Die Aussprache der deutschen Sprache bezeichnet die Phonetik und die Phonologie der deutschen Standardsprache. Die Aussprache der deutschen Sprache ist nicht überall dieselbe, denn es ist eine plurizentrische Sprache mit verschiedenen Varietäten. In den meisten Belangen stimmt die Aussprache dieser Varietäten jedoch miteinander überein.
Im weiteren Sinn kann darunter auch die Aussprache der deutschen Dialekte verstanden werden. Weil dies aber den Rahmen einer einzigen Seite sprengen würde, ist diese Sichtweise hier nicht dargestellt; siehe stattdessen deutsche Mundarten.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts galt die sächsische Aussprache des Standarddeutschen als vorbildlich. Das lag am großen Einfluss der sächsischen Fürstentümer auf die deutsche Kultur.
Im 19. Jahrhundert wurde die norddeutsche Aussprache zur einflussreichsten. Verschiedene Faktoren spielten dabei eine Rolle. Einerseits war Preußen insbesondere seit der Gründung des deutschen Kaiserreichs zur dominierenden Macht geworden, andererseits waren in vielen Gegenden Norddeutschlands die Mundarten zugunsten der Standardsprache aufgegeben worden, so dass die Sprecher eine natürliche Gewandtheit im mündlichen Gebrauch der Standardsprache erreichten.
Kodifiziert wurde diese Aussprache der deutschen Sprache erstmals 1898 in der Deutschen Bühnenaussprache von Theodor Siebs. Moderne Aussprachewörterbücher stimmen im Großen und Ganzen mit der Siebs'schen Aussprache überein, wenn sie auch in verschiedenen Details von ihr abweichen (beispielsweise wird heute * nicht mehr als die einzige zulässige Aussprache des Phonems /r/ angesehen). Als maßgeblich für die heute weitgehend anerkannte Fassung dieser Norm "der deutschen Standardaussprache" (so das Wörterbuch) kann das Duden-Aussprachewörterbuch (Max Mangold) gelten, in dem sie besonders ausführlich beschrieben wird. (Allerdings ist zu beachten, dass einige der dort formulierten Grundannahmen in der Phonetik und der Phonologie auch anders gesehen werden und nicht immer den neuesten Forschungsstand in diesen Disziplinen widerspiegeln.) Üblicherweise wird diese Aussprachenorm auch im Deutschunterricht für Ausländer gelehrt und mehr oder weniger exakt in ein- und mehrsprachigen Wörterbüchern des Deutschen verwendet.
Es ist daher unrealistisch zu sagen, dass allein eine dieser verschiedenen Aussprachen des Standarddeutschen die "richtige" wäre (und dem einen Ideal entspräche) und alles andere dialektgefärbte Abweichungen. Diese auch heute noch verbreitete Auffassung galt früher unhinterfragt, als eine präskriptive Haltung auch in Grammatikdarstellung und Didaktik üblich war (als es also üblich war vorzuschreiben, wie die Leute sprechen sollten).
Beobachten lassen sich diese Normvariationen beispielsweise daran, dass in Radio und Fernsehen nicht nur eine einzige Aussprache der deutschen Sprache gebraucht wird. Nachrichtensprecher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unterscheiden sich in ihrer Aussprache des Standarddeutschen. Das Übergewicht der Normvariante aus deutschen Landen ist allein als ein quantitatives zu beschreiben (wegen der höheren Bevölkerungszahl in Deutschland gibt es mehr Sender und diese haben eine größere Reichweite). Aber auch innerhalb Deutschlands lassen sich Unterschiede feststellen, wenn man z.B. die Aussprache bayrischer und norddeutscher Nachrichtensprecher vergleicht.
