Karte_berlin2c_gesundbrunnen2.png Der Bahnhof Berlin Gesundbrunnen liegt im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen (Bezirk Mitte) auf der Schnittstelle der Ringbahn und den Nord-Süd-Bahnen. Mit dem Pilzkonzept der Deutschen Bahn hat er seit Mai 2006 die Rolle als nördlicher Zentralbahnhof erhalten.
Der S-Bahnhof Berlin Gesundbrunnen befindet sich am nördlichen Rand des Berliner S-Bahnringes, wo sich eben dieser mit der Nord-Süd-S-Bahn schneidet. Überhalb der Bahnhofsanlage befindet sich die Badstraßenbrücke, wo die Bad- und Brunnenstraße ineinander übergehen. Von Gesundbrunnen kann man sowohl Richtung Norden nach Hennigsdorf, Frohnau, Oranienburg, Birkenwerder und Bernau bei Berlin fahren, als auch in Richtung Innenstadt beziehungsweise Süden zum Bahnhof Friedrichstraße, Potsdamer Platz, Südkreuz, Lichterfelde, Teltow, Blankenfelde, Wannsee und Potsdam. Über die Ringbahn kann man unter anderem nach Königs Wusterhausen, Schönefeld und Spindlersfeld fahren.
Der Fernbahnhof übernimmt eine Schlüsselposition für die Züge in Richtung Norden – eben die Funktion, die er bereits ab 1877 trug. Hier halten InterCitys und Regionalexpresse in Richtung Neustrelitz, Rostock und Stralsund (RE5) sowie Angermünde, Schwedt, Greifswald und Stralsund (RE3). In südlicher Richtung werden damit nicht nur weitere Berliner Fern- und Regionalbahnhöfe erreicht sondern auch Senftenberg und Elsterwerda über Wünsdorf-Waldstadt (RE3) und Lutherstadt Wittenberg und Falkenberg (Elster) über Jüterbog (RE5). Voraussichtlich ab Dezember 2006 soll hier auch ein InterCityExpress nach Rostock halten.
Der U-Bahnhof Gesundbrunnen dient vor allem als Umsteigepunkt zur S-Bahn für Fahrgäste vom Alexanderplatz und von der Osloer Straße. Gleichzeitig markiert er aber auch einen nördlichen (End-)Punkt für die U-Bahnlinie 8 im Tarifbereich A. Teilweise enden hier auch Einrücker-Züge in der zweigleisigen Kehranlage des Bahnhofes.
Am 1. Oktober 1891 wurde zwischen Berlin und Oranienburg ein spezieller Vorortverkehr (als Vorläufer der S-Bahn) mit ermäßigtem Tarif eingerichtet. Seither fuhren die Fernzüge zwischen dem Bahnhof Gesundbrunnen und Oranienburg ohne Zwischenhalt durch. Wegen Überlastung des Stettiner Bahnhofs wurde 1892 ein Teil der Vorortzüge in den Nordbahnhof umgeleitet, der bis dahin nur für den Güterverkehr genutzt wurde. Diese Aufteilung des Vorortverkehrs wurde als unhaltbar betrachtet, so dass im Staatshaushalt 1895 insgesamt 8.850.000 Mark für den Umbau der Gleisanlagen bereitgestellt wurden.
Ab 1903 durfte der Fernbahnsteig im Bahnhof Gesundbrunnen nur noch von denjenigen Fernreisenden benutzt werden, die mindestens bis Bernau, Oranienburg oder darüber hinaus fahren wollten. Die Benutzung der Fernzüge zwischen dem Bahnhof Gesundbrunnen und dem Stettiner Bahnhof war somit ausdrücklich untersagt.
Ab dem 13. August 1945 verkehrten auch S-Bahnzüge wieder von der Kremmener, Stettiner und Nordbahn über den Bahnhof Gesundbrunnen – jedoch nur bis zum Stettiner Fernbahnhof, da der Nord-Süd-S-Bahntunnel unter Wasser stand. Züge nach Potsdam, Teltow und Rangsdorf konnten erst ab 1947 wieder durch den Tunnel fahren.
