article

Ayaan-Hirsi-Ali-VVD.NL-1200x1600.JPG Ayaan Hirsi Ali, eigentlich vollständig Ayaan Hirsi Magan Isse Guleid Ali Wai'ays Muhammad Ali Umar Osman Mahamud (* 13. November 1969 in Mogadischu, Somalia), ist eine niederländische Politikerin und Frauenrechtlerin somalischer Herkunft und war bis zum 15. Mai 2006 Mitglied der Tweede Kamer (Zweiten Kammer) des niederländischen Parlaments für die VVD.

Leben


Ayaan Hirsi Ali wurde in Somalia geboren. Ihr Vorname Ayaan bedeutet "glücklicher Mensch" oder "Glück" auf Somali. In ihrer Kindheit wurde sie mitunter Opfer von massiver Gewalt. Im Kindesalter brach ihr ein Koranlehrer den Schädel. Im Alter von fünf Jahren wurde sie gegen den Willen ihres Vaters auf Veranlassung ihrer Großmutter heimlich beschnitten. Dem niederländischen Nachrichtenmagazin NOVA nach geschah dies ohne die geringste Betäubung, soll aber nicht so schwerwiegend gewesen sein, wie sonst üblich. Der strenggläubige Vater Hirsi Magan Isse war ein Gegner von Siad Barré und bekämpfte ihn als Guerillaführer vom somalischen Hinterland aus. Die Familie (der Vater, vier Frauen, fünf Töchter und ein Sohn) flüchtete nach Saudi-Arabien, später nach Äthiopien und Kenia. In Kenia besuchte Hirsi Ali eine Mädchenschule. Hirsi Ali erhielt dort eine orthodoxe islamische Erziehung und trug auch den Hidschab (Kopftuch oder Ganzkörperschleier). Im Alter von 22 Jahren sollte sie 1992 an einen Cousin aus Kanada verheiratet werden, den sie nicht kannte.

Flucht nach Europa und Studium

Auf ihrer Reise via Deutschland nach Kanada stieg sie nicht in das nächste Flugzeug, sondern blieb zunächst einige Tage in Düsseldorf und reiste schließlich mit dem Zug in die Niederlande. Dort beantragte sie Asyl und erhielt es auch aus humanitären Gründen. Sie verschwieg dabei ihren kurzen Aufenthalt in Deutschland, der, wäre er den niederländischen Behörden bekannt gewesen, dazu geführt hätte, dass sie in Deutschland Asyl hätte beantragen müssen und, dass sie und ihre Familie bereits seit mehreren Jahren in Kenia im Asyl lebten Karsten Polke-Majewski, „Hirsi Ali verlässt Holland“, Die Zeit, 16. Mai 2006. Zudem gab sie - wie sie später mehrfach erklärte, aus Angst vor Verfolgung durch Familienangehörige - einen falschen Namen an, den Nachnamen ihrer Mutter Marlise Simons, „A Critic of Muslim Intolerance Faces Loss of Dutch Citizenship“, New York Times, 16. Mai 2006
„She said she was baffled by the unexpected uproar over her asylum procedure because she had told the story numerous times in interviews and in her own essays about how she changed her last name from Magan to Ali and changed her date of birth when she arrived in the Netherlands at age 22, escaping from an arranged marriage.“
(Sie sagte, dass sie verblüfft sei über die unerwartete Aufregung über ihr Asylverfahren, da sie diese Geschichte viele Male in Interviews erzählt hatte und in ihren Essays darüber, wie sie ihren Nachnamen von Magan zu Ali sowie ihr Geburtsdatum änderte, als sie in den Niederlanden auf der Flucht vor einer Zwangsheirat im Alter von 22 Jahren eintraf.)
. 1997 wurde sie niederländische Staatsbürgerin. In den frühen 1990er Jahren arbeitete sie auch als Übersetzerin und Dolmetscherin an niederländischen Justiz-, Sozial- und Einwanderungsbehörden. Sie beherrscht Somali, Arabisch, Amharisch, Suaheli, Niederländisch und Englisch. Während dieser Arbeit kam sie vor allem mit muslimischen Frauen in Kontakt, die von ihren Männer geschlagen wurden oder verstoßen worden waren aufgrund des Verlustes ihrer Jungfräulichkeit.

