Der Begriff Badekultur bezieht sich auf das Baden in warmem oder kaltem Wasser, das in erster Linie der Reinigung dient, aber auch der Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens. Das Dampfbad, heute zur Sauna gezählt, diente ebenfalls diesem Zweck. Die Ursprünge der europäischen Badekultur liegen in der Antike, als öffentliche Badehäuser auch eine wichtige soziale Funktion hatten. In der Neuzeit ist die Badekultur eng mit der Entstehung von Kurorten mit Thermalquellen sowie Seebädern verbunden. Über private Badezimmer verfügte die große Masse der europäischen Bevölkerung erst ab dem 20. Jahrhundert. Die Bedeutung des Bades in verschiedenen Epochen war immer eng mit den jeweils herrschenden Vorstellungen von Hygiene verknüpft.
Im weiteren Sinne werden auch „Bäder“ in feuchter Luft (z. B. in Salzstollen), in Licht (Sonnenbad) oder in Schlamm oder Heu zur Badekultur gezählt. Alle Formen des Badens dienen auch dazu, die Haut äußeren Reizen auszusetzen. Cranach_Jungbrunnen.jpg
Die Römer entwickelten die Badekultur der Griechen weiter. 305 v.Chr. besaß Rom die erste große Wasserleitung (Aqua Appia), und zu dieser Zeit wurde bereits ein öffentliches Bad eingerichtet. Im 4. Jahrhundert gab es allein in Rom zirka 900 öffentliche Bäder. Reiche Römer besaßen jedoch auch ein eigenes Badezimmer. Die öffentlichen römischen Bäder wurden von Angehörigen aller Klassen besucht; für Arme gab es auch kostenlose Badestuben.
Caracalla_innen.JPG Jedes Badehaus verfügte über Umkleiden, einen Schwitzraum, ein Warmbad, einen mäßig warmen Raum und ein Kaltbad. Beheizt wurden die Anlagen mit Fußbodenheizungen. Der Ablauf eines Bades war genau festgelegt. Nach dem Ablegen der Kleider gingen die Besucher in Holzschuhen, mit Badeutensilien und Handtuch zunächst in den Kaltbaderaum (frigidarium), um sich zu reinigen. Danach folgte ein Warmbaderaum mit einer Raumtemperatur von 20 bis 25 Grad Celsius, in dem es Bänke und Wasserbecken gab. Hier konnte man sich auch von Bediensteten einölen und massieren lassen. Der zentrale Raum war das Warmbad (caldarium) mit einer Temperatur von ca. 50 Grad. Wegen der Fußbodenheizung mussten die Besucher Holzschuhe tragen, um sich nicht die Füße zu verbrennen. Hier gab es mehrere Gemeinschaftswannen. An das Warmbad schloss sich noch ein Schwitzraum (sudatorium) mit Bänken an, also eine Sauna. Den Abschluss des Bades bildete wieder das Kaltbad mit mehreren Becken.
Große Badeanlagen verfügten über weitere Räume wie Sport- und Spielhallen, Geschäfte und Lokale. Beim Bad in der Antike spielte auch die gesellige Unterhaltung eine große Rolle. In den Thermen von Kaiser Diokletian sollen 3000 Badewannen aus Alabaster gestanden haben sowie 2400 Marmorsessel. Die Thermalbäder des Marcus Vipsanius Agrippa waren rund 14.500 m² groß; in seinem Testament vermachte er sie dem römischen Volk. Sehr bekannt sind auch die Caracalla-Thermen in Rom sowie die Thermen in Pompeji. Die Kaiser Caligula und Nero leiteten mit großem Aufwand Meerwasser durch Aquädukte in die Bäder. Das letzte römische Thermalbad entstand 324 n.Chr. unter Kaiser Konstantin.
Dieses Badewesen breitete sich mit dem römischen Einfluss bald in anderen Ländern aus. Auf deutschem Boden sind u. a. in Trier und in Aachen die Überreste römischer Bäder zu sehen, auch die Kurorte Baden-Baden und Wiesbaden sind römische Gründungen. Die Römer nutzten zahlreiche Heilquellen innerhalb ihres Herrschaftsbereichs. Der berühmteste antike Badeort war Baiae am Golf von Neapel, der u. a. von den Kaisern Caligula, Nero und Hadrian geschätzt wurde.
Bei der Eroberung Roms durch die Goten im Jahr 537 wurde das gesamte Wasserleitungssystem zerstört, so dass die Thermen nicht mehr betrieben werden konnten. Mit dem Zerfall des Römischen Reiches setzte in ganz Europa dann der Niedergang der Bäder ein, während sie im Orient erhalten blieben. Erst die Kreuzfahrer entdeckten die Badekultur in den islamischen Ländern wieder und führten sie in Europa neu ein.
In Mitteleuropa entstanden im Gefolge der Kreuzzüge im Hochmittelalter Badestuben, in denen zwar offiziell Geschlechtertrennung galt, in der Praxis aber meistens gemischt gebadet wurde, und zwar im selben Becken.