Auf diese Weise konnte sich überhaupt erst eine regelhafte und überall im deutschen Sprachraum anerkannte grundlegende Zuordnung zwischen Graphemen und Phonemen im Deutschen herausbilden (z.B. dass der Buchstabe
Allerdings kann aufgrund dieser Forderung keine Variante der Standardaussprache automatisch als besonders "richtig" weil besonders "schriftnah" eingestuft werden. Denn es gibt ja keine quasi "natürliche" Setzung, wie welche Buchstaben in bestimmten Kontexten auszusprechen seien. Ob beispielsweise ein doppelt dargestellter Konsonant dazu dient, die kurze/offene Aussprache eines Vokals zu markieren, oder ob er dazu dient, einen lang gesprochenen Konsonanten schriftlich wiederzugeben, ist reine Konvention und hängt von den in einer Sprachgemeinschaft akzeptierten Zuordnungsregeln ab. Deshalb lässt sich nicht sagen, dass dort wo ersteres oder letzteres gilt, die Aussprache "schriftnäher" sei. In jedem Fall muss man die Umsetzungsregel zwischen geschriebener und gesprochener Sprache kennen.
So wird oft behauptet, die norddeutsche Aussprache habe deshalb die traditionelle Aussprachenorm so maßgeblich geprägt, weil sie sich besonders stark an der Schreibung orientiere. Dies sei darauf zurückzuführen, dass die örtlichen norddeutschen Dialekte wie Plattdeutsch viel wesentlicher vom Standarddeutschen abwichen, so dass es den Sprechern leichter fiele, das Standarddeutsche unabhängig von dialektalen Ausspracheabweichungen auszusprechen.
Auf so genannte "Schriftnähe" hin abgeklopft könnten jedoch auch andere Varietäten des heutigen Standarddeutschen (mindestens) genau so gut als "schriftnah" gelten wie die norddeutsche. Dies zeigt, dass sich das Ideal der Aussprache nicht einfach an einer unspezifischen "Schriftnähe" festmachen lässt, sondern dass es darauf ankommt, welche Regeln für die Beziehung zwischen Schrift und Aussprache als ideal gelten. Einige Vergleiche der angeblich besonders schriftnahen norddeutschen gemäßigten Hochlautung nach Duden mit dem schweizerischen Standarddeutschen sollen dies verdeutlichen (vgl. auch die Artikel Schweizerdeutsch und Schweizer Hochdeutsch):
Die schweizerische Aussprache hat also in diesen Fällen andere, meist "unkompliziertere"/"direktere" Zuordnungsregeln, die eher einer 1:1-Entsprechung näher kommen.
Es gibt jedoch Hinweise darauf, daß in vergangenen Jahrhunderten die Aussprache des Hochdeutschen durch die Schweizer der Schreibung "ferner" stand als heute. So wurden z. B. Wörter wie "Geist", "Meister" ohne Zweifel früher - möglicherweise bis zur Einführung des Rundfunks - in der Schweiz meist "Geischt", "Meischter" ausgesprochen. Aber im Grunde beruht auch dies nicht auf einer größeren "Schriftferne", sondern auf einer anders angewendeten Ausspracheregel (nämlich st, sp nicht nur am Wortanfang, sondern generell wie scht, schp zu sprechen).
Für das Schweizerische kann dieselbe Argumentation wie oben für das Norddeutsche angewendet werden: Weil in der Schweiz heute sehr selbstbewusst mit dem eigentlichen Dialekt, dem Schweizerdeutschen umgegangen wird, ist der Unterschied zur standarddeutschen Varietät den Sprechern deutlich. Das geschriebene Standarddeutsche kann daher quasi als eigene Sprache "Buchstabe für Buchstabe" (natürlich mit Schweizer Klangfarbe und eigenen Zuordnungsregeln) ausgesprochen werden, ohne Schreibunterschiede aufgrund dialektaler Abweichungen allzusehr zu verwischen.
Wenn man das Argument der "Schriftnähe" für die Nähe einer standarddeutschen Varietät zu einem Ideal überhaupt gelten lassen will, dann ist es dort sinnvoll, wo eine Varietät aufgrund ihrer Aussprache phonologische (also bedeutungsunterscheidende) Unterschiede zwischen Wörtern, die auch in der Schreibung verankert sind, neutralisiert. So könnte man sagen, dass die fränkische und sächsische Aussprache des Standarddeutschen "schriftferner" ist, wenn sie den aus dem Dialekt stammenden Zusammenfall von /b/ und /p/ (Gebäck = Gepäck) in die Aussprache des Standarddeutschen übernimmt.
