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Aserbaidschan (aserbaidschanisch Azərbaycan/Azärbaycan) ist ein Staat am Kaspischen Meer.
Der höchste Berg ist der Bazardüzü im Kaukasus mit 4.466 m. Größter See ist der Sarisu mit 67 km². Die Kura mündet nach 1.515 km Länge in das Kaspische Meer. Zum Staatsgebiet gehören auch die Inseln Pirallahi und Tschilow auf dem Kaspischen Meer. Auf der Halbinsel Abşeron gibt es mehrere Ölfelder.
Das Land ist zu 50% von Ackerland bedeckt, zu 11,5% von Wald und zu 1,6 % von Wasser. Etwa 18.000 Tierarten - darunter 102 Säugetierarten - leben in Aserbaidschan.
Siehe auch: Liste der Städte in Aserbaidschan
Infolge des bewaffneten Konflikts mit Armenien und der seit 1993 andauernden armenischen Besetzung dieser Gebiete leben 700.000 bis 800.000 Aserbaidschaner (Stand 2003) als Flüchtlinge unter miserablen Lebensbedingungen.
Staats- und Amtssprache ist seit Ende der Sowjetunion allein Aserbaidschan-Türkisch (Eigenbezeichnung Azərbaycan Türkcəsi), welches etwa 30 Millionen Muttersprachler hat. Seit Dezember 1992 gilt wieder die türkisch-lateinische Schrift (siehe neues türkisches Alphabet) und diese ist seit August 2000 allgemein für den amtlichen Schriftverkehr verbindlich. Die Bedeutung des Russischen nimmt immer mehr ab. Jugendliche in Baku sprechen Englisch. Deutsch konnte sich als dritte Fremdsprache nach Englisch und Russisch allmählich bestätigen. immer mehr und mehr junge Aseris bekunden Interesse für Französisch und Polnisch. Siehe auch: Turksprachen
In Aserbaidschan leben heute noch 25.000-30.000 Juden. Sie lassen sich in drei Gruppen unterteilen: aschkenasische Juden europäischer Herkunft, sogenannte Bergjuden bzw. Taten und georgische Juden. Am 9. März 2003 wurde in der Hauptstadt Baku eine neue Synagoge eröffnet. Es handelt sich um die erste neugebaute Synagoge in einem überwiegend muslimisch bewohnten Staat.
Am östlichen Rande des Südkaukasus gelegen, gehört Aserbaidschan zu den ältesten industriellen Produktionsstätten von Energieträgern wie Öl und Gas. Bereits im frühen Mittelalter gehörte das als „griechisches Feuer“ bekannte Erdöl zum Exportschlager der Region um die Halbinsel Abşeron in Aserbaidschan.
Im persischen Reich der Sassaniden dienten die Fundstätten von Öl und Gas auf dem Gebiet von Abşeron und in anderen Ortschaften von Aserbaidschan nicht nur der Bereicherung des kaiserlichen Schatzamtes, sondern erlangten auch ihre Bedeutung als wichtige Kultstätten der damals herrschenden zoroastrischen Religionslehre. Bis heute kann man in vielen Bezirken Aserbaidschans die Überreste der alten zoroastrischen Tempel in Ortschaften mit besonders intensiven natürlichen Erdgasemissionen finden.
Die Ölfelder Abşerons wurden nach der Islamisierung Aserbaidschans als Quelle der sagenhaften finanziellen Wohlfahrt berühmt und zum Eigentum der religiösen Stiftungen (waqf) erklärt. Somit trugen sie erheblich zum Erhalt und ihrer Blüte bei.
Der groß angelegte industrielle Abbau der kohlenwasserstoffhaltigen Energieträger auf dem Gebiet des heutigen Aserbaidschans ist jedoch auf engste Weise mit der so genannten „russischen“ Periode der Geschichte des Landes verbunden. Die russische Kolonialverwaltung im nördlichen Teil des Landes trieb Anfang der 1870er Jahre energisch die Versteigerung des Staatslandes auf der Halbinsel Abşeron voran.
