article

Masyaf1.jpg Masyaf2.jpg Masyaf3.jpg Die Assassinen (über den umgangssprachlichen Plural haschīschiyyīn von arabisch haschīsch حشيش Kräuter, Gräser, Hanf (Cannabis sativa)) sind eine legendenumwobene, militante ismailitische Sekte des Mittelalters im Orient, die durch Berichte von Kreuzfahrern und später durch Reisende wie Marco Polo in Europa bekannt wurde. Er schildert sie als Sekte, die einerseits Haschisch konsumiert und orgiastische Feste feiert, andererseits mit Dolch und Gift Morde an hochgestellten Persönlichkeiten verübt. Die Zeit ihres Wirkens ist auf die Jahre zwischen 1080 und 1270 einzugrenzen.

Der Begriff Assassine


Der Name Assassinen geht angeblich auf den Gebrauch von Haschisch durch die Sekte zurück, was mit großer Sicherheit eine Unterstellung ist. Es ist eher anzunehmen, dass er ein in der damaligen Zeit in Syrien gebräuchlicher herabwürdigender Begriff war. Er wurde ursprünglich nur auf die in Syrien ansässigen Angehörigen der Sekte verwendet. Erst in späterer Zeit bezeichnete man alle Angehörigen der Religionsgemeinschaft mit diesem Namen.

Marco Polo berichtet über Hassan-i Sabbah, dass er junge Männer mit Opium betäubte und dann in eine an die Burg Alamut angeschlossene Gartenanlage brachte. Dort, bei guter Bewirtung und Betreuung durch Frauen, ging es ihnen wie im vom Propheten versprochenen Paradies. Schließlich wurden sie wiederum betäubt und zu Burgherrn Sabbah gebracht, der sie zu Fida'i ausbilden ließ. Nur durch ihren heldenhaften Tod, so die Erzählung, sollten sie wieder zurück ins Paradies kommen.

Vorgehensweise und Opfer der Assassinen


Die Assassinen setzten als hauptsächliches Kampfmittel den politischen Mord an Herrschern ein. Tatwaffe war dabei der Dolch. Die Attentäter sahen sich als Märtyrer und nahmen den eigenen Tod in Kauf. Für ihre Zeitgenossen war es unverständlich, dass sie nach dem Mord keinen Fluchtversuch unternahmen und sich der Rache von Anhängern des Ermordeten aussetzten.

Die Assassinen waren dabei keine rohen Gewaltmenschen, sondern sie handelten vielmehr gemäß einer starken ideologischen Überzeugung. Sie wollten den Gottesstaat wiederherstellen, also die islamische Grundordnung, wie sie der Prophet Mohammed hinterlassen hatte. Diese Ordnung war ihrer Ansicht nach von Tyrannen usurpiert worden. Ihre Hauptgegner waren die autokratischen seldschukischen Herrscher im 12. und 13. Jahrhundert.

Die meisten Opfer der Assassinen waren sunnitische Muslime, darunter prominente Persönlichkeiten wie Nizam al-Mulk. Auch Saladin war das Ziel mehrerer erfolgloser Anschläge. Christen blieben bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts weitgehend verschont, bis auf Konrad von Montferrat, König von Jerusalem, der möglicherweise auf Veranlassung von Richard Löwenherz ermordet wurde.

Religiöse Hintergründe


Nach dem Tod des Propheten Mohammed im Jahr 632 wurde sein Nachfolger bestimmt, welcher den Titel Kalif (Chalifa = Stellvertreter) erhielt. Der erste Kalif wurde Abu Bakr. Ein Teil der Gläubigen hielt allerdings den Schwiegersohn Mohammeds, Ali, für seinen rechtmäßigen Nachfolger. Aus dieser Gruppe, der Partei Alis (Schi atu Ali), entstanden die Schiiten, die bis heute existieren.

Die Schiiten, die wieder selbst in viele verschiedene Sekten zersplittert waren, kämpften für einen idealen Staat, in dem Staat und Religion eine Einheit bilden sollten. In den Kämpfen um die Herrschaft in den folgenden Jahrhunderten bestimmten zwei zentrale Figuren die schiitische Sekte:

  • Der Imam, der Führer und Lehrer, zudem direkter Vermittler zwischen Allah und der Gemeinde, durch göttliche Einwirkung vor Sündhaftigkeit und Irrtümern bewahrt. Nach schiitischer Auffassung ist es seine Bestimmung, die Tyrannen zu stürzen und einen gerechten Gottesstaat einzurichten. Einige Abspaltungen innerhalb der Schia setzten das verklärte Imamat der Wiederkehr des sogenannten Mahdi eines apokalyptischen Messias, gleich, der die Endzeit verkünden und die Armen und Unterdrückten erlösen werde.
  • Zum anderen der Dai, ein Propagandist, der die Botschaft des Imam verkündet, das unterdrückte Volk um diesen sammelt und die Bewegung organisiert.

Nach einer Vielzahl von Wendungen kam es dazu, dass die Rolle des Imams und dessen direkte Abstammung von Mohammed für die Schiiten immer größere Bedeutung erlangte. Als Ismail nach dem Tod seines Vaters, des 6. Imams, enterbt wurde, spalteten sich um 770 die Anhänger Ismails, die Ismailiten von den Schiiten ab - deren radikalster Teil die Assassinen waren.

