Bad Schandau (bis 1920 nur Schandau; tschechisch Žandov) ist ein Kur- und Erholungsort im Landkreis Sächsische Schweiz, im Regierungsbezirk Dresden, in Sachsen an der Elbe. Gleichzeitig ist Bad Schandau erfüllende Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft mit den Gemeinden von Porschdorf, Reinhardtsdorf-Schöna und Rathmannsdorf.
Geografische Lage
Bad Schandau liegt beidseits an der
Elbe, direkt am
Nationalpark Sächsische Schweiz. Eine Überlandstraßenbahn, die
Kirnitzschtalbahn, erschließt das naheliegende Wandergebiet.
Oberhalb von Bad Schandau in
Ostrau befinden sich seit einigen Jahren zwei Kurkliniken.
Stadtgliederung
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Die Stadtteile sind Krippen, Postelwitz, Schmilka und Ostrau auf der gleichnamigen Ostrauer Scheibe.
Ostrau
Ostrau erhebt sich 62 m über der
Elbe und Bad Schandau auf der Ostrauer Scheibe und liegt auf 245 m ü.
NN. Mit dem Hauptort ist Ostrau direkt mit einem freistehenden elektrischen
Personenaufzug verbunden, der 1904 auf Anregung des Hoteliers Rudolf Sendig erbaut und durch Sendig finanziert wurde. Alte Bauernhöfe im
Fachwerkstil, Pensionen, Ferienheime, eine moderne Kuranstalt, Gasthöfe, Villen und Einfamilienhäuschen stellen die Ausstattung des Stadtteils dar. Mit knapp 100 Bewohnern führte der Teilort bis zum Ende des
19. Jahrhundert ein recht abgeschiedenes Dasein auf seiner exponierten Höhe. Doch gerade diese Lage mit weiter Rundsicht ließ um 1900 den ambitionierten Plan aufkommen, hier oben ein exklusives Touristenzentrum mit Sportstätten und Flugplatz zu schaffen. Aber es wurde nur der bereits genannte Personenaufzug gebaut, und am Ostrauer Ring entstanden Holzvillen im skandinavischen Stil, ebenfalls auf Initiative von Sendig.
Der eiszeitliche Lößlehm auf der
Ebenheit der
Ostrauer Scheibe ließ in einer frühen Siedlungsperiode die Anlegung eines deutschen Dorfes für ehemals sieben Höfe zu.
Postelwitz
Die Sommerfrische Postelwitz ist seit
1934 ein dicht an den Felshang gepresster, aus einer einzigen Häuserzeile bestehender Ortsteil von Bad Schandau, ca. 2 km elbaufwärts unterhalb der
Schrammsteine. Die ursprünglich slawische Niederlassung von Flößern, Fischern, Steinbrechern und Schiffbauern ist seit
1446 urkundlich nachgewiesen. Schiffsankerschmiede wirkten im Dorf bis
1968. Die ortseigenen Steinbrüche auf
Sandstein (zeitweilig die wichtigsten der Gegend) waren seit der zweiten Hälfte des
16. Jahrhunderts bis
1907 in Betrieb, wurden dann aufgeforstet und sind heute über die Elbpromenade erreichbar. Die erhaltenen Fachwerkhäuser Nr. 55-67, die sogenannten "Siebenbrüderhäuser" gehen auf eine Sage zurück, in der ein Schiffer für seine Söhne jeweils ein Haus errichtet haben soll. Sein eigenes Gebäude aber hätte alle überragt. An den Häusern Nr. 43 und 69, sowie am Fährmannshaus sind
Hochwassermarken der
Elbe hinterlassen.
Krippen
Die ursprüngliche Handwerker- und Kaufleuteniederlassung mit erhaltenen
Fachwerkhäusern, die bereits
1379 Erwähnung fand, ist seit dem Ende des
19. Jahrhunderts, als die Entfaltung des
Fremdenverkehrs begann, eine Sommerfrische. Der Ortsteil war Wirkungsbereich des Krippener Bürgers und Erfinders des Holzschliffs zur Papierherstellung
Friedrich Gottlob Keller (1816-95) von
1853 bis zu seinem Tode. Eine Gedenktafel am Haus Nr. 76 in der nach ihm benannten Hauptstraße, das Keller-Museum, in dem der Erfinder früher wohnte, würdigt ihn und sein Werk.
Bei Krippen mündet der Krippenbach in die Elbe. Das vom Gautzschgrabenquell bei der Grenze zur
Tschechischen Republik gespeiste Gewässer, das aber auch
Quellen jenseits der Grenze aufnimmt, erstreckt sein
Einzugsgebiet bis fast nach Maxicky auf der böhmischen Seite des
Elbsandsteingebirges unterhalb des Okrouhlik (494 m ü
NN).
Schmilka
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Schmilka, der Grenzort nach
Tschechien an der Elbe auf 117 m Höhe, gehört seit
1973 zu Bad Schandau. Das Dorf der Flößer, Steinmetze, Köhler, Pechsieder und Waldarbeiter wurde
1582 erstmalig erwähnt. Kleine
Fachwerkhäuser entlang der stark befahrenen Straße beherrschen noch jetzt die Fassaden. Auch die stark frequentierte
Eisenbahnstrecke Dresden - Prag beeinträchtigt das Leben am Fluss, im steil nach oben führenden Quertal ist davon allerdings nichts zu spüren.
