Das assyrische Reich existierte ca. 1000 Jahre, vom 17. Jahrhundert vor Christus bis zu seiner vollständigen Vernichtung um 608 v. Chr. Es ist von der Forschung in drei Perioden eingeteilt worden: das alt-, mittel- und neuassyrische Reich. Das neuassyrische Reich (ca. 750–620 v. Chr.) gilt als das erste Großreich der Weltgeschichte.
Der Schriftsteller und Wissenschaftler Harry Sager in seinem Buch ´die Herrlichkeit Babylons´ beschreibt die regionale Bezeichnung des Gebietes: Die Bezeichnungen Assyrien und Babylon sind homogen und bedeuten ursprünglich die Bezeichnungen der Hauptreiche, des nördlichen und des südlichen in der Region.... Doch sie wurden in einer ungenauen Form benutzt um die nördlichen und südlichen Gebieten zu beschreiben, ohne auf die politische Lage zurückzublicken, um auch Zeiten zu beschreiben vor dem Existenz Babylons.
Die Assyrer sind seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. am mittleren Tigris nachgewiesen. Ihr Reich stieg im 8. Jahrhundert v. Chr. zum Großreich auf. Die Kultur Assyriens war wie die der Akkader sumerisch beeinflusst, jedoch lassen sich auch Einflüsse der Hurriter, Hethiter sowie der Iranier feststellen.
Die Sprache der Assyrer war assyrisch, ein akkadischer Dialekt. Die Assyrer zeichneten sich einerseits durch ihre Eroberungen aus, vollbrachten aber auch hohe kulturelle Leistungen. Ihr Hauptgott war Assur, der Schutzgottheit der gleichnamigen Hauptstadt.
Es folgte eine Zeit unter den Hurritern. Die Levante war zwischen Hethitern, Mitanni und Assyrern umkämpft. Die durch das aufstrebende Ägypten im Süden und die Hethiter im Norden geschwächten Mitanni unterlagen Assyrien unter Salmanassar I. (etwa 1400 v. Chr.). Durch einen Hethitereinfall wurde Assyrien geschwächt. In der Endphase des altassyrischen Reiches wurde Assyrien wieder (?) ein Vasallenstaat der Mitanni (ab 1450 v. Chr.).
Eriba-adad (1392 v. Chr.–1366 v. Chr.) konnte Assyrien von der Herrschaft der Mitanni befreien, gegen den von den Hethitern eingerichteten Nachfolgestaat Hanigalbat mussten die Assyrer aber auch weiterhin schwere Kämpfe austragen, um sich in Obermesopotamien als Macht etablieren zu können.
Tukulti-ninurta (1243–1207) nahm nach Siegen über die Hethiter und die Babylonier den Titel „König der Gesamtheit“ an. Unter ihm werden erstmals Deportationen der Bevölkerung aus den unterworfenen Gebieten erwähnt – eine Praxis, die im späteren neuassyrischen Großreich riesige Ausmaße annahm. Etwa 3 km nördlich von Assur ließ der König eine neue Residenz errichten; diese wurde aber bereits kurze Zeit später wieder aufgegeben, nachdem Tukulti-ninurta bei einer Palastrevolution von seinen Söhnen getötet worden war. Durch diese inneren Unruhen geschwächt, verlor das mittelassyrische Reich Babylon an Elam. König Assur-rescha-ischi I. (1132–1115) begann eine erneute Expansionspolitik und ebnete damit seinem Nachfolger Tiglatpileser I. den Weg.