Nach einer einjährigen Ausbildung an der Akademie für Sozialstudien "De Horst" in Driebergen studierte sie von 1995 bis 2000 Politologie an der Universität Leiden. Danach arbeitete sie für einige Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Wiardi-Beckman-Stiftung, dem wissenschaftlichen Büro der Partij van de Arbeid (PvdA).

Kritik an der islamischen Orthodoxie

Ab 2002 kam sie mit ihrer oft sehr polemischen Kritik an der islamischen Kultur häufiger in die Medien. Sie wechselte von der sozialdemokratischen PvdA (als Mitarbeiterin bei der Wiardi Beckman Stichting) zur rechtsliberalen VVD als Kamerlid (Abgeordnete).

Sie war der Meinung, dass es innerhalb der PvdA zu wenig Raum und Unterstützung für Kritik an den negativen Folgen von bestimmten sozial-kulturellen Kennzeichen von Immigranten gab. In ihrem 2002 erschienenen Buch De zoontjesfabriek (Die Söhnefabrik) gab sie zu, dass auch die Chance, die sie von der VVD erhielt, ihre Ideen im Parlament einzubringen, eine Rolle gespielt hatten. 2003 äußerte sie heftige Kritik an den islamischen Schulen in den Niederlanden und vertrat die Meinung, dass die Integrationspolitik in den Niederlanden völlig missglückt sei. Damit attackierte sie den Artikel 23 des niederländischen Grundgesetzes, der die Freiheit des Unterrichts regelt. Besonders für die christlichen Parteien war es undenkbar, etwas an diesem Artikel zu verändern.

Seit September 2002 erhält Hirsi Ali Morddrohungen. Sie wurde unter permanenten Polizeischutz gestellt und wohnte seitdem an einem unbekannten Ort.

In einem Beitrag der christlichen Tageszeitung Trouw vom 25. Januar 2003 sagte sie über den Propheten Mohammed: „Gemessen an unseren westlichen Maßstäben ist er ein perverser Mann. Ein Tyrann.“ Mit dieser Äußerung spielte sie darauf an, dass Mohammed als älterer Mann angeblich ein Mädchen von sechs Jahren geheiratet habe (als dieses neun Jahre alt gewesen sei, habe er die Ehe vollzogen). Verschiedene islamische Organisationen und Privatpersonen zeigten sie daraufhin wegen Diskriminierung an. Hirsi Ali wurde auf Grund ihrer Äußerungen nicht gerichtlich verfolgt. Dem Officier van justitie (Staatsanwalt) nach lagen ihrer Kritik „keine Schlussfolgerungen in Bezug auf das Ansehen von Moslems“ zugrunde und „wurde die Wahrhaftigkeit von ihnen als Gruppe nicht angegriffen“. Dossier Ayaan Hirsi Ali, Trouw, 25. Januar 2003

