Train station Berlin Lehrter Bahnhof_2.jpg im Bau (April 2005)]] Ein Bahnhof ist eine Verkehrs- und Betriebsanlage von Bahnen.
Somit ist eine Zugangsstelle ohne Weiche kein Bahnhof, sondern ein Haltepunkt. Neben den Bahnhöfen und Haltepunkten gibt es auch noch andere Bahnanlagen wie Abzweigstellen, Anschlussstellen, Deckungstellen, Zugfolgestellen, Zugmeldestellen und Blockstellen sowie die Begriffe Hauptgleise und Nebengleise.
In Österreich muss laut offizieller Definition ein Bahnhof keine Weiche haben. Dem deutschen Haltepunkt entspricht die österreichische Haltestelle. In Deutschland wiederum ist eine Haltestelle ein Haltepunkt der mit einer Abzweigstelle zusammenfällt.
Der Unterschied zwischen einem Bahnhof und einem Haltepunkt ist für Fahrgäste u.A. im Fall einer punktuellen Streckensperrung bedeutsam - normalerweise wird dann der Verkehr auf der Schiene bis zu den Bahnhöfen aufrechterhalten, die der gesperrten Stelle am nächsten liegen.
Umgangssprachlich versteht man unter einem Bahnhof in der Regel eine Anlage, an der Reisende Züge besteigen oder verlassen dürfen (also auch den Haltepunkt), Güter auf Züge ver- oder von diesen entladen oder Züge neu zusammengestellt oder umgruppiert werden. Häufig wird darunter umgangssprachlich auch nur das Bahnhofsgebäude selbst verstanden, das jedoch in der Fachsprache als Empfangsgebäude (in der Schweiz und in Österreich: Aufnahmegebäude) bezeichnet wird. Der Begriff Bahnhof ist nicht gleichzusetzen mit dem zulässigen Ein- oder Aussteigen von Reisenden. Dies geschieht auf Bahnsteigen.
Bahnhöfe werden meistens nach dem Ort oder Ortsteil benannt, in dem sie sich befinden. Nach Eingemeindungen oder Umbenennungen können jedoch auch historische Namen erhalten bleiben. Kopfbahnhöfe von Eisenbahnstrecken waren in Deutschland oft nach dem Endpunkt der in diesem Bahnhof beginnenden Strecke benannt. So hieß zum Beispiel der in Berlin gelegene Bahnhof der Berlin-Görlitzer Eisenbahn Görlitzer Bahnhof. In anderen Ländern ist diese Praxis noch beibehalten worden. Gibt es mehrere Bahnhöfe an einem Ort, von denen einer dem anderen betrieblich übergeordnet ist oder das zumindest historisch einmal war, wird dieser häufig als Hauptbahnhof bezeichnet.
Bahnhöfe werden einerseits nach ihrer baulichen Anordnung der Gleis- und sonstigen Anlagen in unterschiedliche Arten eingeteilt, andererseits auch nach ihrer verkehrlichen Funktion.
Die häufigste Bahnhofsbauart ist der Durchgangsbahnhof. Hierbei durchlaufen ein oder mehrere durchgehende Hauptgleise das Bahnhofsgelände, erhalten dort Gleisverbindungen und erweitern sich gegebenenfalls durch zusätzliche Bahnhofsgleise (z.B. Hannover Hbf). Das Empfangsgebäude liegt meistens seitlich zum Gleisfeld und ist mit den Bahnsteigen durch Unter- und/oder Überführungen verbunden. Es gibt jedoch auch Reiterbahnhöfe (auch Galeriebahnhöfe), bei denen das Empfangsgebäude quer über das Gleisfeld gebaut ist (z.B. Kassel-Wilhelmshöhe), und Bahnhöfe, bei denen die Gleise über dem Empfangsbereich liegen (z.B. Essen Hbf). Inselbahnhöfe'' sind Durchgangsbahnhöfe, bei denen das Empfangsgebäude zwischen den Gleisen liegt (z.B. Halle (Saale) Hbf).
