschwerpunkt. Dann wird in kleinen zeitlichen Schritten jeweils berechnet, wie sich diese Punkte unter dem Einfluss der Gravititation bewegen würden (numerische Integration). Dies ähnelt der Finite-Elemente-Methode auf einem groben Raster.
Die Epherimiden können in ganz verschiedenen Koordinatensystemen relevant sein (bzw. werden in solchen Tabellen veröffentlicht), zum Beispiel als Koordinaten der Himmelskörper (bzw. der Schwerpunkte von Planet-Mond-Systemen) in einem Bezugssystem, dessen Mittelpunkt ein nichtrotierendes Koordinatensystem im Schwerpunkt des Sonnensystems ist. Nichtrötierend ist relativ zu den fernen Sternen definiert. Streng genommen ist dies nicht identisch mit dem heliozentrischen System, da sich der Schwerpunkt der Sonne nicht genau im Schwerpunkt des Sonnensystems befindet. Aus diesen Koordinaten kann dann errechnet werden, wie sich ein Himmelskörper einem Astronomen an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit zeigen würde.
Für die Meteorologie und Geophysik sind Dichteänderungen in der hohen Atmosphäre interessant, sowie Fluktuationen in der Ionosphäre. Astronomen können mit Satellitenbahnen das Innere von Mond und Mars) erforschen oder die Existenz von Exoplaneten bei fernen Sternen feststellen. Im letzteren Fall wird ausgenutzt, dass der Exoplanet und sein Zentralstern sich um einen gemeinsamen Systemschwerpunkt herum bewegen, und der Stern dabei auch eine kleine zyklische Bewegung ausführt. Diese Bahnstörung des Sterns kann durch die Dopplerverschiebung seiner Spektrallinien nachgewiesen werden.
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