Tiglatpileser I. (1114–1076) konnte auf neue Waffen mit enormer Durchsetzungskraft zurückgreifen, denn sie waren erstmals aus Eisen gefertigt. Der neue König konnte den assyrischen Machtbereich enorm erweitern. Im Süden waren die in Babylon ansässigen Kassiten bereits sehr schwach, so dass die erneute Einnahme der altehrwürdigen Stadt wohl nicht sehr schwer fiel. Im Norden war das Reich der Hethiter zu Grunde gegangen; dadurch konnte Tiglatpileser in neue Gebiete vordringen und das assyrische Reich bis zum Taurus und der Küste des Mittelmeeres erweitern. In seinen Inschriften stellt der König die Fahrt mit einem Boot, bei der er ein Meerestier (wohl einen Delphin) erlegte, als Höhepunkt seiner Herrschaft dar. Seine Nachfahren konnten dieses große Reich aber nicht zusammenhalten. Die einwandernden Aramäer eroberten weite Teile Nordsyriens. Die Assyrer wurden auf ihr Kerngebiet im nördlichen Mesopotamien zurückgedrängt.
Die unmittelbaren Vorgänger von Assur-Nasirpal II. (883–859 v. Chr.) machten Assyrien durch zahlreiche Feldzüge zur Vormacht im mesopotamischen Tiefland. In mehreren Schlachten brachte Assur-Nasirpal die Routen zum Mittelmeer, die bereits unter Tiglatpileser I. kurzfristig kontrolliert worden waren, unter assyrische Herrschaft. Assurnasirpal II. legte in diesen Gebieten Garnisonen an und ging gegen Aufstände mit brutaler Grausamkeit vor. Sein Sohn Salmanassar III. (858–824) schob die Grenze des assyrischen Reiches noch weiter in Richtung auf das südliche Syrien und Israel vor. Angesichts der drohenden Gefahr schlossen sich mehrere Fürstentümer zu einer Allianz zusammen, der unter anderm Israel und der König von Damaskus angehörten. In der Schlacht von Karkar 853 v. Chr. konnte diese Koalition aus ansonsten rivalisierenden Herrschern den assyrischen Vormarsch stoppen. Áuch im Norden leistete ein neues Reich namens Urartu Salmanassar erfolgreich Widerstand.
In den nächsten 80 Jahren konnten die neu eroberten Gebiete nicht gehalten werden; durch innere Krisen, die bereits zu Lebzeiten Salmanassars entstanden, mussten sich die folgenden Herrscher wieder mehr auf die Schlichtung innerer Konflikte konzentrieren. Vor allem das Königreich Urartu machte den Königen enorm zu schaffen; aufgrund seiner bergigen Landschaft war es kaum zu erobern und stellte eine enorme Bedrohung für das assyrische Kernreich dar. So war das neuassyrische Reich beim Regierungsantritt Tiglatpilesers III. an einem neuen Tiefpunkt seiner Geschichte angelangt.
Als Tiglatpileser III. den Thron bestieg, war das Land war durch Seuchen, innere Unruhen und den Machtanstieg des Königreichs Urartu geschwächt. Bis heute ist nicht genau geklärt, wie Tiglatpileser an die Macht kam. Da seiner Königskrönung eine Militärrevolte vorausging, gehörte er wahrscheinlich nicht zur bis dahin herrschenden Dynastie. Emil Forrer vermutet, Tiglatpileser sei Statthalter einer der riesigen Bezirke des assyrischen Reiches gewesen. Diese Verwalter hatten im Lauf ihre Macht sehr erweitert, schließlich wurde das Amt erblich. Sofort nach seiner Machtübernahme verdoppelte Tiglatpileser die Zahl der Bezirke. Vielleicht machte ihm die eigene Erfahrung bewusst, dass ein Statthalter mächtig genug werden konnte, um die herrschende Dynastie vom Thron zu stoßen.