Ziel war es, private Investitionen für den Abbau der wirtschaftlich attraktiven Ressourcen der Region zu gewinnen. Der darauf folgende wirtschaftliche Aufschwung, verbunden mit der enormen Produktionssteigerung auf den Feldern von Abscheron, schaffte eine erfolgreiche Grundlage für die autarke Versorgung der russischen Wirtschaft mit wichtigen Produkten der petrochemischen Industrie wie Kerosin, Masut und Schmierstoffe.
Während 1893 noch 51 % der Weltförderung auf die USA und 46 % auf Russland entfielen, hatte 1898 das Bakuer Revier die US-amerikanische Ausbeute überholt und stieg zum weltgrößten Erdölfördergebiet auf, welches auch den westeuropäischen Markt versorgte und sich mit amerikanischen Exporteuren einen harten Konkurrenzkampf lieferte.
Am 28. Mai 1918 wurde die Aserbaidschanische Demokratische Republik (AXC) ausgerufen. Sie wurde von der Weltgemeinschaft als Subjekt des Völkerrechts anerkannt und unterhielt diplomatische Beziehungen mit Ukraine, Georgien, Türkei und Litauen. 23 Monate der Freiheit folgte die Eroberung durch Bolschewiki am 28. April 1920.
Nach der zwanghaften Sowjetisierung 1920 und der Verstaatlichung aller aserbaidschanischen Produktionsstätten erfolgten neue Investitionen in die petrochemische Industrie Aserbaidschans. Die Folge war ein erheblicher Anstieg der Produktion, obwohl die direkte Kontrolle seitens der Moskauer Zentrale über die strategischen Ressourcen Aserbaidschans keine Möglichkeit zur Einflussnahme auf die Verteilung der Produktion seitens der aserbaidschanischen Republikführung zuließ. 1941 lieferte Aserbaidschan immerhin 175 Millionen Barrel Erdöl, was einem Anteil von 75 % in der gesamtsowjetischen Produktion entsprach. Es ist deshalb nicht überraschend, dass die Ölfelder von Baku zu strategischen Zielen des Kaukasus-Feldzuges der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges erklärt wurden.
Mit der Exploration der neuen gigantischen Ölfelder in anderen Regionen der UdSSR, insbesondere in Westsibirien, ging die Bedeutung der aserbaidschanischen Ölquellen im wirtschaftlichen Leben der Sowjetunion allmählich zurück. Die hohe Qualität des aserbaidschanischen Erdöls, gemessen an seinem niedrigen Schwefelanteil, ermöglichte jedoch auch später seinen Einsatz als Treibstoff für Flugobjekte, insbesondere für Militärflugzeuge und Raketen. Außerdem lieferten die in Baku ansässigen Ausbildungseinrichtungen weiterhin das notwendige Fachpersonal für die sowjetische petrochemische Industrie.
Das verursachte Chaos durch die militärischen Auseinandersetzungen um die Berg-Karabach-Region führte in ersten Jahren der Unabhängigkeit (erklärt am 18. Oktober 1991) zum Rückgang der gesamten nationalen Öl- und Gasförderung. In den nächsten Jahren wurde das niedrigste Förderungsniveau registriert: acht bis neun Millionen Tonnen jährlich.
Das aserbaidschanische Parlament, die Nationalversammlung (milli məclis) hat 125 Sitze, die bislang nach einem gemischten Proportional- und Mehrheitswahlsystem für eine Periode von fünf Jahren gewählt werden. Ein Parlamentssitz wird für den Wahlkreis Berg-Karabach (Dağliq Qarabağ) freigehalten. Das Parlament wurde am 4. November 2000 für fünf Jahre gewählt. Die nächsten Wahlen finden am 6. November 2005 statt. Dann wird nach einem reinen Mehrheitswahlrecht in 125 Wahlkreisen gewählt.
Staatsoberhaupt ist der Präsident, der in geheimer, allgemeiner Wahl für die Periode von fünf Jahren gewählt wird. Das Amt des Staatspräsidenten hat İlham Äliyev (auch Ilham Alijew), Sohn des zuvor verstorbenen Staatspräsidenten Heydär Äliyev, inne. Er gehört der regierenden Partei Yeni Azərbaycan an. Nach der Wahl vom 15. Oktober 2003 verkündete man ein Ergebnis von über 80% für ihn. Er ließ sich am 31. Oktober 2003 inaugurieren.