Bader.jpg Das Bad begann mit der Körperreinigung, erst danach folgte das Schwitzen. Nicht jeder Badegast stieg auch in die Badewanne, denn ein Wasserbad war wesentlich teurer als ein Schwitzbad. Die Lauge für die Reinigung wurde gewonnen, indem man Wasser über Asche goss; Seife kam erst später auf. Der Wasserdampf in der Schwitzstube wurde durch das Übergießen heißer Kieselsteine erzeugt. Die Öfen wurden mit Holz geheizt; sie heizten nicht nur den Baderaum, sondern dienten auch zum Erwärmen des Badewassers in Kupferkesseln. Wasserleitungen gab es nicht. Außerdem lagen auf dem Ofen die Kieselsteine. Für das Schwitzbad setzte man sich auf Holzbänke, die wie in modernen Saunen in unterschiedlicher Höhe angebracht waren; während des Schwitzens benutzten die Badegäste Wedel oder Ruten, mit denen sie sich auf den Körper schlugen, um das Schwitzen zu fördern. Vermögendere Gäste ließen sich von „Reibern“ oder „Reiberinnen“ auf den Bänken Schweiß und Schmutz kräftig abreiben, die anderen mussten das selbst besorgen. Zum Abschluss des Schwitzbades wurde der Körper mit Wasser übergossen. Häufig ließ sich der Badegast danach das Haar waschen und eine Rasur vornehmen, zum Schluss wurde auf Wunsch noch geschröpft oder zur Ader gelassen. Das Schröpfen soll die Haupteinnahmequelle der Bader gewesen sein.
Die Wannen in den Badehäusern waren aus Holz, Kupfer oder Messing. Häufig wurde das Wasser darin erwärmt, indem heiße Kieselsteine in die Wanne gelegt und dann Wasser darüber gegossen wurde. Deshalb saßen die Badegäste meistens nicht direkt in der Wanne, sondern auf einem Schemel, der darin stand; oft gab es auch noch eine Fußbank. Dem Wasser wurden auf Wunsch diverse Kräuter zugefügt.
In größeren Badehäusern gab es noch eine Vorstube, einen Ruheraum und eine Küche, denn den Badegästen wurden auf Wunsch auch Speisen und Getränke serviert. Die Bader und die Knechte trugen im Allgemeinen bei ihrer Arbeit eine Art Schurz, der Vortüchel genannt wurde, die Bademägde ein hauchdünnes Hemd. Die Badegäste waren im Schwitzbad auf jeden Fall völlig nackt, im Wasserbad gab es für Frauen ein Kleidungsstück namens Badehr. Dabei handelte es sich um eine leichte Schürze, die um den Hals gebunden wurde und den Rücken frei ließ. Männer trugen teilweise Badhemden.
Der Besuch im Badehaus galt für Wohlhabende als Vergnügen, es wurde im Wasser gegessen und getrunken, nicht selten auch angebandelt. Der Beruf des Baders galt nicht ganz umsonst als unehrenhaft, wurde er doch nicht nur als Barbier und Chirurg tätig, sondern gegen Bezahlung auch als Kuppler und Heiratsvermittler. In den Badestuben gab es oft auch Betten zum Ruhen nach dem Bad. Sie gerieten in den Ruf, heimliche Bordelle zu sein, einige waren es auch. Die Kirche wetterte lange Zeit vergebens gegen diese Sitten. Priestern wurde es grundsätzlich verboten, eine öffentliche Badestube aufzusuchen.
Die Blütezeit der Badehäuser war im 12. und 13. Jahrhundert. In weiten Kreisen der Bevölkerung erfreute sich das gemeinschaftliche Baden großer Beliebtheit, nicht nur wegen der Hygiene, sondern auch vor allem wegen des Unterhaltungswerts. Es entstand u. a. die Sitte des Hochzeitsbades; dabei wurde der Bräutigam von mehreren Männern ins Badehaus begleitet, die Braut von anderen Frauen. In der Trauerzeit war das Baden aus religiösen Gründen untersagt.
