Honore de balzac.jpg Mit Realismus wird in der Literaturgeschichte eine literarische Strömung im 19. Jahrhundert bezeichnet. Als Zeitspanne wird ungefähr 1830 - 1890 angegeben. Die Periode der deutschen Literaturgeschichte zwischen 1850 und 1890 wird häufig auch „bürgerlicher Realismus“ oder „poetischer Realismus“ genannt.
Der Realismus will die fassbare Welt objektiv beobachten und schildern. Er beschränkt sich jedoch nicht nur auf die bloße Beschreibung der Wirklichkeit, sondern versucht, diese künstlerisch wiederzugeben.
Der Epochenbegriff bezieht sich vor allem auf die englische, russische, französische, deutsche und amerikanische Literatur. Geprägt wurde der Begriff in diesem Kontext von Jules Champfleury durch seine Aufsatzsammlung mit dem Titel "Le réalisme" (1857).
Der Realismus in Deutschland (ungefähr 1850–1890) wird häufig auch bürgerlicher Realismus oder poetischer Realismus genannt. Diese Bezeichnung rührt daher, dass der Realismus in Deutschland auch offen für Erfundenes, Poetisches war. Er beschränkte sich also nicht nur auf bloße Beschreibung der Wirklichkeit und verschloss sich nicht einer Ästhetisierung der Realität. Träger dieser Bewegung war in Deutschland das Bürgertum. Deshalb spielen in Deutschland im Realismus auch bürgerliche Werte und Ideen eine Rolle. Die handelnden Charaktere sind in der Regel im Bürgertum angesiedelt.
Die beiden oben genannten Begriffe engen allerdings das Bedeutungsfeld des Realismus ein, indem sie bestimmte Konzepte und Merkmale besonders betonen.
Der Aufstand führte im deutschen Sprachraum zum Rücktritt Metternichs, der Ausarbeitung einer Verfassung und der Lockerung der Zensur und des Spitzelwesens. Letztlich erwies sich die Revolution jedoch als ein "Sturm im Wasserglas", da die Beschlüsse nicht oder nur ansatzweise umgesetzt wurden. Die Hoffnungen vieler liberal gesinnter Deutscher auf Freiheit und Einheit blieben unerfüllt. Die Vertreter des Biedermeier standen ebenfalls unter dem Eindruck der Revolution.
Der Träger der Märzrevolution war neben dem Bürgertum die Arbeiterschicht, die unter den sozialen und wirtschaftlichen Umständen zunehmend schwerer zu leiden hatte. Ende 1847 formulierten Karl Marx und Friedrich Engels das Kommunistische Manifest, das zu einer wesentlichen Schrift der internationalen Arbeiterbewegung wurde.
Obwohl der Realismus sich keiner Ideologie verpflichtet fühlte, decken sich manche Auffassungen der Arbeiterbewegung mit denen des Realismus. Vorstellungen des Marxismus (Marx orientierte sich ferner an Hegel und Jean-Jacques Rousseau) und des Materialismus sind auch für den Realismus von Bedeutung. Außerdem wurde der Realismus durch die Philosophie Ludwig Feuerbachs (Immanentismus) und Arthur Schopenhauers beeinflusst.
Spätere Vertreter des Realismus waren hingegen von einem starken Pessimismus beeinflusst. Die sich verschärfenden sozialen Probleme infolge der Industrialisierung erschütterten das Vertrauen in den technischen Fortschritt nachhaltig. Die Erkenntnisse bedeutender Naturwissenschaftler wie Charles Darwin verschafften der Geisteshaltung des Determinismus Zulauf. Das menschliche Individuum sei ein Produkt der Evolution und seine Handlungen würden von physiologischen Prozessen in seinem Körper bestimmt. Die besondere Tragik dieser sinnlosen Existenz besteht darin, dass der Mensch diesem Fatalismus ausgeliefert ist und sich ihm stellen muss, wohl wissend, dass er den Kampf im Moment seines Todes letztlich verlieren wird. Diese Art der Betrachtung negiert jegliche Transzendenz im menschlichen Leben. Arthur Schopenhauer brachte diese Resignation auf den Punkt: „Die Welt ist die Äußerung einer unvernünftigen und blinden Kraft; in ihr zu leben heißt leiden.“
Adalbert_Stifter.jpg Eine weitere Bezeichnung für dieselbe Epoche ist „Poetischer Realismus“. Dieser Begriff, der der klassischen Vorstellung von Realismus zu widersprechen scheint, hebt besonders die Bereitschaft vieler Autoren hervor, immer noch phantastischen und märchenhaften Inhalten in ihren Werken Raum zu geben. Im Sinne der Definition des poetischen Realismus können auch Autoren wie Adalbert Stifter der Epoche zugerechnet werden. Stifter beispielsweise entspricht – wiewohl traditionell dem Biedermeier zuzurechnen – in vieler Hinsicht der Definition des poetischen Realismus. So zeichnen sich seine vielgerühmten Beschreibungen durch einen realistischen Darstellungsstil aus. Auch sein Sanftes Gesetz entspricht bereits der für den Realismus typischen Konzeption der Subjektivität des Schönen.
Als mögliche Gründe für diese deutsche Eigenheit gelten:
Die Begriffe „Bürgerlicher Realismus“ und „Poetischer Realismus“ werden teilweise synonym verwendet.
Literaturepoche | Realismus (Literatur) | Stilepoche Neuzeit
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