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Artaxerxes II. (Mnemon) (persisch: اردشیر Ardaschīr *, altpersisch: Ŗtachschaçā; * ca. 430 v. Chr., † 359 v. Chr.) war der neunte König aus der altpersischen Dynastie der Achämeniden, 150 Jahre nach der Reichsgründung durch Kyros II. den Großen.

Jugend


Artaxerxes, dessen Geburtsname Arsikes war, wurde geboren als sein Vater Ochos, der später als Großkönig den Thronnamen Dareios II. annahm, noch "Privatmann" war. Als Dareios schon Großkönig war, gebar ihm Parysatis, die auch die Mutter des Arsikes war, einen zweiten Sohn, Kyros. Neben Kyros hatte Arsikes noch weitere Geschwister, Ostanes und Amestris. Der griechische Biograph Plutarch beschreibt Arsikes in seiner Jugend als sanftmütigen und großzügigen Menschen, im gegensatz zu seinem aufbrausenden und ehrgeizigen Bruder. Auf Wunsch seiner Eltern heiratete Arsikes Stateira, deren Bruder jedoch bald in Ungnade des Dareios fiel und von diesem ermordet wurde. Als Dareios auch Stateira umbringen lassen wollte, konnte Arsikes seine Mutter Parysatis davon überzeugen, sie zu verschonen und auch die Ehe fortbestehen zu lassen.

Parysates versuchte Dareios davon zu überzeugen Kyros, der Plutarch zufolge ihr Lieblingssohn gewesen war, nach dem Recht der Purpurgeburt zum Thronfolger zu bestimmen. Dareios lehnte jedoch ab und ernannte Arsikes, den Erstgeborenen, zum Kronprinzen. Kyros wurde zum Statthalter (Satrap) von Lydien ernannt.

Frühe Herrschaft


Als Dareios 404 v.Chr. starb wurde Arsikes als Artaxerxes II. in Pasargadai zum Großkönig gekrönt. Während der Zeremonie entging er knapp einem Mordanschlag des Kyros, der weiter versuchte, die Macht an sich zu reißen. Artaxerxes sah auf Flehen der Mutter davon ab, Kyros hinzurichten, und schickte ihn zurück nach Lydien. Etwa um 402 ging Ägypten dem Perserreich nach längeren Unruhen und Kämpfen verloren. Kyros nutzte dies wohl, um öffentlich die Unfähigkeit des Artaxerxes anzuprangern und rief zum Aufstand auf. Mit dem Heer seiner Satrapie und einem Kontingent von etwa 10,000 griechischen Söldnern zog er von Kleinasien in das innere des Reiches um Artaxerxes zu stürzen. Dieser hob ein Reichsaufgebot -eine Armee bestehend aus Einheiten verschiedener Völkerschaften des Reiches- aus um Kyros in der offenen Schlacht zu stellen. Diese fand bei Kunaxa im zentralen Mesopotamien statt. Die Streitmächte des Kyros waren denen des Artaxerxes in den Kampfhandlungen überlegen, aber Kyros fiel, womit der Aufstand scheiterte. Der Rückzug der griechischen Söldnern, der von Xenophon beschrieben wurde, stieß auf halbherzigen Widerstand der einzelnen Statthalter, gelang am Ende jedoch ohne nennenswerte Verluste.

