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August Friedrich Ferdinand von Kotzebue (* 3. Mai 1761 in Weimar, † 23. März 1819 in Mannheim (ermordet)) war ein deutscher Dramatiker. Er war der Vater von Otto von Kotzebue.

Leben


Kotzebues Tod.png Nach Besuch des Gymnasiums seiner Geburtsstadt begann er mit 16 Jahren das Studium der Rechtswissenschaften auf der Universität Jena, das er in Duisburg fortsetzte und 1780 abschloss.

Durch Beziehungen des Grafen Gortz, dem preußischen Botschafter am russischen Hof, wurde er Sekretär des Generalgouverneurs in Sankt Petersburg. 1783 wurde er zum Assessor am Obersten Gerichtshof in Reval berufen und heiratete die Tochter eines russischen Generalleutnants. Er wurde in den Adelsstand erhoben und 1785 Präsident des Magistrats der Provinz Estland.

In Reval erwarb er sich Anerkennung durch seine Romane Die Leiden der Ortenbergischen Familie (1785) und Die Geschichte meines Vaters (1788) sowie durch die Dramen Adelheid von Wulfingen (1789), Menschenhass und Reue (1790) und Die Indianer in England (1790). Der positive Ruf, der aus diesen Arbeiten erwuchs, wurde jedoch nahezu zerstört durch die drastische zynische Satire Doktor Bahrdt mit der eisernen Stirn, welche 1790 mit dem Namen Knigges auf der Titelseite erschien. Nach dem Tod seiner ersten Frau zog Kotzebue sich vom Dienst in Russland zurück und lebte eine Zeit in Paris und Mainz. 1795 zog er auf ein Anwesen, das er nahe Reval erworben hatte, und widmete sich der literarischen Arbeit.

Innerhalb weniger Jahre veröffentlichte er sechs Bände verschiedener Skizzen und Erzählungen (Die jüngsten Kinder meiner Laune, 1793-1796) und mehr als zwanzig Dramen, wovon viele in mehrere europäische Sprachen übersetzt wurden. 1798 nahm er den Ruf als Direktor am Hoftheater in Wien an, legte das Amt aber infolge von Meinungsverschiedenheiten mit den Schauspielern bald nieder.

Er kehrte in seine Geburtsstadt zurück, aber da zwischen ihm und Johann Wolfgang von Goethe kein gutes Verhältnis bestand und er zudem die romantische Schule angegriffen hatte, wurde seine Position in Weimar unhaltbar. Er beschloss, nach St. Petersburg zurückzukehren, aber auf seiner Reise dorthin wurde er wegen des Verdachts, er sei Jakobiner, an der Grenze verhaftet und nach Sibirien verbannt. Glücklicherweise hatte er eine Komödie geschrieben, die der Eitelkeit des Zaren Paul I. schmeichelte; er wurde infolgedessen bald zurückgeholt, begnadigt und mit einem Gut in Livland entschädigt. In Petersburg wurde er Direktor des deutschen Theaters.

Nach der Ermordung des Zaren kehrte er 1801 nach Deutschland zurück. Er vermochte aber nicht in der literarischen Gesellschaft Weimars Fuß zu fassen und wandte seine Schritte nach Berlin, wo er in Verbindung mit Garlieb Helwig Merkel (1769-1850) Der Freimutige (1803-1807) herausgab und seinen Almanach dramatischer Spiele (1803-1820) begann.

Nach Napoleons Sieg 1806 flüchtete er nach Russland, wo er im Schutz seines Gutes in Estland zahlreiche satirische Artikel gegen Napoleon in seinen Journalen Die Biene und Die Grille verfasste. 1816 kam er zur außenpolitischen Abteilung in St. Petersburg und ging 1817 mit einem Gehalt von 15.000 Rubel als Generalkonsul im russischen Auftrag nach Deutschland. In seinem Literarischen Wochenblatt, das er in Weimar veröffentlichte, griff er die deutschen Universitäten und vornehmlich die Burschenschaften und Turnerbünde als Brutstätten der Revolution sowie den politischen Liberalismus an und verspottete den von den Studenten verehrten Turnvater Jahn.

Auf dem Wartburgfest 1817 wurde im Zuge der dort zelebrierten Bücherverbrennung seine "Geschichte des deutschen Reichs" den Flammen übergeben, worauf er nach Mannheim umzog.

Der Burschenschafter und Theologiestudent Karl Ludwig Sand folgte ihm nach Mannheim und erstach ihn am 23. März 1819 vor den Augen seiner Kinder mit den Worten: "... hier, Du Verräter des Vaterlandes." (Im Mai 1820 wurde Sand wegen dieses Mordes hingerichtet). Dieses Attentat diente der Regierung zum willkommenen Vorwand für die mit den Karlsbader Beschlüssen ergangenen Restriktionsmaßnahmen der strengen Kontrolle an den Hochschulen und der Zensur.