Allmählich entstand so eine Sekte, die sich durch eine strenge Organisation und starken inneren Zusammenhalt auszeichnete. Geistiger Führer dieser Gemeinschaft war der Imam. Die Ismailiten wirkten im Verborgenen, und sahen neben der wörtlichen Botschaft des Koran eine tiefere, verborgene Botschaft, die durch Gelehrte den einfachen Menschen offenbart werden sollte. So entstand gerade in den Anfängen der Glaubensgemeinschaft eine scholastische Verbindung von griechischer Philosophie und Islamischer Mystik.

Zudem verbreiteten sich in ihr mit der Zeit einige charidschitische Elemente, denn ein Großteil der Bewegung hielt jeden moralisch und religiös tadellosen Gläubigen gleich welchen Standes, selbst einen Sklaven, für berechtigt, das Amt des Imams auszuüben und glaubten, dass dieser demokratisch von allen Gläubigen bestimmt werden sollte. So rekrutierte sich die Sekte zum einen aus den gebildeten Schichten, zum anderen aus den städtischen Handwerkern und Arbeitern.

Je schwächer das Kalifat wurde, desto mehr erstarkten die Ismailiten. Dies führte schließlich zu der Entstehung eines ismailitischen Reiches in Nordafrika im 10. Jahrhundert, dem Fatimidenreich. Es hielt sich knapp 200 Jahre; um 1100 war der Kalif jedoch nur noch eine Marionette der jeweiligen despotischen Herrscher.

1. Die Ismailiten in Persien


Im ausgehenden 11. Jh. begann Hassan-i Sabbah (? – 1124), ein herausragender Propagandist (da'i) in Nordpersien zu missionieren. Er reiste 1081 nach Isfahan und in die Hochgebirgsregion Dailam. Dort fielen seine religiösen Ansichten auf fruchtbaren Boden. Er konnte eine Vielzahl von Anhängern gewinnen und ein eigenes Territorium mit mehreren Burgen unter seine Herrschaft bringen. Die Burg Alamut wurde zu seinem Hauptsitz. Er geriet in Konflikt mit den seldschukischen Herrschern, 1092 wurde eine erste Militärexpedition gegen die Ismailiten in Bewegung gesetzt. Aus diesem Jahr ist der erste politische Mord durch die Ismailiten überliefert. Ein Fida'i (Geweihter) erdolchte am 17. Oktober den seldschukischen Wesir Nizam al-Mulk.

2. Die Assassinen in Syrien


Um 1100 begann von Persien aus die Missionierung Nordsyriens, wo ismailitische Sekten bereits gut etabliert waren. Die staatliche Zersplitterung und der Schock der Eroberung durch die Kreuzritter machten die Menschen empfänglich für eine messianische Ideologie. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gelang es den Ismailiten, einige Burgen zu kaufen oder sich anzueignen, so dass sie im Gebirgszug des Dschebel Ansarieh ein eigenes Herrschaftsgebiet aufbauen konnten. Erst 1140 konnte der Hauptsitz der Assassinen, die Burg Masyaf, erobert werden.

Um 1150 wurde der berühmteste Assassine Machthaber in Masyaf, der so Genannte „Alte vom Berge“ Raschid al-Din (1163-1193) . Er konnte durch eine erfolgreiche Schaukelpolitik zwischen Saladin und Kreuzfahrern die Stellung der Assassinen in Syrien weiter konsolidieren.

Um 1230 hatten die Assassinen als territoriale Herrscher allgemeine gesellschaftliche Anerkennung. Das zeigt sich unter anderem daran, dass sie offiziell Tribut an den Johanniterorden zahlten.

Die Übernahme der Macht durch den Mameluckensultan Baibars in der 2. Hälfte des 13. Jh. änderte die Verhältnisse. Baibars wollte keine unabhängige Sekte, die sich eventuell gegen ihn wenden könnte, in seinem Reich dulden. Schon 1260 setzte er einen seiner Generäle als Lehnsherrn des Assassinengebietes ein. 1271 war seine Herrschaft so gefestigt, dass die Assassinenführer ihre Burgen übergeben mussten und gezwungen werden konnten, in Zukunft an seinem Hof zu leben. Damit war die Assassinenherrschaft de facto beendet.

Die Herrschaft der Ismailiten in Persien war bereits 1256 durch die Mongolen beendet worden, als sie ihre Hauptburg Alamut erobert und zerstört hatten. Dabei verbrannte die umfangreiche Bibliothek mit naturwissenschaftlichen Schriften.

In den Medien


Das ZDF hat 2004 in der 'Terra X' Reihe einen aufwendigen Dokumentarbeitrag über die Assassinen produziert: 'Terra X: Todesboten aus Alamut - Der Geheimbund der Assassinen':
  • http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/12/0,1872,2088844,00.html

Literatur


  • Bernard Lewis: Die Assassinen. Eichborn Verlag, Frankfurt a. M. 2001. ISBN 3-8218-4727-1
  • Daftary, Farhad: The Assassin Legends: Myths of the Ismailis. London 1995.

Historische islamische Bewegung | Ismailiten

Асасини | Secta dels assassins | Assasinersekten | Hashshashin | Nizaríes | Assasiinid | Assassiinit | Nizârites | חשישיון | Nizariti | 暗殺教団 | Asasinai | Assassijnen | Asasyni | Ordem dos Assassinos | Ассасины | Asasini | Assassiner

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Assassinen".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld