Die Aspangbahn ist das Fragment einer großen Planung, nämlich einer Eisenbahnlinie von Wien nach Saloniki - noch heute findet man Kilometersteine mit den stolzen Initialen "WSB" für "Wien-Saloniki-Bahn".
Da die Fahrzeit von Wien nach Graz wesentlich länger ist als auf der Südbahn über den Semmering, kommt der Aspangbahn nur lokale Bedeutung zu. Schnellzüge verkehren auf der Aspangbahn nicht (die so genannten "Sprinter" brauchen von Wien nach Graz vier Stunden).
Heute wird der Streckenabschnitt von Wien Zentralverschiebebahnhof bis Felixdorf als "Innere Aspangbahn" und der Streckenabschnitt von Wiener Neustadt bis Aspang als "Äußere Aspangbahn" bezeichnet.
Durch die habsburgischen Interessen auf der Balkanhalbinsel und dem Bau einer Eisenbahn von Saloniki nach Mitrovica eröffnete sich die Möglichkeit einer Fortführung dieser Linie durch den Sandschak und Bosnien sowie über die seit 1872 bestehende Normalspurbahn Banja Luka – Novi – Dobrljin und weiter über das kroatische Bahnnetz bis hin nach Wien, so dass damit eine Direktverbindung Wien – Zagreb – Saloniki unter der Umgehung Serbiens und auch Budapests möglich gewesen wäre. Mehrere Teilhaber der Kanal-AG bewarben sich auch in der Folge um dieses Projekt (bis zur kroatisch-bosnischen Grenze) und somit erhielt die AG am 27. Juni 1874 die Bewilligung zu Vorarbeiten für die Strecke Wien – Aspang – Friedberg – Radkersburg - kroatische Grenze. Zur Finanzierung des Projektes fand sich eine Belgische Gesellschaft mit dem Namen "Société Belge de chemins de fer", jedoch machte die Banken- und Wirtschaftkrise im Jahr 1873 das großräumige Projekt illusiorisch und somit wurden die Planungen auf den Abschnitt Wien – Pitten – Aspang beschränkt. Die Strecke wurde schließlich, nachdem eine Beschwerde der Südbahn durch den Verfassungsgerichtshof abgewiesen worden war, am 28. November 1877 konzessioniert. Der Name der Schifffahrtskanal-AG wurde daraufhin ihren Namen in "Austro-Belgische Eisenbahn-Gesellschaft", zum Bau der Eisenbahn wurde am 17. Jänner 1879 die "k. k. priv. Eisenbahn Wien - Aspang" (kurz "EWA") als Tochter-AG gegründet. Umgehend nach der Konzessionserteilung wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Der Bauaufwand stand mit 8.650.000 Gulden zu Buche.
Als Ausgangspunkt wurde der Rennweger Kanalhafen bestimmt, der nach der Einstellung der Schifffahrt im Juli 1879 trockengelegt wurde. 1880/1881 wurde dann auf diesem Gelände der Wiener Aspangbahnhof errichtet. Im Juni des gleichen Jahres wurde auch mit dem Bau begonnen, wobei zwischen Felixdorf und Wiener Neustadt der Bahnkörper der Südbahn mitbenutzt wurde ("Peagevertrag"). Die Streckenlänge von Wien Aspangbahnhof bis Aspang betrug 85,447 Kilometer (abzüglich der Peagestrecke auf der Südbahn somit insgesamt 75,916 km).
Schließlich wurde die Strecke nach nur etwas mehr als zweijähriger Bauzeit von Wien bis Pitten am 7. August 1881 und die restliche Strecke von Pitten bis Aspang am 28. Oktober 1881 dem Verkehr übergeben. Um Anschluss an die Verbindungsbahn zwischen Südbahnhof und Bahnhof Hauptzollamt zu haben, wurden auch 2 Verbindungsgleise zur Verbindungsbahn gebaut.