Ministerpräsident ist seit dem 4. November 2003 wieder Artur Rasizadä von der Präsidentenpartei Neues Aserbaidschan.
Außenminister ist Elmar Mämmädyarov.
Seit der Unabhängigkeit Aserbaidschans verlief außer der Präsidentenwahl 1992, aus der Äbülfäz Elçibäy als Sieger hervorging, jede Wahl undemokratisch.
Der Oppositionspolitiker Qabil Hüseynli bezeichnet Aserbaidschan als "halbfeudal, von Clans und der Mafia beherrscht". Neun der zehn reichsten Männer des Landes sind Mitglieder der Regierung. Unter ihnen ist auch der Polizei- und der Zoll-Chef.
Dauer: 1,5 Jahre
Streitkräfte: 72.100
Der Anteil der Militärausgaben am BSP ist mit 6,6 % im internationalen Vergleich sehr hoch.
Aserbaidschan gliedert sich in:
Die Autonome Republik Nachitschewan gliedert sich in sechs Rayons und ein Sahar.
1. Babäk 2. Julfa 3. Naxçıvan Sahari 4. Ordubad 5. Sädäräk 6. Şahbuz 7. Şärur
Straßennetz: 24.981 km (92,3 % befestigt)
Motorisierung: 49 Kfz/1.000 Einwohner
Internationaler Flughafen: Baku
Zwischen 2000 und 2005 wuchs das BIP pro Kopf von 652 auf 1.400 US-Dollar. Trotzdem leben nach Berechnungen der Weltbank 47 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze.
Die dickflüssige Suppe Piti z.B. ist ein Hammelfleischeintopf mit Kichererbsen. Dovga ist eine Suppe aus scharfem Joghurt, Spinat und anderen Kräutern mit Reis und Fleischklößchen oder ohne (je nach Republikgebiet).
Eine Variante des Hauptgerichtes Dolma besteht aus u.a. mit Kräutern gewürztem Hackfleisch und Reis, gefüllt in den Weinblättern. Dolma gibt es auch aus Auberginen, Paprika, Zwiebeln und anderem Gemüse.
Eine Variante des Hauptgerichtes Plow besteht aus Reis, Hammelfleisch und zusätzlichen Zutaten. Das Gericht gibt es in verschiedenen Arten. So gibt es z.B. Plow mit Hühnerfleisch und Kastanien anstelle von Hammelfleisch. Auch Früchte (z.B. Granatapfel), Gemüse, Kräuter oder Trockenobst werden häufig verwendet.
Ein beliebtes Erfrischungsgetränk ist Schärbät, das aus Milch oder Zitrone, Minze oder Basilikum, oder aber auch aus vielen anderen verschiedenen Früchten zubereitet wird.
"Ewiges Feuer" in Aserbaidshan. Ein Land zwischen Perestrojka, Bürgerkrieg und Unabhängigkeit. Berichte des Bundesinstituts für ostwissenschaftliche und internationale Studien, Heft 8, Köln 1992.
Länderanalyse Aserbaidshan. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 1992.
Aserbaidshan. Demokratie als Utopie? Berichte des Bundesinstituts für ostwissenschaftliche und internationale Studien, Heft 33, Köln 1994.
Žizn' i tvorčestvo Jakoba I. Gummelja i byvšij Kraevedčeskij muzej v Chanlare Respubliki Azerbajdžana (v čest' 180 letija obrazovanija byvšej nemeckoj kolonii Elenendorfa), Greifswald 1999 (masch.schr. 40 S.).
Meždu prisposobleniem i samoutverždeniem, Baku: Western University 2001.
Öl und Wein am Kaukasus. Deutsche Forscher, Kolonisten und Unternehmer im vorrevolutionären Aserbaidschan, Wiesbaden 2001.
Muslim – Untertan – Bürger. Identitätswandel in gesellschaftlichen Transformationsprozessen der muslimischen Ostprovinzen Südkaukasiens (Ende 18. - Anfang 20. Jh.). Ein Beitrag zur vergleichenden Nationalismusforschung, , Wiesbaden 2004 (= Kaukasienstudien – Caucasian Studies, Bd. 7)
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