Das Hauptinteresse Tiglatpileser galt dem Zugang zum Mittelmeer und den dortigen Handelszentren. In mehreren Schlachten gelang es ihm, die Fürstentümer des heutigen Syrien und Libanon zu erobern und im Jahr 733 v. Chr. bis Aram (Damaskus) vorzudringen, das er belagerte. Damaskus war noch nie zuvor von einem assyrischen König erobert worden, und Tiglatpileser berichtet in seinen Annalen: „Jener (der König von Damaskus) floh allein, um sein Leben zu retten, und ging durch das Tor seiner Stadt wie eine Gans. 45 Tage lang lagerte ich um seine Stadt und hielt ihn gefangen wie einen Vogel im Käfig.“ Der Fall der Stadt wird nicht berichtet, die Forschung stimmt darin überein, dass dieser im Jahr darauf erfolgt sein muss. Jedenfalls spielt Damaskus ab dieser Zeit als Gegner Assyriens keine Rolle mehr und Tiglatpileser kann sein Herrschaftsgebiet bis nach Palästina und Gaza an die ägyptische Grenze ausweiten: „Hanno von Gaza [… floh zum Lande Ägypten. Gaza... eroberte ich.“ Damit erstreckte sich das assyrische Reich vom heutigen Israel bis zum persischen Golf. Nun ging Tiglatpileser daran, das eroberte Gebiet fester in sein Reich einzubinden.
In Babylon regierte seit 747 v. Chr. König Nabunasir von Gnaden Tiglatpilesers. Nach dem Tod Nabunasirs brachen in Babylon Thronwirren aus, die die Südgrenze Assyriens gefährdeten. Die Forschung ist sich über die Machtübernahme Tiglatpilesers nicht einig, doch liefert die babylonische Chronik einen relativ detaillierten Bericht: „Nadinu setzte sich in Babylon auf den Thron. Im Jahre 2 wurde Nadinu in einem Aufstand getötet. *" target="_blank" >am Aufstand beteiligt, setzte sich auf den Thron. Ukin-zir * und nahm Ukin-Zir gefangen. Tiglatpileser bestieg in Babylon den Thron.“ Tiglatpileser ließ sich unter dem Namen Pulu als babylonischer König krönen, damit kam es erstmals zu einer Vereingung der Throne Assyriens und Babyloniens. Als Tiglatpileser 727 v. Chr. starb, hinterließ er seinem Sohn Salmanassar V. ein Reich ungeheuren Ausmaßes, das sich sowohl im Inneren als auch nach außen hin relativ stabil und gefestigt präsentierte.
Im Bergland nördlich der Euphratebene hatte sich bereits unter den Vorgängern Tiglatpilesers – wahrscheinlich ironischerweise durch die Bedrohung Assyriens – aus mehreren Kleinfürstentümern das Königreich Urartu entwickelt, das dem aufstrebenden neuassyrischen Reich zunehmend Widerstand leisten sollte. So war Tiglatpileser auf seinem Weg zum Mittelmeer auf eine urartäische Armee getroffen, die er aber nach heftigem Kampf zurückschlagen konnte: „Sardauri vom Lande Urartu fiel von mir ab und (…) im Lande Kista und dem Lande Halpi schlug ich ihn bis zur Vernichtung.“ Auf Dauer konnte das den urartäischen Widerstand aber nicht brechen und zwei Jahrzehnte später sollte es erneut zu einer – diesmal entscheidenden – Schlacht kommen.
Salmanassar V., der Sohn Tiglatpilesers, konnte sich nicht lange auf dem Thron halten. Nach den Annalen seines Nachfolgers hatte er es gewagt, die Sonderstellung der heiligen Stadt Assur anzutasten. In der darauf folgenden Revolte 722 v. Chr. fiel Salmanassar einem Mordanschlag zum Opfer; es heißt, der Gott Assur habe ihn für seinen Frevel gestürzt. Über die Herkunft seines Nachfolgers Sargon II. ist so gut wie nichts bekannt. Sein Name, der übersetzt „rechter Herrscher“ bedeutet und somit eine Überbetonung der Legitimität darstellt, lässt die Forschung darauf schließen, dass er wohl nicht der bis dahin herrschenden Dynastie angehörte. Ein weiteres Indiz dafür könnte sein, dass sich Sargon als von Gott eingesetzt bezeichnet, aber nie seine Vorgänger nennt: „Sargon, (…) der Günstling der großen Götter, (…) welchem Assur und Merodach ein Königthum ohne gleichen verliehen und dessen Namens Ruf sie an die Spitze berufen haben.“
Nachdem Sargon die Ruhe im Reich wieder hergestellt hatte, wandte er sich zuerst gegen Babylon, wo ein Fürst namens Marduk-apla-iddina (biblisch: Merodochbaladan) die Wirren genutzt hatte, um sich auf den Thron zu setzen. Sargon berichtet in seiner großen Prunkinschrift von einem Sieg gegen die Allianz aus Babyloniern und dem König von Elam: „* brachte ich Humbanigas von Elam in der Vorstadt von Duril eine Niederlage bei.“ Einen gänzlich anderen Bericht über diese Schlacht liefert uns aber die babylonische Chronik: „Im zweiten Jahre Merodoch-Baladans lieferte Umbanigas, König von Elam, in dem Bezirke Dur-ilu Sargon, dem König von Assyrien, eine Schlacht. Er überzog Assyrien mit Verwüstung und erschlug ihrer viele. Merodach-Baladan und seine Leute, welche zur Hilfe des Königs von Elam gekommen waren, kamen nicht mehr zur rechten Zeit zur Schlacht und zogen hinterher.“ Sargon hatte also eine Niederlage erlitten, deren Auswirkungen er aber durch ein geschicktes Stillhalteabkommen mit Marduk-apla-iddina beschränken konnte.
