Ayn Rand (eigentlich russisch Алиса Зиновьевна Розенбаум/Alissa Zinovievna Rosenbaum; * 20. Januar / 2. Februar 1905 in Sankt Petersburg, Russland; † 6. März 1982 in New York City) war eine US-amerikanische Schriftstellerin und Philosophin.
1936 wurde Ayn Rands Roman We the Living (deutsch: Vom Leben unbesiegt) veröffentlicht; in diesem auf ihren Jugenderfahrungen in Russland basierenden Werk berichtet Ayn Rand von dem Übel kollektivistischer Systeme aus der Sicht darin existierender Individuen. Wegen Rands scharfer Kritik an Sowjetrussland und dem Kommunismus lehnten viele Verleger das Buch ab. Ähnliches geschah bei Rands zweitem Roman, The Fountainhead (deutsch: Der Ursprung bzw. Der ewige Quell). Zwölf Verleger lehnten den Roman ab, bis er von der Bobbs-Merrill Company 1943 herausgegeben wurde. In dem Buch stilisiert Rand ihr moralisches Menschenideal, verkörpert durch den Protagonisten Howard Roark. The Fountainhead wurde zwei Jahre nach der Veröffentlichung ein Bestseller. Eine Verfilmung des Titels verzögerte sich wegen des 2. Weltkrieges bis 1951.
Die Erzählung Anthem (deutsch: Hymne bzw. Die Hymne des Menschen), die zur gleichen Zeit wie The Fountainhead entstand, hat eine thematische Verwandtschaft mit Jewgenij Samjatins Wir und George Orwells 1984: Der Einzelne erlebt die Unterdrückung durch eine allmächtige Regierung. Equality 7-2521, der Protagonist, lehnt sich in der Erzählung gegen den Staat auf und entdeckt in einem qualvollen Kampf die eigene Individualität sowie die vergessene Geschichte der Menschen neu.
Atlas shrugged (deutsch: Wer ist John Galt?), 1957 herausgegeben, ist Ayn Rands letzter Roman und ihr Hauptwerk. Er handelt von der Rolle und den Auswirkungen philosophischer Prinzipien in einer Gesellschaft. Atlas Shrugged wurde zum Bestseller und verkauft sich wie alle anderen Bücher Ayn Rands auch heute noch in großen Stückzahlen.
In Atlas Shrugged fasst Rand auch ihre eigene Philosophie, den Objektivismus, literarisch zusammen. Der Objektivismus geht von einer objektiven (im Sinne von „vom Bewusstsein unabhängigen“) Realität aus, die der Verstand mit den richtigen Methoden (Beobachtung, Formen von Begriffen, Logik, etc.) zu erkennen in der Lage ist. In der Ethik ist die Haupttugend die Rationalität, d.h. der unablässige Gebrauch des Verstandes, zum Anstreben des höchsten Wertes, des menschlichen Lebens. Der Selbstwert des Lebens hat im Objektivismus die Schlüsselrolle, den Schluss von metaphysisch Gegebenem (der Natur des Menschen als selbst erhaltendes Wesen) auf objektive Werte und Tugenden zu ermöglichen. Von Wert ist demnach, was das Leben des einzelnen Menschen fördert. In diesem Zusammenhang vertritt der Objektivismus einen rationalen Egoismus, was so viel bedeutet wie vernünftiges, produktives Handeln zum eigenen Nutzen und unter Wahrung der Rechte anderer Individuen (im Wesentlichen das Recht auf Leben, Freiheit und Eigentum). Diese Rechte werden als Voraussetzung eines lebensförderlichen gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen betrachtet. Die einzige Aufgabe eines Staates sei es, diese Rechte zu schützen, d.h. jegliche Erstanwendung von Gewalt gegen einen Bürger des Staates zu unterbinden bzw. bestrafen. In der Politik befürwortete Ayn Rand daher den Laissez-faire-Kapitalismus.