1949 gab es aber den ersten Konflikt um den Bahnhof Gesundbrunnen. Die Eisenbahner streikten und die DDR-Transportpolizei, die Hoheitsrechte auch in West-Berlin auf dem Reichsbahngelände, also auch der S-Bahn, für sich reklamierte, versuchte, den Streik zu verhindern. Am Bahnhof Gesundbrunnen kam es sogar zum Schusswaffeneinsatz der „Trapo“ gegen die Streikenden. Die Französische Militärverwaltung setzte dem ein Ende und schützte die Streikenden, die allerdings damit auch nicht mehr ohne Gefahr für die eigene Freiheit nach Ost-Berlin zurückkehren konnten und damit letztlich ihren Job verloren (Lit.: Schimmler, Der Wedding, Ein Bezirk zwischen Tradition und Fortschritt, Berlin 1985).
Durch den von West-Berliner Gewerkschaften initiierten S-Bahn-Boykott verlor die unter Regie der ostdeutschen Reichsbahn verkehrende West-Berliner S-Bahn an Bedeutung, die Fahrgastzahlen sanken rapide. Die Reichsbahn versuchte, durch teilweise modernisierte S-Bahn-Stationen die Attraktivität der S-Bahn wieder zu erhöhen, in den Jahren 1964/65 wurde beispielsweise ein neues Empfangsgebäude für den Bahnhof Gesundbrunnen gebaut. Doch auch diese Maßnahmen brachten keine Fahrgäste zurück.
Nach dem Mauerbau gab es auch einen kuriosen Vorfall. Als Anfang der sechziger Jahre die Konfrontation im Kalten Krieg immer größer wurde, ließ das Ost-Berliner Regime an einem Wasserturm auf dem Bahngelände am Bahnhof Gesundbrunnen – gleich neben dem Gelände des Hertha-Platzes – auf weißem Grund die Buchstaben „DDR“ anbringen. Die französische Militärregierung ließ auf der Swinemünder Brücke Schützenpanzer in Stellung gehen und richtete auf dem Hertha-Platz ein Maschinengewehrnest ein. Der Stadtkommandant forderte die Entfernung der Bezeichnung, da das Bahngelände zwar zur DDR-Reichsbahn gehörig sei, aber eindeutig auf westberliner Gebiet und damit im französischen Sektor liege. Er drohte den Abbruch des Wasserturmes an. Die Konfrontation wurde erfolgreich beendet. Zunächst wurde nur ein "D" übertüncht, um sagen zu können, dort stehe doch nur das Signet der Deutschen Reichsbahn, dies ließ allerdings der französische Stadtkommandant nicht gelten. Schließlich wurde der Turm von der DDR abgebrochen, offiziell aus „technischen Gründen“, um das Gesicht zu wahren (Lit.: Ausstellungskatalog: Weddinger Heimatverein, Ausstellungskatalog Hertha BSC, Berlin 1997 - Neuauflage erscheint 2006).
Im September 1980 stellt die Reichsbahn nach einem Eisenbahnerstreik den S-Bahnverkehr nahezu gänzlich ein. Nur auf wenigen Strecken wurde der Verkehr aufrecht erhalten. Dazu gehörten unter anderem auch die Strecken Lichtenrade - Frohnau und Lichterfelde Süd - Heiligensee, die beide über den Bahnhof Gesundbrunnen verliefen. 1984 übernahmen die West-Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) den S-Bahnbetrieb. Diese stellte darauf den Verkehr ab Anhalter Bahnhof in Richtung Norden ein - damit wurde die Station Gesundbrunnen geschlossen. Nach heftigen Bürgerprotesten verlängerte die BVG ab dem 1. Mai 1984 die S-Bahn wieder bis Gesundbrunnen, ab Oktober gleichen Jahres sogar wieder bis Frohnau.