Trennungsbahnhöfe liegen an einem Streckenabzweig. Liegt das Empfangsgebäude hierbei zwischen der durchgehenden Strecke und dem abzweigenden Ast (z.B. Gießen), spricht man von einem Keilbahnhof. Dreiecksbahnhöfe bieten zusätzlich eine Querverbindung zwischen den beiden Zweigen auf der anderen Seite des Empfangsgebäudes.
Ein sehr seltener Typ ist der Berührungsbahnhof, der von zwei verschiedenen, nicht miteinander verbundenen Strecken durchlaufen wird (z.B. Mülheim an der Ruhr Hbf).
Kreuzen sich zwei Strecken in einem Bahnhof, dann kann dies entweder höhengleich in einem Kreuzungsbahnhof geschehen, oder aber die Strecken sind auf unterschiedlichen Niveau kreuzungsfrei geführt (Turmbahnhof, z.B. Berlin Hauptbahnhof).
Tunnelbahnhöfe liegen vollständig unterirdisch. Meistens handelt es sich um einfache Durchgangsbahnhöfe oder quasi unterirdische Turmbahnhöfe, wenn sie mehrere Tunnelstrecken verbinden (z.B. Frankfurt-Konstablerwache). Das Wort Tiefbahnhof wird meistens gleichbedeutend verwendet, kann aber auch einen Bahnhof in einem nach oben offenen Trogbauwerk bezeichnen (z.B. Flughafenbahnhof Köln/Bonn).
Die Ausgangs- bzw. Endpunkte der von Hauptstrecken abzweigenden Anschlussbahnen werden als Anschlussbahnhöfe bezeichnet.
Nach der Relation unterschieden werden Endbahnhöfe, Unterwegsbahnhöfe und Knotenbahnhöfe.
Bahnhofsanlagen können aus mehreren Teilen unterschiedlicher Funktion zusammengesetzt sein: so liegen z. B. Güter- oder Abstellbahnhöfe bei kleinen und mittleren Bahnhöfen meistens unmittelbar neben oder auch häufig direkt hinter dem Personenbahnhof. Vielen größeren und manchen mittleren Bahnhöfen ist oder war ein Bahnbetriebswerk angeschlossen. In den größten Eisenbahnkomplexen sind oft mehrere Bahnhöfe unterschiedlicher Funktion getrennt voneinander angelegt, zum Beispiel in Mannheim der Hauptbahnhof und der Rangierbahnhof.
In den Anfangsjahren der Eisenbahn wurden Bahnhöfe in Deutschland häufig an großen Flüssen angelegt, um den Bahntransport mit dem gut ausgebauten Flusstransportverkehr zu verbinden. Nachdem die ersten Knotenpunkte der Eisenbahnen entstanden, wurde die Forderung nach der Projektierung der Bahnhöfe unter logistischen Gesichtspunkten gestellt. Der Ingenieur und Direktor der sächsischen Eisenbahnverwaltung Max Maria von Weber stellte dazu die ersten verbindlichen Regeln auf, die später allgemein anerkannt wurden.
Außer für einige positive Gegenbeispiele bedeuteten die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg für die Bahnhofskultur der meisten Länder wenig Gutes. Baumasse verfiel aus Geldmangel, Neubauten wurden oft in fragwürdiger architektonischer und baulicher Qualität errichtet oder "autogerecht" in schlechte Lagen verlegt, mit historischen Gebäuden wurde lieblos umgegangen. So blieb beispielsweise in der Gleishalle von Frankfurt (Main) Hbf 60 Jahre lang die 'provisorische' Bretterverkleidung des halben Daches erhalten.
In der Fläche verfielen Bahnhöfe zusehends. Die teilweise oder ganz funktionslos gewordenen Empfangs- und Dienstgebäude wurden meistens keiner Nachnutzung zugeführt.