In der Folgezeit konzentrierte sich Rand auf die Ausarbeitung ihrer objektivistischen Philosophie und deren Anwendung auf aktuelle gesellschaftliche Ereignisse. Dies geschah hauptsächlich durch das Schreiben von Artikeln, die Herausgabe verschiedener Zeitschriften und durch öffentliche Auftritte. Es entstanden u.a. diverse, philosophischen und kulturellen Themen gewidmete Anthologien (siehe Werke).
Ayn Rand starb am 6. März 1982 in New York.
Obwohl Rand sich vor allem als Philosophin sah, hatte sie ihren größten Einfluss im Bereich der Politik. Ihre ausgeprägt pro-kapitalistischen Bestseller setzten insbesondere in Zeiten der Neuen Linken einen Kontrapunkt. Während es viel Kritik an Details oder an logischen Fehlern im Werk gibt, werden ihre Bücher allgemein für eine bildhafte Sprache und eine konsequent moralisch argumentierende Position gelobt.
Ayn Rands Philosophie des Objektivismus setzt sich aus folgenden Teilen zusammen:
Heute wird in den USA Ayn Rands Objektivismus vor allem vom Ayn Rand Institute (ARI) vertreten, das nach ihrem Tod gegründet wurde. Daneben existiert allerdings auch das Objectivist Center (TOC), das sich vom "dogmatischen" ARI abgrenzt und den Objektivismus als "offenes System" versteht.
Deutliche Meinungsunterschiede gibt es in der Einschätzung der libertären Bewegung in den USA zwischen dem Objectivist Center und dem Ayn Rand Institute (ARI). Während das ARI die "libertarians" entweder ignoriert oder negativ bewertet, sieht das Objectivist Center die libertäre Bewegung als eine im Allgemeinen positive Kraft an. In einem Aufsatz für die TOC-Zeitschrift "Navigator" stellen David Kelley und William Thomas fest, dass der Libertarismus die objektivistische Position in der Politik sei. Dabei schließen sie allerdings den Anarchismus aus. Objektivisten lehnen die markt-anarchistische Vorstellung ab, dass durch konkurrierende Gerichtshöfe und profitorientierte Polizeiagenturen ein "nicht-monopolistisches" Rechtssystem etabliert werden könnte. Kelley und Thomas sehen in der Freiheit eine "Vorbedingung des Marktes"", die nicht aus dem Markt selbst erwachsen könne. Ayn Rand hielt einen Minimalstaat für notwendig.
Ayn Rand gehört mit den Millionenauflagen für ihre Werke zweifellos, sogar heute noch, zu den meistgelesensten Autoren in den USA und hat viele Menschen stark beeinflusst, weit über die Anhänger des Objektivismus hinaus.
So geben viele später prominente Figuren der libertären Bewegung an, in ihrer Jugend maßgeblich von Rands Büchern beeinflusst worden zu sein. Einer der Schüler Rands, der US-amerikanische Ökonom und spätere Präsident der US-amerikanischen Notenbank (FED) Alan Greenspan, von Rand »the undertaker« genannt, soll erst durch die Schriftstellerin veranlasst worden sein, die angestrebte musikalische Laufbahn zugunsten einer wirtschaftswissenschaftlichen aufzugeben. Greenspan meinte, Rand habe ihm »die Augen dafür geöffnet, dass der Kapitalismus nicht nur effizient und praktisch, sondern auch das einzige mit der politischen Freiheit des Individuums vereinbare System ist«.
Die Moral von Ayn Rand sei überdies eine Scheinmoral, die sich auf die scheinobjektive Entgegensetzung zwischen Kommunismus und enthemmten Kapitalismus gründet, und die Richtigkeit der eigenen Position lediglich auf der Falschheit der Ideen eines extremistischen Gegners, dem Kommunismus, ableitet. Die Weltanschauung von Ayn Rand führe z.B. zu solchen Ideen:
Philosoph (20. Jh.) | Ökonom (20. Jh.) | Autor | Literatur (20. Jh.) | Literatur (Englisch) | Frau | Russe | US-Amerikaner | Geboren 1905 | Gestorben 1982
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