Ermordung von Theo van Gogh

Der Mord an dem Filmregisseur Theo van Gogh am 2. November 2004 in Amsterdam schockierte die Weltöffentlichkeit. Van Gogh wurde mit einem Messer in den Brustkorb ermordet, an dem ein an Ayaan Hirsi Ali gerichteter Drohbrief hing. Dieser spektakuläre Mord auf offener Straße schüchterte Hirsi Ali jedoch nicht dauerhaft ein. Seit ihrem Aufbegehren gegen die Zwangsheirat, was den Bruch mit ihrer Familie und ihren Freunden zur Folge hatte, kämpfte sie entschlossen gegen die islamische Orthodoxie, damit Frauen nicht mehr Opfer und nur „Söhnefabriken“ sind und ihr Recht auf Bildung und ihr Selbstbestimmungsrecht ungehindert wahrnehmen können. Nach dem islamistisch begründeten Mord an Theo van Gogh wurde Hirsi Ali von der niederländischen Regierung unter Schutz gestellt und vorübergehend außer Landes gebracht. In ihrem Versteck schrieb sie:
„Ich trauere um Theo. Daß er mit seinem Sohn nicht nach Amerika ziehen konnte. Daß er sterben mußte, um die Aufmerksamkeit auf einige Leute zu lenken, denen der Glaube mehr bedeutet als ein Menschenleben. Ich bin traurig, weil die Niederlande neuerlich ihre Unschuld verloren haben, eine Unschuld, die sich in Theo manifestierte. Der Angriff auf Amerika und Spanien wurde aufgenommen wie etwas, was nur dort geschehen konnte, nicht hier. Theo war nicht so naiv zu glauben, daß es nicht geschehen konnte, sondern daß es ihm nicht geschehen konnte. Er sagte: ,Ich bin der Dorftrottel, dem sie nichts tun. Aber sei du vorsichtig, denn du bist die Apostatin.' Ich bin wütend, weil er einer rituellen Schlachtung zum Opfer fiel. Ich bin wütend, weil ich weiß, daß der Täter nicht allein ist: Er ist Mitglied eines Netzwerkes von Moslems, die intensiv mit ihrem Glauben beschäftigt sind und herumlaufen mit dem Plan, unschuldige Menschen zu töten. Islamistischer Terror, in den Niederlanden und außerhalb, kann gedeihen, weil er eingebettet ist in einen großen Kreis gleichgesinnter Moslems.“ (in: Ich klage an.)

Ab- und Anerkennung der niederländischen Staatsbürgerschaft

Am 11. Mai 2006 strahlte der sozialdemokratische Sender VARA (Vereeniging van Arbeiders Radio Amateurs) eine Reportage über Ayaan Hirsi Ali aus ("De heilige Ayaan"), worin auch auf ihre seit längerem bekannten falschen Angaben Henryk Broder, „Kurzer Prozess für die schwarze Jeanne d'Arc“, Spiegel Online, 16. Mai 2006 in ihrem Asylverfahren 1992 hingewiesen wurde. Der Vorwurf der Filmemacher lautete, dass Hirsi Ali alias Hirsi Magan in Kenia bereits Asyl gewährt bekommen hatte und über ein "sicheres Drittland", nämlich Deutschland, eingereist war. Zudem hatte sie zu ihrem Familiennamen falsche Angaben gemacht. Ihr Motiv der Furcht vor innerfamiliären Nachstellungen wurde nicht erwähnt. Am 15. Mai 2006 kündigte die niederländische Ministerin für Immigration und Integration Rita Verdonk (VVD) an, dass Hirsi Alis Einbürgerung nach ihrer Meinung für hinfällig erklärt und ihr die niederländische Staatsbürgerschaft aberkannt werden müsse. Immigrationsministerin Verdonk, eine ehemalige Gefängnisdirektorin, steht für einen rigiden innenpolitischen Kurswechsel der bislang liberalen Niederlande hin zu einer restriktiven Einwanderungspolitik. Dies machte sie zu einem der beliebtesten Regierungsmitglieder. Zur allgemeinen Verwunderung wurde die Ausbürgerung schon am 16. Mai durchgeführt. Die Ausbürgerungsforderung und die außergewöhnliche Schnelligkeit des Verfahrens sorgte in den Niederlanden für heftige Diskussionen. Den Höhepunkt erreichten die Auseinandersetzungen mit einer vierzehnstündigen Debatte im Den Haager Parlament am 17. Mai 2006. Die Aussprache wurde von allen Beteiligten mit einer außergewöhnlichen Genauigkeit und Ernsthaftigkeit geführt, ist vom Fernsehen live übertragen und von 18 Prozent der Bevölkerung bis nach Mitternacht verfolgt worden. Rik Tuithof, „Hirsi Ali's case. The Dutch must be crazy?“, Newropeans Magazine, 19. Mai 2006 Nur knapp entkam Verdonk einem Misstrauensantrag der Opposition. Anfänglich erhielt Verdonk noch von ihren Parteifreunden Beifall für ihre Ausbürgerungsforderung, doch geriet sie in weniger als einer Woche innerhalb wie außerhalb ihrer Partei unter starken Druck und in die Isolation. Henryk Broder, „Fall Hirsi Ali: Verdonks Spießrutenlauf“, Spiegel Online, 16. Mai 2006 So warf ihr etwa der Schriftsteller Leon de Winter vor, von Hirsi Alis allgemein bekannten Falschangaben seit Jahren gewusst zu haben, doch nun zwecks Sicherung ihrer Machtstellung in der Partei dieses Wissen verschwiegen und missbraucht zu haben.