Die Vokalphoneme der betonten Silben werden oft in Paare aus "geschlossenem" und "offenem" Vokal eingeteilt, die sich in ihrer Länge und Qualität voneinander unterscheiden: // und /a/, // und //, // und //, // und //, // und //, // und //, // und // und // und //.
Geschlossene (lange) Vokale werden in unbetonter Position meistens kurz ausgesprochen, z.B. [
Ritt // und riet // unterscheiden sich beispielsweise auch in der Qualität voneinander, wie die Notation des Internationalen Phonetischen Alphabets zeigt. Die Mehrzahl der langen Vokalphoneme werden also geschlossener ausgesprochen und sind andere Phoneme als ihre kurzen verschrifteten Entsprechungen.
Ähnliche Vokalpaare betonter Silben wie im Deutschen gibt es in allen germanischen Sprachen.
// wie in Käse stellt in dem System der Vokalpaare betonter Silben eine Ausnahme dar, da er der einzige lange offene Vokal im Deutschen ist. In norddeutschen Varietäten der Standardsprache fällt dieser Laut jedoch mit // zusammen, so dass die Vokale in Käse und in Lese gleich ausgesprochen werden. Daher ist der Status dieses Lauts als eigenständiges Phonem des Deutschen umstritten. Inzwischen unterscheiden nämlich auch die meisten Mittel- und süddeutschen Sprecher nicht mehr zwischen einem langen "ä" und einem langen "e". Folglich ist es seit der 4. Auflage (2000) des Duden-Aussprachewörterbuchs auch gestattet, ein langes offenes "e" ("ä") lang und geschlossen // zu artikulieren.
| Laut | Beschreibung |
|---|---|
| Der schließende Diphthong setzt mit einem wie in Schwamm ein und gleitet in Richtung auf das deutsche [, wobei sich die Lippen runden. Beispiel: Haus. | |
| Der schließende Diphthong setzt mit einem wie in Schwamm ein und gleitet in Richtung auf das deutsche [. Beispiel: Heim. | |
| Der schließende Diphthong setzt mit einem wie in Gott ein, und gleitet in Richtung *" target="_blank" >wird fast [). Beispiel: Eule. |
Verschiedene deutsche Konsonanten treten in Paaren von gleichem Artikulationsort und gleicher Artikulationsart auf, nämlich die Paare //. Diese Paare werden oft als Fortis-Lenis-Paare bezeichnet, da sie als Stimmlos-stimmhaft-Paare nur unzulänglich beschrieben sind. Mit gewissen Einschränkungen zählen auch // zu diesen Paaren.
Die Fortis-Plosive /p, t, k/ werden in den meisten Varietäten aspiriert (ausgenommen beispielsweise die bairisch-österreichischen Varietäten), wobei die Aspiration im Anlaut betonter Silben am stärksten ist (beispielsweise in Taler schwächer im Anlaut unbetonter Silben (beispielsweise in Vater *). Keine Aspiration hat es in den Kombinationen (beispielsweise in Stein , Spur ).
Die Lenis-Konsonanten // sind in den meisten süddeutschen Varietäten stimmlos. Um dies zu verdeutlichen, werden sie oft als * notiert. Es ist umstritten, worin der phonetische Unterschied zwischen den stimmlosen Lenis-Konsonanten und den ebenfalls stimmlosen Fortis-Konsonanten liegt. Üblicherweise wird er als Unterschied in der Artikulationsspannung beschrieben, gelegentlich jedoch als Unterschied in der Artikulationsdauer, wobei meist angenommen wird, dass eine dieser Eigenschaften die andere zur Folge hat.
In den meisten Varietäten ist die Opposition zwischen Fortis und Lenis im Silbenauslaut aufgehoben (siehe Auslautverhärtung). Eine Ausnahme bilden nur ein paar der südlichsten Varietäten, beispielsweise die schweizerischen.
