Bärbel Bohley (*24. Mai 1945 in Berlin) ist eine Bürgerrechtlerin und Malerin. Bekannt wurde sie als Mitbegründerin des Neuen Forums in der DDR.
1982 gründet Bärbel Bohley die unabhängige Initiativgruppe Frauen für den Frieden, woraufhin sie ein Jahr später aus dem Bezirksvorstand des VBK ausgeschlossen und wegen angeblicher „landesverräterischer Nachrichtenübermittlung“ verhaftet wird. Das Ministerium für Staatssicherheit nennt als Gründe u.a. ihren Kontakt zu den Grünen in der BRD. Als Konsequenz wird ein Auslandsreiseverbot verhängt, außerdem erhält sie keine staatlichen Aufträge mehr und darf ihre Werke nicht mehr öffentlich ausstellen.
Ab Mitte der 1980er Jahre setzt sich Bohley verstärkt für die Durchsetzung grundlegender Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit ein und gründet die Initiative Frieden und Menschenrechte mit. 1988 wird sie in Folge der Ereignisse zum 69. Jahrestag der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von der Staatssicherheit verhaftet und gegen ihren Willen mit DDR-Paß in die Bundesrepublik abgeschoben. Nach einem sechsmonatigen Zwangsaufenthalt in Großbritannien kehrt sie im August in die DDR zurück. 1989 ist Bohley Initiatorin der Bürgerrechtsbewegung Neues Forum, Erstunterzeichnerin des Gründungsaufrufes „Die Zeit ist reif“, der grundlegende Veränderungen fordert.
1990 besetzt sie, zusammen mit anderen Aktivisten, unter dem Motto „Ich will endlich meine persönliche Akte!“ das Gebäude der ehemaligen Staatssicherheit. Nachdem Bohley ihre Stasi-Akte durchforstet hat, beschuldigt sie 1993 den PDS-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Gregor Gysi, der inoffiziellen Mitarbeit im MfS. Gysi war während ihrer Haft in DDR ihr Rechtsanwalt. 1994 tritt Bohley als Spitzenkandidatin für das Neue Forum zur Europawahl an. Im Jahr 2002 unterstützt sie die FDP im Wahlkampf zur Bundestagswahl.
Für ihre Verdienste um die friedliche Revolution in der DDR und die deutsche Wiedervereinigung seitdem mit dem Bundesverdienstkreuz (1994) und dem Nationalpreis (2000) ausgezeichnet, engagiert sie sich seit 1996 unter anderem im Kriegsgebiet des ehemaligen Jugoslawien. Von 1996 bis 1999 leitete sie dort für die nach dem Dayton-Friedensabkommen von 1995 als obersten Souverän eingesetzte Internationale Friedensbehörde für Bosnien-Herzegowina OHR (Office of The High Representative) in Sarajevo ein Wiederaufbauprogramm für im Bosnienkrieg zerstörte Häuser und organisierte die Rückkehr von Kriegsflüchtlingen in ihre Heimat. Sie lebt heute in der Nähe von Split. Ehrenamtlich gründete sie dort u.a. das Hilfsprojekt Seestern e.V., das Kinder aus bosnischen Flüchtlingsfamilien aller örtlichen Ethnien kostenlose gemeinsame Sommerferien ermöglicht.
„Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtsstaat.“ B.B. über die Enttäuschung vieler Bürgerbewegter über die unzureichende juristische Aufarbeitung des DDR-Unrechts in der Bundesrepublik
„Die Decke der Zivilisation scheint nur eine dünne Haut zu sein, die jederzeit zerreißen kann. Völkermord ist überall möglich. Dieser Satz hat in Sarajevo eine neue, schneidende Klarheit.“ ( aus: Die Dächer sind das Wichtigste", Ullstein, 1997,mit einem Vorwort von Dr. Helmut Kohl, über Bärbel Bohleys humanitären Einsatz in Bosnien-Herzegowina)
Frau | Deutscher | Dissident | Politiker (Deutschland) | Friedensaktivist | Neues-Forum-Mitglied | Bundestagsabgeordneter | Geboren 1945
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