Am 16. Mai 2006 hatte Hirsi Ali ihren Parlamentssitz niedergelegt. Sie äußerte, sie sei fassungslos, dass ihr die niederländische Staatsbürgerschaft entzogen würde, da sie schon vor langem zugegeben habe, dass sie bei ihrer Einreise falsche Angaben gemacht hatte. René Vautravers (vau.) „Ayaan Hirsi Ali verlässt die Niederlande. Die streitbare Politikerin und Frauenrechtlerin geht in die USA“, Neue Zürcher Zeitung, 17. Mai 2006
„Hirsi Ali erklärte dazu am Dienstag, sie habe bereits 2002, also vor ihrer Wahl zur Parlamentarierin, öffentlich erklärt, dass nicht alle von ihr gemachten Angaben stimmten.“
Auf Druck des Parlamentes hin soll innerhalb der nächsten sechs Wochen das umstrittene Ausbürgerungsverfahren von der "eisernen Rita" Verdonk noch einmal auf "Ermessensspielraum" hin überdacht werden. „Hirsi Ali könnte Niederländerin bleiben“, Netzeitung, 17. Mai 2006 Da jedoch Verdonk dies bei einer Rede vor Anhängern nicht ernst zu nehmen schien, bestellte Ministerpräsident Balkenende sie zu einer offiziellen Unterredung ein. Jan Kanter, „Fall Hirsi Ali: Balkenende setzt Ministerin Verdonk unter Druck “, Die Welt, 18. Mai 2006 Die Mutter des ermordeten Regisseurs Theo van Gogh sprach von einem Komplott der niederländischen Sozialdemokraten, da diese Anteilseigner des Senders VARA sind: „Labor laid a mouse-trap for Rita Verdonk, with Ayaan Hirsi Ali as bait.“ (Die Partei für Arbeit van de Arbeid (PvdA) hat für Rita Verdonk eine Mausefalle aufgestellt mit Ayaan Hirsi Ali als Köder.) Leserbrief zu „A Political Honour Killing in Holland“ auf judeoscope.ca (jüdisches Nachrichtenportal in Kanada), 19. Mai 2006 Die PvdA hat den höchsten Anteil an muslimischen Wählern und befand sich in einem Abwärtstrend des Wählerzuspruchs, während dagegen die VVD und besonders Verdonk vor der Affäre eine Zunahme an Zustimmung verzeichnen konnte. Bei einer Parteiversammlung der VVD gab Verdonk am 20. Mai 2006 bekannt, dass Hirsi Ali auf jeden Fall Niederländerin bleiben wird. Sie wollte sich jedoch noch nicht äußern, ob Hirsi Ali dafür ein neues Gesuch stellen muss oder nicht.

Ursprünglich wollte Hirsi Ali erst 2007 in die USA gehen, um dort für die neokonservative DenkfabrikAmerican Enterprise Institute“ in Washington (D.C.) zu arbeiten. Doch eine erfolgreiche Gerichtsklage im April 2006 von den Nachbarn ihrer Wohnung in Den Haag, die sich wegen ihres Personenschutzes gestört sahen und den Verfall der Immobilienpreise beklagten, Jan Kanter, „Niederländer zermürben Islamkritikerin“, Die Welt, 16. Mai 2006 beschleunigte ihren Entschluss zum Ortswechsel.

