Arnold Joseph Toynbee (* 14. April 1889 in London; † 22. Oktober 1975 in New York) war britischer Kulturtheoretiker und einer der bedeutendsten Geschichtsphilosophen des 20. Jahrhunderts. Er gilt als letzter großer Universalhistoriker.
Zwischen 1934 und 1961 arbeitete Toynbee an seinem epochemachenden 12-bändigen Hauptwerk A Study of History (dt.: Der Gang der Weltgeschichte), in dem er die Bedingungen von Entstehung, Aufstieg und Verfall von Kulturen (civilizations) umfassend analysierte. Dabei widmet er in Abkehr von einer eurozentristischen Geschichtsschreibung den außereuropäischen Kulturen ebenso viel Aufmerksamkeit wie der europäischen. Das monumentale Werk begründete Toynbees Ruf als einer der letzten großen Universalhistoriker in der Tradition Jacob Burckhardts und Oswald Spenglers.
Der Gang der Weltgeschichte knüpft an Spenglers (Der Untergang des Abendlandes) an, vertritt aber nicht dessen kulturpessimistisch-deterministische Sicht, nach der alle Kulturen eine quasi naturgesetzliche und voneinander unabhängige Entwicklung von Aufstieg, Blüte und Verfall durchlaufen. Vielmehr propagiert Toynbee eine evolutionäre, prinzipiell ergebnisoffene und damit differenzierte Sichtweise. Danach entwickeln sich nicht alle Kulturen in einem steten Kreislauf von Aufstieg und Verfall, sondern jeweils unterschiedlich - je nach ihrer Fähigkeit, "Antworten" (responses) auf "Herausforderungen" (challenges) zu finden.
Er vertritt die Auffassung: Je höher der Anreiz zur Entwicklung einer Kultur, desto höher deren spätere Entwicklungsstufe. Die Herausforderung könne aber auch zu stark sein und zu einer Überdehnung der Kräfte führen. Demnach entwickelten sich Kulturen, die vor zu einfache oder zu schwere Herausforderungen gestellt werden, überhaupt nicht oder fallen in Stagnation. Letzteres sei beispielsweise bei den Polynesiern und den Inuit des Fall, die sich der extremen Herausforderung gestellt hätten, die Wasserwüsten des Pazifik bzw. die Eiswüsten der Arktis zu besiedeln.
Andere Kulturen hätten dagegen eine Lösung für eine zu bewältigende Aufgabe gefunden - wie etwa die altägyptische Kultur auf die jährlich wiederkehrenden Überschwemmungen des Nillandes - und seien dadurch zu großer Blüte gelangt. Einige davon gehen laut Toynbee auch wieder unter, andere dagegen erleben eine Transformation in eine oder mehrere Tochterkulturen. So seien etwa die abendländische und die byzantinische Kultur aus der römisch-hellenistischen hervorgegangen. Wieder andere erwiesen sich als sehr langlebig - weil anpassungs- und wandlungsfähig - wie etwa die chinesische Kultur. Als entscheidende Triebkraft der Geschichte sieht Toynbee keine abstrakten Ideen oder Gesetzmäßigkeiten, sondern das Wirken konkreter Menschen.
Eine kritische Aufnahme seiner Ideen findet sich bei Franz Borkenau (Ende und Anfang).
Toynbee sah eine allgemeine Weltkultur im Entstehen, deren große Herausforderung seiner Ansicht nach darin besteht, einen den Frieden garantierenden Weltstaat zu schaffen. Viele sehen in Toynbee daher einen frühen Propheten der Globalisierung. In seinem letzten, unversalgeschichtlichen Werk Menschheit und Mutter Erde von 1974 schreibt er:
Historiker | Mann | Brite | Geboren 1889 | Gestorben 1975
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