| Armfüßer | ||||||||||||
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| Onniella.jpg | ||||||||||||
| : | Vielzeller (Metazoa) |
| : | Gewebetiere (Eumetazoa) |
| : | Bilateria |
| Stammgruppe: | Urmünder (Protostomia) |
| : | Lophotrochozoen (Lophotrochozoa) |
| : | Armfüßer |
Der Tierstamm der Armfüßer (Brachiopoda) besteht ausschließlich aus meereslebenden, bilateral-symmetrischen Tieren mit zweiklappigem Gehäuse. Sie ähneln äußerlich den Muscheln (Bivalvia), haben aber anstatt einer linken und rechten Schale (Klappe) eine obere und eine untere, wobei die bauchseitige Schale meist größer ist. Abgesehen davon besitzen die Brachiopoden an beiden Seiten des Mundes armförmige Tentakel. Die größten heute lebenden Arten erreichen Schalenbreiten bis sieben Zentimeter, die größten fossilen Schalen sind etwa 30 Zentimeter breit.
Bei den meisten Arten sind beide Klappen stark verkalkt und mit einer organischen Schicht, dem Periostracum, bedeckt. Unterhalb dieser finden sich abwechselnd Schichten aus Calciumkarbonat (Calcit) und Proteinhäutchen. Bei einigen Arten liegt darunter noch eine Schicht aus prismenförmigen Calcitkristallen. Die Schalen können feine Kanälchen aufweisen, durch die Ausstülpungen des Mantels mit Sekretzellen, die so genannten Caeca, reichen. Eine solche Schale wird als „punctate“ Schale bezeichnet. Einige ursprüngliche Arten, wie etwa Lingula, haben dagegen eine wenig verkalkte und biegsame Schale aus Chitinlamellen und Calciumphosphat.
brac_articulate.png Zusammengehalten werden die beiden Schalenhälften durch eine starke Muskulatur, deren wichtigste Teile der „Öffner“ und der „Schließer“ sind. Diese Muskeln arbeiten gegeneinander und ermöglichen die Öffnung bzw. die Schließung der Schalen. Bei den Articulata existiert außerdem ein Scharnier, die beiden Schalen sind also miteinander artikuliert (Name!). Am Schalenaußenrand befinden sich Borsten (Setae). Der Öffnungswinkel der Klappen ist abhängig von der jeweiligen Art und kann zwischen 7° bei Gryphus-Arten und 45° bei Platidia-Arten betragen.
Im Zentrum des Tieres ist der namensgebende Armapparat (Lophophor) befestigt, der häufig (bei den Testicardines) durch ein kalkiges Armskelett an der Dorsal- oder Armschale gestützt wird, dem Lophophorskelett oder Brachidium, und mit dem das Tier Nahrung aus dem Wasser sammelt und atmet. Die Nahrung gelangt über den zentral gelegenen und schlitzförmigen Mund in das Verdauungssystem. Der Körper ist von einem zweilappigen Mantel umgeben, der an der Außenseite die Schalenmaterialien absondert. Der Weichkörper einschließlich der Lophophoren ist vollständig von beiden Gehäuseklappen umschlossen. Die inneren Organe liegen im hinteren Gehäusebereich, der vordere besteht aus einer Mantelhöhle, in die die Lophophoren hineinragen. Bei geschlossenen Klappen wird der Lophophor in die Filterkammer eingelegt und er stellt sich erst wieder auf, wenn die Klappen wieder geöffnet werden. Lingula anatina 2.jpg Aus der Ventral- oder Stielklappe, oder zwischen beiden Klappen, tritt am hinteren Ende des Tieres häufig ein muskulöser Stiel mit zäher, chitiniger, Cuticula aus, mit dem das Tier am oder im Substrat festgewachsen ist. Dieser Stiel ist beweglich und erlaubt den Tieren, eine optimale Position im Wasser einzunehmen. Wenige Arten besitzen keinen Stiel und kleben mit der Ventralklappe am Substrat, andere, etwa Ligula spec., sind nicht festgewachsen und bewegen sich mit Hilfe des Stieles durch das Substrat.
Die Leibeshöhle, das Coelom, ist bei den Armfüßern dreiteilig, wobei die einzelnen Teile vollkommen voneinander abgetrennt sind. So besitzen sie ein röhrenförmiges Protocoel am Innenrand des Lophophor, das als „großer Armsinus“ oder Labialkanal benannt wird. Das Mesocoel stellt ebenfalls einen Kanal am Lophophor dar, dieser liegt allerdings als „kleiner Armsinus“ an der Außenseite und besitzt Seitenzweige in den Tentakeln. Das Metacoel ist paarig und bildet im Körperzentrum der Tiere Mesenterien mit darin enthaltenen Gefäßen sowie zwei Paar seitliche Bänder, das Gastroparietal- und das Ilioparietalband. Außerdem verzweigt es sich im Mantel. Das Gefäßsystem ist geschlossen und besteht aus einem Sinus und mehreren Blutkanälen, das Hämoglobinhaltige Blut wird von einem kontraktilen Herzen, das oberhalb des Magens liegt, durch den Körper gepumpt. Besonders gut versorgt werden die Außenbereiche des Mantels sowie der Lophophor, da hier der Sauerstoff zur Atmung aus dem Wasser aufgenommen wird.
