Lucius Flavius Arrianus (* um 95; † 175), auch bekannt als Arrian, war ein römischer Historiker, Politiker und Philosoph.
Arrian war Grieche und stammte aus Nikomedeia in Bithynien (römische Provinz in Kleinasien). Er studierte zusammen mit dem späteren Kaiser Hadrian in Nikopolis bei dem berühmten stoischen Philosophen Epiktet und schrieb zwei Bücher über dessen Lehre. Zur gleichen Zeit trat er in den kaiserlichen Dienst ein und diente in der damaligen keltischen Provinz und an der Donau. Als Angehöriger des Senatorenstandes war er unter seinem Freund Hadrian in der römischen Reichsverwaltung tätig. Um etwa 128/129 war er römischer Konsul, danach Statthalter in der Provinz Kappadokien und Befehlshaber der römischen Truppen an der Grenze zu Armenien. Es war zu dieser Zeit ungewöhnlich für einen Griechen, einen solch hohen Rang im römischen Militär zu haben. Nach dem Tod seines Gönnners Hadrian im Jahre 138 kehrte Arrian nach Athen zurück, wo er Bürger wurde. Im Jahre 145 bekleidete er den Posten des Archonten, einst die wichtigste politische Institution der Stadt, aber mittlerweile nur noch als Ehrenamt anzusehen. Hier begann er, sein Leben der Geschichtsschreibung zu widmen.
Arrians literarische Tätigkeit begann kurz vor dem Tode Hadrians. Seinem Vorbild Xenophon folgend, verfasste er in schlichtem attischem Stil Werke verschiedenen, vor allem historischen Inhalts. Von diesen ist sein Werk über den Alexanderzug (Anabasis Alexandrou), welches unsere wichtigste Quelle für diesen Zeitraum darstellt, und über Indien (Indike) überliefert. Erhalten ist des weiteren eine Taktik und eine Rundfahrt (Dienstreise im Bereich des Schwarzen Meeres). Verloren gegangen sind sowohl seine Geschichte der Diadochen als auch über die Parther und über Bithynien.
Da wir kein zeitgenössisches Zeugnis des Alexanderzugs mehr besitzen, ist Arrians Alexandergeschichte noch vor Curtius Rufus, Diodor, Pompeius Trogus (siehe Marcus Junianus Justinus) und Plutarch unsere wichtigste Quelle hinsichtlich der Geschichte Alexanders des Großen, die zudem wohl insgesamt am zuverlässigsten berichtet. Arrians Alexandergeschichte ist in sieben Bücher aufgeteilt und sehr nüchtern verfasst. Seine Quellen waren Kleitarch und Ptolemaios I., die beide den Alexanderzug mitgemacht und jeweils in Form eines Geschichtswerks festgehalten hatten.
Womöglich hatte Ptolemaios sich bei seiner Darstellung auf die offiziellen Hofberichte (Ephemeriden) gestützt, weshalb die Darstellung Arrians am akkuratesten ist - doch ist auch dies mitunter bezweifelt worden. Über die Persönlichkeit Alexanders sagt das Werk nur wenig aus (Arrian ist ihm aber grundsätzlich sehr gewogen, was am Ende des 7. Buches noch einmal deutlich wird). Für die Ereignisgeschichte ist Arrian dennoch sehr wertvoll, auch wenn sich in der modernen Forschung zusehends die Gewichtung leicht verschiebt, und auch Diodor, Plutarch u.a. stärker miteinbezogen werden, während man sich lange fast ausschließlich auf Arrian verließ.
In seinem Alltagsleben sprach Arrian wohl koiné, das weit verbreitete Griechisch der hellenistischen und römischen Zeit. Aber als Schriftsteller fühlte er sich verpflichtet, der vorherrschenden Sicht zu folgen, dass seriöse Werke in "gutem Griechisch" abgefasst werden müssen, was bedeutete, so detailgetreu wie möglich die Grammatik und den literarischen Stil der athenischen Schriftsteller des 5. Jahrhunderts v. Chr. zu imitieren. Im Falle Arrians bedeutete dies, dem Attischen Stil von Xenophon und Thukydides nachzufolgen. Dies ist in gewissem Maße das Äquivalent zu einem modernen Historiker, der das Englisch von Shakespeare schreiben möchte.
Auswahl erhaltener Werke:
Sekundärliteratur:
Mann | Grieche (Antike) | Politiker (antikes Griechenland) | Historiker der Antike | Autor | Antike (Literatur) | Literatur (Altgriechisch)
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