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Asbestosis :: Asbestos
 

Wellasbestdach-233-3358_IMG.JPG | Wellasbestdach-233-3354_IMG.JPG Asbest (altgriechisch asbestos etwa: unzerstörbar, unvergänglich, unauslöschlich) ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene, natürlich vorkommende, faserförmige Silikat-Minerale, die an vielen Stellen der Erde in der Erdkruste eingebettet sind. Die Faser der Magnesioriebeckit (Hornblende, Krokydolith) ist bläulich, die Faser der Klinochrysotil (veraltet Serpentin) ist weiß oder grün.

Chrysotil, auch Weißasbest genannt, fand die technisch weitaus breiteste Anwendung. Weitere, zum Asbest zählende Minerale sind Krokydolith (Varietät des Magnesioriebeckit, auch Blauasbest genannt), Grunerit (Amosit, Brauner Asbest), Anthophyllit und Aktinolith.

Asbest wurde auch „Wunderfaser“ genannt, weil es eine große Festigkeit besitzt, Hitze- und Säurebeständig ist, hervorragend isoliert, und verwoben werden kann. Mit diesen Voraussetzungen konnte sich Asbest in der Schifffahrtsindustrie, Isolationsindustrie der Bauindustrie und der Autoreifenindustrie durchsetzen.

Gewinnung und Vorkommen


Folgende Minerale kommen in Asbest-Form, also feinfaserig vor:

Das Erz wird zunächst bergbaulich in Untertage- oder Übertageminen gefördert bzw. abgebaut. Im „Asbestwerk“ wird dann durch Abspaltung von nichtfaserigem Material der Asbest gewonnen.

Hauptvorkommen liegen in: Nordamerika, Südafrika und im Ural.

Bild:Asbestos1USGOV.jpg|Chrysotilasbest Bild:AsbestmineOrtsbrust.jpg|Ortsbrust Untertage in einer Asbestmine Bild:Anthophyllite_asbestos_SEM.jpg|Amphibolasbestfasern (REM-Aufnahme)

Eigenschaften


Asbest ist gegen Hitze bis etwa 1000 °C und schwache Säuren sehr widerstandsfähig und hat eine höhere gewichtsspezifische Zugfestigkeit als Stahldrähte mit dem gleichen Durchmesser. Bei Temperaturen über 1200 °C wandelt sich der Asbest um in Olivin und dessen Modifikationen. Bei noch höheren Temperaturen sublimiert Asbest.

Durch die sehr feinen Fasern ist das Material sehr langlebig. Es hat jedoch einen schwerwiegenden Nachteil: beim Bearbeiten können Fasern freigesetzt werden. Gelangt auch nur eine Faser in die Lunge, entfaltet sie dort möglicherweise ihre zellschädigende Wirkung und löst damit die so genannte Asbestose, eine Schädigung des Bindegewebes, aus. Diese Schädigung kann Atemnot, Lungenfunktionseinschränkungen und in schweren Fällen Ateminvalidität zur Folge haben. Auch erhöht sie das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, sehr stark.

Ein weit weniger gesundheitsschädlicher Ersatz für Asbest sind bei niedrigen und mittleren Temperaturen Glasfasern, bei hohen Temperaturen verschiedene künstliche Keramikfasern.

Geschichte


Erstmals erwähnt wurde Asbest in einem Buch über Steine von Theophrast im dritten Jahrhundert vor Christus. In Athen wurde die ewige Flamme in der Akropolis zu dieser Zeit mit einem Asbestdocht betrieben. Griechische Ärzte verwendeten Taschentücher aus Asbest, welche im Feuer gereinigt werden konnten.

Obwohl im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung über Asbest von Europa bis China berichtet wird, konnten sich nur sehr reiche Menschen Gegenstände daraus leisten.

Im Mittelalter ging das Wissen um die Herkunft in Europa verloren und es entstanden Gerüchte, dass es sich beim Asbest um Schuppen von drachenartigen Reptilien oder sogar um Federn des Phönix handeln könnte. Schwindler versuchten auch, Stoffe aus Asbest als Teile der Kleidung Jesu zu verkaufen. Bekannt ist auch die Legende, dass Karl V. durch Reinigen seiner Tischdecke im Feuer sein Gäste beeindruckte.

In der Neuzeit fand Asbest erstmals in den 1820er Jahren eine ernsthafte Anwendung. Die Fasern wurden zu feuerfester Kleidung für Feuerwehrleute verarbeitet. Bald kamen Anwendungen wie feuerfeste Dächer oder Wärmeisolierungen für Dampfmaschinen hinzu.

Am 15. Juli 1900 erhält der Österreicher Ludwig Hatschek als Besitzer einer Asbestwarenfabrik ein österreichisches Patent für Eternit. Damit begann auch ein Boom in der Verwendung von Asbest. Viele Produkte wurden daraus hergestellt, so zum Beispiel Knöpfe, Telefone, Teile für elektrische Geräte.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Fallschirme für Bomben, Postsäcke, Getränkefilter und sogar Zahnpasta aus Asbest hergestellt. Sogar der Besen der Hexe aus "The Wizard Of Oz" enthielt Asbest. Am Ende der Blütezeit (ab 1979 wurden die ersten Asbestprodukte verboten) wurden schließlich über 3000 Produkte durch Asbest „veredelt“.

Doch mit zunehmendem Asbestverbrauch stiegen auch die Gesundheitsgefahren. Bereits um 1900 wurde die Asbestose als Krankheit entdeckt. 1943 wurde Lungenkrebs als Folge von Asbestbelastungen als Berufskrankheit anerkannt und seit 1970 wird die Asbestfaser offiziell als krebserzeugend bewertet. Dennoch dauerte es bis 1979, das erste Asbestprodukt (Spritzasbest) zu verbieten. Weitere Einschränkungen folgten, bis 1990 in Österreich und 1993 in Deutschland der Einsatz von Asbest gänzlich verboten wurden. Seit 2005 gibt es ein EU-weites Verbot.

Sanierung


Asbestsanierungen sind sehr aufwändig. Das nebenstehende Bild zeigt Arbeiten an einer Asbest-behandelten Stahlkonstruktion.

Für die Sanierungen gilt in Deutschland die TRGS 519 (Technische Regeln für Gefahrstoffe: Asbest). Da die Beschädigung von Asbest-Produkten zur Freisetzung der Fasern führt, muss die Sanierungsbaustelle in Gebäuden staubdicht von der Umgebung abgeschottet werden. Der Innenbereich muss während der Arbeiten unter Unterdruck gehalten werden. Die Arbeitsbereiche dürfen nur über Schleusensysteme betreten und verlassen werden.

Als bekanntes Gebäude muss in den nächsten Jahren die UNO-City in Wien saniert werden. Stockwerkweise wird das damals verbaute Asbest beseitigt.

Entsorgung


Mit dem Verbot der Nutzung von Asbest in Deutschland im Jahr 1993 trat eine große Verunsicherung ein; jeder wollte das bis dahin hoch gepriesene Material loswerden. Allerdings hatte sich niemand vorher über eine geordnete Entsorgung Gedanken gemacht. Bei den meisten Deponien herrschte Ratlosigkeit, sie durften Asbest nicht annehmen, weil dieser Stoff nicht in ihrem Entsorgungskatalog stand. Damit stiegen die Entsorgungspreise für asbesthaltiges Material auf das 6- bis 10-fache des bis dahin üblichen Preises an, was die Verfahrensentwickler in Forschung und Industrie anlockte.

Es wurde an 4 unterschiedlichen Verfahrentypen gearbeitet, aus denen sich dann auch noch Mischtypen bildeten.

  • Mechanische Zerkleinerungsverfahren, die davon ausgingen, dass bei hinreichender Zerkleinerung der Fasern (unter 1 µm Faserlänge) die Gefährdung ausgeschlossen werden konnte. Die Verfahren funktionierten mit reinem Asbest gut, bei dem bei der Asbestentsorgung anfallendem inhomogenem Gemisch versagten die Mühlen jedoch.