Heilbad_Plombieres.JPG In den Kurbädern ging es offenbar genauso gesellig zu wie in den Badehäusern. Ein Italiener berichtete 1417 über den Ort Baden im Kanton Aargau (Schweiz): „In der Morgenfrühe waren die Bäder am beliebtesten. Wer nicht selbst badete, stattete seinen Bekannten Besuche ab. Von den Galerien herab konnte man mit ihnen sprechen und sie an schwimmenden Tischen essen und speisen sehen. Schöne Mädchen baten um 'Almosen', und warf man ihnen Münzen hinab, so breiteten sie die Gewänder aus, die Münzen aufzufangen und dabei ihre Reize zu enthüllen. Blumen schmückten die Oberfläche des Wassers, und oft hallten die Gewölbe wider vom Saitenspiel und Gesang. Mittags an der Tafel ging nach gestilltem Hunger der Becher solange um, wie der Magen den Wein vertrug, oder bis die Pauken und Pfeifen zum Tanze riefen.“ (Zitat aus: Vladimir Krizek, Kulturgeschichte des Heilbades, Stuttgart 1990) Im 16. Jahrhundert gewannen in Deutschland Bad Kissingen, Bad Ems, Bad Schwalbach und Wiesbaden an Bedeutung, in Österreich das Gasteiner Wildbad, Leuk in der Schweiz und Spa in Belgien. In dieser Zeit erschienen mehrere Schriften von Medizinern zur Bedeutung heilender Quellen. Die meisten Kurorte verdienten zu dieser Zeit den Namen „Bad“ allerdings noch nicht, denn sie waren überhaupt nicht auf die Beherbergung großer Gästescharen eingerichtet; auch Kurhäuser waren zu dieser Zeit die Ausnahme. Als 1674 Hans Carl von Thüngen zur Erholung nach Ems kam, bestand der Ort aus wenigen ärmlichen Häusern; die Gäste wurden in Zelten untergebracht. Erst 1715 wurde das Kurhaus erbaut.
Gekurt wurde damals nach dem Motto „viel hilft viel“. Die Patienten saßen täglich etwa zehn bis zwölf Stunden im Bad, meist in einem Zuber oder einem so genannten Badekasten - bis die Haut wund war und zu eitern begann. Diese Wirkung, Hautfresser oder Beize genannt, war durchaus erwünscht, denn man glaubte, dass das heilende Wasser nur durch die „offene Haut“ richtig in den Körper eindringen könne.
Das englische Bath entwickelte sich im 18. Jahrhundert zum größten Badeort in Europa. Während der Hauptsaison - im Herbst und Winter - kamen damals etwa 8000 Gäste in den Ort. Das lag nicht nur an den heilenden Quellen, sondern nicht zuletzt an dem reichhaltigen Unterhaltungsangebot, das im Laufe der Jahre hier entstanden war. Man beschäftigte sogar einen eigenen Zeremonienmeister, der den Titel „König von Bath“ führte und für den geregelten Ablauf des gesellschaftlichen Lebens zuständig war.
Im 19. Jahrhundert kam der Aufschwung im böhmischen „Bäderdreieck“ mit Karlsbad, Franzensbad und Marienbad, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte. 1860 kamen immerhin 10.000 Kurgäste allein nach Karlsbad. Die böhmischen Kurorte gehörten zu den ersten, die Moorbäder einführten, vergleichbar mit Fango. Um 1900 dann galt Wiesbaden als „Weltbad“ mit jährlich rund 136.000 Besuchern, gefolgt von Baden-Baden mit ca. 72.000.
Um 1900 gab es in Deutschland über 300 Kurorte (ohne Seebäder) mit insgesamt etwa 600.000 Gästen pro Jahr.
Das Trinken von Heilwasser wurde bei den Wohlhabenden so beliebt, dass man im 17. Jahrhundert begann, das Brunnenwasser in Krüge abzufüllen und zu verschicken. Am populärsten war lange Zeit das Wasser aus Niederselters in Hessen. Die Nachfrage nach diesem Selterswasser war so enorm, dass an manchen Tagen bis zu 18.000 Krüge abgefüllt und versandt wurden, zum Teil auch ins Ausland. Einen guten Ruf besaß auch das Mineralwasser aus Fachingen und das aus Bad Ems. In Frankreich war der Badeort Vichy als Mineralwasser-Lieferant führend; hier wurden 1860 ca. 1,5 Millionen Flaschen gefüllt.
Da das abgefüllte Mineralwasser nicht ganz billig war, kamen Mediziner auf die Idee, künstliches Heilwasser herzustellen. Der entscheidende Durchbruch gelag dem deutschen Arzt und Apotheker Friedrich Adolph August Struve. Es gelang ihm, verschiedene Wasser chemisch zu analysieren und auch deren Geruch und Geschmack zu imitieren. Im Jahre 1820 eröffnete er eine eigene Mineralwasser-Anstalt in Dresden. Ähnliche Anstalten entstanden danach u. a. in Leipzig, Berlin und Brighton. Ihnen wurden - wie in den Kurorten - Trink- und Wandelhallen angegliedert, Kurkapellen wurden engagiert.