Außer seinen Spielen schrieb Kotzebue einige historische Arbeiten, die jedoch einseitig und relativ bedeutungslos blieben. Mehr Interesse verdienen seine autobiographischen Schriften Meine Flucht nach Paris im Winter 1790 (1791), Über meinen Aufenthalt in Wien (1799), Das merkwürdigste Jahr meines Lebens (1801), Erinnerungen aus Paris (1804) und Erinnerungen von Meiner Reise aus Liefland nach Rom und Neapel (1805).

Die Zahl seiner Lustspiele und Dramen belief sich auf über 220; 87 davon inszenierte Goethe mit insgesamt 600 Vorstellungen. Kotzebues Popularität war beispiellos, nicht bloß auf der deutschen, sondern auch auf der europäischen Bühne. Sein Erfolg basierte auf seinem Gespür für populäres Theater in Stoff und Gestaltung. Beispiele dafür sind seine Komödien Der Wildfang, Die beiden Klingsberg und Die deutschen Kleinstädter, die eindrückliche Genreschilderungen deutschen Lebens enthalten. Die literarisch-ästhetische Qualität seines Werks ist eher begrenzt.

Der bis heute unvergessene, aber nicht mehr gespielte Kotzebue gilt als ein Vater der dramatischen Trivialliteratur, womit ihm zugleich ein Anteil an der Schaffung einer bürgerlichen Öffentlichkeit im Deutschland des 19. Jahrhunderts als Verdienst bleibt.

Zu Lebzeiten wurden zwei Sammlungen von Kotzebues Dramen veröffentlicht: Schauspiele (5 Bde., 1797); Neue Schauspiele (23 Bde., 1798-1820). Sämtliche dramatische Werke erschienen 1827-1829 in 44 Bänden und unter dem Titel Theater 1840-1841 in 40 Bänden. Eine Auswahl seiner Stücke in 10 Bänden erschien in Leipzig 1867-1868.

Das Grab von Kotzebue befindet sich auf dem Hauptfriedhof Mannheim, nur wenige Meter von dem Grab seines Mörders entfernt.

Literatur


  • Peter Brückner: "... bewahre uns Gott in Deutschland vor irgendeiner Revolution!". Die Ermordung des Staatsrats v. Kotzebue durch den Studenten Sand. Berlin: Wagenbach 1975. (= Wagenbachs Taschenbücherei; 6) ISBN 3-8031-2006-3
  • Armin Gebhardt: August von Kotzebue. Theatergenie zur Goethezeit. Marburg: Tectum-Verl. 2003. ISBN 3-8288-8482-2
  • Gerhard Giesemann: Zur Entwicklung des slovenischen Nationaltheaters. Versuch einer Darstellung typologischer Erscheinungen am Beispiel der Rezeption Kotzebues. München: Trofenik 1975. (= Geschichte, Kultur und Geisteswelt der Slowenen; 13) ISBN 3-87828-083-1
  • Peter Kaeding: August von Kotzebue. Auch ein deutsches Dichterleben. Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 1988. ISBN 3-421-06252-8
  • Josef Kotzur: Die Auseinandersetzung zwischen Kotzebue und der Frühromantik um die Jahrhundertwende. Gleiwitz: Oberschles. Volksstimme 1932.
  • Doris Maurer: August von Kotzebue. Ursachen seines Erfolges, konstante Elemente der unterhaltenden Dramatik. Bonn: Bouvier 1979. (= Bonner Arbeiten zur deutschen Literatur; 34) ISBN 3-416-01501-0
  • Jörg F. Meyer: Verehrt. Verdammt. Vergessen. August von Kotzebue. Werk und Wirkung. Frankfurt am Main u.a.: Lang 2005. (= Historisch-kritische Arbeiten zur deutschen Literatur; 38) ISBN 3-631-53521-X
  • Heinz-Joachim Simon: Kotzebue. Eine deutsche Geschichte. München: Universitas 1998. ISBN 3-8004-1370-1
  • Gerhard Stenger: Goethe und August von Kotzebue. Breslau: Hirt 1910. (= Breslauer Beiträge zur Literaturgeschichte; 22; N.F. 12)
  • Frithjof Stock: Kotzebue im literarischen Leben der Goethezeit. Polemik, Kritik, Publikum. Düsseldorf: Bertelsmann Univ.-Verl. 1971. (= Literatur in der Gesellschaft; 1) ISBN 3-571-09296-1
  • Johannes Strohschänk: William Dunlap und August von Kotzebue - deutsches Drama in New York um 1800. Stuttgart: Heinz 1992. (= American German studies; 7) ISBN 3-88099-630-X

Weblinks


Mann | Deutscher | Geboren 1761 | Gestorben 1819 | Autor | Literatur (18. Jh.) | Literatur (19. Jh.) | Literatur (Deutsch) | Roman, Epik | Drama

August von Kotzebue | Коцебу, Август фон

 

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