Arnold Harry Konrad Oskar Freiherr von Vietinghoff-Riesch (* 14. August 1895 in Neschwitz; † 2. April 1962 in Unna) war ein deutscher Forstwissenschaftler, sächsischer Forstmeister, Ornithologe, Gründer deutscher Vogelwarten und Autor.
Nach Kriegsende begann Arnold Freiherr von Vietinghoff-Riesch von Neschwitz aus eine Lehre in einem Forstamt. Es folgte das Studium der Forstwissenschaften an der Königlich Sächsischen Fortstakademie in Tharandt und von 1921 an in München, das er 1923 mit der Promotion zum Dr. oec. publ. über ein entomologisches Thema abschloss: "Das Verhalten paläarktischer Vögel gegenüber den wichtigeren forstschädlichen Insekten". Im gleichen Jahr heiratete er auch Editha Freiin von Seherr-Thoß, die als geschiedene von Haugwitz zwei Kinder mit in die Ehe brachte. Das Paar übersiedelte nach Neschwitz, wo Arnold Freiherr von Vietinghoff-Riesch seinen Vater bei der Bewirtschaftung des 2.000 Hektar großen Gutes mit dem zugehörigen Barockschloss unterstützte. Nach der Referendarszeit folgte 1926 die Große Forstliche Staatsprüfung in Dresden. Ein Jahr später zum "Privatforstmeister" ernannt, wurde er 1928 bei Auflösung des Fideikommisses Mitbesitzer der Herrschaft Neschwitz und 1939 schließlich deren Alleinbesitzer.
Zu dem nördlich von Bautzen in der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft gelegenen Familienbesitz gehörte neben der Landwirtschaft auch ein gut 1.000 ha großer Forstbetrieb. Nachdem Arnold Freiherr von Vietinghoff-Riesch dort eine Bewirtschaftung eingeführt hatte, die auf Kahlschläge verzichtete, galt das Gut bereits in den 1930-er Jahren als naturgemäßer Musterbetrieb. Damit wurde von Vietinghoff-Riesch ein Vorreiter der naturgemäßen Waldwirtschaft, eine forstliche Richtung, die er auch während seiner späteren Lehrtätigkeit an den forstlichen Fakultäten in Tharandt und Göttingen vertrat. Neschwitz blieb auch in der DDR Musterrevier für Vorratswirtschaft und naturgemäße Wirtschaftsweise. Angeregt durch Gottlob König und vor allem Heinrich von Salisch setzte er sich für Naturschutz und Landschaftspflege als Aufgaben der Forstwirtschaft ein. Dies war auch 1936 Thema einer Arbeit, mit der er sich an der Forstakademie Tharandt habilitierte, wo er seit 1935 als Dozent für die Fächer Forstliche Produktion, Naturschutz, Jagdkunde, Ornithologie und Vogelschutz lehrte. Außerdem errichtete der passionierte Falkner und Ornithologe am 13. August 1930 auf seinem Gutsgelände die Vogelschutzwarte Neschwitz als Einrichtung des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, die bis 1970 existierte. 1943 kam die Ernennung zum apl. Professor.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs trat von Vietinghoff-Riesch in die Wehrmacht ein. Während seines Kriegsdienstes wirkte er unter anderem 1941 in Russland als Dolmetscher und Ordonnanzoffizier im Generalkommando. 1943 wurde er in Tharandt zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Nachdem das neue Schloss (das Barockschloss) in Neschwitz am 20. Mai 1945 abgebrannt und geplündert worden war, folgten Enteignung und Flucht aus der Ostzone in den Westen. Bald danach konvertierte von Vietinghoff-Riesch zum Katholizismus.
Nach kurzer Leitung des Gräflich Schönburgischen Forstamtes in Glauchau und Leitung einer Nisthöhlenfabrik in der Forstverwaltung des Freiherrn von Knigge in Steinkrug am Deister gründete er dort 1947 die „Staatlich anerkannte Vogelschutzwarte Niedersachsen, Forschungsstelle für Natur- und Vogelschutz“. Seit 1946 hielt er an der Forstlichen Fakultät der Universität Göttingen mit Sitz in Hannoversch Münden Vorlesungen über Forstschutz sowie Ornithologie und vertrat dabei die Lehrstuhlinhaber in Forstgeschichte, Waldbau und in Forstzoologie. Nach der Habilitation 1949 wurde er 1951 selber Lehrbeauftragter für Waldbau und Leiter des Instituts für Forstzoologie. 1956 übernahm er als a.o. Professor den Lehrstuhl für Forstgeschichte, Forstschutz und Naturschutz, kurz darauf erhielt er das persönliche Ordinariat. Darüber hinaus hielt er Vorlesungen über Forstwirtschaft an der Landwirtschaftlichen Fakultät in Göttingen und über Naturschutz für Hörer aller Fakultäten. Von 1960 bis 1961 war er Dekan der Forstlichen Fakultät.
Von Vietinghoff-Rieschs Bedeutung als Hochschullehrer ist vor allem darin zu sehen, dass er den Naturschutz in der forstlichen Ausbildung verankerte und einhergehend damit über Gedanken zur Waldästhetik auch die Landschaftspflege einbrachte. Er war bekannt für seine Nähe zu den Studenten sowie für geist- und humorvolle Vorträge gespickt mit klassischen Zitaten. Aufgrund seiner vielfältigen Interessen für Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte vermittelte er eine einmalige Gesamtschau der Dinge. Er veröffentlichte über 200 Beiträge. Zu seinen Hauptwerken zählen das Sachbuch "Der Oberlausitzer Wald", der Roman "Der tanzende Kranich" sowie seine Autobiographie "Letzter Herr auf Neschwitz".
Bei einem schweren Autounfall am 23. März 1962 bei Unna kam seine Frau Editha ums Leben, und auch Arnold Freiherr von Vietinghoff-Riesch starb kurz danach am 2. April 1962 an den Folgen dieses Unfalls.
Mann | Deutscher | Freikorps-Mitglied | Hochschullehrer | Forstwissenschaftler | Ornithologe | Ökologe | Naturschützer | Jagd | Autor | Literatur (20. Jh.) | Literatur (Deutsch) | Roman, Epik | Geboren 1895 | Gestorben 1962
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