Ein weiteres Motiv von Verdonks Vorgehen stellte der Kölner Stadt-Anzeiger zur Debatte.Jörg Reckmann: „Die gnadenlose Parteifreundin“, Kölner Stadt-Anzeiger, 25. Mai 2006 Demnach riet ihr Wahlkampfmanager Kay van de Linde zu dieser außergewöhnlich spektakulären Konfrontation. Seine Kenntnisse eines politischen Referenten erwarb er in den USA und war bis zuletzt für den ermordeten niederländischen Rechtspopulisten Pim Fortuyn tätig. Mit jeder Ausweisung wurde Verdonk in den letzten drei Jahren beliebter, Mitte April 2006 ließ sie die kosovarische Schülerin Taïda Pasic noch kurz vor ihrem Abitur trotz vieler Solidaritätsbekundungen ausweisen. Die Zeitung fügte an, dass ihr Hirsi Ali „bei dieser Gelegenheit am Telefon mitteilte, dass auch sie bei ihrem Asylantrag nicht die Wahrheit gesagt hatte.“ Für die kommenden Parlamentswahlen im Mai 2007 rechne Verdonk damit, zur Spitzenkandidatin der VVD gewählt und dann die nächste Ministerpräsidentin zu werden. Je mehr Verdonk von Parlament und Presse gerügt worden sei, desto höher stieg ihre Beliebtheit im rechten Wählerspektrum an.

Ministerin Verdonk teilte am 27. Juni 2006 der Tweede Kamer mit, dass Hirsi Ali ihren Pass behalten könne. Ayaan Hirsi Ali heiße zwar eigentlich Ayaan Hirsi Magan, dürfe aber nach somalischem Recht den Namen ihres Großvaters (Ali) annehmen und ihn folglich auch bei einer Einbürgerung angeben. Verdonk hatte mit Hirsi Alis Anwältin ausgehandelt, dass sie nur eine Entscheidung treffen werde, wenn Hirsi Ali eine von ihrem Ministerium vorgefertigte Erklärung unterzeichnete. Mit dieser schriftlichen Erklärung übernahm Hirsi Ali die alleinige Verantwortung für ihre Falschaussagen beim Asylverfahren und für die negativen Folgen, die sich daraus gegen sie ergeben hatten. Hirsi Ali gab an, dass sie Verdonks Erklärung nur deshalb unterschrieben habe, um die Angelegenheit schnellstmöglichst hinter sich zu bringen. „Hirsi Ali darf Niederländerin bleiben“, Netzeitung, 27. Juni 2006

Misstrauensvotum gegen Verdonk scheitert erneut und Rücktritt der Regierung

Am 28. Juni 2006 begann um 21 Uhr eine Debatte in der Tweede Kamer, die erst um ca. 5.30 Uhr am folgenden Morgen (29. Juni) endete. Darin unterstützte die linksliberale Koalitionspartei D66 einen Misstrauensantrag der grünen Opposition (GroenLinks) gegen Ministerin Verdonk. Premierminister Balkenende „verplapperte“ Horst Bacia: „Unter schwacher Führung“, FAZ, 1. Juli 2006 sich schließlich, als er einräumte, dass seine Ministerin Hirsi Ali mit einem einseitigen Schuldbekenntnis „erpresst“ hatte. Barbara Hoheneder: „Balkenendes zweiter Stolperer“, Der Standard, 1. Juli 2007
„Verdonk aber weigerte sich hartnäckig, den Abgeordneten zu erklären, warum sie Hirsi Ali ein schriftliches Schuldbekenntnis abverlangt hatte. Mehr als eine Million Zuschauer verfolgten die Fernsehübertragung der nächtlichen Sondersitzung. Um zwei Uhr früh gab ein sichtlich übermüdeter Balkenende zu, dass Verdonk Hirsi Ali tatsächlich erpresst hatte.“
Die Opposition warf Verdonk außerdem weitere 58 Fälle vor, bei denen ehemaligen Asylbewerbern unter zweifelhaften Umständen die niederländische Staatsbürgerschaft wieder aberkannt worden war. Saskia Jansens: *, Wiener Zeitung, 30. Juni 2006 Da die Abstimmung über die Entlassung Verdonks nicht von der VVD und den Christdemokraten (CDA) mitgetragen wurde, traten zwei Minister und eine Staatssekretärin der D66 aus der Regierungskoalition des Kabinetts Balkenende II zurück. Nur wenige Stunden später kündigte die Parteivorsitzende der D66, Lousewies van der Laan, den Rückzug aller D66-Abgeordneten an, womit die Regierungskoalition auch ihre Parlamentsmehrheit verlor. Erst dieser Schritt führte am 29. Juni 2006 zur vorzeitigen Demission von Premierminister Balkenende bei Königin Beatrix.