Der Königsfriede


Kurz nach dem Aufstand des Kyros konnte eine Invasion der Spartaner unter deren König Agesilaos durch Bestechung abgewehrt werden. Agesilaos soll gesagt haben, dass ihn zehntausend persische Bogenschützen zum Rückzug gezwungen haben- diese Bogenschützen waren Bilder, die auf der persischen Goldmünze, dem Dareikos geprägt wurden. Artaxerxes schien dem Ägäisraum mehr Bedeutung zuzumessen als seine Vorgänger Dareios II. und Artaxerxes I. Im Korinthischen Krieg (399-386 v.Chr.) verbündete er sich mit Athen und Theben gegen Sparta. Als die Spartaner in Griechenland die Oberhand gewannen, sich aber nicht gegen die Perser durchsetzen konnten, wurde im Jahr 387 v.Chr. in Sardes, der Hauptstadt Lydiens und wichtigsten Stadt im westlichen Perserreich, ein Friedensvertrag, der sogenannte Königsfriede, ausgehandelt, der im Folgejahr allen beteiligten Parteien vorgetragen wurde. Diesem Vertrag zufolge erhielt Artaxerxes alle griechischen Städte Kleinasiens, sowie das vorgelagerte Klazomenai und Zypern. Alle anderen Städte und Länder Griechenlands waren unabhängig und frei, nur Athen durfte einige Inseln in der Ägäis behalten. Als Garant hierfür trat der Großkönig ein, der jeden Verstoß gegen den Vertrag mit Geld und Streitmächten ahnden würde. Sparta wurde hierfür als eine Art "Polizist" eingesetzt, was praktisch bedeutete, das es die Vorherrschaft über Griechenland bekommen hatte, während die Perser die Absolute Macht über den Ägäisraum hatten.

Die spätere Herrschaft


Nachdem mit dem Königsfrieden die Westgrenze des Perserreiches, die seit den Perserkriegen für die Perser eher ein Problem darstellte, endgültig gesichert war, war das Augenmerk des Artaxerxes nun auf das abtrünnige Ägypten gerichtet. Etwa um 375 v.Chr. wurde Datames, der Satrap von Kilikien zum Oberbefehlshaber einer persischen Streitmacht ernannt, die das Land am Nil zurückgewinnen sollte. Da dieser Datames jedoch in Kleinasien seine Macht beträchtlich ausweiten konnte, kam Artaxerxes ihm zunehmend mit Mißtrauen entgegen und entzog ihm das Kommando wieder. Stattdessen beauftragte er Pharnabazos und Iphikrates, doch der Feldzug scheiterte an dem erbitterten Widerstand der Ägypter, die von griechischen Hilfstruppen unterstützt wurden. Ungefähr zu dieser Zeit kam es im inneren des Reiches zu einem Aufstand der Kadusier, gegen die Artaxerxes persönlich zu Felde zog. Im Westen hatte der Vertrauensverlust gegen Datames dazu geführt, dass dieser um 370 v.Chr. einen Aufstand anfachte, der bis vor kurzem als "Großer Satrapenaufstand" bekannt war und als für die Perserherrschaft unglaublich bedrohlich angesehen wurde. Die Forschung geht mittlerweile jedoch davon aus, dass es zu keinem Aufstand von solchen Ausmaßen gekommen war. Dennoch hatten im Westen mehrere Statthalter große Macht an sich gerissen, insbesondere Maussollos, der praktisch unabhängig vom Großkönig herrschte. In Griechenland entstand dadurch offenbar der Eindruck, dass Artaxerxes ein schwacher Herrscher war und seine Macht beschränkt war. Deshalb konnten Athen und Theben ihre Macht beträchtlich ausweiten und schließlich die Vorherrschaft der Spartaner bei Leuktra und Mantineia beenden. Artaxerxes war inzwischen ein alter Mann und hatte die Macht an der Westgrenze vor allem den dortigen Satrapen in die Hände gegeben, die hauptsächlich im eigenen Interesse walteten. Währenddessen gab es Streitigkeiten um die Nachfolge des Artaxerxes. Dieser hatte seinen Sohn Dareios zum Nachfolger bestimmt, doch dessen jüngerer Bruder Ochos beanspruchte die Nachfolge für sich. Artaxerxes konnte wohl aufgrund seines hohen Alters seine Regelung nicht durchsetzen und Ochos ermordete seine Brüder Dareios und Ariaspes und folgte seinem Vater nach dessen Tod im Jahr 359 v.Chr. als Artaxerxes III. auf den Thron.