Infolge des durch die Aspangbahn einsetzenden Touristenverkehrs in die Wiener Neustädter Gegend kam es auch zum Bau der Schneebergbahn, welche am 15. April 1897 eröffnet wurde und von Wiener Neustadt nach Puchberg am Schneeberg (als eingleisige Normalspurlinie) und von dort weiter als Zahnradstrecke auf den Hochschneeberg auf 1795 Meter Seehöhe führt.
Durch die Eröffnung der so genannten Wechselbahn – der 10. und letzten österreichischen Gebirgsbahn – am 12. Oktober 1910, die den Lückenschluss zwischen Aspang und Friedberg herstellte, erhielt die Aspangbahn eine weitere Aufwertung. Die Wechselbahn stellte den Anschluss mit der von der Ungarischen Westbahn erbauten Lokalbahn Fehring - Fürstenfeld - Hartberg - Friedberg (heute Thermenbahn) her.
In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg etablierte sich die Bahn als Ausflugsbahn der Wiener und 1930 bewegte sich der Personenverkehr wieder auf Vorkriegsniveau. Die Bahn war sehr preiswert und lockte die Wiener in die "Bucklige Welt" mit ihren Sehenswürdigkeiten und Naturschätzen.
Die Übernahme der Aspangbahn in staatliche Regie fand in Raten statt, ab dem 1. Juli 1937 übernahmen die Österreichischen Bundesbahnen den Betrieb und durch eine Änderung der Zugfolge verlagerte sich der Personenverkehr mehr auf die Südbahn und die Aspangbahn wurde zwischen Wien und Sollenau zu einer reinen Lokalbahn. Vollständig verstaatlicht wurde die Bahn dann am 1. Jänner 1942, wobei die Konzession der Bahn noch bis zum 28. Oktober 1971 gelaufen wäre.
Während des zweiten Weltkrieges erfolgten vom Aspangbahnhof die Deportationen von Juden (von Wien gesamt ca. 48.000). Die meisten wurden bis Ende 1942 abtransportiert, in den Folgejahren kamen noch einmal ca. 1750 Menschen von hier in Konzentrationslager. Ein Mahnmal erinnert noch heute daran.
In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg blieb die Aspangbahn vorerst als Lokalbahn bestehen, jedoch verlor der Aspangbahnhof durch die Eröffnung der Schnellbahnhaltestelle Rennweg (23. Mai 1971) vollends seine Bedeutung und er wurde im Juni/Juli 1977 abgetragen.
Durch den Bau des Güterbahnhofs Kledering wurde die Aspangbahn von ihrem Ausgangsbahnhof verdrängt. Seit dem 27. Mai 1979 fuhren die Züge der Aspangbahn nicht mehr auf ihrer ursprünglichen Wiener Strecke. Die Züge fuhren nunmehr von Wien Südbahnhof (Ostteil) über die Ostbahn ab. Die eigentliche Wiener Stammstrecke wird nun von der Wiener Schnellbahn S7 benutzt.
Die kurioseste Streckenführung wurde mit dem Fahrplanwechsel vom 12. Dezember 2004 konstruiert. Die Aspangbahn fährt seitdem von Wien Südbahnhof (Südseite) ab. Die um fast 15 Minuten längere Fahrt führt nun über die Südbahn nach Wien Meidling, weiter über einen Teil der Pottendorfer Linie auf die Donauländebahn und weiter auf die Ostbahn. Erst nach der Haltestelle Kledering erreichen die Züge dann die Aspangbahnstrecke.
Eine gewaltige Aufwertung erhielt die Aspangbahn jedoch im Abschnitt von Wiener Neustadt bis Aspang. Im Zuge der neuen Netzkategorisierung der ÖBB im Jahr 2000 erhielt dieser Teilabschnitt den Status des "Ergänzungsnetzes" (zweithöchste Streckenkategorie). Seit dem Jahr 2002 wird die Aspangbahn zwischen Aspang und Wiener Neustadt neben den ÖBB-Zügen auch von Zügen der Steiermärkischen Landesbahnen (STLB) befahren, welche Autoteile von Weiz nach Bratislava befördern (in Wiener Neustadt werden diese Züge von den ÖBB übernommen).
- bgcolor="#FFDEAD" | Strecke | Länge | Anmerkung |
| Wien Aspangbahnhof - Sollenau - Felixdorf | 42,52 km | |
| Péagestrecke Südbahn (Felixdorf - Wiener Neustadt) | 9,53 km | Südbahngesellschaft |
| Wiener Neustadt - Aspang | 33,93 km | |
| Verbindungsgleis EWA - Wiener Verbindungsbahn | 0,27 km | |
| Verbindungsgleis EWA - Donauländebahn | 0,77 km | |
| Zentralfriedhof - Klein Schwechat | 3,87 km | |
| Wiener Neustadt Schneebergbahnhof - Puchberg | 28,01 km | Schneebergbahngesellschaft |
| Bad Fischau - Wöllersdorf | 5,00 km | Schneebergbahngesellschaft |
| Verbindungsgleis Bad Fischau | 0,23 km | Schneebergbahngesellschaft |
| Sollenau - Steinabrückl - Feuerwerksanstalt | 8,62 km | Schneebergbahngesellschaft |
- bgcolor="#FFDEAD" | Kilo- meter | Höhe m | Haltestelle | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| -0,291 | 178 | Anschluss Wiener Verbindungbahn | |
| 0,000 | 179 | Wien Aspangbahnhof | (23.05.1971 Personenverkehr eingestellt, 25.05.1979 aufgelassen) |
| 1,864 | 184 | Simmering Aspangbahnhof | (25.05.1979 aufgelassen) |
| 4,998 | 188 | Zentralfriedhof | (25.05.1979 aufgelassen) |
| 6,140 | 190 | Abzw. Laaerberg | (23.06.1979 aufgelassen) |
| 11,405 | 183 | Maria Lanzendorf | |
| 16,870 | 190 | Laxenburg-Biedermannsdorf | |
| 20,936 | 211 | Guntramsdorf-Kaiserau | |
| 21,350 | 208 | Guntramsdorf-Kaiserau Hst. | |
| 23,330 | 196 | Möllersdorf Aspangbahn Hst. | |
| 24,636 | 212 | Traiskirchen Aspangbahn | |
| 28,669 | 202 | Trumau H.u.Lst. | |
| 30,719 | 214 | Oberwaltersdorf H.u.Lst. | |
| 33,417 | 236 | Tattendorf | |
| 35,330 | 236 | Teesdorf Hst. | |
| 36,698 | – | Günselsdorf Hst. | (~1918 aufgelassen) |
| 37,804 | – | Schönau Hst. | (1937 aufgelassen) |
| 40,083 | 266 | Sollenau Aspangbahnhof | (14.05.1975 aufgelassen) |
| 41,372 | 264 | Sollenau Hst. | |
| 42,642 | 277 | Felixdorf | |
- bgcolor="#FFDEAD" | Kilo- meter | Höhe m | Bahnhof / Haltestelle | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| 50,959 | 268 | Wiener Neustadt Hbf | |
| 58,358 | 298 | Klein Wolkersdorf | |
| 54,305 | – | Katzelsdorf | (1899 aufgelassen) |
| 61,580 | 312 | Erlach | |
| 63,710 | 320 | Brunn bei Pitten Hst. | |
| 64,783 | 325 | Pitten | |
| 67,020 | 337 | Sautern-Schiltern Hst. | |
| 68,086 | 347 | Seebenstein | |
| 71,080 | 360 | Gleissenfeld Hst. | |
| 73,010 | 378 | Scheiblingkirchen-Warth | |
| 73,950 | – | Warth | Bedarfshaltestelle (~1930 aufgelassen) |
| 76,180 | 391 | Petersbaumgarten Hst. | |
| 78,165 | 405 | Edlitz-Grimmenstein | |
| 82,340 | 477 | Feistritz-Kirchberg Hst. | (26.05.1996 aufgelassen) |
| 84,887 | 477 | Aspang |
| Dampflokomotiven und -triebwagen der EWA/SchBB | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|