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Arnold Zweig (* 10. November 1887 in Glogau, Niederschlesien (heute Głogów, Polen); † 26. November 1968 in Ost-Berlin) war ein deutscher Schriftsteller.
Biographie
1887–1918
Arnold Zweig wurde in eine mäßig religiöse, jüdische Familie geboren. 1907 nahm er das Studium der Germanistik, Philosophie, Psychologie, Kunstgeschichte und Nationalökonomie in
Breslau auf. Später wechselte er nach
München,
Berlin,
Göttingen,
Rostock und
Tübingen. Während dieser Zeit wurde er stark von
Nietzsches Philosophie beeinflusst.
Sein literarisches Debüt war 1912 der Band Novellen um Claudia. 1915 erhielt er für die Tragödie Ritualmord in Ungarn den Kleist-Preis. 1915 wurde Zweig zum Militär eingezogen. War er zuvor deutlich preußisch-national gesinnt, wandelte er sich unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs, wo er unter anderem in Serbien, Belgien und bei Verdun eingesetzt wurde, zum Pazifisten. Ab 1917 war Zweig Mitarbeiter der Presseabteilung des Oberbefehlshabers Ost. Dort kam der säkulare Jude Zweig in Kontakt mit dem Ostjudentum, das bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterließ.
1916 heiratete Zweig seine Cousine, die Malerin Beatrice Zweig. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, Adam und Michael. Adam Zweig lebt in der Schweiz.
1918–1933
Nach dem Ersten Weltkrieg ließ sich Zweig als freier Schriftsteller am
Starnberger See nieder. Es entwickelte sich eine Freundschaft mit
Lion Feuchtwanger und
Sigmund Freud. In Essays, Theaterstücken und Kurzprosa gestaltete Zweig seine Kriegserlebnisse und seine Auseinandersetzung mit dem Judentum. Zweig bekannte sich nun zu einem humanistisch geprägten Sozialismus. Nach dem
Hitler-Putsch 1923 musste Zweig Starnberg verlassen. Er zog nach Berlin, wo er als Redakteur für die
Jüdische Rundschau arbeitete. Der Kontakt zu
Martin Buber, der bereits während des Krieges begann, führte Zweig in die Nähe des
Zionismus, dem er in den folgenden Jahren eng verbunden blieb.
1927 erschien Zweigs bekanntestes Werk, der Roman Der Streit um den Sergeanten Grischa. Das Buch behandelt einen militärischen Justizmord gegen Ende des Ersten Weltkriegs. Der Roman, stilistisch zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit, gestaltet den Zusammenprall zwischen säkularisiertem Judentum und ostjüdischer Frömmigkeit, zwischen aufgeklärter preußischer Tradition und wilhelminischem Kadavergehorsam - vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs des Kaiserreichs. Der Roman gehört zu dem Zyklus Der große Krieg der weißen Männer, dessen weitere Teile Junge Frau von 1914 (1931), Erziehung vor Verdun (1935), Einsetzung eines Königs (1937), Die Feuerpause (1954) und Die Zeit ist reif (1957) sind.
1933–1948
Nach der Machtübernahme der
Nationalsozialisten wurden Zweigs Bücher im Rahmen von
Bücherverbrennungen öffentlich verbrannt. Zweig ging zuerst in die
Tschechoslowakei, dann in die Schweiz und schließlich nach
Sanary-sur-Mer (Frankreich). Seine zionistische Einstellung führte ihn von dort weiter ins Exil nach
Palästina, wo er sich in
Haifa niederließ. In Haifa geriet er bald schon in Konflikt mit national-jüdischen Gruppen, die sowohl die deutsche wie auch die
jiddische Sprache ablehnten - während Zweig in der deutschsprachigen Zeitschrift
Orient publizierte. Die Situation führte soweit, dass für eine "Hebräisierung" eintretenden, anti-arabische Nationalisten einen Bombenanschlag auf die Redaktion des
Orient ausführten - was zur Einstellung der Zeitschrift zwang. Bereits 1932, vor der Flucht ins Exil, hatte Zweig in seinem Roman
De Vriendt kehrt heim eine ähnliche Situation geschildert: In der Geschichte, die auf einem wahren Fall beruht, wird ein europäischer Jude, der als überzeugter Zionist nach Palästina auswandert, ermordet, weil er ein Verhältnis mit einem arabischen Jungen beginnt.
