Badakhshan (sprich Badachschan) ist eine Provinz im äußersten Nordosten Afghanistans. Die Provinz hat eine Fläche von 44 059 km². Die Provinzhaupstadt ist Faizabad. Die Einwohnerzahl liegt bei ca. 1 048 000, wovon die Mehrzahl in den Distrikten Faizabad und Kishim lebt. Im Norden grenzt Badakshan an Tadjikistan, im Osten an China und im Südosten an Pakistan. Die Hauptsprache ist Dari. Afghanistan34P-Badakhshan.png
Badakshan liegt zwischen dem Amudarja (Fluss) im Norden, den Nordausläufern des Hindukusch im Süden und Ausläufern des Karakorum (Gebirge) im Osten. Der Amu Darja bildet gleichzeitig die Grenze zu Tadjikistan. Im Osten der Provinz, im sogenannten Wakhan-Korridor liegt der mit 7485 m höchste Berg Afghanistans, der Noshaq. Neben dem Amu Darja im Norden ist der Kowkcheh der bedeutendste Fluss.
Das Klima ist überwiegend ein Hochgebirgsklima.
Im Altertum gehörte Badakhshan zum hellenistischen Königreich Baktrien. Der heutige Name taucht erstmals in chinesischen Schriften des 7. und 8. Jahrhunderts auf. Im 15. Jahrhundert regierten die Timuriden, bis 1584 die Usbeken Badakhshan eroberten. Die Ära der usbekischen Mire (siehe auch Emir) endete 1822 als Badakhshan von Morad Beg aus Kunduz eingenommen wurde. Im Jahr 1859 wurde die Provinz gegenüber Kabul tributpflichtig und 1881 dem afghanischen Reich eingegliedert. Die Grenzen wurden im anglo-russischen Abkommen von 1873 und 1895 festgelegt. Seitdem trennt der Panj (Fluss, Arm des Amu Darja) den afghanischen vom tadjikischen Teil Badakshans. Im Jahr 1979 wurden die Städte Faizabad und Eshkashem durch die Rote Armee eingenommen, die ab 1980 eine Garnison in Faizabad unterhielt. Nach der Übernahme der Regierung durch die Taliban gehörte Badakhshan zur Nordallianz und Faizabad wurde von 1996 bis 2001 Sitz der Regierung von Burhanuddin Rabbani . Die Provinz war hart umkämpft, wobei die Taliban nie bis Faizabad vorstießen.
Die Mehrzahl der Bevölkerung setzt sich aus Tadschiken und Usbeken zusammen. Daneben gibt es noch Pashtunen, Turkmenen und Kirgisen.
Die Hauptreligion ist der Islam. Die Gläubigen teilen sich in Sunniten (Mehrheit), Schiiten und Ismailiten ein. Über die Zahl der Christen und Parsen (Anhänger der Lehre Zarathustras) ist wenig bekannt.
Neben der traditionellen Landwirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht ist der Anbau von Schlafmohn zur Gewinnung von Opium eine Haupteinnahmequelle. Badakshan hat sich bis zum Jahre 2003 zum Hauptopiumproduzenten Afghanistans emporgearbeitet. Der Anteil an der Gesamtproduktion des Landes wird von den Vereinten Nationen mit 57% angegeben (Stand 2004).
Darüberhinaus existieren vor allem in den Städten zahlreiche Handwerksbetriebe. Grössere Industrie fehlt. Die Provinz ist eines der Hauptabbaugebiete von Lapislazuli, dass hier seit ca. 4000 Jahren abgebaut wird. Weitere Bodenschätze sind Rubin, Smaragd, Amethyst, Gold und Schwefel.
Badakhshan ist eine der ärmsten Provinzen Afghanistans. Die gesamte Infrastruktur in den Bereichen Verkehr, Bildung und medizinische Versorgung ist schwach ausgebildet. Der weitere Ausbau ist auch durch die Lage im Gebirge und Hochgebirge erschwert.
Die wichtigste Straße führt von Kunduz entlang des Kowcheh über Taloqan nach Faizabad. Hier überquert sie den Kowcheh und verläuft weiter über Baharak in den Wakhan Zipfel. Sie stellt die Hauptanbindung zum Rest Afghanistans dar. Der höchste Punkt ist der Chenar-e-Gonjeshkan-Pass (1600 m) hinter Taloqan. Die Straße ist nicht asphaltiert und zum Teil in sehr schlechtem Zustand. Vor allem im Winter kann sie witterungsbedingt tagelang unpassierbar sein. Mit Hilfe ausländischer Organisationen soll ein Ausbau erfolgen (Stand 2005). Lastwagen benötigen für die Strecke Kunduz - Faizabad (250 km) mindestens 10 Stunden. Mit kleineren Fahrzeugen liegt die Fahrzeit bei ca. 8 Stunden. Die Anbindung kleinerer, in den Bergen gelegener Ortschaften ist vielerorts nicht gegeben. Hier findet der Warentransport mit Eseln oder zu Fuss statt.
Eine Straßenanbindung nach Pakistan, China und Tadjikistan besteht nicht (Stand 2005).
In Faizabad besteht ein ehemaliger russischer Militärflugplatz der von der afghanischen Fluglinie Ariana mit zweimotorigen Turboprop Maschinen vom Typ Antonov An-24 (russischer Flugzeugtyp) angeflogen wird. Der Flugplatz wird weiterhin von den Vereinten Nationen], Hilfsorganisationen und dem Militär genutzt. Die Vereinten Nationen planen den Neubau mit einer Betonlandebahn. Der Flugbetrieb erfolgt nach den Regeln des Sichtfluges, da weder eine Befeuerung (Beleuchtung) noch Funkfeuer existieren.
In der Provinzhauptstadt Faizabad existiert ein Klinikkomplex. Dieser unterteilt sich in ein allgemeines Krankenhaus, eine Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie ein Malaria- und Leishmaniosezentrum. Daneben existiert eine Krankenpflegeschule. Beide Kliniken verfügen über jeweils zwei Operationssäale. Im Krankenhaus arbeiten Fachärzte für Chirurgie, Innere Medizin, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Augenheilkunde, Gynäkologie- und Geburtshilfe sowie Anästhesie. In der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe sind Ärztinnen tätig und sie wird von einer Ärztin geleitet. Die Behandlung ist für Patienten kostenfrei. Medikamente müssen allerdings selbst gekauft werden, dies gilt auch für Verbandstoffe.
Der Direktor des Komplexes ist gleichzeitig für das gesamte Gesundheitswesen Badakhshans zuständig. Neben ihm gibt es noch einen Facharzt für Innere Medizin der als Spezialist für Infektionskrankheiten (insbesondere Tuberkulose) die gesamte Provinz betreut.
Der Zustand der Kliniken ist desolat. Es gibt keine geregelte Strom- und Wasserversorgung. Geheizt wird mit Holzöfen, für die die Patienten das Holz selbst mitbringen müssen. Die technische Ausstattung ist ebenfalls dürftig, wenngleich zahlreiche Hilfsgüter in der Klinik lagern, aber aufgrund des oben genannten nicht eingesetzt werden können.
In Faizabad gibt es einige kleine Apotheken sowie Arztpraxen der im Krankenhaus tätigen Ärzte. Geröntgt wird auf dem Basar.
In der restlichen Provinz gibt es einige kleinere Ambulanzen zur Basisversorgung. Im Gegensatz zu den Kliniken ist hier kein ständiger Arzt angestellt. Mehrere Hilfsorganisationen sind am Aufbau und der Verbesserung des Gesundheitswesens beteiligt.
(Stand 2005)
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