Die heutigen „assyrischen“ bzw. „aramäischen“ Christen wirken zumeist im Irak, in Syrien, im Libanon oder in der westlichen Diaspora (insbesondere in Europa und Amerika). In den alten Siedlungsgebieten in Hakkari und im Tur Abdin in der heutigen Türkei gibt es wegen starker Ab- und Auswanderung kaum noch syrische Christen. Doch im Nordirak, in der Ebene von Mosul und in der Region Bagdad sowie in Nordost-, Zentral-Syrien und drei Dörfern in der Umgebung von Damaskus, darunter Maalula, lebt noch immer eine große Anzahl. Aus einem vergleichbaren Artikel der Wikipedia (arabic) lesen wir aus der arabischen Sprache übersetzt, dass viele der heutigen Bewohner Iraks und Syriens Nachfahren der Assyrer sind.
Als Christen sind die „Assyrer" und "Chaldäer" nicht nur Anhänger eines theologischen Credos, sondern empfinden sich als Glieder einer lebendigen Gemeinschaft. Daher wird die Spaltung der Apostolischen Kirche des Ostens in rivalisierende Konfessionen und Kirchenorganisationen zugleich als Teilung des einen mesopotamischen Christenvolkes erlebt. Die in der Bedrängnis der Gegenwart gebotenen Anstrengungen um dessen Einigung und Festigung zeigen in Heimat wie Diaspora ein breites, nicht immer spannungsfreies Spektrum von religiös-kirchlichen bis politisch-säkularen Initiativen.
Die Benennung von Christen als „Assyrer“ kann mit allgemein- oder kulturpolitischen Zielen einhergehen und mit unterschiedlichen Hypothesen über die ethnische Herkunft dieser Personengruppe verbunden sein. Siehe: Assyrische Nationalfrage, Assyrische Nationalbewegung, Assyrismus, Panmesopotamismus, Shuraya-Partei.
Professor für Assyriologie an der Universität von Helsinki Simon Parpola schreibt in „Assyrians after Assyria“ (1999), dass an der Universität von Helsinki ein langfristiges Projekt gestartet wurde mit dem Namen (Melammu) mit dem Ziel die Archivierung der Kontinuität und der Umzug. der kulturellen und der ethnischen Identität der Assyrer nach dem Fall des assyrischen Imperiums bis zu unserer gegenwärtigen Zeit.
Nach dem Krieg siedelte Großbritannien assyrische Flüchtlinge in den irakischen Städten Mosul und Kirkuk sowie bei Bagdad wieder an. Mehr noch, aus vertriebenen Assyrern gebildete Hilfstruppen, die Levi Rifles, halfen den Briten und der RAF im Krieg, doch diese hatten nur den Ziel der Wiedergründung eines assyrischen Staates in ihren Ursiedlungsgebiten.
Als wichtigstes Anhängsel der britischen Mandatsmacht waren sie nach der formalen Unabhängigkeit Iraks 1932 und dem Abbau der britischen Truppenpräsenz verstärkt dem fanatischen Volkszorn der muslimischen Völker Iraks ausgesetzt. Viele assyrische Familien flohen nach Syrien, wurden aber von der dortigen Mandatsmacht Frankreich zurückgeschickt. Der zurückkehrende Flüchtlingszug wurde 1933 in Kirkuk von Kurden überfallen, hunderte Assyrer (auch Frauen und Kinder) massakriert. Daraufhin kam es zu aufstandsähnlichen Unruhen in Mosul und Kirkuk, die Assyrer griffen zu den Waffen und griffen ihrerseits die Truppen der arabischen bzw. kurdischen Muslime an (Gabriele Younan, ein vergessener Holocaust). Der assyrische Patriarch Shimun XXIII. und ein Teil der assyrischen Anführer forderten weitreichende Autonomie.
Die irakische Armee unter ihrem Oberbefehlshaber Bakr Sidqi schlug in einer nationalistischen Kampagne den Aufstand im Sommer 1933 nieder, Großbritannien griff nicht ein. Die städtische arabische Bevölkerung begrüßte diese Abrechnung, der Irak-Experte Sluglett gab jedoch zu bedenken, daß "die meisten (Assyrer), die 1933 in den gegen die gerichteten Operationen der Armee getötet wurden, Untergebene der Levies und nicht die Levies selbst" waren. Der größte Erfolg der Armee sei im Grund ein Massaker an unbewaffneten Dorfbewohnern gewesen, die in der Polizeistation von Sumayyil (Provinz Dahuk) Schutz gesucht hatten (Sluglett, S. 25 und 295f). Seitdem befindet sich in Sumayyil (Sumail, Semile) eine assyrische Martyrerkirche, die an das Massaker von Semile erinnert.
In jüngster Zeit sind die Assyrer wieder verstärkt in Konflikt mit Kurden geraten. Kurdenführer Barzani hatte ihnen 1971 vorgeworfen, in Kirkuk die vom irakischen Regime forcierten Ansiedlungen von Arabern zu unterstützen, um die dortige kurdische Mehrheit zu unterminieren (Le Monde, 25.5.1971) Seit den Siegen der US-Alliierten und kurdischer Hilfswilliger über das irakische Regime 1991 und 2003 klagen Assyrer in Kirkuk über eine Vertreibungspolitik der Kurden, die Kirkuk zur Hauptstadt ihrer autonomen Region machen wollen. Nach Angaben assyrischer politischer und gesellschaftlicher Organisationen sowie christlicher Kirchen leiden chaldo-assyrische Christen auch in der Ebene von Mosul unter ähnlichen Repressalien.
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"Assyrer (Gegenwart)".
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