Der Begriff der Bücherverbrennung bezeichnet die demonstrative Zerstörung von Büchern oder anderen Schriften durch Feuer. Die meist öffentlich durchgeführte Verbrennung erfolgt üblicherweise wegen moralischer, politischer oder religiöser Einwände gegen den Inhalt der Schrift. Bücherverbrennungen kamen und kommen sowohl als Mittel des öffentlichen Protestes gegen die Ausübung staatlicher Gewalt vor, wie umgekehrt als obrigkeitlich inszenierte oder geduldete Maßnahme.
In moderner Zeit werden neben Büchern auch andere missliebige Publikationsformen wie Tonbänder, Schallplatten, CDs oder Videobänder verbrannt.
Der utopische Roman Ray Bradburys Fahrenheit 451 beschreibt warnend eine Gesellschaft, die die Bücherverbrennung institutionalisiert hat.
Geschichte
- Der chinesische Kaiser Qin Shihuangdi griff im Zuge der Reichseinigung zu rigorosen Maßnahmen. So wurde die Vielfalt widerstreitender philosophischer Schulen abgeschafft und verboten. Lediglich die staatstragende Philosophie wurde gebilligt. 213 v. Chr. wurden die Bücher aller anderen Schulen verbrannt.
- Das Neue Testament schildert eine Bücherverbrennung, mit der bestimmte Kirchen und Christengruppen bis zur Gegenwart ihr gewaltsames Vorgehen gegen abweichende Meinungsdarstellungen verglichen und begründet haben: „Viele aber, die Zauberei getrieben hatten, brachten ihre *Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich und berechneten, was sie wert waren und kamen auf fünfzigtausend Silbergroschen”. (Apostelgeschichte 19,19 ) Die spektakuläre Aktion zeichnete sich offenkundig durch eine gewisse Freiwilligkeit aus, was bei späteren kirchlichen Bücherverbrennungen nicht immer der Fall war.
- 1242 kam es zur sogenannten Pariser Talmudverbrennung, bei der sämtliche in Frankreich, England, Portugal und im nicht-almohadischen Teil Spaniens entdeckten jüdische Bücher konfisziert und vernichtet wurden. Diese Bücherverbrennung ging auf eine Anweisung von Papst Gregor IX. an die dortigen Bischöfe zurück und gilt als eines der größten Kulturverbrechen des Mittelalters.
- 1256 ordnete der Mongolen-Khan Hulagu die Verbrennung der großen Bibliothek an, welche die Assassinen auf Alamut zusammengestellt hatten. Lediglich alle Koran-Handschriften und wissenschaftlichen Werke wurden zuvor aussortiert.
- 1497 verzehrten die Flammen des von Girolamo Savonarola gepredigten „Freudenfeuers der Eitelkeiten” pornographische Schriften, obszöne Bilder, heidnische Bücher, Glücksspiele, Kosmetik, Kopien von Boccaccios Decamerone und alle Werke des Ovid, die in Florenz gefunden werden konnten.
Wartburg-Stundentenzug-1817.jpg
- Auf dem Wartburgfest am 19. Oktober 1817 fand eine Bücherverbrennung in Anwesenheit von 600 Burschenschaftern statt. Anlässlich des 300. Reformationsjubiläums in Berufung auf Luthers Verbrennung der Bannandrohungsbulle sowie des vierjährigen Siegestages über Napoleon wurden symbolisch mehrere Dutzend als reaktionär, antinational oder undeutsch eingestufter Bücher, darunter Werke des August von Kotzebue, Karl Leberecht Immermann, die „Germanomanie” des jüdischen Schriftstellers Saul Ascher sowie der Code Napoléon den Flammen übergeben. Statt der echten Bücher verbrannte man allerdings mit deren Titeln beschriftete Makulaturbündel. Heinrich Heine kommentierte diese Aktion mit dem unten angeführten Zitat. (siehe Liste)
Studenten verbrennen die Bücher Bild
- 1992 wurden im Süden der Bundesrepublik Deutschland in großen Mengen Bücher, insbesondere Sozialistika, verbrannt, die aus den privatisierten Volksbuchhandlungen der ehemaligen DDR entfernt worden waren. Die Involvierten wurden unter Androhung von Sanktionen, darunter der Verlust des Arbeitsplatzes, zum Stillschweigen verpflichtet. Weitere Bücher aus Buchhandlungen und "abgewickelten" Bibliotheken der DDR, darunter u.a. neu gedruckte Werke von Goethe und Böll, wurden zu Tausenden auf Müllhalden transportiert. Der Katlenburger Pfarrer Martin Weskott initiierte Rettungsaktionen für diese Bücher und wurde dafür einige Jahre später mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
Gegenwart
Seit der Machtübernahme der Kommunistischen Partei in der Volksrepublik China werden öffentlich „anti-kommunistische” Bücher und Medien vernichtet. Dazu gehören vor allem Bücher und digitale Medien von verfolgten Gruppen wie Demokraten und Menschenrechtlern. Auch Medien von verbotenen religiösen Gruppen, wie Falun Gong, werden öffentlich vernichtet.
Zitat
„Das war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.” (Heinrich Heine: Almansor. Eine Tragödie. 1821)
Literatur
- Ulrich Walberer (Hrsg.): Zehnter Mai 1933. Bücherverbrennung in Deutschland und die Folgen. Frankfurt 1983, ISBN 3596242452
- Hermann Rafetseder: Bücherverbrennungen. Wien 1988, ISBN 3205088581
- Jürgen Serke: Die verbrannten Dichter. Weinheim 2002, ISBN 3407808992
- Theodor Verweyen: Bücherverbrennungen. Heidelberg 2000, ISBN 3825310825
- Werner Treß: „Wider den undeutschen Geist!” Bücherverbrennung 1933. Berlin 2003, ISBN 3932529553
- Carola Schelle (Hrsg.): Stichtag der Barbarei. Anmerkungen zur Bücherverbrennung 1933. Hannover 1983. ISBN 3922382169
Siehe auch
Weblinks
Buch | Zensur
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