Böotien (griech. Βοιωτία, gepr. Viotía, dt. nach neuerem wissenschaftlichen Sprachgebrauch auch Boiotien; "Rinderland" ), ist die nach dem griechischen Stamm der Boiotoi benannte Landschaft und heute eine Präfektur in der Verwaltungsregion Mittelgriechenland.
Topographie
Böotien grenzt im Westen an
Phokis, im Süden an den
korinthischen Golf, im Osten an den
Kithairon und im Norden an das opuntische
Lokris. Der Sund von
Euböa bildete lange die natürliche Ostgrenze. Das Gebiet ist im Norden hügelig, im Süden gebirgig, dazwischen liegt ebenes Tiefland. Die wichtigsten Orte der Antike waren
Theben und
Haliartos. Heutige Hauptorte sind
Thíva, das moderne Theben, und
Levádia.
Böotien blieb binnenländisches Agrarland, obwohl seine Küstenlinien natürliche Häfen aufwiesen.
Historisch und archäologisch von Bedeutung sind zudem
Akraiphia,
Aulis,
Eutresis,
Gla,
Leuktra,
Siphai,
Tanagra und
Thisbe.
Geschichte
Älteste Siedlungsspuren finden sich seit der
Altsteinzeit rund um den
Kopaissee. In
mykenischer Zeit waren
Theben und
Orchomenos die Sitze bedeutender Dynastien. Älteste stammesgeschichtliche und kultische Beziehungen bestanden mit
Thessalien und dem
makedonischen Grenzgebirge zu
Epirus. Böotien und sein
Städtebund war durch
Theben perserfreundlich eingestellt, stand im hellenischen und im
Peloponnesischen Krieg auf Seiten
Spartas und musste nur kurzzeitige spartanische und
athenische Hegemonie aushalten. Seine Städte waren stets von Theben abhängig, manche wurden vollständig zerstört (
Orchomenos).
Theben selbst und Teile Böotiens wurden beim Aufstand gegen Alexander zerstört, später wiedererbaut und in einen makedonischen Bund gepresst.
Kult
Die wichtigsten Heiligtümer Böotiens waren das
Poseidon-Heiligtum in
Onchestos und die
Athena Itonia bei
Koroneia.
"böotisch"
In der griechischen Antike bedeutete (vor allem bei den Athenern) "böotisch" soviel wie "ländlich grob", "ungebildet"; mit dieser Wortbedeutung ging es auch in die gehobene deutsche Sprache des 18. und 19. Jahrhunderts ein.
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