In verschiedenen mittel- und süddeutschen Varietäten ist die Opposition zwischen Fortis und Lenis im Silbenanlaut aufgehoben, teils nur im Anlaut betonter Silben, teils in allen Fällen (binnendeutsche Konsonantenschwächung).
Das Paar /f–v/ zählt nicht zu den Fortis-Lenis-Paaren, da /v/ auch in den süddeutschen Varietäten stimmhaft bleibt. Üblicherweise wird die süddeutsche Aussprache mit dem stimmhaften Approximanten angegeben. Hingegen gibt es süddeutsche Varietäten, die zwischen einem Fortis-f (*" target="_blank" >zu mhd. stræflich) und einem Lenis-f (*" target="_blank" >zu mhd. hovelîch) unterscheiden, analog zur Opposition von Fortis-s (*).
| Laut | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Glottisschlag (Knacklaut) – Oft wird dieser Laut nicht als Phonem der deutschen Sprache beschrieben, sondern als morphologisches Grenzmarkierungsphänomen. In den südlichen Varietäten tritt dieser Laut nicht auf. | * (nördliche Varietäten) | |
| b | stimmhafter bilabialer Plosiv – Da dieser Laut in den südlichen Varietäten stimmlos ist (*), wird er oft als Lenis bezeichnet und nicht als stimmhaft. | Biene aber [ |
| stimmloser palataler Frikativ (Ich-Laut) – Dieser Laut bildet zusammen mit ein komplementäres Allophon-Paar. Er tritt nach vorderen Vokalen sowie nach Konsonanten auf. Im Diminutiv-Suffix *" target="_blank" >in südlichen Varietäten im Silbenanlaut nicht auf, während es in anderen Varietäten oft im Silbenanlaut anzutreffen ist. In nicht-südlichen Varietäten ist [ ein übliches Allophon von im Silbenauslaut (nach vorderen Vokalen oder nach Konsonanten); die gemäßigte Standardlautung verlangt diese Spirantisierung nur in der Endung //. | ich Furcht *," target="_blank" >nicht-südliche Varietäten: China * | |
| d | stimmhafter alveolarer Plosiv – Da dieser Laut in den südlichen Varietäten stimmlos ist (*), wird er oft als Lenis bezeichnet und nicht als stimmhaft. | dann Laden [ |
| stimmhafte postalveolare Affrikate – Dieser Laut tritt nur in Fremdwörtern auf. In den südlichen Varietäten, die keine stimmhaften Plosive aufweisen, fällt er mit * zusammen. | Dschungel * | |
| f | stimmloser labiodentaler Frikativ | Vogel Hafen [ |
| stimmhafter velarer Plosiv – Da dieser Laut in den südlichen Varietäten stimmlos ist (*), wird er oft als Lenis bezeichnet und nicht als stimmhaft. | Ganɡ Lager [ | |
| h | stimmloser glottaler Frikativ | Haus Uhu [ |
| j | Stimmhafter palataler Approximant | jung Boje [ |
| k | stimmloser velarer Plosiv | Katze Strecke [ |
| l | stimmhafter lateraler alveolarer Approximant | Lamm alle [ |
| m | stimmhafter bilabialer Nasal | Maus Dame [ |
| n | stimmhafter alveolarer Nasal | Nord Kanne [ |
| stimmhafter velarer Nasal | lang singen [ | |
| p | stimmloser bilabialer Plosiv | Pate Mappe [ |
| stimmlose labiodentale Affrikate | Pfaffe Apfel [ | |
| stimmhafter alveolarer Vibrant (stimmhafter uvularer Vibrant (stimmhafter uvularer Frikativ (*)" target="_blank" >– Diese drei Laute sind freie Allophone. Ihre Verteilung ist lokal, wobei *," target="_blank" >besonders nach langen Vokalen und in der unbetonten Endung //, die bei Vokalisierung als [ relisiert wird. | rot starre *," target="_blank" >besser [ | |
| s | stimmloser alveolarer Frikativ | Straße Last * |