1787 schrieb Johann Wilhelm von Archenholtz in einem Reisebericht über England: „Das Seebaden ist jetzt in England sehr Mode geworden, daher man viele an der See gelegene Orte dazu einrichtet und mit großen Bequemlichkeiten versehen hat. Es sind sogar im Meere, in einiger Entfernung vom Ufer, Häuschen auferbaut worden, die bloß zum Baden dienen. Seit wenigen Jahren werden diese Plätze von der feinen Welt erstaunlich gesucht. Die vornehmsten derselben sind: Brightelmstone, Margate, Weymouth und Scarborough.“ (Zitat aus: Horst Prignitz, Wasserkur und Badelust, Leipzig 1986)
Das älteste französische Seebad ist Dieppe, das schon 1776 ein so genanntes Gesundheitshaus besaß. Im 19. Jahrhundert wurde es jedoch von Biarritz als mondäner Badeort der besseren Gesellschaft überflügelt. In Deutschland setzten sich u. a. der Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg und der Arzt Christoph Wilhelm Hufeland für die Einrichtung von Kurbädern am Meer ein. Am 9. September 1793 wurde das erste deutsche Seebad auf Anregung des Mediziners Samuel Gottlieb Vogel und auf Betreiben des Herzogs Friedrich Franz I. von Mecklenburg in Heiligendamm bei Bad Doberan an der Ostsee eröffnet, 1797 folgte Norderney. 1801 erhielt Travemünde seine erste Badeanstalt. Ihm folgte u. a. Cuxhaven 1816 auf Veranlassung von August Amandus Abendroth. Westerland_1900.JPG
Frühe Nordseebäder:
Frühe Ostseebäder:
Das Baden im Meer war damals etwas völlig Neues, und die Moralvorstellungen der Zeit erforderten natürlich die strikte Geschlechtertrennung sowie den Körper verhüllende Badekostüme, obwohl die Ärzte das Nacktbaden als wirksamer empfahlen. Damit nicht genug, wurden auch hier Badeboote mit "Aalkästen" eingeführt, außerdem Badekarren, die meist von Pferden ins Wasser gezoge wurden und für sittsames Badevergnügen sorgten. In manchen Nordseebädern dienten diese Karren noch bis ins 20. Jahrhundert hinein als mobile Umkleidekabinen.
Im 19. Jahrhundert wurde die Kur endgültig zur Mode der feinen Gesellschaft, inklusive des gehobenen Bürgertums. Die große Masse der Bevölkerung blieb von diesem Vergnügen zunächst ausgeschlossen.
Auch in England und Frankreich wurde die Hydrotherapie im 18. Jahrhundert zunehmend bekannt. Wirklich populär wurde die Wasserkur aber durch einen medizinischen Laien, durch Vincenz Prießnitz aus dem schlesischen Gräfenberg, der nicht einmal eine Schulbildung genossen hatte. Seine Eltern hatten einen Bauernhof, und er kannte den Einsatz von kalten Umschlägen bei Pferden und Rindern. Nach einem Sturz vom Pferd wandte er die Methode erfolgreich bei sich selbst an und erwarb sich schon mit 19 Jahren einen Ruf als „Wasserdoktor“. 1826 baute Prießnitz eine Wasserheilanstalt in Gräfenberg, was den Unmut mehrerer Ärzte hervorruf, die ihn als „Kurpfuscher“ anklagten, der nicht die Berechtigung zur Behandlung habe. 1829 erhielt er jedoch von der österreichischen Regierung die offizielle Erlaubnis, Kranke aufzunehmen. Von nun an behandelte Prießnitz nahezu alle Krankheiten außer Epilepsie und Tuberkulose mit Wasserkuren. Außerdem verbot er alle Genussmittel und verordnete Bewegung. Innerhalb weniger Jahre zog seine Heilanstalt Tausende von Patienten aus dem In- und Ausland an.
Wassertreten.JPG Es entstanden sehr bald weitere Wasserheilanstalten zum Beispiel in Elgersburg in Thüringen , in Ilmenau, Bad Liebenstein, Bad Laubach bei Koblenz im Jahre 1841, Sonneberg, Rostock, in Albisbrunn (Schweiz), Paris, Rotterdam und Sankt Petersburg. Der „Wasserpapst“ des 19. Jahrhunderts aber wurde der Priester Sebastian Kneipp, der die Hydrotherapie ebenfalls zunächst am eigenen Leib erprobte. Er verwandelte die Waschküche des Klosters in Bad Wörishofen in ein Badehaus und galt bald ebenfalls als „Wasserdoktor“. 1886 veröffentlichte er sein Buch Meine Wasserkur, das innerhalb weniger Jahre 50 Auflagen erlebte. Kneipp setzte bei seiner Kneippkur vor allem auf die Wirkung von Wassergüssen und das Wassertreten. Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Mitteleuropa über 100 größere Wasserheilanstalten unter ärztlicher Leitung, von denen einige sich bereits Kneippbad nannten.
