Bad Simple English (abgekürzt BSE) ist eine Bezeichnung für vereinfachtes, "schlechtes" Englisch, das sowohl in der Wissenschaft als auch in der Geschäftswelt als Mittel der interkulturellen Kommunikation allgemein Einzug gehalten hat. Es zeichnet sich durch einfachste, sprachliche Ausdrucksweisen aus, die im "normalen" Englisch wegen stilistischer Mängel kaum Verwendung finden würden, aber dennoch eine Kommunikation erlauben.
Herkunft
BSE ist eine Konsequenz der Verbreitung der englischen Sprache als
lingua franca zwischen Menschen, deren Muttersprache nicht Englisch ist. Ähnliche Entwicklungen bei derartigen Kommunikationsbedürfnissen hin zu einer vereinfachten Verkehrssprache gab es schon früher (
siehe Pidginsprachen). Während die Nutzung aber oft auf ein bestimmtes Areal oder Volksgruppe beschränkt war, dehnt sich BSE aufgrund der
Globalisierung stetig aus.
Ausprägung
BSE stellt gewissermassen den kleinsten gemeinsamen Nenner dar, auf den sich Gesprächsteilnehmer unterschiedlicher Herkunft, die in ihrer Muttersprache teilweise vollkommen unterschiedliche Strukturen des Satzaufbaus und Wortausdruck verwenden, einigen können. Heraus kommt ein simplifiziertes und reduziertes Ausdruckssystem, welches über weniger Facetten zur Beschreibung von Details verfügt. Zudem werden im Grunde festgelegte Wortbedeutungen oftmals in völlig anderem, teils falschem Zusammenhang verwendet, was zu neuen Wortschöpfungen führt. Bestes Beispiel ist das "deutsche" Wort
Handy, das in keinster weise - wie fälschlich vermutet - "handlich" gedeutet.
Die missbräuchliche Verwendung von Begriffen kann jedoch auch zu nicht unerheblichen Missverständnissen führen. Ein Beispiel hierzu ist die im Deutschen oft missverständliche Deutung des engl. Ausdrucks "must not": Der Inhaltliche Verbotscharakter kommt im Deutschen oft nicht richtig an.
Das Problem einfacher Sprachen
Die generelle Verwendung von English zur Darstellung wissenschaftlicher Sachverhalte sowie wirtschaftlicher oder technischer Prozesse, stellt nach Ansicht vieler ohnehin bereits ein gewisses Erschwernis dar, da English weniger präzise ist, als z.B. das Deutsche. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass bis in die jüngste Vergangenheit Wissenschaftler auch ausländischer Herkunft, wie z.B. Italien, oftmals noch Deutsch als Beschreibungs- und Kommunikationssprache wählten und gerade Ältere teilweise noch immer wählen. Muss nun im Bereich der verbalen Kommunikation z.B. in Gesprächrunden auf die begrenzten englischen Sprachkenntnisse der Teilnehmer Rücksicht genommen werden, so erweist sich BSE als besonderes Hindernis.
Auswirkungen
Während englische Sprachwissenschaftler überwiegend die negativen Rückwirkungen der so kreierten Begriffe auf die eigene Landessprache beklagen und auf Reinhaltung ihrer brittanischen Muttersprache drängen, warnen internationale Sprachwissenschaftler vor der zunehmenden Verarmung der Muttersprachen der Nutzer von BSE. Dies ist von besonderer Bedeutung in Ländern, die über eine hochentwickelte und facettenreiche Sprache verfügen, wie Frankreich und Deutschland. Diese beiden Sprachen sind dem Englischen von hause aus an Vielfalt deutlich überlegen und erlauben eine oftmals präzisere Darstellungen von inhaltlichen Fakten aber auch Stimmungen.
Nicht wenige Firmen in Deutschland, die im Zuge der Umstellung auf English als globale interne Konzernsprache bereits vielfach Probleme deswegen beobachteten, erwägen deswegen inzwischen sogar wieder eine Rückkehr zur deutschen Sprache.
Wie sehr sich diese Aspekte tatsächlich auswirken, ist schwer zu ermitteln. Tatsache ist jedoch, daß die Komplexität der Sprache ein Ergebnis der Lebensumstände der Nutzer ist. Eskimos z.B. kennen mehr als 20 verschiedene Begriffe für Schnee, mit denen sie Unterschiede in Beschaffenheit, Feuchte und anderes, näher beschreiben. Naturvölker, die sich im Regenwald zurechtfinden müssen, unterschieden wiederum verschiedene Blatt- und Pflanzenarten je nach Wuchs und Nutzungsmöglichkeit, wofür es im europäischen Bereich keine Unterscheidungen gibt.
Umgekehrt bringen Wissenschaftler die geistigen Leistungen von Menschen mit der als Kind erlernten Sprache in Zusammenhang und weisen eine Sprache mit begrentzem Wortschatz als Hemmnis für die Entwicklung von Abstraktionsvermögen und Darstellungsfähgikeit aus.
Siehe auch: Denglisch
Weblinks
Englische Sprache