| stimmloser postalveolarer Frikativ | Schule Stier * | |
| t | stimmloser alveolarer Plosiv | Tag Vetter [ |
| stimmlose alveolarer Affrikate | Zaun Katze [ | |
| stimmlose postalveolare Affrikate | deutsch Kutsche [ | |
| v | stimmhafter labiodentaler Frikativ – Bisweilen wird dieser Laut als stimmhafter labiodentaler Approximant (*) beschrieben. | Winter Löwe [ |
| x | stimmloser velarer Frikativ – Dieser Laut bildet zusammen mit * ein komplementäres Allophon-Paar. Er tritt nach hinteren Vokalen auf (inklusive //). In nördlichen Varietäten erscheint er auch als Allophon im Silbenauslaut nach hinteren Vokalen (inklusive //. | lachen nördliche Varietäten: sag [ |
| z | stimmhafter alveolarer Frikativ – Da dieser Laut in den südlichen Varietäten stimmlos ist (*), wird er oft als Lenis bezeichnet und nicht als stimmhaft. | sechs Wiese [ |
| stimmhafter postalveolarer Frikativ – Dieser Laut tritt nur in Fremdwörtern auf. Da dieser Laut in den südlichen Varietäten stimmlos ist (*), wird er oft als Lenis bezeichnet und nicht als stimmhaft. | Genie Plantage [ |
Bei zusammengesetzten Wörtern (Komposita) wird fast ausschließlich das erste Wort (Bestimmungswort) betont. Ausnahmen sind zum Beispiel Kilometer und Jahrhundert.
Die betonte Silbe wird im Vergleich zu den unbetonten stärker und damit lauter gesprochen (dynamischer Akzent).
Für Fremdwörter im Deutschen lassen sich keine Regeln angeben, da die Betonung häufig zusammen mit dem Wort übernommen wird.
Eine Ausnahme bildet die schweizerische Varietät der deutschen Standardsprache, wo die steigende Intonation auch in Aussagesätzen anzutreffen ist.
Der Hauptakzent liegt im Satz auf dem Rhema, meistens gegen Ende des Satzes. Die Hebung oder Senkung der Stimme erfolgt ausgehend von der letzten betonten Silbe im Satz. Bei fallender Intonation wird diese Silbe etwas höher gesprochen als die Vorangehenden. Die nachfolgenden Silben fallen dann bis unter das Niveau des Satzes. Ist die letzte betonte Silbe ein einziges Wort, findet diese Melodiebewegung innerhalb dieses Wortes statt. Bei steigender Intonation wird die letzte betonte Silbe analog etwas tiefer gesprochen.
Die betonte Silbe überragt im Deutschen die unbetonten Silben nicht nur in ihrer Schallfülle sondern auch hinsichtlich ihrer Länge: alle auf eine betonte Silbe folgenden unbetonten Silben werden fast stets kürzer gesprochen.
Davon zu unterscheiden sind besondere Vokalbuchstabenkombinationen, die einen eigenen Lautwert haben (Di- und Trigraphen): aa, ee, oo, ie (zur Längenkennzeichnung, s.u.); in Fremdwörtern auch ou (Aussprache wie u), regelmäßig eu (wie ö) in der Endung eur, sowie viele Ausnahmefälle; in Eigennamen auch ae (wie ä oder langes a: Aerzen, Raesfeld), oe (wie ö oder langes o: Bonhoeffer, Soest), oi (wie langes o: Voigt), ue (wie ü: Ueckermünde), ui, uy (wie langes ü: Duisburg, Huy), oey, öö (wie langes ö: Oeynhausen, Gööck), uu (wie langes u: Luuk).
Die deutsche Rechtschreibung bezeichnet die Quantität (Länge) und damit auch die Qualität (geschlossen/offen) der Vokale nur teilweise direkt. Trotzdem kann die Unterscheidung zwischen langen und kurzen resp. geschlossenen und offenen Vokalen und damit die Entscheidung, welches Phonem eines Vokalphonempaares zu wählen ist, meistens aus der Schreibung erschlossen werden.