Badeschiff_Kohl.jpg 1793 folgte Hamburg diesem Beispiel und installierte ein Badefloß auf der Binnenalster in der Nähe des Jungfernstiegs. Es war täglich von 5 bis 22 Uhr geöffnet und bis 1810 in Betrieb. Seine Nachfolge trat noch im gleichen Jahr ein Badeschiff an. In Frankfurt/M. wurde im Jahre 1800 das wohl luxuriöseste deutsche Badeschiff in Betrieb genommen. Besitzer war der Arzt Johann Gottfried Kohl. Darauf gab es acht eingerichtete Badezimmer, auch eines für Familien, sowie einen Salon. Der Betreiber schrieb damals: „Man tritt vom Ufer auf zwei kleinen Brücken hinein. Rund um das Badehaus läuft eine bedeckte Galerie. Diese führt in ein Vorzimmer und acht nett möblierte Badezimmer (...) In der Nähe ist für die Gäste eine schöne Esplanade angelegt, wo sie vor und nach dem Bade Mineralwasser trinken und lustwandeln können.“ (Zitat aus: Horst Prignitz, Wasserkur und Badelust, 1986)
Gymnase_Nautique_Paris.JPG Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden dann die ersten öffentlichen Badeanstalten in Gebäuden. Vorher behalfen sich die Menschen in Großstädten z.B. mit mobilen Bädern. Ein Franzose ließ sich 1822 einen Badekarren mit Wanne patentieren, in den ein Heizofen eingebaut war. Im Jahre 1836 gab es in Paris über 1000 Besitzer solcher Karren, die heiße Wannenbäder verkauften. Aber auch diesen Luxus konnten sich natürlich nur die Begüterten leisten. Dem einfachen Volk blieben zumindest im Winter nur Holzzuber und Waschschüssel.
Im 18. Jahrhundert wurde in England und Deutschland eine neue Form des Schwitzbades eingeführt, das russische Dampfbad. In Deutschland entstand das erste 1781 in Berlin. Wesentlich bekannter wurde das Mariannenbad, das 1818 dort eröffnet wurde. In der Folge entstanden solche Bäder in vielen deutschen Städten und auch in Wien und Prag. Ein solches Dampfbad ließ auch Friedrich der Große in seinem Schloss in Potsdam einrichten. Eine Variante des Hammam wurde in Deutschland als irisch-römisches Bad bezeichnet und zum Beispiel in Baden-Baden eingeführt; in Großbritannien hießen diese Dampfbäder dagegen Turkish Bath (türkisches Bad).
Die ersten modernen Volksbäder entstanden in England. Wegweisend war eine 1842 in Liverpool eröffnete öffentliche Bade- und Waschanstalt für die arbeitende Klasse, die 28 Badekammern hatte sowie zwei Schwimmbecken und ein Wäschehaus. London folgte diesem Beispiel.
Das erste deutsche Volksbad entstand 1855 in Hamburg am Schweinemarkt. Es verfügte über 65 Badewannen und 56 Waschstände zum Wäschewaschen. Finanziert wurde der Bau mit Hilfe von Aktien und Spenden reicher Bürger. 1860 eröffnete in Magdeburg die erste öffentliche Badeanstalt mit einem Schwimmbecken. Die damals größte Einrichtung dieser Art war das Dianabad in Wien mit 104 Kabinen. Außerdem gab es in der Stadt vor 1875 drei weitere große Bäder. Die erste belgische Badeanstalt gab es in Brüssel (1854), die erste der Schweiz in Basel (1866).
Meyers Konversationslexikon von 1889 berichtet: „Seit 25 Jahren sind auch in Deutschland Badeanstalten errichtet worden, zunächst die nach englischem Vorbild, jedoch ohne Schwimmbad gegründete Wasch- und Badeanstalt in Hamburg und nach ähnlichen Prinzipien die mit Schwimmbädern, Wannenbädern und Waschständen versehenen Aktienunternehmungen in Berlin.“ Dort hatten tatsächlich nur die beteiligten Aktionäre die Möglichkeit, ein Bad zu nehmen. „Das für Gesunde und zu Kurzwecken bestimmte Admiralsgartenbad enthält außer einer Abteilung für Wannenbäder erster und zweiter Klasse mit über 100 Zellen eine Abteilung für römisch-irische, russische, Douche- und Krankenbäder sowie ein großes (...) mit Eisen und Glas überdachtes Schwimmbasin.“
Die Ausstattung der verschiedenen Bäderarten beschreibt Meyers Konversationslexikon wie folgt: „Die Wannenbäder, welche entweder mit Metall- oder gemauerten Wannen und gewöhnlich mit Brausen versehen sind, werden meist in größerer Zahl innerhalb eines größern Raums von ca. 3 m Höhe durch ca. 2 m hohe (...) Zwischenwände (...) abgeschieden (...). Ein Tisch, Stühle, ein kleines Sofa etc. vervollständigen die innere Ausstattung. Werden diese Wannenbäder geräumiger angelegt und mit mehr Eleganz und Komfort ausgestattet, so erhalten dieselben den Namen Salonbäder. (...) Die Reinigungsbäder, welche das Bedürfnis nach Erfrischung und gründlicher Reinigung des Körpers auf die einfachste, Zeit, Raum und Kosten ersparende Weise befriedigen sollen, bestehen meist aus reichlich temperierten (...) Fußbädern (...) nebst darüber angebrachten Brausen. Die Douchebäder (...) enthalten meist eine Auswahl verschiedener kalter und warmer Douchen, welche als Regen- und Schlauchdouchen und hierbei als sogen. Kopf-, Seiten- und Sitzdouchen von oben, von allen Seiten und von unten wirken.“
Volksbrausebad.jpg Den öffentlichen Durchbruch, was die Akzeptanz solcher Einrichtungen angeht, schaffte der Berliner Dermatologe Oskar Lassar, der 1874 den Berliner Verein für Volksbäder gründete, dessen Motto lautete: „Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad!“ Damit waren keine Wannen-, sondern in erster Linie Brausebäder gemeint; heute spricht man allgemein vom Duschen. Der entscheidende Erfolg bei der Durchsetzung des Volksbrausebads kam mit der Berliner Hygieneausstellung im Jahre 1883. Lassar hatte dort eine 8 mal 5 Meter große Wellblechbude aufgebaut mit insgesamt zehn Duschzellen für Frauen und Männer. Hier konnte jeder während der Ausstellung für 10 Pfennig ein Brausebad nehmen inklusive Seife und Handtuch. Die Wassertemperatur betrug allerdings nur etwa 28 Grad Celsius, war also eher lau als warm. Die Nachfrage war außerordentlich überzeugend. In der Zeit vom 10. Mai bis zum 30. Juli nutzten insgesamt 7300 Personen das Angebot.