Nach der Niederlage im Süden wandte sich Sargon II. dem Mittelmeer zu. Es gelang ihm, sein Reich bis nach Zypern und Kleinasien auszuweiten und mit den dort ansässigen Phrygern einen Waffenstillstand zu schließen. Unausweichlich jedoch war, dass es früher oder später zum Krieg gegen Urartu kommen würde. Wie gespannt das Verhältnis zum Königreich im Norden war, zeigt der unentwegte Briefwechsel Sargons mit seinen Statthaltern im Norden; so waren die Assyrer durch ein ganzes Heer an Spionen genauestens über alle Truppenbewegungen informiert, bis im Jahr 714 v. Chr. Sanherib, Kronprinz und Chef des Geheimdienstes, die entscheidende Information sandte: „An den König Der Ukkaen hat mir Kimmerer vernichtend geschlagen.“ Nun sah Sargon II. seine Chance zum entscheidenden Schlag gekommen. „Ursa von Urartu schlug ich auf dem unzugänglichen Berge Uaus und 250 seiner königlichen Sippe nahm ich gefangen. 55 starke mit Mauern versehene Städte seiner acht Gebiete nebst elf seiner Burgen eroberte und verbrannte ich. *" target="_blank" >Musasir, das auf Ursa von Urartu sich verlassen *" target="_blank" >bedecke ich mit Truppenmassen heuschreckengleich. *" target="_blank" >hörte, dass Musasir zerstört, sein Gott fortgeschleppt sei, und nahm sich [… mit dem eisernen Dolche seines Gürtels das Leben.“ Urartu konnte sich von dieser gewaltigen Niederlage zwar erholen, stellte aber für Assyrien keine Bedrohung mehr dar.
Mit dem Sieg über Urartu 714 v. Chr. hatte Sargon die größte Bedrohung für das mesopotamische Kernland ausgeschaltet. Es galt nun, die Niederlage gegen Merodochbaladan zu rächen und Babylon zurückzuerobern. 710 v. Chr. zog Sargon gegen Marduk-apla-iddina, der nach Süden in die Sümpfe floh. Die ländlichen Gebiete südlich von Babylon verwüstete Sargon, während er die alten Residenzstädte im Norden verschonte. Sargon zog in Babylon ein und ließ sich zum König krönen. Allerdings führte er diesen Titel in Zukunft – wahrscheinlich wegen der damit verbundenen Verpflichtungen – wohl nicht, wie aus einer seiner Inschriften hervorgeht: „Palast Sargons, des großen Königs, des mächtigen Königs, des Königs der Gesamtheit, des Königs von Assur, des Machthabers von Babylon.“ Gegenteilige Meinungen in der Forschung sind wahrscheinlich nicht korrekt.