  • Thermische Verfahren, die den Asbest auf Temperaturen oberhalb seines Umwandlungspunktes bringen und damit ein anderes nichtfaseriges Material erzeugen wollten. Das meiste Know-How brachten hier die Glasofen-Bauer und die Drehrohrspezialisten mit. Die Glasofenbauer scheiterten an der Inhomogenität des angelieferten Abfalls, der zur Bildung nicht vorhersehbarer Mineralien und damit zur Zerstörung der Öfen führte. Wesentlich weiter kamen die Drehrohrofenbetreiber, sie konnten Anlagen im Betrieb vorführen. Da die Genehmigungsbehörden auch reichlich unsicher waren, stellten sie unerfüllbare Forderungen wie Fasergehalt Null in der Abluft, was dann zur Aufgabe dieser Entwicklungen führte. Ein in Frankreich entwickeltes Plasma-Schmelzverfahren funktionierte wohl im Pilotbetrieb recht gut, erwies sich aber als extrem teuer.

  • Chemische Verfahren, die auf der Anwendung Fluorid-haltiger Säuren aufbauten. Sie hatten die gleichen Probleme wie die anderen Verfahren mit der Inhomogenität des asbesthaltigen Abfalls, konnten aber nach mehreren Jahren die Genehmigung der Behörden für den Betrieb der Anlage innerhalb eines großen Chemiewerkes erlangen. Jedoch zog hier der Stadtrat seine vorher erteilte Genehmigung zurück.

  • Einbindungsverfahren, die den Abfall komplett in Zement oder andere Bindemittel einarbeiteten, in Fässer gossen und die Fässer dann vorzugsweise untertage deponierten. Diese Verfahren hatten als alleinigen Vorteil, schnell zur Verfügung zu stehen, denn der Asbest wird dadurch nicht vernichtet und billig ist auch diese Variante nicht. Dieses Verfahren ist üblich bei der Entsorgung von schwach gebundenen Asbest.

Derzeit wird Asbestzement über Klasse II Deponien entsorgt (Hausmülldeponien). Der Preis richtet sich in Deutschland nach der jeweiligen Gebietskörperschaft, schwankt also teilw. recht stark.

Berufskrankheit


Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland mehr Todesfälle durch Asbest-Belastungen als tödliche Arbeitsunfälle. Die Berufsgenossenschaften veröffentlichten für das Jahr 2003 im Bundesgebiet die Zahl von 1.068 Todesfällen, gegenüber dem Jahr 2002 mit 1.009 Toten ein neuerlicher Anstieg. Der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften weiß, einschließlich älterer, von etwa 24.000 Fällen, in denen wegen asbestbedingter Erkrankungen Zahlungen geleistet werden.

Literatur


  • H.J. Bossenmayer; H.P. Schumm; R. Tepasse (Hrsg.) Asbesthandbuch. Erich Schmidt Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-503-03162-6
  • G. Albracht; A. Schwerdtfeger (Hrsg.) Herausforderung Asbest. Universum Verlag Wiesbaden 1991
  • K. Rödelsperger; U. Teichert; B. Brückel (2004) Umweltgefährdung durch Asbestfasern und andere anorganische Fasern. Gefahrstoffe - Reinhaltung der Luft 64(10), S. 415 - 426
  • H.J. Krolkiewicz; (2003) Vom Asbestzement zum Faserzement; Geschichte der Baustoffe; baustoff-technik, Gert Wohlfarth GmbH, Verlag Fachtechnik, Duisburg,
  • James E. Alleman/ Brooke T. Mossman; Asbest: Aufstieg und Fall eines Wunderwerkstoffs, Spektrum der Wissenschaft 11/1997, S. 86 - 92
  • Bay. LfU 2004 (Umweltberatung Bayern): Link-Text

Siehe auch


Glaswolle, Steinwolle, Faserzement

Weblinks


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