1887 wurde in Wien das erste reine Volksbrausebad ohne Badewannen eröffnet.
Im Spätmittelalter, der Blütezeit der mittelalterlichen Badekultur, gehörte das gemeinsame Bad in Adelskreisen zum Hofzeremoniell. Eduard IV. von England empfing 1472 den Gesandten des Herzogs von Burgund im Bad. Es war ein Zeichen der Gastfreundschaft, die Gäste vor einem Festmahl zum Baden einzuladen. Und es kam beim Adel regelrecht in Mode, im Badezuber Besuch zu empfangen. Das Schamgefühl dieser Zeit war noch nicht sehr ausgeprägt. Die Adelssitze verfügten auch über separate Schwitzbäder. Die herrschaftlichen Baderäume waren teilweise sehr kostbar ausgestattet, etwa die von Philipp II. von Baden, der ein großes verzinntes Badebecken mit Bänken besaß.
Doch Ende des 16. Jahrhunderts kam vorerst das Aus für die Badekultur in Mitteleuropa. Die Körperpflege beschränkte sich auf Gesicht, Hände und Füße, wenn sie überhaupt noch stattfand. Nur als Teil einer ärztlichen Kur wurde noch gebadet. Stattdessen führten der Adel und die Patrizier die Unterwäsche ein, die den Schweiß (und den Schmutz) aufnahm und häufig gewechselt wurde. Der französische Arzt Louis Savot schrieb 1624: „Wir können eher auf das Baden verzichten als unsere Vorfahren, weil wir Leibwäsche verwenden, die uns hilft, den Körper auf bequemere Art sauberzuhalten, als es die Bäder und Dampfbäder der Vorfahren vermochten (...)“. (Zitat aus: Francoise de Bonneville, Das Buch vom Bad, 1998)
An die Stelle des Badens trat im 17. Jahrhundert also die „Toilette“, d. h. pudern, parfümieren und schminken, bei Frauen wie Männern. Man brauchte nun kein Badezimmer mehr, ein so genannter Toilettentisch im Schlafzimmer reichte. Dennoch wurden in den Schlössern weiterhin luxuriöse Bäder eingerichtet, aber nur zur Repräsentation. Im Schloss von Versailles soll es über 100 Badewannen gegeben haben. Die meisten dürften zur Zeit Ludwig XIV. so gut wie nie benutzt worden sein. Das änderte sich unter Ludwig XV.. Auf einmal kam das Baden wieder in Mode, und man hielt im Bad hof. Die französische Schriftstellerin Madame de Genlis (1746-1830) berichtet in ihren Memoiren: „1776 badete ich in Rom oft jeden Abend. Sobald ich mich im Bad befand, rief man den Kardinal de Bernis herbei, der mit seinen Neffen kam. Dann unterhielten wir uns eine Dreiviertelstunde.“ (Zitat aus: Francoise de Bonneville, Das Buch vom Bad, 1998)
Schaukelbadewanne.JPG Die Dusche war schon im 16. Jahrhundert bekannt. Michel de Montaigne berichtete 1581 von einem Aufenthalt in Italien: „Man hat auch einen Tropfapparat, der la doccia genannt wird. Er besteht aus Rohren, durch die heißes Wasser auf verschiedene Körperteile, besonders auf den Kopf, geleitet wird; das Wasser ergießt sich in stetigen Strömen auf dich (...) Das Wasser stammt aus einer Quelle (...)“. (Zitat aus: Alev Lytle Croutier: Wasser. Elixier des Lebens, 1992). Im 17. Jahrhundert waren Duschbäder mit warmem Thermalwasser Teil der Kuranwendungen in Aachen. Es wurde nach oben in ein Reservoir gepumpt, von wo es als Guss auf die Badegäste niederging. Ab 1870 wurden verschiedene moderne Duschapparate entwickelt, für die damals der Ausdruck Brause üblich war.
Im 18. Jahrhundert kamen die modernen Badewannen aus Metall auf, meist aus verzinntem Kupfer. Adlige Damen badeten wie Madame de Genlis damals gern in Gesellschaft im Salon; die Wannen waren nicht eingebaut, sondern mobil. Außerdem wurde die Sitzbadewanne eingeführt, die es auch in weitgehend geschlossener Form gab und die dann aussah wie ein Stiefel. In einem solchen Modell wurde Jean-Paul Marat ermordet. In Deutschland gab es dafür auch den Ausdruck Badestuhl; im 19. Jahrhundert gab es ihn auch mit einem eingebauten Ofen zum Erhitzen des Wassers sowie einer zusätzlichen Brause. Sitzwannen hatten den Vorteil, dass man für das Bad weniger Wasser brauchte. 1889 ließ sich Carl Dittmann eine Schaukelbadewanne patentieren, die etwa 20 Jahre lang sehr populär war. In ihr ließ sich das Wasser durch Hin- und Herschaukeln in ein „Wellenbad“ verwandeln.
Badezimmer_London_1895.JPG Ebenfalls im 18. Jahrhundert wurde in Frankreich das Bidet eingeführt und damals von Frauen und Männern zur Intimreinigung benutzt. Der wahrscheinlich prominenteste Bidetnutzer war Napoleon, der gleich mehrere Modelle besaß. In Deutschland, England und den USA konnte sich das Bidet dagegen nicht durchsetzen, denn in diesen Ländern galt sein Gebrauch als „unanständig“. In den USA hat sich daran bis heute nichts geändert.
Im 19. Jahrhundert wurde der Körperreinigung in England große Bedeutung beigemessen. Der Philosoph Hippolyte Taine schrieb um 1860: „In meinem Zimmer (...) (befinden sich) zwei Waschtische (..), dazu zwei Porzellanschüsseln (...) Außerdem ein dritter ganz niedriger Waschtisch, ein Eimer, eine weitere Schüssel, eine große flache Zinkwanne für die Wäsche am Morgen. (...) Der Diener kommt viermal täglich ins Zimmer: Morgens bringt er einen großen Eimer mit heißem Wasser (...) mittags und um sieben Uhr abends bringt er Wasser und alles, damit sich der Gast vor dem Mittag- und Abendessen waschen kann; abends (...) bereitet (er) die Wanne vor und erneuert die Wäsche (...)“. (Zitat aus: Francoise de Bonneville, Das Buch vom Bad, 1998)
Carl Larsson Summer Morning 1908.jpg, 1908]] Die gesamte Ausstattung wird noch in einem normalen Wohnraum untergebracht. Erst um 1900 werden in Bürgerhäusern auch separate Badezimmer eingerichtet, die eine Badewanne und ein Waschbecken enthielten. Um 1850 kamen die ersten Gasboiler auf den Markt; seit etwa 1870 gab es in den Städten auch fließendes Wasser. Während die englischen Badezimmer oft mit Holz verkleidet waren und noch ein Sofa und einen Tisch enthielten, waren die amerikanischen Bäder weiß gekachelt und sehr funktional. Dieser Stil setzte sich allmählich auch in Europa durch. Der Großteil der Bevölkerung musste jedoch bis ins 20. Jahrhundert hinein ohne Badewanne oder Dusche auskommen.
Das Badewasser ist in Japan wesentlich heißer als gewöhnlich in Mitteleuropa, die Temperatur beträgt 40 bis 55 Grad Celsius. Die Hitze gilt als Voraussetzung für völlige Entspannung. Sehr wichtig ist, sich vor dem Wannenbad gründlich mit Seife zu reinigen und abzuspülen, um das Badewasser nicht zu verunreinigen. Das eigentliche Bad dient also nicht der Reinigung, sondern dem sozialen Kontakt und dem Wohlbefinden. Bis zum 19. Jahrhundert verwendete man in Japan übrigens keine Seife, sondern rieb die Haut mit bestimmten Kräutern oder Reiskleie ab; das war gleichzeitig ein natürliches Peeling.
Vor dem 7. Jahrhundert badeten die Japaner höchstwahrscheinlich überwiegend in den zahlreichen Quellen im Freien, denn es gibt keine Hinweise auf geschlossene Bäder. Im 6. Jahrhundert (Nara-Periode) wurde die Religion des Buddhismus von China übernommen, was starke Auswirkungen auf die gesamte Kultur des Landes hatte. Zu jedem buddhistischen Tempel gehörte traditionell auch ein Badehaus (yuya) für die Mönche. Diese Badehäuser wurden im Laufe der Zeit auch für die übrige Bevölkerung geöffnet, denn das Prinzip der Reinheit spielt im Buddhismus eine große Rolle. Private Bäder besaßen aber nur die Wohlhabenden. Japanerin_badet.jpg Das erste öffentliche Badehaus wird 1266 erwähnt. In Tokio entstand das erste Sento im Jahre 1591. Die frühen Bäder waren Dampf- bzw. Schwitzbäder, genannt iwaburo (Steinbäder) oder kamaburo (Ofenbäder). Es handelte sich um natürliche oder künstliche Felsenhöhlen oder um steinerne Gewölbe. In den iwaburo entlang der Küste wurde das Gestein durch das Verbrennen von Holz erhitzt; dann goß man Meerwasser über die Felsen und erzeugte so Dampf. Der Eingang zu diesen "Badehäusern" war sehr klein, damit der Dampf nicht entwich. Es gab keine Fenster, so dass es im Innern sehr dunkel war und die Benutzer sich ständig räusperten oder hüstelten, um neu Eintretenden zu signalisieren, welche Plätze bereits besetzt waren. Die Dunkelheit ließ sich aber auch für sexuelle Kontakte nutzen, denn es gab keine Trennung nach Geschlechtern, und so kamen diese Bäder in Verruf. Sie wurden schließlich 1870 aus hygienischen und moralischen Gründen abgeschafft. Am Anfang der so genannten Edo-Periode (1603-1867) gab es zwei verschiedene Bädertypen. In Tokio (das damals Edo hieß) waren Heißwasser-Bäder (yuya) üblich, während es in Osaka Dampfbäder (mushiburo) gab. Zu dieser Zeit war weiterhin das gemeinsame Bad von Frauen und Männern die Regel. Bei den männlichen Besuchern, gerade auch bei den Samurai, sehr beliebt waren Badehäuser, die "Bademädchen" (yuna) beschäftigten, die den Gästen den Rücken schrubbten, die Haare wuschen etc. Einige boten gegen Bezahlung offenbar aber auch Liebesdienste an. 1841 wurde die Beschäftigung von yunas generell verboten, außerdem das gemeinsame Baden beider Geschlechter. Die Geschlechtertrennung wurde allerdings von den Betreibern der Badehäuser häufig missachtet, oder die Bereiche für Männer und Frauen wurden nur symbolisch durch eine Leine getrennt. Das zog erneute offizielle Verbote nach sich. Heute baden in fast allen Sento Männlein und Weiblein in getrennten Räumen. Es gibt mittlerweile auch Einzelwannen.
Tellak_Hammam.jpg Architektonisch ähneln Hammams den römischen Thermen, allerdings sind sie in der Größe stark reduziert. Im Innern gibt es im Wesentlichen drei Bereiche: den Umkleideraum, einen mäßig warmen Raum und einen heißen Raum. Es gibt grundsätzlich keine Seitenfenster, das Licht fällt durch ein Oberlicht in der Deckenkuppel. Die Badegäste in einem Hammam sind nicht nackt, sondern mit einem Tuch bekleidet, das dort ausgegeben wird. Für das Reinigungsritual sind meist männliche Bedienstete zuständig, die auf türkisch tellak heißen. Männer und Frauen baden stets getrennt, also in getrennten Hammams oder zu unterschiedlichen Zeiten.
Im mäßig warmen Raum mit etwa 35 Grad Celsius kann sich der Körper langsam an die Wärme gewöhnen. Danach geht es in den heißen Raum. Statt des römischen Wasserbeckens gibt es hier in der Mitte den so genannten Seifenstein oder Bauchstein, eine Art Liege aus Stein oder Marmor, die hypokaustisch beheizt wird. Entlang der gefliesten Wände gibt es kleine "Schwitznischen" und Wasserhähne, um den Schweiß abzuspülen; die Luft in diesem Raum ist heiß und feucht. In diesen Nischen sitzen die Badegäste dann nackt. Vor dem Schwitzen steht jedoch traditionell die Seifenmassage auf dem Seifenstein, die Sache des Tellak ist. Dabei wird die Haut nicht nur gründlich eingeseift, sondern auch mit einem Ziegenhaar-Handschuh abgerubbelt, ehe der Schaum abgespült wird.
Der Besuch eines Hammam diente in islamischen Ländern vor allem früher auch der sozialen Kontaktpflege und dem Austausch von Neuigkeiten; das Damenbad galt auch als "Heiratsbörse" - die Mütter hielten hier hautnah Ausschau nach einer geeigneten Braut für die Söhne. Die starke Verbreitung privater Badezimmer hat jedoch in den letzten Jahrzehnten zur Schließung vieler öffentlicher Badehäuser geführt; in der Türkei werden sie mittlerweile vor allem von Touristen besucht.
Siehe Hauptartikel: Mikwe
Mit dem zeitweiligen Untergang der Badekultur im 17. Jahrhundert verschwand sie auch aus der Malerei, um dann im 19. Jahrhundert als Sujet erneut überaus populär zu werden, und zwar sowohl bei den Vertretern des Klassizismus als auch denen des Realismus und des Impressionismus. Edgar Degas hat weit über 100 Bilder mit Badeszenen gemalt. Mitunter arbeiteten die Maler mit Modellen, doch gerade die im 19. Jahrhundert sehr beliebten orientalischen Haremsmotive und Szenen aus dem Hamam basierten eindeutig rein auf künstlerischer Fantasie, denn der Zugang zu einem islamischen Frauenbad war Männern grundsätzlich nicht gestattet.
Bekannte Badeszenen stammen unter anderem von
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Badekultur".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world