Auguste Rodin (* 12. November 1840, Paris; † 17. November 1917, Paris) war ein französischer Bildhauer. Mit ihm beginnt das Zeitalter der modernen Skulptur.
Als 1862 seine Schwester starb, geriet Rodin in eine Lebenskrise und er trat dem Orden Pères du Saint-Sacrement bei. Doch schon beim Eintritt in den Orden wurde er für sein künstlerisches Schaffen für alle Zeit freigestellt.
Zwei Jahre später wurde Rodin Schüler von Albert-Ernest Carrier-Belleuse. Er folgte seinem Meister 1870 nach Brüssel, aber die künstlerische Auseinandersetzung wuchs zu einem handfesten Streit und Rodin trennte sich 1870 von Carrier-Belleuse. Ab dieser Zeit erfuhr Rodin durch öffentliche Aufträge auch seine erste künstlerische Anerkennung.
In den Jahren 1875/76 unternahm Rodin eine Studienreise nach Italien um das Geheimnis Michelangelos zu entschlüsseln. 1877 kehrte er wieder nach Paris zurück, u.a. um Frankreichs gotische Kathedralen zu studieren. Die Porzellanmanufaktur in Sèvres nahm Rodin für die Jahre 1879/82 unter Vertrag. 1883 lernte Rodin Camille Claudel kennen. Sie wurde erst seine Schülerin, später seine Geliebte.
1894 ließ sich Rodin in Meudon nieder und scharte dort einen Kreis junger Schriftsteller und Künstler um sich. Bei der Weltausstellung in Paris 1900 werden im Pavillon Rodin 171 seiner Werke präsentiert. In den Jahren 1905/06 war Rainer Maria Rilke als Sekretär Rodins tätig.
Im Hôtel Biron installierte Rodin 1907 ein weiteres Atelier, das heute als Musée Rodin zu besichtigen ist.
Im Alter von 76 Jahren heiratete Rodin im Februar 1917 seine langjährige Lebensgefährtin Rose Beuret. Am 17. November 1917 starb Auguste Rodin in Paris.
Auguste Rodin gilt als ein bedeutender Wegbereiter der Moderne, der neue Maßstäbe vor allem auf dem Gebiet der Skulptur bzw. genauer der Plastik setzte und die Kunst seiner Nachfolger in die verschiedensten Richtungen hin beeinflussen sollte. Im Gegensatz zu anderen großen Plastikern und Bildhauern seiner Zeit (z.B. Albert-Ernest Carrier-Belleuse), widersetzte er sich dem vorherrschenden idealisierenden Akademismus und versuchte sich in neuen Darstellungsformen, ohne dabei jedoch die Tradition aus den Augen zu verlieren. Im Gegenteil verstand er sich und seine Kunst dabei als "Brücke zwischen Gestern und Morgen". Zu den wichtigsten Einflüssen zählen wohl die Bildhauer der griechischen Antike, sowie Donatello und vor allem Michelangelo. Rodins Stil wurde immer wieder neu einzuordnen versucht, unter anderem beispielsweise als impressionistisch ("Kunst der Buckel und Höhlungen", Rodin), symbolistisch oder realistisch. Auch als Vorbereiter des Expressionismus und des Kubismus wurde er angesehen. Speziell das Non-finito darf dabei als bedeutendes Stilmerkmal vieler seiner Werke gelten, das prägend für viele kommende Künstler werden sollte. Im Gegensatz jedoch zu beispielsweise Michelangelos unvollendeten Werken, die meist aus Gründen wie Geldmangel oder wegen eines gefühlten Scheiterns vom Künstler in diesem Zustand belassen wurden, versuchte Rodin, dieses Fragmentarische in voller Absicht als ausdruckstragendes Stilmittel zu verwenden. Überaus modern und seiner Zeit weit voraus sind insbesondere seine Assemblagen, die durch Neu-Kombination von Teilen bereits bestehender Werke ganz neue Sinnzusammenhänge erschließen. Auch seine erst spät entstandenen eigenständigen Zeichnungen und Aquarelle (im Gegensatz zu den Werk-Skizzen, Studien und Kopien), die mit sparsamsten Mitteln über große Ausdruckskraft verfügen, dürfen als recht kühn angesehen werden. Eine Handvoll erotischer Zeichnungen, die 1906 in Weimar ausgestellt wurden, führte sogar zum Rücktritt des damaligen Direktors des großherzoglichen Museums in Weimar, Harry Graf Kessler.