Abgeschnitten von seinem literarischen Umfeld wurde Zweigs Existenz in Palästina auch wirtschaftlich unhaltbar. Über die Verbindung mit Feuchtwanger und anderen Linksintellektuellen engagierte sich Zweig während des Exils verstärkt für den Sozialismus und publizierte in antifaschistischen Publikationen wie der _1933_bis_1939 und der Deutschen Volkszeitung. 1947 erschien der Roman Das Beil von Wandsbek, in dem Zweig psychologisch dicht und historisch stimmig die Anpassung kleiner Leute an den Nationalsozialismus gestaltete.
1948–1968
1948 kehrte Arnold Zweig aus dem Exil nach Ost-Berlin zurück. Als bekennender Sozialist wurde er in der
Sowjetischen Besatzungszone und der
DDR geehrt. Zu Zweigs Anerkennung trug besonders bei, dass
Georg Lukács sein Werk im Vergleich zur vermeintlich "dekadenten" Moderne lobte und ihn in einen Traditionszusammenhang zu den Autoren des
realistischen Romans des 19. Jahrhunderts stellte. Wegen seines Eintretens für den Sozialismus und die DDR fand Zweigs Werk für lange Jahre in der Bundesrepublik Deutschland kaum Anerkennung.
1949 wird Arnold Zweig Mitglied des Weltfriedensrates und trat in dieser Funktion als Redner bei Kongressen in Paris und Warschau auf. Von 1949 bis 1967 war er Abgeordneter der Volkskammer der DDR, und 1950 wurde ihm der Nationalpreis der DDR 1. Klasse verliehen. Von 1950 bis 1953 war Zweig Präsident der Deutschen Akademie der Künste der DDR, danach ihr Ehrenpräsident. Zweig war Gründungsmitglied (1956) der Pirckheimer-Gesellschaft beim Kulturbund der DDR. 1957 wurde er zum Präsidenten des Deutschen P.E.N.-Zentrums Ost und West (ab 1967: "P.E.N.-Zentrum DDR") ernannt. In Berlin gibt es eine nach ihm benannte Grundschule (Wollankstrasse 131), dort auch Ausstellungen über ihn.
Werke
- Novellen um Claudia, 1912, ISBN B-000-0BPZ0-H
- Ritualmord in Ungarn (Tragödie), 1915
- Caliban oder Politik und Leidenschaft, 1926
- Der Streit um den Sergeanten Grischa, 1927, ISBN 3-746-65207-3
- Junge Frau von 1914, 1931, ISBN 3-746-65210-3
- De Vriendt kehrt heim, 1932, ISBN 3-746-65202-2
- Bilanz der deutschen Judenheit. Ein Versuch, Amsterdam: Querido, 1934; Neuaufl. Berlin: Aufbau, 2000
- Erziehung vor Verdun, 1935, ISBN 3-746-65211-1
- Einsetzung eines Königs, 1937, ISBN 3-351-03406-7
- Das Beil von Wandsbek, hebräisch 1943, dt.1947 (siehe auch Altonaer Blutsonntag), ISBN 3-746-65209-X
- Die Feuerpause, 1954
- Die Zeit ist reif, 1957
Literatur
- Wilhelm von Sternburg "Um Deutschland geht es uns" Arnold Zweig. Die Biographie Berlin: Aufbau Verlag, 1998
- Arie Wolf Größe und Tragik A. Zweigs. Ein jüdisch-deutsches Dichterschicksal in jüdischer Sicht London: World of Books, 1991 ISBN 3883254207 (Informativer Klappentext bei amazon.de wiedergegeben)
- Koebner, Thomas, u.a (Hg.) i.A. Gesellschaft für Exilforschung / Society for Exile Studies Publizistik im Exil und andere Themen Beitr. v. Arie Wolf über A.Z. München: edition text + kritik (Exilforschung, Bd. 7), 1989 ISBN 3-88377-321-2
- Manuel Wiznitzer A.Z. - Das Leben eines deutsch-jüdischen Schriftstellers Königstein/Ts.: Athenäum, 1983 u.ö. ISBN 3596256658
- Sigrid Thielking Auf dem Irrweg ins "Neue Kanaan"? Palästina und der Zionismus im Werk Arnold Zweigs vor dem Exil Bern u.a.: Peter Lang, 1990 ISBN 3631426097
- Gabriella Racz "Kunstvolle Maskerade": Modernität und Epigonalität in A. Zweigs "Die Novellen um Claudia" Wien: Edition Präsens, 2005 ISBN 3706903385
Siehe auch
Weblinks
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