Neue Streckenziele konnten am Bahnhof Gesundbrunnen ab dem 17. September 2001 angezeigt werden. Endlich war nun die Verbindung zum ehemals Ost-Berliner Bahnhof Schönhauser Allee wiederhergestellt worden. Die letzte S-Bahnstrecke, die noch fehlte, war die in Richtung Wedding. Diese konnte erst am 15. Juni 2002 wieder in Betrieb genommen werden. Seitdem fahren von Gesundbrunnen aus auch Züge über den Ring nach Schöneweide, Spindlersfeld und Königs Wusterhausen.
Schon Jahre davor begannen die Arbeiten für eine Wiederrichtung des Fernbahnhofs Gesundbrunnen. Im Rahmen des sogenannten Pilzkonzeptes sollten ab 2006 auch wieder Regional- und Fernbahnzüge fahren. Dafür wurden bis Ende 2005 drei neue Bahnsteige errichtet. Aufgrund von Sparmaßnahmen wurde das Eingangsgebäude, welches, wie auch der ganze Bahnhof, von den Architekten Ingrid Hentschel und Axel Oestreich konzipiert wurde, nicht gebaut. Durch diese Entscheidung der DB AG wird einer der größten Umsteigebahnhöfe (ca. 150.000-200.000 Umsteigebeziehungen) kein Bahnhofsgebäude erhalten, sondern nur einen einfachen Pavillon für den Fahrtkartenverkauf. Hintergrund ist, dass die DB AG sich von Anfang an als Ziel gesetzt hatte, dass der Gesellschafter ECE des benachbarten Gesundbrunnen-Centers den Bahnhofsbau übernehmen würde, zumal die DB AG und die ECE eine gemeinsame Firma besitzen, die zum Beispiel den Bahnhof in Leipzig mit seinem großen Einkaufszentrum betreibt. Wegen zahlreicher Ungeschicklichkeiten der DB AG gegenüber der ECE und auch der Zeitverzögerungen beim Bahnhofsbau, der keine hohe Priorität für die Bahn hatte, ist aber die ECE – eine Tochter des Otto-Konzerns – nicht bereit, für den Bau aufzukommen.
Am 13. Juni 2005 sagte der Deutsche Bahn-Chef Hartmut Mehdorn zur Nachricht der Umbenennung des Bahnhofs Papestraße in Südkreuz noch folgendes: „Eine Umbenennung seines Pendants im Norden, des Bahnhofs Gesundbrunnen, in ‚Nordkreuz‘ wird nicht erwogen“. Doch bereits am 13. Oktober 2005 ließ ein DB-Sprecher verlauten, dass Gesundbrunnen nach dem „Monopoly-Prinzip“ in Nordkreuz umbenannt werde. Dies würde die Verständlichkeit für fremde Fahrgäste wesentlich erhöhen. Genau dies bezweifeln die örtlichen Politiker, zumal nur zwei Bahnstationen weiter es den Bahnhof Nordbahnhof gibt, der früher Stettiner Bahnhof hieß. Zwar gilt die milliardenteure Umbaumaßnahme mit kreuzungsfreien Übergängen als Bauprojekt „Nordkreuz“ aber die Kreuzungen finden nicht am Bahnhof Gesundbrunnen, sondern im Bereich des Bahnhofs Bornholmer Straße und zwischen den Bahnhöfen Gesundbrunnen und Schönhauser Allee, Wedding und Humboldthain statt. Die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer hat daher Herrn Hartmut Mehdorn vorgeschlagen, den Begriff „Nordkreuz“ nur als Untertitel für den Bahnhof zu verwenden. In einem Brief vom 22. Dezember 2005 an das Berliner Abgeordnetenhaus verkündete Mehdorn, dass der Bahnhof nun doch nicht umbenannt wird.
U-Bahn Berlin Gesundbrunnen.JPG
Durch den Ersten Weltkrieg und die darauffolgende Inflation musste die AEG die 1912 begonnen Arbeiten einstellen. Nach einer Klage Berlins wurden alle Streckenstücke direkt an die Stadt Berlin übertragen. Daraufhin änderte Berlin teilweise die Streckenführung, außerdem wurden alle Hochbahnabschnitte gestrichen und nur Tunnel gebaut. Das verhinderte damit auch einen geplanten Hochbahnhof Gesundbrunnen, der nach wie vor als nördlicher Endpunkt der Strecke vorgesehen war.
