Bagamoyo zählt zu den ältesten Orten im ostafrikanischen Staat Tansania. Die Gründung Bagamoyos reicht bis ins 8.-9. Jahrhundert zurück. Bagamoyo war die erste Hauptstadt von Deutsch-Ostafrika und einer der bedeutendsten Handelshäfen an der ostafrikanischen Küste. Seit dem 1. Juli 2005 ist Bagamoyo offiziell eine Stadt mit gegenwärtig ca. 35.000 (Stand 1. Januar 2005) Einwohnern und Hauptstadt des großen Bayamoyo-Districts. Bagamoyo ist mit seinen Bauzeugnissen als Teil eines neuen Weltkulturerbes "Ostafrikanische Sklavenroute" vorgeschlagen.
Bagamoyo liegt auf 6° 26’ südlicher Breite und 38° 54’ östlicher Länge. Die Stadt liegt 75 km nördlich von Dar es Salaam an der Westküste des Indischen Ozean gegenüber der Insel Sansibar.
Die Geschichte von Bagamoyo ist vor allem durch persische, arabische, indische und pakistanische Händler, durch christliche Missionare und Entdecker und durch die deutsche Kolonialregierung beeinflusst worden.
Bereits im 8.-9. Jahrhundert haben sich in der Gegend um Bagamoyo Shirazi (aus Persien stammend) niedergelassen.
Im 14. Jahrhundert siedelten sich hier weitere Shirazi an, nachdem Mongolen 1352 die persische Staat Shiraz erobert hatten.
Die Kaole-Ruinen rund 5 km südlich von Bagamoyo, mit Überresten von zwei Moscheen und einigen Grabstätten, lassen sich auf das 13. Jahrhundert zurückdatieren und zeigen die Bedeutung des Islam in dieser Region schon zu frühen geschichtlichen Zeiten.
Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war Bagamoyo ein kleiner unbedeutender Handelsort, in dem Fisch, Salz und Baumharze gehandelt wurden, die Bevölkerung aber vorwiegend aus Fischern und Kleinbauern bestand.
Ende des 18. Jahrhunderts wurde Bagamoyo ein Handelshafen für Elfenbein und Sklaven, die vom Hinterland aus den Regionen um Morogoro, den Tanganjikasee und Usambara herangeschafft und auf Boote nach Sansibar umgeladen wurden. Dies erklärt auch den heutigen Namen der Siedlung, denn Bagamoyo ("Bwaga-Moyo") bedeutet "Leg dein Herz nieder" auf Suaheli, weil die Sklaven, die auf Dhaus nach Sansibar verschleppt wurden, ihre Heimat niemals wiedersahen.
Als im Jahr 1840 der Sultan von Oman, Said ibn Sultan, seine Hauptstadt von Muscat nach Sansibar verlegte, wurde Bagamoyo das Tor der Araber zum Landesinnern.
Im Jahr 1873 wurde der Sklavenhandel offiziell abgeschafft, aber noch bis zum Jahrhundertwechsel wurden in Bagamoyo Sklaven verkauft und gehandelt.
Im Jahr 1868 überließen die Muslime von Bagamoyo den "Vätern des Heiligen Geistes" Land für die Errichtung einer Mission im Norden der Stadt, der ersten katholischen Missionsstation in Ostafrika. Dies geschah gegen den Widerstand der einheimischen Zaramo-Bevölkerung, der nach Intervention des französischen Konsul von Sansibar aber zuerst von Sultan Majid und nach 1870 vom Sultan Bargash niedergeschlagen wurde. Ursprünglich diente die Mission als Zuflucht für Kinder, die der Sklaverei entkommen waren; es entstand jedoch bald eine Kirche, eine Schule, außerdem Werkstätten und landwirtschaftliche Einrichtungen.
Bagamoyo war jedoch nicht nur Handelszentrum für Sklaven, Elfenbein und Kopra, sondern auch Ausgangspunkt für Expeditionen angesehener europäischer Forscher. Von Bagamoyo aus machten sie sich auf die Suche nach den Quellen des Nil und erforschten Afrikas Binnenseen. Zu ihnen gehörten zum Beispiel David Livingstone, Richard Francis Burton, John Hanning Speke, Henry Morton Stanley und James Augustus Grant.
Im Jahr 1891 wurde Bagamoyo deutsches Hauptquartier für Deutsch-Ostafrika. Im ersten Jahr des 1. Weltkrieges griffen britische Truppen von See her Bagamoyo an, überrannten die Deutschen und nahmen die deutsche Garnison ein.
Heute lebt Bagamoyo überwiegend vom Fischfang und von der Landwirtschaft. Dhau-Segelboote werden am Strand noch auf traditionelle Weise hergestellt. Die oberste Denkmalbehörde von Tansania hat Maßnahmen eingeleitet, die Baudenkmäler in und um Bagamoyo zu erhalten und die Stadt neu zu beleben. International bekannt ist heute das Bagamoyo College of Arts (“Chuo cha Sanaa”), an dem traditionelle tansanische Kunst, Tanz, Schauspiel und Musik gelehrt werden. Nach dem Neubau einer Straße von Dar es Salaam nach Bagamoyo steht das 21. Jahrhundert auch im Zeichen des aufkommenden Tourismus. Viele neue Hotels stehen nicht nur Touristen für einen Strandurlaub, sondern auch für Tagungen zur Verfügung.
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