Bei der Grenze entspringt die Ilmenquelle, mit einer Schüttung von 6 l/s die stärkste in der Sächsischen Schweiz.
Geschichte
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In der ersten Hälfte des
14. Jahrhunderts erwarben deutsche Ansiedler die Elbwiesen zwischen
Rathmannsdorf und
Postelwitz von der Feudalherrschaft
Hohnstein und gründeten hier einen Handelsplatz. Schandau wurde
1445 erstmals erwähnt und erhielt durch seine wichtige Lage als Handelsplatz an der
Elbe 1467 durch Ratsverfassung faktisch den Status einer Stadt. Seit ca.
1800 Kurort und
Sommerfrische.
Die Stadt ist kleinster deutscher Ort mit einem selbstverwalteten Straßenbahnbetrieb (Linie Schandau - Lichtenhainer Wasserfall, der sogenannten Kirnitzschtalbahn (Betrieb seit 1898).
Bad Schandau war vom Elbehochwasser im August 2002 schwer betroffen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
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Museen
Bauwerke
Bad Schandaus rechtselbische Stadtsilhouette wird durch die die Elbe säumenden Hotels der
Gründerzeit, die zwei
Elbbrücken und die
Johanniskirche geprägt. Die massige evangelische Stadtkirche mit ihrem achteckigen Westturm besteht in ihrer heutigen Form seit
1671. Die laternenbekrönte Barockhaube erhielt der Turm
1711 nach einem Stadtbrand. Die Innengestaltung der Kirche mit hölzerner
Kassettendecke, einstöckigen
Emporen und farbigen Fenstern im Altarraum ist das Ergebnis der grundlegenden Umgestaltung
1876/77. Besonders wertvoll ist der zweigeschossige
Renaissancealtar aus
Sandstein, den der Dresdner Bildhauer
Hans Walther II. ursprünglich für die
Dresdner Kreuzkirche schuf und der von
1760 bis
1902 in der
Dresdner Annenkirche stand.
bad_schandau_aufzug.jpg, 2005]]
In der Nähe des Parkhotels und des historischen Personenaufzugs nach Ostrau steht direkt vor dem rechtselbischen Hang die katholische Kirche. Dieses Gebäude wurde als russische Diplomatenunterkunft im klassizistischen Sankt Petersburger Villenstil des 19. Jahrhunderts errichtet und wird seit 1924 von der Katholischen Kirche als Sakralgebäude genutzt.
Der historische Personenaufzug nach Ostrau ist eine 50 Meter hohe, freistehende Eisenkonstruktion, die zum höher gelegenen Ortsteil Ostrau führt. Der Hotelier Rudolf Sendig ließ diesen elektrisch betriebenen Aufzug 1904 durch die Firmen Kelle & Hildemann (Eisenkonstruktion) und Kühnscherf & Söhne (Aufzug) errichten. Am Ostersonntag 1905 wurde der Aufzug offiziell eingeweiht, eine Restaurierung der seit 1954 denkmalgeschützten Nietfachwerkkonstruktion erfolgte 1989-1990. Wegen der Aussicht über die Landschaft um Bad Schandau, aber auch wegen der dezenten Jugendstilornamentik ist eine Fahrt mit diesem technischen Denkmal empfehlenswert.
Ganz besonders sehenswert ist in Bad Schandau auch der vor der Kirche platzierte Sendig-Brunnen, der derzeit (2005) restauriert wird und mit seinen Jugendstilelementen den Marktplatz der Stadt in Zukunft wieder schmücken soll.
Das beim Elbehochwasser 2002 vor der Eröffnung stark beschädigte neue Freizeitbad Schrammstein-Bad wurde nach Insolvenz des ursprünglichen Betreibers und zweijähriger Verzögerung vom neuem Betreiber als Toskana-Therme in Betrieb genommen.
Dialekt
In Bad Schandau wird eine spezielle Form des
Sächsischen Dialektes gesprochen: das
Südostmeißnische, welches einen der fünf
Meißnischen Dialekte darstellt.
Wirtschaft und Infrastruktur
Ansässige Unternehmen
- Rehaklinik Falkensteinklinik (Stadtteil Ostrau): etwa 125 Mitarbeiter, spezialisiert auf die Behandlung von Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes
Städtepartnerschaften
Persönlichkeiten
Der Hotelier und Stadtrat
Rudolf Sendig (* 1848, † 1928) ließ unter anderem
1898 eine elektrisch betriebene Straßenbahn in Betrieb nehmen, die die 8 Kilometer durch das Kirnitzschtal in 32 Minuten zurücklegte. Auch der spektakuläre Personenaufzug, der die Stadt mit dem Ortsteil Ostrau in einer Minute verband, geht auf ihn zurück.
Des Weiteren errichtete er auf dem Marktplatz zu Bad Schandau den
Sendig-Brunnen, der sich seit Jahren im Wiederaufbau befindet.
Im Ortsteil Krippen lebte von 1853 bis 1895 Friedrich Gottlob Keller (* 1816, † 1895), der Erfinder des Holzschliffpapiers. Ein kleines Museum in der Friedrich-Gottlob-Keller-Straße 76 erinnert an die Erfindung.
Söhne und Töchter der Stadt
Ehrenbürger
In Bad Schandau lebte zwischen
1909 und
1994 (mit Unterbrechungen) der Völkerkundler und Reiseschriftsteller
Erich Wustmann (* 1907, † 1994), der Ehrenbürger der Stadt ist.
Weblinks
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