"Der Mann mit der gebrochenen Nase" (L'homme au nez cassé), 1864: Mit dem markanten Kopf eines seiner ersten Werke brach Rodin zum ersten Mal mit den glatten, erstarrten Schönheitsidealen der akademischen Salon-Kunst. Zunächst jedoch war der Büste, für die ein Arbeiter des Pariser Pferdemarktes Modell stand und die zugleich an die Gesichtszüge von Rodins großem Vorbild Michelangelo erinnert, kein Erfolg beschieden: sie wurde von der Jury des Pariser Salons abgelehnt. Der künstlerische und kommerzielle Durchbruch Rodins ließ somit noch einige Jahre auf sich warten.
1885 erhielt Auguste Rodin von der Stadt Calais den Auftrag für ein Denkmal, mit dem den sechs legendären Edelbürgern der Stadt gedacht werden sollte, die bereit waren, sich 1347 während der englischen Belagerung im Hundertjährigen Krieg für das Wohl der Stadt zu opfern. Die Bürger von Calais ist ein Paradebeispiel für Rodins innovative, ja teilweise sogar revolutionäre Kunstauffassung. Besonders in der damaligen Denkmalskunst gilt die Frage der Präsentation als zentrales Würde-Motiv des Werkes. Rodins Entwurf sah statt des gängigen erhabenen Sockels einzig eine Plinthe vor und holt damit seine Bürger auf Augenhöhe der Betrachter gleichsam auf den Boden zurück. Vielfach wurde hierbei von der "Demokratisierung" der Plastik in allgemeinen und der Denkmalskunst im speziellen gesprochen. Erst 1895 jedoch, nach mehreren Entwürfen und zähen Auseinandersetzungen, gelangten seine Bürger zur Aufstellung, jedoch zunächst nur mit Marmorsockel und an anderer Stelle. Erst 1945 wurde die Gruppe vor dem Rathaus in Calais ebenerdig platziert. Ein weiteres auffälliges Merkmal der Gruppe ist ihre Allansichtigkeit, die der monumentalen Denkmaltradition der Frontalansicht den Laufpass gibt. Rodin fokussiert bei den jeweils ganz individuell gestalteten Gruppenmitgliedern besonders auf die Hände als bedeutendsten Ausdrucksträger nicht nur dieses Werks. Zum einen die Körperhaltung der Figuren, zum anderen die "sprechenden", charaktervollen Hände verdeutlichen die unterschiedlichsten Gefühle der dem Opfertod entgegenblickenden Bürger deutlich. Keinem der einzeln benennbaren Bürger wird seine Individualität genommen, obwohl sie alle zusammen als (wenngleich recht heterogene) Schicksalsgemeinschaft erscheinen - es ist auch dieser Spagat, der das Werk Rodins zu einem seiner unumstrittenen Hauptwerke macht.
"Der Schreitende" (L′homme qui marche), 1877-1880/1900: Ein weiteres zunächst umstrittenes Werk Rodins, da er sich mit dem Vorwurf konfrontiert sah, die dargestellte Bewegung sei eher ein Spreizen, als ein tatsächliches Schreiten. Solcherart Vorwurf geht freilich von einem einseitig naturalistischen Kunstbegriff aus.
1889 wird Rodin vom Panthéon in Paris beauftragt, ein Denkmal für Victor Hugo zu erschaffen. Rodin entschloss sich, den Nationaldichter in geradezu schonungslos realistischer Nacktheit, von Musen umringt, darzustellen. Das Besondere daran: Rodin zeigt das verehrte Idol nicht etwa in sonst üblicher idealisierter jugendlicher Nacktheit, sondern als alten Mann. Der skandalträchtige Entwurf wurde abgelehnt und das Monument kam nie zur Ausführung.
Das "Höllentor" (La porte de l’enfer) kann wohl als eigentliches Haupt- und Lebenswerk Rodins angesehen werden. Rodin erhielt bereits 1880 vom französischen Staat den Auftrag, ein Bronzeportal für das neue Musée des Arts Décoratifs in Paris zu entwerfen. Der Entwurf gelangte nie zur ursprünglich gewollten Ausführung. Trotzdem arbeitete Rodin annähernd 37 Jahre, bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1917, weiter an dem Tor, wobei er viele Figuren aus ihrem ursprünglichen Kontext isolieren und zu eigenständigen Kunstwerken erheben sollte - das bekannteste Beispiel ist hierbei wohl Der Denker (Le Penseur). Erst posthum (1926) sollte der erste Bronzeguss des Höllentores zur Ausführung kommen. Die ursprüngliche literarische Inspiration für das Werk stellte Dante Alighieris "Divina Commedia" dar. Im Laufe der Be- und Überarbeitung wurden jedoch noch andere Werke, besonders Charles Baudelaires "Die Blumen des Bösen" befruchtender Einfluss auf die Darstellung der verdammten Gestalten, die den existenziellen Kampf gegen die Hoffnungslosigkeit des Todes führen.
Mann | Franzose | Bildhauer | Geboren 1840 | Gestorben 1917
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