Als avignonesisches Papsttum, avignonesisches Exil oder Papsttum in Avignon wird die Zeit bezeichnet, in der die Päpste ihren Sitz in Avignon hatten. Insgesamt sieben Päpste und mehrere Gegenpäpste residierten ab 1309 dort, bevor Urban VI. endgültig nach Rom zurückkehrte. Dies war der Auslöser für das große Schisma, das von 1378 bis zum Konzil von Konstanz andauerte. In der Zwischenzeit gab es zwei Päpste, einen in Rom und einen in Avignon, was zu einer dramatischen Zerrissenheit der gesamten abendländisch-christlichen Welt führte, bevor das Schisma 1417 endgültig beseitigt werden konnte.
Façade du Palais des Papes.jpg In den nachfolgenden Jahren gewannen die Franzosen auch immer mehr Einfluss in der Kurie: So war die große Mehrheit der neu ernannten Kardinäle Franzosen, vor allem Südfranzosen. Die Italiener im Kardinalskollegium verwanden den Verlust der Mehrheit indessen nur schwer. Ein weiteres Kennzeichen des avignonesischen Papsttums war der überhandnehmende Nepotismus der Päpste. Der Papstpalast in Avignon wurde unter Clemens VI. prächtig ausgebaut, und auch der Papsthof war sehr prunkvoll gehalten. Im administrativen Bereich wurde die Verwaltung der Kirche, die sich in steigendem Maße als Gesamtkirche begriff, besser organisiert und zunehmend zentralisiert. Avignon wurde 1348 schließlich von Clemens VI. gekauft. Der Papsthof von Avignon selbst wurde ein Zentrum des Mäzenatentums und des Frühhumanismus; auch die Universität von Avignon genoss einen guten Ruf.
Versuche des Papsttums, in Italien, wo der Kirchenstaat Auflösungserscheinungen zeigte, regulierend einzugreifen, blieben erfolglos, nicht zuletzt auch aufgrund der Bestrebungen mächtiger Kommunen wie Florenz oder mächtiger Adelsfamilien wie den Visconti von Mailand. Aber auch die allgemeinen kommunalen Streitigkeiten erschwerten diesbezügliche Unternehmungen einzelner avignonesischer Päpste. Mit dem Kaisertum kam es immer wieder zum Konflikt: neben dem besprochenen zwischen Clemens V. und Heinrich VII. sei auf die Streitigkeiten zwischen Johannes XXII. und Ludwig dem Bayern verwiesen, der Johannes sogar (ohne Wirkung) für abgesetzt erklärte. Unterstützung erhielt der Kaiser dabei von Marsilius von Padua und Wilhelm von Ockham (siehe auch Armutsstreit). Unter Karl IV. verbesserte sich das Verhältnis jedoch spürbar, da der Kaiser auf ein enges Zusammenspiel der beiden Universalmächte Wert legte. So bot er Urban V. an, unter seinem Schutz nach Rom zurückzukehren. Im Osten versuchten die Päpste, eine Kirchenunion mit der Ostkirche in Byzanz zu erreichen, allerdings ohne Erfolg. Ebenso scheiterten die zum Teil großangelegten Kreuzzugspläne einzelner Päpste.
Die enge Anlehnung des Papstes an die französische Monarchie (die in unterschiedlicher Intensität immer gegeben war) und der moralische Zustand des Papsttums, wie unter Clemens VI., sowie die Praxis der Pfründenvergabe zur Finanzierung des päpstlichen Hofes rief auch Kritik hervor. So äusserte sich Petrarca sehr verächtlich über die Zustände in Avignon. In Rom wurde der Ruf nach einer Rückkehr der Päpste immer lauter; nach zaghaften Versuchen unternahmen Gregor XI. und schließlich Urban VI. diesen Schritt - mit katastrophalen Folgen (siehe Abendländisches Schisma). Das avignonesische Papsttum endete schließlich faktisch mit Benedikt XIII.
Avignon Papacy | Avignonin vankeus | Papauté d'Avignon | אפיפיורות אביניון | Cattività avignonese | アヴィニョン捕囚 | Babylonische ballingschap der pausen (1309-1376) | Niewola awiniońska | Papado de Avinhão | Avignonsko papeštvo | Påvarnas babyloniska fångenskap
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