Film "Submission (Part I)"


2004 drehte sie zusammen mit Theo van Gogh den elfminütigen Low-Budget-Film "Submission (Part I)" (dt. Unterwerfung). Der Film behandelt die untergeordnete Stellung der Frau im Islam. Hirsi Ali schrieb das Script und sprach die Stimme aus dem Off. Vier Frauen berichten von erlittenen Misshandlungen und man sieht vier durchsichtig bekleidete Frauenkörper, beschrieben mit fünf Suren aus dem Koran, die ihrer Meinung nach das Recht auf Gewalt gegen Frauen legitimieren. Der Film wurde im niederländischen Fernsehen im Rahmen der Sendereihe Zomergasten (Sommergäste) des Senders VPRO ausgestrahlt. In konservativen islamischen Kreisen wurde der Film im Allgemeinen negativ aufgenommen. Van Gogh wurde daraufhin ebenfalls von militanten Moslems mit dem Tode bedroht und am 2. November 2004 auch wirklich ermordet. Der Mörder hinterließ auf Van Goghs Körper einen Brief, der an Hirsi Ali gerichtet war, worin sie ebenfalls mit dem Tod bedroht wurde.

Nach dem 2. November schien keiner der Unterschlupfe mehr sicher. Sicherheitshalber wurde sie am 10. November mit einem Militärflugzeug in die USA geflogen. Sie verbrachte diese Zeit bis zur Rückkehr im Januar 2005 auf einem amerikanischen Marinestützpunkt. Bis zum 14. Mai 2006 arbeitete sie nun wieder, trotz bestehender Bedrohung durch europäische Islamisten, als Abgeordnete im Parlament. Weiterhin schreibt sie an einer Fortsetzung von Submission für den Film „Submission II“ und an einem Buch mit dem Arbeitstitel: „Abkürzung zur Aufklärung“.

Der elfminütige Kurzfilm wurde in Deutschland nur auszugsweise gesendet. Offiziell ist der Film nicht erhältlich. Er wurde bislang nur ein Mal im niederländischen Fernsehen ausgestrahlt. Spiegel-TV bemühte sich um die deutschen Rechte, aber die Produktionsfirma Column lehnt einen Verleih bis auf Weiteres ab. Dafür hat sie vorübergehend erlaubt, den Film im Netz zu verbreiten. Eine Vorführung von Van Goghs Film "Submission" wurde bei dem internationalen Filmfestival von Locarno 2005 gefordert.

Politische Forderungen von Hirsi Ali


Frauenpolitik

Ayaan Hirsi Ali kritisierte den Islam oft pauschal als rückständig und repressiv gegenüber dem weiblichen Geschlecht und bekam deswegen viel Zustimmung von niederländischen Rechtsextremisten, aber auch von weiten Teilen der Bevölkerung. Sie fordert ein Ende des angeblichen Wegsehens im Namen des Multikulturalismus, wenn dabei die Werte von Demokratie und Menschenrechten missachtet würden.

Integrationspflicht

Wer sich nicht integrieren lassen will, sollte das Land verlassen. Sie argumentiert: "Multikulturalismus soll Integration unter Beibehaltung der eigenen Identität bedeuten, aber wenn Frauen eingeschlossen werden und Töchter nicht zur Schule gehen dürfen, ist das nicht eine falsche Auffassung, von der Beibehaltung der eigenen Kultur?" Nach Hirsi Ali kann in den Niederlanden nicht von Integration, sondern nur von Ghettobildung die Rede sein.

Reaktionen

Die Reaktion aus den Reihen der muslimischen Orthodoxie auf Hirsi Alis Äußerungen waren so heftig, dass die Funktionsfähigkeit der praktischen Regierungsarbeit beeinträchtigt war und der Staat sich überfordert sah, Ayaan Hirsi Ali zu schützen.