Neubauten größerer Bahnhöfe gab es zwar nur wenige; sie erfolgten meistens an neuen Strecken des Hochgeschwindigkeitsverkehrs oder an Flughäfen. Vereinzelt werden Bahnhöfe auch durch Neubau geringfügig verlegt. Häufiger waren Ersatzneubauten an Stelle alter Gebäude, häufig unter Einbeziehung historischer Bausubstanz. Die mit Abstand häufigste Baumaßnahme ist die (finanziell meistens extrem aufwändige) Grundsanierung historischer Bahnhöfe, meistens unter völliger Entkernung, die mit einem Neubau vergleichbar ist. Nach Jahrzehnten der Unterfinanzierung wird in den 1990ern und Anfang des 21. Jahrhunderts in zahlreichen Ländern eine beispiellose Reihe von Kraftakten unternommen, um den Investitionsrückstau zu beseitigen.
Bei Neubauten oder Sanierungen werden in Bahnhöfen nahezu immer große Vermarktungsflächen geschaffen. Große Bahnhöfe erwirtschaften für ihre Betreiber heute vor allem Geld als Gewerbeimmobilie, weniger als Verkehrsstation. In Extremfällen wie z.B beim Leipziger Hauptbahnhof wurden Bahnhöfe von Einkaufszentrenbetreibern übernommen.
Die Entwicklung in der Fläche ist von Rationalisierungsmaßnahmen geprägt. Besonders bei privatisierten Eisenbahnen (z.B. DB), aber nicht nur dort (auch z.B. bei den SBB) werden die Gleisanlagen vieler in- und ausländischer Bahnhöfe stark verkleinert beziehungsweise vom Bahnhof zum Haltepunkt zurückgebaut. Die Besetzung von Bahnhöfen mit Personal endet häufig durch den Anschluss von Strecken an zentral gesteuerte elektronische Stellwerke. Fahrkarten werden danach ausschließlich von Automaten verkauft, wenn überhaupt; Sicherheit und Sauberkeit sollen durch Videoüberwachung gesichert werden.
Auf der anderen Seite werden auch und gerade in der Fläche mit enormem Aufwand Bahnhöfe saniert. Dabei werden Bahnsteige auf Standardhöhe gebracht, um den niveaugleichen Einstieg in Niederflurfahrzeuge zu ermöglichen, Aufzüge oder Flachrampen werden gebaut, um die Bahnsteige barrierefrei zugänglich zu machen, und wo es vorher höhengleiche Gleisquerungen gab, werden neue Unterführungen gebaut.
| Platz | Name | Anzahl der Reisenden und Besucher pro Tag | Züge des Fern- verkehrs pro Tag | Züge des Nah- verkehrs pro Tag | Anzahl Bahnsteige | Anzahl Gleise |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Hamburg Hauptbahnhof (S-Bahn/U-Bahn) | | | | | |
| 2. | Frankfurt (Main) Hauptbahnhof (S-Bahn/Stadtbahn) | | | | | |
| München Hauptbahnhof (S-Bahn/U-Bahn) | | | | |||
| Berlin Hauptbahnhof * (S-Bahn/U-Bahn) | | | | |||
| 5. | Hannover Hauptbahnhof (S-Bahn/Stadtbahn) | | | |||
| Düsseldorf Hauptbahnhof (S-Bahn/Stadtbahn) | | | | | | |
| Köln Hauptbahnhof (S-Bahn/Stadtbahn) | | | | | | |
| 8. | Stuttgart Hauptbahnhof (S-Bahn/Stadtbahn) | | | | | |
| 9. | Berlin Zoologischer Garten (S-Bahn/U-Bahn) | | | | | |
| 10. | Essen Hauptbahnhof (S-Bahn/Stadtbahn) | | | | | |
| 11. | Leipzig Hauptbahnhof (S-Bahn) | | | | |
Quelle: DB-AG http://www.bahnhof.de
*Der Berlin Hauptbahnhof welcher am 28. Mai 2006 eröffnet wurde, ist hier noch mit den vorläufigen Werten aufgeführt (Zudem wurde der noch nicht eröffnete U-Bahnsteig und die S-Bahngleise mit in die Bahnsteigzählung einbezogen). Da der Hauptbahnhof Berlin die Fernverkehrsverbindungen und einige Nahverkehrsverbindungen der Berliner Bahnhöfe Zoo und Ostbahnhof (120.000 Reisende täglich) aufnahm, wird dieser laut Schätzung der DB AG nach seiner Eröffnung von ca. 300.000 Reisenden frequentiert werden.
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