Bereits 717 befahl Sargon den Bau einer neuen Residenzstadt in der Nähe des heutigen Khorsabad. Vor allem in den letzten, ruhigen Jahren seiner Herrschaft forcierte er diesen Plan mit allen Mitteln: „Baute ich oberhalb Ninives eine Stadt und nannte Dur Scharrukin ihren Namen. * plante ich bei Tag und bei Nacht.“ Die Anlage, die 706 v. Chr. fertig gestellt wurde, ist jedoch nie zu einer funktionsfähigen Hauptstadt geworden, da Sargon bereits ein Jahr später bei einem Feldzug ums Leben kam und sein Sohn Sanherib den Regierungssitz nach Ninive verlagerte.
Das in Nordmesopotamien gesprochene Assyrisch gehörte, wie das Babylonischen Südmesopotamiens zur akkadischen Sprache. Akkadisch wurde jedoch schon zur sargonischen und neubabylonischen Zeit vom Aramäischen verdrängt. Aramäer hatten sich in Mesopotamien herum angesiedelt oder waren hierher deportiert worden. Assyrisch blieb die offizielle Sprache, in der die amtlichen Schriftstücke abgefasst wurden, die als Tontafeln erhalten blieben. Das in Keilschrift geschriebene assyrisch nimmt schon unter den Sargoniden die Stellung ein, die Latein im mittelalterlichen Europa hatte.
Innerhalb von 40 Jahren hatten Tiglatpileser und Sargon Assyrien zum größten Reich Vorderasiens gemacht. Die Nachfolger Sargons, Sanherib und Assurhaddon, konnten ihr Herrschaftsgebiet durch zahlreiche Feldzüge und die Niederschlagung von Aufständen halten und sogar noch ausbauen. Als Assurhaddon 669 v. Chr. auf einem Feldzug gegen Ägypten starb, übernahm sein Sohn und Kronprinz Assurbanipal die Regierung. Dieser sollte zwei Jahre später mit der Einnahme Thebens, der Hauptstadt Oberägyptens, dem neuassyrischen Reich die größte Ausdehnung geben. Die 40-jährigen Herrschaft Assurbanipals (668–627) war eine Blütezeit: „ * ließ Ramman seinen Regen los, öffnete Ea seine Wasserhöhlen, ward das Getreide fünf Ellen hoch in seinen Ähren, ward die Ähre 5/6 Ellen lang, ließen die Baumpflanzungen die Frucht üppig werden, hatte das Vieh beim Werfen Gelingen. Während meiner Regierungszeit kam der Überfluss massenhaft herab, während meiner Jahre stürzte reichlich Segen hernieder.“ Doch es kam unter Assurbanipal auch zu blutigen Kämpfen, darunter ein Bruderkrieg mit Schamasch-sum-ukkin, dem König von Babylon, durch den das Reich nachhaltig geschwächt wurde.
Assurhaddon hatte bereits während seiner Regierungszeit seine Nachfolge geregelt. Er selbst war als einer der jüngeren Söhne Sanheribs nur dank der Fürsprache seiner energischen Mutter Zakutu auf den Thron gelangt. Diese beeinflusste ihn nun auch bei der Festlegung seiner Thronfolge. Nach dem Tod seines ältesten Sohnes ernannte er den jüngeren Assurbanipal zum Thronprinzen von Assyrien, während dessen älterer Bruder Schamasch-schum-ukkin den Thron in Babylon besteigen sollte. Diese Regelung sollte sich jedoch im Jahr 652 v. Chr. als verhängnisvoll erweisen. Während er in den ersten Jahren noch loyal gewesen war, verbündete sich Schamasch-schum-ukkin nun mit dem König von Elam und wandte sich gegen Assurbanipal. Nach zweijähriger Belagerung eroberte Assurbanipal das ausgehungerte Babylon, das er mit aller Härte bestrafte: „Zu dieser Zeit geschah es, dass die Leute von Akkadu Babylon, welche auf Seiten des Sammuges standen und Böses planten, der Hunger erfasste, und sie gegen ihren Hunger das Fleisch ihrer Söhne und Töchter aßen; und Aššur, Sin *" target="_blank" >in eine brennende Feuerstelle und vernichteten sein Leben. *" target="_blank" >Ihr zermetzeltes Fleisch ließ ich Hunde, Schweine und Geier [… essen.“ Nach der Einnahme Babylons zog Assurbanipal gegen Elam und eroberte die Hauptstadt Susa.