Niederländische Intellektuelle warnen vor einer rechtspopulistischen Ausnutzung dieser Themen und neuer Intoleranz gegenüber Einwanderern. In den Wochen nach dem Mord an van Gogh wurden 174 Gewalttaten gegen muslimische Schulen und Moscheen verübt.

Niederländische Muslime beklagten eine oft wenig fundierte und teilweise beleidigende Kritik am Islam durch Hirsi Ali und Van Gogh. Dies mache einen konstruktiven Dialog unmöglich und schüre anti-islamische Vorurteile.

Auszeichnungen


  • Am 29. August 2005 wurde Hirsi Ali mit dem Demokratie-Preis der Folkpartiet liberalerna, d.i. die Liberale Partei Schwedens, für ihre mutigen Bemühungen um Demokratie, Menschen- und Frauenrechte ausgezeichnet. *
  • Die rechtsliberale Venstre-Partei von Dänemark verlieh ihr 2005 in Abwesenheit den Freiheitspreis. Diese Würdigung stieß bei den islamischen Organisationen Dänemarks auf großen Protest.
  • Das Time Magazine wählte sie am 18. April 2005 zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt (Kategorie: "Leaders & Revolutionaries") TIME 100: Leaders and Revolutionaries, 18. April 2005 (nur mit Cookies)
  • 2004 wurde sie zur zweitbeliebtesten Niederländerin gewählt und mehrere Medien kürten sie 2005 zur Niederländerin des Jahres.
  • Reader’s Digest Deutschland würdigte sie mit der Auszeichnung "Europäerin des Jahres". Die niederländische EU-Kommissarin Neelie Kroes überreichte ihr diese Auszeichnung am 23. Januar 2006 in Den Haag.
  • Der norwegische Parlamentarier Christian Tybering-Gjedde hat Ayaan Hirsi Ali als Kandidatin für den Friedensnobelpreis 2006 vorgeschlagen.

Siehe auch


Quellenangaben


Literatur


Werke

  • Ayaan Hirsi Ali: De zoontjesfabriek. Over vrouwen, Islam en integratie. Augustus, Amsterdam 2002, ISBN 90-457-0281-9
  • Ayaan Hirsi Ali: Ich klage an. Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frauen. Piper, München 2005, ISBN 3-492-04793-9 (Artikelsammlung)
  • Ayaan Hirsi Ali: Müslüman Kadinlara Baski Bitsin! Piper, München 2005, ISBN 3-492-04836-6 (türkische Ausgabe von Ich klage an)

Sekundärliteratur

  • Halleh Ghorashi: Ayaan Hirsi Ali, daring or dogmatic? Debates on multiculturalism and emancipation in the Netherlands. In: Toon van Meijl, Henk Driessen (Hrsg.): Multiple identifications and the self. Foocal. tijdschrift voor antropologie. Stichting Focaal, Nijmegen 2003, S. 163-172.
  • Günther Lachmann: Tödliche Toleranz. Die Muslime und unsere offene Gesellschaft. Piper, München 2005, ISBN 3-492-04699-1 (Mit dem Text "Muslimische Frauen, fordert eure Rechte ein!")

Weblinks


Beiträge von Hirsi Ali

Artikel

zum Film Submission (Part I)

Frau | Somalier | Politiker (Niederlande) | Frauenrechtler | Menschenrechtler | Geboren 1969 | Person des Islam | Literatur (21. Jh.) | Literatur (Niederländisch) | Literatur über den Islam

آيان حرصي علي | Ayaan Hirsi Ali | Ayaan Hirsi Ali | Ayaan Hirsi Ali | Ayaan Hirsi Ali | Ayaan Hirsi Ali | Ayaan Hirsi Ali | Ayaan Hirsi Ali | עייאן הירסי עלי | Ayaan Hirsi Ali | Ayaan Hirsi Ali | Ayaan Hirsi Ali | Хирси, Айаан Али | Ayaan Hirsi Ali | Ayaan Hirsi Ali

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Ayaan Hirsi Ali".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld