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Die Babylonische Gefangenschaft (auch Babylonisches Exil) ist eine Epoche in der Geschichte des jüdischen Volkes.

Der Beginn wird auf das Jahr 586 v. Chr. datiert, in dem der babylonische König Nebukadnezar II. Jerusalem eroberte und den Tempel zerstörte. Dies geschah im 19. Regierungsjahr des König Nebukadnezar II.. Anschließend wurde die jüdische Oberschicht in die Gefangenschaft nach Babylon verschleppt. Unter den Verschleppten waren auch die Propheten Daniel und Ezechiel sowie König Jojakim selbst. Der König erfuhr wohl in Babylon die übliche wohlwollende Behandlung eines unterworfenen Königs; Berichten der rabbinischen Geschichtsschreibung zufolge wurde ihm von Nebukadnezar im Laufe seiner 40 Jahre dauernden Gefangenschaft auch eine neue Frau zugeführt.

Im babylonischen Exil konnten die Juden ihre nationale und religiöse Identität bewahren. Die in und um Babylon angesiedelten Juden assimilierten sich dann recht schnell in die babylonische Gesellschaft. So tauchen bald jüdische Namen auf Inschriften auf, die belegen, dass Juden im Hofstaat und im Militär Nebukadnezars Karriere machen konnten. Auch gibt es Berichte über jüdische Bankiersdynastien. Diese schnelle Assimiliation war wohl auch der Grund, warum im Alten Testament ein recht düsteres Bild der Babylonischen Gefangenschaft gezeichnet wird.

Um zu verhindern, dass die Eigenart der Juden komplett im Vielvölkergemisch Babylons verschwand, betonten die jüdischen Theologen und Gelehrten die Besonderheit des Judentums und vor allem des jüdischen Glaubens. So wurde die babylonische Gefangenschaft ironischerweise zu einer der fruchtbarsten Zeiten der jüdischen Theologie. Mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch Nebukadnezar endete die Fixierung der Juden auf den Tempel als alleinigen Ort des Gebets, und es entstanden die ersten Synagogen.

Nach der Eroberung des babylonischen Reiches erlaubte der Perserkönig Kyros II. den Gefangenen ab 537 v. Chr. die Rückkehr in ihre Heimat, um den Tempel wiederaufzubauen, welcher dann im März 515 soweit fertig gestellt war, dass die Juden ihren Kultus in Jerusalem wieder aufnehmen konnten. Ein Teil blieb jedoch in Babylon zurück und bildete dort ein kulturelles jüdisches Zentrum. Aus den dort geführten Diskussionen der Schriftgelehrten entstand im 6. Jhd. n. Chr. der babylonische Talmud.

Wie die Juden ihre Lage während des Exils empfanden, kommt sehr gut im Psalm 137 zum Ausdruck

An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten. Unsere Harfen hängten wir an die Weiden dort im Lande. Denn die uns gefangenhielten, hießen uns dort singen und in unserm Heulen fröhlich sein: "Singet uns ein Lied von Zion!" Wie könnten wir des HERRN Lied singen in fremdem Lande? Vergesse ich dich, Jerusalem, so verdorre meine Rechte. Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Freude sein. HERR, vergiß den Söhnen Edom nicht, was sie sagten am Tage Jerusalems: "Reißt nieder, reißt nieder bis auf den Grund!" Tochter Babel, du Verwüsterin, wohl dem, der dir vergilt, was du uns angetan hast! Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und sie am Felsen zerschmettert! (Lutherbibel revidierte Fassung von 1984)

Reflexionen in der Neuzeit


Martin Luther verwendet den Begriff im übertragenen Sinne und spricht von der "Babylonischen Gefangenschaft der Kirche", um Missstände in der damaligen katholischen Kirche aufzuzeigen, die er in Irrtümern und falschen Abhängigkeiten quasi gefangen und entführt sah.

Vor dem Hintergrund der Babylonischen Gefangenschaft spielt die Oper Nabucco von Giuseppe Verdi. Auch der Hit "Rivers of Babylon" von Boney M. beschreibt dieses Ereignis

Die Anhänger der Rastafari Religion sprechen ebenfalls von Babylon und meinen damit in Anlehnung an das Exil der Juden im Altertum ihre Situation der Unterdrückung in der Gegenwart.

Siehe auch


Weblinks


Antike | Jüdische Geschichte | Altes Testament

Babylonian captivity | Babylonin vankeus | Exil à Babylone | גלות בבל | バビロン捕囚 | Niewola babilońska | Captividade Babilónica | Вавилонский плен | 巴比伦囚虏

 

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