Bilanz der Herrschaft


Die griechischen Schriftsteller vermitteln häufig das Bild eines schwachen und machtlosen Herrschers. Daneben stellen sie auch seinen gütigen, gnädigen und sanften Charakter heraus, den sie allerdings gleichermaßen als Symbol der Verweichlichung des persischen Adels darstellen. Mit 45 Jahren war die Regierungszeit des Artaxerxes die längste aller Achaimenidenkönige, und er einer der wenigen, die eines natürlichen Todes starben. Dies spricht dafür, dass Artaxerxes in seinem unmittelbaren -wenn auch nicht familiären- Umfeld viel Zustimmung und Unterstützung erhalten hat. Auch in der Bevölkerung schien Artaxerxes auf Ehrfurcht und Verehrung zu stoßen, wie eine Anekdote des Aelian belegt. Dieser berichtet, wie ein armer persischer Bauer bei der Durchreise des Großkönigs diesem zum Geschenk Wasser aus einem nahegelegenen Fluss schöpfte, weil er ihm nichts anderes anbieten konnte um ihn zu ehren. Artaxerxes soll ihn aus Rührung zum Dank reich beschenkt haben. Als Bauherr war Artaxerxes vor allem in Susa aktiv, das er anscheinend zu seiner Hauptresidenz machte. Jedenfalls wurde hier neben dem des Dareios I. ein zweiter großer Palast unter seiner Herrschaft gebaut.

Als erster Achaimenidenkönig seit Kambyses II. wurde Artaxerxes nicht in Naqsh-i Rustam beigesetzt, sondern in Persepolis, wie auch sein Nachfolger Artaxerxes III. Religionspolitisch gab es unter Artaxerxes einen Bruch. Hatten dessen Vorgänger zumindest offiziell streng nach zoroastrischen Geboten nur Ahura Mazda als einzigen Gott gehuldigt, so ließ Artaxerxes auch die Anahita- und Mithras-Kulte zumindest zu; Aelian zufolge soll er auch zu Mithras gebetet haben. In Bezug auf das Reich tolerierte Artaxerxes wie alle seine Vorgänger die verschiedenen Kulte und Religionen und ließ deren freie Ausübung zu. Im Jahr 398 v.Chr. beauftragte er dem Propheten Esra in Jerusalem die Tora zu verkünden.

Die parthische Dynastie der Arsakiden berief sich auf Artaxerxes als Stammvater.

Quellen


Artaxerxes ist bei den griechischen Schriftstellern der Antike einer der am häufigsten erwähnten Großkönige des Perserreiches, wahrscheinlich weil sein Einfluß in Griechenland größer war als der aller anderen Großkönige seit Xerxes I. So hat ihm Plutarch sogar eine eigene Biographie gewidmet. Xenophon beschreibt in seiner Anabasis den Aufstand des Kyros und den Rückzug der griechischen Söldner. Cornelius Nepos hat eine Biographie über Datames geschrieben, der zur Zeit des Artaxerxes Satrap in Kilikien war. Bei Aelian finden sich zwei Anekdoten die in die Zeit des Artaxerxes eingeordnet werden. Ferner tritt Artaxerxes auch in der Hellenika des Xenophon als Initiator des Königsfriedens auf und wird in vielen anderen zeitgenössischen Werken erwähnt.

Auch in der Bibel wird Artaxerxes im Buch Esra erwähnt. Dagegen gibt es nur wenige persische Quellen aus der Zeit des Artaxerxes. Erwähnenswert sind nur die Ruinen seines Palastes in Susa sowie das Grab in Persepolis, das jedoch nicht eindeutig identifiziert ist. Es gibt zwei Gräber hier, die einem Artaxerxes gehörten, eines war das Artaxerxes' II., eines Artaxerxes' III., welches jedoch wem zuzuschreiben ist, bleibt umstritten. In Ägypten gibt es Aufzeichnungen, die Artaxerxes im Jahr 402 v.Chr. noch als Herrscher bestätigen.

Literatur


Weblinks


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