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Die autokephale Orthodoxe Kirche von Albanien umfasst die Metropolie (Erzbistum) Tirana-Durrës-Elbasan mit den Eparchien (Bistümern) Berat, Gjirokastra und Korça. Die orthodoxen Christen Albaniens leben hauptsächlich im Süden des Landes sowie in den Großstädten Tirana und Durrës. Über die Zahl der Kirchenmitglieder liegen nur sehr unsichere Angaben vor. Sie schwanken zwischen 160.000 und 420.000. Vor dem Religionsverbot, das die albanischen Kommunisten 1967 erließen, waren etwa 20 Prozent der Bevölkerung orthodox. Oberhaupt der albanischen Orthodoxie ist seit 1992 der griechischstämmige Metropolit Anastasios Yannoulatos, Erzbischof von Durrës, Tirana und ganz Albanien. Sein Vorgänger Metropolit Damian Kokonesi (1949-1973) starb achtzigjährig in der politischen Haft. Die Wahl eines Griechen zum Metropoliten war eine Übergangslösung, da nach den Verfolgungsjahren keine qualifizierten und zugleich gesundheitlich zum Amt fähigen Albaner für das Amt zu finden waren.

Byzantinische Kirche (Berat).jpg Etwa 15.000 Albaner in den USA sind seit 1950 in zwei Diözesen organisiert, von denen eine direkt dem Ökumenischen Patriarchen untersteht, während die andere zur albanischen Kirche gehört.

Geschichte


Das Christentum verbreitete sich im 4. und 5. Jahrhundert auf dem westlichen Balkan. Die albanischen Gebiete liegen an der Nahtstelle zwischen Ost- und Westrom und damit auch an der Grenze zwischen griechischer und lateinischer Kirche. Der Süden stand unter dem Patriarchat von Konstantinopel, der Norden unter dem Einfluss der Päpste in Rom. In den Küstenstädten Durrës und Vlora, die zeitweise zur Republik Venedig gehörten, gab es konkurrierende Kirchenorganisationen der Lateiner und Griechen.

Nach der osmanischen Eroberung Albaniens kam der Islam als dritte Religion der Albaner hinzu. Die Muslime waren bald die Mehrheit unter den Albanern. Aus Südalbanien wanderten wegen des türkischen Drucks im 15. und 16. Jahrhundert viele Christen nach Süditalien aus. (Vgl. Italo-albanische Kirchen) Im Land selbst machte sich aber im 17. Jahrhundert eine Art Renaissance der orthodoxen Kirche, die von den Türken nicht wie die katholische verfolgt wurde, bemerkbar. Viele Kirchenruinen wurden wiederhergestellt. Zuletzt wurde 1797 die Kathedrale von Berat neu aufgebaut.

Die orthodoxen Christen auf dem Gebiet des heutigen albanischen Staats waren noch im 19. Jahrhundert eng mit der griechischen Kirche verbunden. Der Klerus war zum großen Teil griechischer Nationalität und im Gegensatz zu den Muslimen und Katholiken gab es unter den Orthodoxen viele Angehörige nationaler Minderheiten, in erster Linie Griechen aber auch Aromunen und Mazedonier. Während die muslimischen und katholi­schen Albaner zeitweise in der albanischen Nationalbewegung - Rilindija (=Wiedergeburt) - zusammenarbeiteten, die 1912 die Unabhängigkeit Albaniens erreichte, wollte die Mehrheit des orthodoxen Klerus eine Vereinigung Südalbaniens mit Griechenland herbeiführen.

Erste Anfänge einer unabhängigen albanischen Kirchenorganisation entstanden in den USA unter den albanischen Einwanderern, die sich von den Griechen unterdrückt fühlten. Im Jahr 1908 wurde der spätere Bischof von Korça, Fan Noli, von Platon, dem russisch-orthodoxen Erzbischof von New York, zum Priester geweiht. Im selben Jahr feierte Fan Noli in Boston erstmals die Liturgie in albanischer Sprache. 1919 wurde Noli zum Bischof der Albanisch-Orthodoxen Kirche in Amerika ernannt, die eine eigenständige Diözese unter dem Ökumenischen Patriarchen bildete.

Erst nach dem Ersten Weltkrieg bekamen nationalalbanische Ansichten innerhalb der orthodoxen Kirche eine größere Bedeutung. Vorläufig verhinderten aber die Ökumenischen Patriarchen Gregorios VII. und Konstantin VI. die Entstehung einer autokephalen albanisch-orthodoxen Kirche, obwohl sie der Staat anstrebte. 1921 wurden die vier griechischstämmigen Bischöfe des Landes verwiesen. Vor allem die griechische Liturgiesprache wurde abgelehnt. 1929 erklärte sich die albanisch-orthodoxe Kirche einseitig für autokephal und ernannte Archi­mandrit Bessarion Juvani zu ihrem Metropoliten. Weitere griechische Priester und der Vertreter des Ökumenischen Patriarchen wurden ausgewiesen, nachdem Konstantinopel alle albanischen Bischöfe für ab­gesetzt erklärt hatte. Erst 1937 kam es zur offiziellen Anerkennung der albanischen Autokephalie durch Patriarch Benjamin. Im selben Jahr wurde ein Priesterseminar in Korça eingerichtet.

