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Attila_-_2001
 

450_roman-hunnic-empire_1764x1116.jpg Attila (auch als Etzel bekannt; † 453), Sohn des Mundzuk, war ein König der Hunnen, der als so genannte Geißel Gottes Europa bedrängte und ein heterogen zusammengesetztes und nur kurze Zeit existierendes Großreich errichtete.

Leben


Attila, der sich in seiner Jugend am römischen Hof in Ravenna als Geisel aufgehalten hatte, vollendete zusammen mit seinem Bruder Bleda die von ihrem Onkel Rua (Ruga) begonnene, weitgehende Einigung der (westlichen) Hunnen, wenngleich Attila nie über alle Hunnen herrschte. Das neue Reich, über das er seit 434 zusammen mit Bleda herrschte, umfasste zudem höchst verschiedene iranische und germanische Völkerschaften, wobei es sich in etwa vom Kaukasus bis zum Rhein erstreckte. Attila, der seinen Bruder Bleda um 445 ermorden ließ, bezog Hof in der heutigen ungarischen Tiefebene an der Theiß.

Zum weströmischen Reich unterhielt Attila zunächst gute Kontakte. Grund dafür war vor allem die Politik des römischen Magister militum Flavius Aetius, der eine Zeit lang Geisel bei den Hunnen gewesen war und sie daher gut kannte. Er war mit Hilfe hunnischer Hilfstruppen an die Macht gekommen und hatte mit ihrer Hilfe auch das Burgunderreich von Worms um 436 vernichtet (dies ist der historische Kern der Nibelungensaga; bei den dort auftauchenden Hunnen handelt es sich um römische Hilfstruppen, nicht um Attilas Truppen). Aetius trat Attila sogar Teile Pannoniens ab. Trotz mancher Raubzüge, die materiellen Gewinn einbrachten, sah Attila eine Anlehnung an das Römische Reich zweifellos als einen wichtigen Faktor zur Stabilisierung seines lose aufgebauten Herrschaftsraumes an, zumal auch einige Römer in der hunnischen „Verwaltung“ arbeiteten (beispielsweise Orestes, der später seinen Sohn Romulus Augustulus zum der traditionellen Zählung letzten weströmischen Kaiser ausrufen ließ).

450 stellte der oströmische Kaiser Markian die jährlichen Tributzahlungen an die Hunnen ein. Attila musste sich nach einer neuen Quelle umsehen, zumal der Balkan kaum mehr Beute hergegeben hätte, und fand diese: Im weströmischen Reich war die Schwester Kaiser Valentinians III., Justa Grata Honoria, aufgrund des Bruchs eines Keuschheitsgelübdes zeitweise nach Konstantinopel verbannt worden. Nun ließ Honoria Attila angeblich ein Heiratsangebot zukommen, um sich so zu rächen . So seltsam diese Geschichte klingen mag, Attila erhob jedenfalls Ansprüche auf die Hälfte des weströmischen Reiches. Valentinian dachte jedoch verständlicherweise gar nicht daran, dem nachzukommen, woraufhin Attila in Gallien einfiel. Metz und Orleans fielen, doch war es Aetius in der Zwischenzeit gelungen, einen effektiven Widerstand zu organisieren, wobei er sich vor allem auf die in Aquitanien angesiedelten Westgoten verließ, denen daran gelegen sein musste, Attila so weit wie möglich von ihrem Siedlungsland fernzuhalten.

In der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (die bis heute nicht genau lokalisiert werden konnten, aber meist bei Chalons-sur-Marne vermutet werden) im Jahre 451 wurde Attilas Vielvölkerheer von Römern und Westgoten zurückgeschlagen, aber nicht vernichtet. Attila zog sich zurück, was Aetius zuließ, und fiel 452 in Italien ein. Aquileia wurde restlos zerstört, Mailand, Bergamo und andere Städte erobert. Die (halb legendäre) Begegnung mit dem römischen Bischof Leo I. beinhaltet vielleicht einen historischen Kern (auch wenn das Treffen nicht vor Rom stattfand), doch war es letztendlich Aetius' Verdienst, Attilas Militärkraft soweit geschwächt zu haben, dass an eine Eroberung Roms nicht mehr zu denken war, zumal das Heer auch durch Seuchen geschwächt war.

Attila zog sich in seinen alten Herrschaftsraum zurück und starb 453 in seiner Hochzeitsnacht mit der Gotin Ildikó. Sein Reich überdauerte sein Ende nur um kurze Zeit. Es kam zu Nachfolgekämpfen, und mehrere unterdrückte Völker brachen aus dem hunnischen Reich aus, welches bald darauf zusammenbrach.

