August Thieme (* 26. Februar 1780 in Allstedt, † 13. Juni 1860 in Allstedt), war ein deutscher Dichter des weimarischen Dichterkreises.
Gotthard Christian August Thieme wurde als 3. Sohn des Diakonus Gottfried Thieme in Allstedt geboren. Nach dem Besuch der Rektoratsschule in Allstedt und der Klosterschule in Roßleben studierte er von 1798 bis 1801 Philosophie und Theologie in Halle (Saale) und Jena, wo er auch Mitglied der Lateinischen Sozietät war. Auf Anraten Herders ging er 1801 als Hauslehrer auf die von Dähnschen Güter bei Friedrichsham in Finnland, war 1803 bis 1804 Oberlehrer an der Katharinenschule in Petersburg und heiratete dort seine Cousine Luise Wahl. Von 1804 bis 1811 war er von der Universität Dorpat als Schulinspektor des Finnländischen Gouvernements für Wiborg und Kexholm berufen. 1812 kehrten er und seine Familie, bedingt durch die Erkrankung seiner Mutter, nach Thüringen zurück, wo er zunächst für kurze Zeit das Diakonat von Lobeda, später (1813) das von Ilmenau übernahm. 1817 wurde er von der Universität Jena zum Lizenziaten der Theologie ernannt. Im Jahre 1822 erhielt er einen Ruf als Diakonus in seine Geburtsstadt Allstedt, dem er folgte. Nach dem Tod seiner Frau Luise (1843) heiratete er (1845) seine Schülerin Julie von Broizem. Er starb dort in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni 1860.
Weitere Besucher dieser Abende waren u.a. der 1835 als Vizepräsident der Petersburger Akademie der Wissenschaften verstorbene Heinrich Friedrich von Storch und die Dichter Ludwig Heinrich von Nicolay, Friedrich Maximilian von Klinger und August von Kotzebue. Mit diesen und anderen Geistesgrößen seiner Zeit führte Thieme auch einen regen Briefwechsel.
Zu dieser Zeit war Thieme einer der herausragenden Mitarbeiter der von den "deutschen Dichtern im Norden" herausgegebenen Zeitschrift Ruthenia; daneben schrieb er eine finnische Grammatik und über finnische Mythologie sowie schulpädagogische Programme; auch behandelte er mehrere Stoffe aus der Russischen Geschichte dramatisch. Eines dieser Stücke: "Peter der Große bei Pultawa", wurde am deutschen Theater in Petersburg aufgeführt, bald darauf jedoch verboten und konfisziert.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er mit dem Weimarischen Legionsrath und Satiriker Johannes Daniel Falk befreundet, welcher an der von ihm bereits 1819 projektierten Herausgabe der Thiemeschen Gedichte nur durch den Tod verhindert wurde; er hatte des öfteren Kontakt mit Johann Wolfgang von Goethe, der den mit Thieme gleichfalls befreundeten Bergrath Johann Carl Wilhelm Voigt häufig in Ilmenau zu besuchen pflegte. Unter dem 8. Mai 1822 erwähnt der Weimarer Kanzler Friedrich von Müller ein Gespräch mit Goethe "über religiöse Gegenstände, veranlaßt durch Thiemens Geschichte".
Während seines mittleren und höheren Alters gab er sich mit besonderer Vorliebe dem Studium der Naturwissenschaften hin, und fand, wie Alfred von Wolzogen in seinem Vorwort zur 2. Auflage der Gedichte (Naumburg 1855) schreibt, "in einem idyllisch-beseligenden Familienleben voll stiller, nur seinem nächsten Umgange bekannter dichterischer Tätigkeit Ersatz für die in Russland abgeschlossene glänzendere Lebenslaufbahn." Doch "die Meisterschaft des Dichters im lyrischen Fache" war Thiemes Zeitgenossen keineswegs entgangen. Karl Müller hat sie in der Halleschen Allgemeinen Literatur-Zeitung 1849 in seiner Rezension der 1. Auflage der Gedichte (Berlin 1848) entsprechend gewürdigt und Thiemes Zurückhaltung als poetisches Programm gedeutet: "Er * im vollen Sinne des Wortes ein Dichter für die Hütten, nicht für den Palast wie Göthe. Mit anderen Dichtern wissen wir ihn durchaus nicht zu vergleichen; doch steht jeder dieser drei Dichter im höchsten Grade selbständig da, jeder hat einen Vorzug vor dem andern: Göthe besitzt das Plastische der Idee, Schiller die Meisterschaft der Form, Thieme die Unmittelbarkeit, über welcher, wie über der grünen Natur, ein unaussprechlicher Friede schwebt."
Thieme selbst formuliert sein poetisch-wissenschaftlich-pädagogisches Credo in einem Dreizeiler vom Oktober 1834:
"Im Glauben, - in der Wissenschaft, - in der Liebe -
in allen Genüssen des Lebens, gehört immer das
Einfachste - in die Erste Klasse!"
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