Aus den letzten Jahren des Assurbanipal wird über keine Feldzüge berichtet, so dass es sich hier wohl noch einmal um eine stabile Phase des Reiches gehandelt hat. Die gut erhaltenen Reliefs Assurbanipals zeigen ihn oft bei der Löwenjagd, die als besondere Leidenschaft des Großkönigs galt. Die Darstellungen zeigen ihn bei übermenschlichen Kämpfen, in denen der König der Tiere zum gewöhnlichen Wild degradiert wird. Wann genau Assurbanipal starb, ist nicht bekannt, es wird wohl um das Jahr 627 v. Chr. gewesen sein. In den nächsten zehn Jahren, über die wenig bekannt ist, änderten sich die Machtverhältnisse dann anscheinend grundlegend. 616 v. Chr. zog ein babylonisches Heer unter König Nabopolassar nach Assyrien, 614 fiel die ehrwürdige Stadt Aššur und 612, nach langem Kampf, auch Ninive. Damit war das assyrische Reich faktisch am Ende. Der letzte Assyrerkönig fand 608 den Tod. Das Ende Assyriens bedeutete den Aufstieg Babylons zur Vormacht in Mesopotamien. Nabopolassar und vor allem sein Sohn Nebukadnezar II. konnten ein Neu-Babylonisches Großreich errichten, bis es durch den Perserkönig Kyros II. unterworfen wurde. Um 539 v. Chr. war mit dem Fall Babylons das endgültige Ende der beiden großen mesopotamischen Kulturen gekommen, während eine noch größere Macht in die Geschichte eintrat: das Perserreich.
Um die Gründe für den plötzlichen Niedergang des Reiches zu beleuchten, kehren wir noch einmal zurück zur Einnahme von Theben im Jahr 667. Vermutlich waren bereits hier, zum Zeitpunkt der größten Ausdehnung, die Vorzeichen gegeben für den späteren Niedergang: Das neuassyrische Reich war nach neuerem Forschungsstand einzig und alleine auf Expansion ausgerichtet war. Die eroberten Gebiete wurden durch Deportationen und Steuern so lange ausgeblutet, bis nur eine weitere Expansion in Frage kam, um den Lebensstandard der Führungsschicht zu halten. Um die immer weiter entfernten Gebiete unter Kontrolle zu halten, mussten immer mehr Assyrer aus dem Kernland als Soldaten engesetzt, umgesiedelt bzw. zu Verwaltungsaufgaben abgezogen werden. Die so immer mehr abnehmende Produktivität des Kernlandes zwang wiederum zur Ausbeutung der eroberten Gebiete und zu damit zu weiteren Expansionen; dass dieser Teufelskreis zur Katastrophe führen musste, ist offensichtlich. So waren wohl bereits bei der Eroberung Thebens die Ressourcen an Verwaltungspersonal erschöpft. Dies führte nicht zu einem sofortigen Zusammenbruch, wie sich an der 40-jährigen Herrschaft Assurbanipals zeigt. Das instabil gewordene Reich konnte durch einen starken König, reiche Ernten und relativ wenige Unruhen an den Außengrenzen noch standhalten. Durch das Zusammentreffen mehrerer negativer, weitgehend unbekannter Parameter (evtl. schwache Herrscher, Aufstand in Babylon, Erstarken der Meder) kam es zum endgültigen und totalen Kollaps. Die Folge war nicht nur ein Einbruch an den Rändern, sondern der komplette Zusammenbruch des ganzen Reiches bis hin zum Kern. Solche und ähnliche Zusammenbrüche expansiver Imperien sollten sich im Lauf der Geschichte auf vielfältige Weise wiederholen.
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"Geschichte des assyrischen Reiches".
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