Attila wird in den zeitgenössischen Quellen meist sehr düster beschrieben, was sicherlich auch seinen teils mit äußerster Brutalität geführten Kriegszügen Rechnung trug. Einen zuverlässigeren Bericht liefert ein erhaltenes Fragment aus dem Geschichtswerk des Priscus, der um 450 als oströmischer Gesandter an Attilas Hof gekommen war. Attila lehnte sich an die spätantike Mittelmeerwelt an, wobei er wohl - wie auch die Germanen - die römische Herrschaftspraxis als Vorbild für die Regierung seines weite Räume umfassenden Vielvölkerreiches nahm. Das Hunnenreich, welches ein Vorbote der darauffolgenden Reiche der Steppenvölker im Mittelalter war (siehe beispielsweise die Awaren), war jedoch zu lose aufgebaut und zu sehr auf den Herrscher ausgerichtet, zumal Attila als Feldherr einige Fehler unterliefen .

Rezeption


Attila lebte als legendäre Figur weiter, so in der Servatiuslegende, insbesondere aber in der Gestalt des Etzel im Nibelungenlied (oder des Atli in der Volsunga-Saga und des Attilius in der Thidrekssaga). Auch die Legende der Hl. Ursula hielt seinen Namen populär. Vor- und frühgeschichtliche Bodendenkmäler wurden in Mittelalter und früher Neuzeit nicht selten mit Attila und seinen Hunnen in Verbindung gebracht. So ist im 14. Jahrhundert der Name „Etzelsburg“ für das Römerkastell Schirenhof bei Schwäbisch Gmünd belegt. Es soll historisch überliefert sein, dass Attila ein kleiner, schmächtiger und rotbärtiger Mann war.

Namensherkunft


Der Name „Attila“ stammt womöglich vom Geburtsort des Hunnen-Herrschers: Dieser wurde in der Nähe der Wolga geboren, die die (vielfach als Hunnen begriffenen) Onoguren Atil und die ihnen verwandten (frühtürkischen) Sabiren Etil nannten. Auch die Magyaren nannten den Fluss ähnlich: Etel. Etele ist in Ungarn auch heute noch eine Variante des Namens Attila.

Eine andere mögliche Erklärung besagt, dass der Name aus den Wörtern atta (Vater) und il (Land, Gebiet) zusammengesetzt ist. Demnach hieße Attila Landesvater. Die bekannteste Version ist jedoch, dass Attila mit Väterchen zu übersetzen ist (aus alttürk.: atta - > Vater; vgl. auch Atatürk). Diese Thesen der Namensherkunft werden überwiegend von der heutigen türkischen Turkologie vertreten.

Nach Auffassung (nicht nur) der deutschsprachigen Forschung stammt der Begriff „Attila“ nicht aus einer Turksprache, sondern aus dem Gotischen und ist vom Wort atta abgeleitet. Als Beleg hierfür wird oft die westgotische Bibelübersetzung des Wulfila aus dem vierten Jahrhundert angeführt, in der das Wort Ata die Bedeutung „Vater“ hat. Demnach wäre At(t)ila als Verkleinerungsform aufzufassen und mit „Väterchen“ zu übersetzen. Da Goten und Hunnen nach 375 vielfache Verbindungen miteinander eingingen und auch andere Fälle von Goten mit hunnischen und Hunnen mit gotischen Namen bekannt sind, gilt dieser Erklärungsansatz nach wie vor als der plausibelste. Sicherheit lässt sich aber kaum gewinnen.

Der Name selbst wurde vermutlich als Attila von den Römern übernommen und verbreitet. Im Nibelungenlied, das auf Mittelhochdeutsch verfasst wurde, wird Attila als Etzel bezeichnet; Die mittelhochdeutsche Namensform Etzel entspricht lautgesetzlich genau der Vorform Attila.

Attila und Ildikó sind heute noch populäre Namen in Ungarn und in der Türkei. Eine Schreibvariante in Ungarn ist Atilla, mit einem t und Doppel-l. Attila gab seinen Namen einer im 19. Jh. in Ungarn in die Männermode gekommenen Mantelart, der atilla.

Siehe auch


Literatur


  • Otto J. Maenchen-Helfen: Die Welt der Hunnen, Wiesbaden 1997 (Erstaufl. 1978; Standardwerk bzgl. der Hunnen).
  • Edward A. Thompson: The Huns, 2. durchgesehene und mit einem Nachwort von Peter J. Heather versehene Aufl., Oxford 1999.
  • Gerhard Wirth: Attila. Das Hunnenreich und Europa, Stuttgart 1999, ISBN 3-17-014232-1 (die neben Maenchen-Helfen beste deutschsprachige Darstellung zum Thema).

Weblinks


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