Dass es sich um einen Langvokal handelt, kann durch
Zu beachten ist, dass diese Buchstabenkombinationen innerhalb eines Wortes nicht immer als Di- und Trigraphen zu lesen sind, sondern zum Teil auch getrennt:
Einzelne Vokalbuchstaben sind ganz regelmäßig lang, wenn sie in offenen Silben stehen (wie das erste "e" in "Leben" oder das "a" in "raten").
Eine offene Silbe liegt dann vor, wenn im Wort ein einzelner Konsonantenbuchstabe plus Vokalbuchstabe folgt. Denn ein einzelner Konsonantenbuchstabe gehört in der Regel zur nächsten Silbe.
Kurz sind dagegen Vokale häufig in geschlossenen Silben, vor allem wenn im Wort weitere Silben folgen ("Kante", "Hüfte", "Wolke").
Von daher leitet sich die Regel ab, dass zwei gleiche Konsonantenbuchstaben (ebenso "ck" und "tz") nach einem einzelnen Vokal dessen Kürze signalisieren (zum Beispiel in "Sonne", "irren", "Ratte", "Masse"), da der doppelt dargestellte Konsonant zu beiden Silben gehört und damit die erste Silbe zu einer geschlossenen macht.
Umgekehrt deutet daher ein einzelner Konsonantenbuchstabe (inkl. ß, dessen Gebrauch gerade in dieser funktionalen Abgrenzung zu "ss" begründet wird) die Länge des vorangehenden Vokals an ("Krone", "hören", "raten", "Maße"), da er, wie gesagt, den Vokal in einer offenen Silbe stehen lässt. (Ausnahme: der Konsonantenbuchstabe x – vor "x" wird ein einzelner Vokalbuchstabe immer kurz gesprochen, z. B. "Hexe", "Axt".)
Ebenfalls lang sind Vokale, die zwar in geschlossenen Silben stehen, welche aber so erweitert werden können, dass eine offene Silbe entsteht. Bei "hörst" handelt es sich um eine geschlossene Silbe, "hö" in "hören" ist offen, deshalb wird auch das "ö" in "hörst" lang gesprochen.
Ebenfalls lang sind Vokale, die zwar in geschlossenen Silben stehen, welche nicht zu offenen Silben erweiterbar sind, welche aber erkennbar in Parallele zu solchen erweiterbaren Silben aufgebaut sind. "Obst" hat einen erkennbar parallelen Aufbau zu "lobst" (von "loben"), da von der Aussprache her statt b eigentlich der Buchstabe p zu erwarten wäre.
So lässt sich verallgemeinern: Lang sind Vokale vor den Konsonantenbuchstaben "b", "d", "g", "ß" (wenn "t", "s" oder "st" folgt), sowie vor "gd" und "ks". (Diese markieren die lange Aussprache, da sie anstelle von sonst zu erwartenden "p", "t", "k", "s"; "kt" und "x"/"chs" stehen.) Die Vorhersagbarkeit der Vokallänge gilt vor diesen Konsonantenbuchstaben also unabhängig von der Erweiterbarkeit der Silben. Vgl.: "Obst"/"lobst" (lang) vs. "optisch" (kurz), "Krebs"/"lebst" vs. "Klops", "beredt"/"lädt" vs. "nett", "Vogt"/"legt" vs. "Sekt", "spaßt" vs. "fast", "Magd"/"Jagd" vs. "Akt", "Keks"/"piksen" vs. "fix". In Eigennamen gilt dies auch für "w" (statt "f") und "sd" (statt "st"): "Drews", "Dresden".
Vor anderen Häufungen von Konsonantenbuchstaben sind die Vokale in der Regel kurz (da es sich hier oft um geschlossene Silben handelt). Allerdings gibt es einige, vor denen Vokale kurz oder lang vorkommen können ("tsch", "st", "chs", "nd", "rd" u. a.) oder in der Regel lang sind ("br", "kl", "tr" u. a.); insbesondere vor Di- und Trigrafen: vor "ch", "sch" meist kurz, vor "ph", "th" meist lang).