Church in Pogradec.jpg]] Die italienische Besatzungsmacht versuchte die albanische Orthodoxie während des Zweiten Weltkriegs zum Anschluss an die katholische Kirche zu bewegen. Sie sollte sich mit den unierten Italo-Albanischen Bistümern vereinigen. Die Orthodoxen widerstanden diesem Zwang, bis die italienische Herrschaft in Albanien 1943 zusammenbrach.

Mit der Machtübernahme der Kommunisten unter Enver Hodscha 1945 wurde die Kirche erneut unterdrückt. Als Albanien 1967 zum atheistischsten Staat erklärt wurde, waren die kirchliche Hierarchie und die Institutionen der Orthodoxie praktisch schon zerschlagen. Nun wurden alle Kirchen geschlossen und die letzten noch in Freiheit lebenden Priester kamen ins Gefängnis. Viele saßen im Lager Borsh an der Küste des Ionischen Meeres ein.

Ab Herbst 1990 konnten wieder öffentliche orthodoxe Gottesdienste zelebriert werden.

Gegenwart


Der Wendepunkt kam im Juli durch die Ankunft von Anastasios Yannoulatos, damals Bischof von Nairobi. Er kam als Abgesandter des ökumenischen Patriarchats um zu sehen, was von der albanischen Kirche übrig geblieben war. Von den 440 Priestern, die es 60 Jahre zuvor gegeben hatte, waren 22 übrig geblieben, alle alt und gebrechlich. Noch im gleichen Jahr wurde er Erzbischof von Albanien, mit dem Einverständnis des ökumenischen Patriarchen und seiner Synode, der Bevölkerung und der Regierung Albaniens.

Zwischen 1991 und 2001 hat die orthodoxe Kirche fast 300 Gotteshäuser eröffnet. Nur rund 70 Kirchen waren als Gebäude noch vorhanden und schnell wieder nutzbar. 80 neue Kirchen wurden gebaut und bei 140 weiteren grössere Reparaturen durchgeführt, was oft sogar den Bau der notwendigen Zugangswege einschloss. Durch diese Arbeiten mit einem Budget von 5 Millionen Dollar jährlich wurde die orthodoxe Kirche in vielen Gegenden zu einem wesentlichen Faktor der wirtschaftlichen Entwicklung.

Fünf albanische Klöster wurden wieder aktiviert, eine theologische Hochschule, die auch Frauen offensteht, gegründet, außerdem ein Gymnasium, eine Druckerei, eine Zeitung und eine Radiostation eingerichtet. In den Jahren von 1996 bis 2001 gab es 120 Priesterweihen.

Die orthodoxe Kirche in Albanien zeichnet sich durch umfangreiche caritative Aktivitäten aus. Sie unterhält: Spitäler, Polikliniken, eine mobile Zahnklinik, Schulen, Kindergärten, ist in der Gefängnisseelsorge aktiv und organisiert Hilfe für Obdachlose. Die Verkündigungs-Klinik der orthodoxen Kirche in Tirana gehört zu den besten Krankenhäusern Albaniens. Die diakonischen Aktivitäten der Kirche sind für alle da, ob orthodoxe Christen, katholische Christen, Moslems oder Atheisten. In der Krise von 1997 bot die Kirche 25'000 Leuten Nothilfe und 1999 versorgte sie über 50'000 Flüchtlinge aus dem Kosovo, wobei für einige Zeit das Priesterseminar geschlossen wurde, damit die Studenten an der Flüchtlingsarbeit teilnehmen konnten.

Siehe auch


Literatur


  • Konrad Clewing: Nationalität und Glaube. Stimmen für und wider die Autokephalie in Albanien 1922–1937. In: Krishtërimi ndër Shqiptarë, hrsg. v. N. Ukgjini, W. Kamsi u. R. Gurakuqi. Shkodër 2000. S. 303–316.
  • Jim Forest: The resurrection of the church in Albania. Voices of Orthodox Christians. Geneva 2002. ISBN 2-8254-1359-3 Auszüge und Bilder aus dem Buch hier und hier
  • Dh. Beduli: Kisha Orthodhokse Autoqefale e Shqiperisë. Gjer në vitin 1944. Tirana 1992.

Weblinks


Orthodoxe Kirche | Christentum in Albanien

Albanian Orthodox Church | Iglesia Ortodoxa Albanesa | Église orthodoxe albanaise | Albanijos Stačiatikių Bažnyčia | Albanees-orthodoxe Kerk | Албанская православная церковь | Kisha Ortodokse Shqiptare

 

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