Berlin ließ die neue Strecke dann in Eigenregie bauen. Die Eröffnung der neuen GN-Bahn, allgemein als Linie D bezeichnet, konnte am 18. April 1930 gefeiert werden. Der neue Bahnhof Gesundbrunnen lag genau quer unter den Bahnsteigen der Fern, Ring- und Vorortbahn. Aufgrund der daraus resultierenden Tiefe von zwischen 12 und 14 Metern unter der Straße wurde hier eine Rolltreppe eingebaut, damals eine der längsten in Deutschland. Um den großen Abstand zur Oberfläche nicht wieder mit Sand auffüllen zu müssen, der vorher beim Aushub umständlich und kostspielig weg gefahren wurde, wurden in den Bereichen zwischen den U-Bahn-Tunneldecke und der Straße Räume eingebaut. Der Bau der U-Bahn wurde somit preiswerter. Konzipiert wurde der Bahnhof, wie die gesamte Strecke, vom U-Bahn-Architekten Alfred Grenander. Auch bei der Station Gesundbrunnen gab er der klaren Sachlichkeit Vorrang.
Am 3. Februar 1940 traf eine Fliegerbombe direkt den Bahnsteigbereich der Station Gesundbrunnen. Allgemein gab es an diesem Tag mit die schwersten Treffer für die Berliner U-Bahn. Unter anderem wurden auch die Stationen Kaiserhof, heute Mohrenstraße, Hallesches Tor, Spittelmarkt und Stadtmitte schwer getroffen. Dennoch blieb der Abschnitt Gesundbrunnen - Leinestraße einer der letzten, auf denen der Fahrbetrieb schließlich erst am 23. April 1945 eingestellt wurde. Dies lag wahrscheinlich daran, dass die Berliner Elektricitätswerke (BEWAG) die Stromlieferungen einstellte.
Nach dem Kriegsende konnte bereits wieder am 22. Mai 1945 ein Pendelverkehr zwischen den Stationen Rosenthaler Platz und Gesundbrunnen aufgenommen werden, am 13. Juni wurde dieser im Süden bis Weinmeisterstraße verlängert. Drei Tage danach war die ganze Linie D (heute U8) sogar komplett wieder befahrbar.
Im Mai 1952 wurde der Fernverkehr am oberirdischen Teil des Bahnhofs Gesundbrunnen eingestellt, damit verschloss die BVG auch die direkten Zugänge zu den ehemaligen Fernbahnsteigen. Ab 1961 war der nördliche Teil der Linie 8 verkehrstechnisch quasi wertlos, denn hinter der Station Voltastraße begann der Ostsektor, hier fuhren die Züge ohne Halt durch sogenannte Geisterbahnhöfe. Um den Nordteil der U8 aufzuwerten, wurde der U-Bahntunnel zur Osloer Straße verlängert. Dort sollte ein Umsteigen zur West-U-Bahn-Linie 9 möglich sein. Dies war ab dem 7. Oktober 1977 möglich.
Im südlichen Bunker am U-Bahnhof Gesundbrunnen hat der 1997 gegründete Verein "Berliner Unterwelten e.V. - Gesellschaft zur Erforschung und Dokumentation unterirdischer Bauten" seinen Hauptsitz. Der Zutritt befindet sich im Treppenhaus des südlichen Eingangsgebäudes des U-Bahnhofes hinter einer unscheinbaren Stahltür. Der Verein bietet Führungen u.a. durch die beiden Bunker am Bahnhof Gesundbrunnen sowie ein Theaterstück in den Räumen des nördlichen Bunkers an.
Am 13. Oktober 2005 ließ die Deutsche Bahn verlauten, der Bahnhof Gesundbrunnen würde zukünftig Nordkreuz heißen. Darauf sagte ein BVG-Sprecher, dass man sich dieser Umbenennung anschließen werde. Gegen Ende des Jahres 2005 wurde diese Namensänderung widerrufen.
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