Einzelne Vokale in Wörtern aus geschlossenen Silben mit nur einem Konsonantenbuchstaben am Ende, die aber keine erweiterte Form mit langem Vokal haben (in der Regel Funktionswörter und Präfixe), wie zum Beispiel bei "mit", "ab", "um", "un-" (nach alter Rechtschreibung auch "daß", "miß-"), werden meistens kurz gesprochen (aber lang: "dem", "nun", vor "r": "der", "er", "wir", "für", "ur-"). Diese Ausspracheregel wird unter bestimmten Bedingungen auch auf Nomen und Adjektive angewandt: Bei (orthografisch) noch nicht vollständig integrierten Wörtern aus dem Englischen und Französischen ("Top", "fit", "Bus", "chic"), bei sog. Abkürzungswörtern ("TÜV", "MAZ"), bei einigen undurchschaubaren Wortbestandteilen ("Brombeere"). Generell gilt diese Regel für Wörter mit "x" (vgl. oben) und (wenn es denn ausnahmsweise vorkommt) für Wörter mit "j" am Ende ("Fax"; "Andrej", "ahoj"). Nach alter Rechtschreibung galt dies auch für einen Teil der Wörter mit "ß": "Nuß", "Boß", "iß!". Die kurze Aussprache des Vokals in solchen Wörtern, denen orthographisch der doppelt dargestellte Konsonant am Wortende fehlt, lässt sich zum Teil daraus erschließen, dass es verwandte Formen mit orthographisch markiertem kurzen Vokal gibt (kurzer Vokal bei "in" wg. "innen", "fit" wg. "fitter", "Bus" wg. "Busse", "Top" wg. "toppen", "Nuß" wg. "Nüsse"; dagegen lang: "Biotop" wg. "Biotope", "Fuß" wg. "Füße").
In Eigennamen (Familien- und geografische Namen) kann die Vokalkürze auch vor doppelt dargestellten Konsonanten nicht immer eindeutig bestimmt werden. Insbesondere "ck", "ff", "ss" und "tz", aber auch andere, kommen dort nicht ausschließlich nur nach kurzen Vokalen vor ("Bismarck", "Hauff", "Zeiss", "Hartz", "Kneipp", "Württemberg"). So kann auch ein einzelner Vokal vor diesen Doppelbuchstaben ausnahmsweise lang sein: "Buckow", "Mecklenburg", "Bonhoeffer", "Gross", "Lietzensee".
Da in der Schweiz anstelle des Eszetts "ss" in Gebrauch ist, signalisiert dort "ss" als einziger doppelter Konsonantenbuchstabe (außerhalb von Eigennamen) nicht die Kürze des vorangehenden Vokals (neben "gg", wenn man schweizerdeutsche Wörter miteinbezieht); Länge oder Kürze des Vokals ist also in diesem Fall nicht vorhersagbar (wie sonst auch vor den Di- und Trigrafen "ch", "sch" u. a.). Allerdings werden auch in Deutschland und in Österreich die Regeln für die korrekte Verteilung von "ß" und "ss", besonders in den Fernsehmedien, in Werbung ("Heisse Tasse", "Perl weiss") und Öffentlichkeitsarbeit, oft nicht konsequent angewandt, so dass die Aussprache des Vokals vor "ss" auch hier nicht immer richtig bestimmt werden kann (vgl. z.B. die aus den 70er/80er Jahren stammende Bahnhofsbeschriftung auf den Berliner U-Bahnhöfen "Wilmersdorfer Strasse" und "Bismarckstrasse"). Dasselbe gilt bei der Verwendung von "SS" für "ß" in Versalschrift.
Abgesehen davon werden in der klassischen Musik die Konsonanten meist viel forcierter ausgesprochen als im gesprochenen Deutsch. Auch dies dient der besseren Sprachverständlichkeit.
Deutsche Sprache | Phonetik | Phonologie von Einzelsprachen
German phonology | Prononciation de l'allemand | Német kiejtés | ドイツ語音韻論 | Pronúncia alemã
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Aussprache der deutschen Sprache".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world