Die Entsorgung von Stoffwechselendprodukten (Exkreten) erfolgt über ein Paar Metanephridien im Ilioparietalband, bei den Rhynchonellidae über zwei Paare im Gastroparietalband. Durch die Nephridien werden auch die Keimzellen ausgeleitet, die Gonaden liegen dabei im Bereich des Metacoels, entweder an den Mesentherien oder in den Mantelkanälen.
Nach der Befruchtung beginnt die Keimesentwicklung durch eine Radiärfurchung bis zum Stadium der Gastrula. Das Mesoderm wird durch eine Enterocoelie des Darmes gebildet, es schnüren sich also Bläschen desselben ab und bilden die drei paarigen Leibeshöhlen (Coelom). Bei den Inarticulata findet die Larvalentwicklung weitestgehend in der Eihülle statt und die Tiere schlüpfen als Larve, die den ausgewachsenen Tieren weitestgehend ähnelt und sich in dieser Form festsetzen kann. Bei den Articulata entwickelt sich eine freischwimmende Larve mit einer morphologischen Zweiteilung, wobei der Vorderteil mit Cilien ausgestattet ist und der Fortbewegung dient.
Nach etwa zwei Tagen heftet sich die Larve mit dem Hinterteil an das Substrat und es beginnt eine Metamorphose, bei der sich aus dem Hinterteil der Stiel und der Mantel bilden. Letzterer stülpt sich über das Vorderende, welches sich zum eigentlichen Körper des Tieres mit dem Lophophor entwickelt. Die Schalen werden abschließend vom Mantel sezerniert, indem sich erst eine Vorschale aus Proteinen bildet (Protegulum). Die eigentliche Schale bildet sich von diesen Protegula ausgehend, die später den zentralen Wirbel bilden. Der Zuwachs kann anhand von Zuwachslinien abgelesen werden, wodurch sich das Alter der Tiere an der Schale abschätzen lässt. Das Lebensalter kann von wenigen Monaten bei Kleinformen bis zu mehreren Jahren reichen, eine ähnliche Altersspanne wird auch für fossile Formen angenommen.
In der Trias existierten nur noch sehr wenige Armfüßer-Gruppen, die größtenteils bis heute noch existieren. Das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit vor etwa 65 Millionen Jahren, bei dem neben den Großtieren wie Dinosaurier, Flugsaurier und vielen anderen vor allem auch die Ammoniten vollständig ausstarben, hatte auf die Armfüßer nur wenig Einfluss. Andererseits entwickelten sich seit der Trias auch die Muscheln, die teilweise als direkte Konkurrenten auftraten, sodass es zu keiner weiteren Radiation kam. Heute leben noch etwa 300 Arten articulater Brachiopoden, die 75 Gattungen zugeordnet werden. Bei den inarticulaten Formen starben die meisten Formen bereits im Ordovizium und Devon aus, bis heute haben nur wenige Arten der Ligulidae und der Discinidae in 5 Gattungen und der Craniidae mit kalkiger Schale in drei Gattungen überlebt.
| Taxonomie der Armfüßer | Taxa mit rezenten Arten in grün, mit ausschließlich fossilen Arten in weiß|||
| Unterstamm | Klasse | Ordnung | Ausgestorben |
| Linguiliformea | Lingulata | Linguilida | nein |
| Siphonotretida | Ordovizium | ||
| Acrotretida | Devon | ||
| Paterinata | Paterinida | Ordovizium | |
| Craniformea | Craniforma | Craniida | nein |
| Craniopsida | Karbon | ||
| Trimerellida | Silur | ||
| Rhynchonelliformea | Chileata | Chileida | Kambrium |
| Dictyonellidina | Perm | ||
| Obolellata | Obolellida | Kambrium | |
| Kutorginata | Kutorginida | Kambrium | |
| Strophomenata | Orthotetidina | Perm | |
| Triplesiidina | Silur | ||
| Billingselloidea | Ordovizium | ||
| Clitambonitidina | Ordovizium | ||
| Strophomenida | Karbon | ||
| Productida | Perm | ||
| Rhynchonellata | Protorthida | Kambrium | |
| Orthida | Karbon | ||
| Pentamerida | Devon | ||
| Rhynchonellida | nein | ||
| Atrypida | Devon | ||
| Spiriferida | Jura | ||
| Thecideida | nein | ||
| Athyridida | Kreide | ||
| Terebratulida | nein | ||
Heute existieren etwa 83 Gattungen mit etwa 375 Arten von Armfüßern. Die Systematik dieser Tiergruppe ist bis heute nicht vollständig geklärt. Klassisch werden die rezenten Arten ohne Schalenschloß zu den Inarticulata zusammengefasst, während alle schloßtragenden Armfüßer die Articulata bzw. Testicardines bilden. Letztere haben sich jedoch aus Vertretern der Inarticulata entwickelt, wodurch die Inarticulata eine paraphyletische Gruppe bilden und nicht mehr als Taxon gelten. Die klassische Einteilung sieht entsprechend folgendermaßen aus:
Vor allem in der Paläontologie wird heute auf der Basis rezenter und fossiler Arten ein Stammbaum diskutiert, der die Phylogenese darstellt. Dieser wurde 1996 von Williams et al. entwickelt:
Brachiopoda ├─Linguliformea │ ├─Lingulata │ └─†Paterinata ├─Craniformea (mit Craniata) └─Rhynchonelliformea ├─†Chileata └─N.N. ├─†Obolellata ├─†Kutorginata └─Articulata ├─†Strophomenata └─Rhynchonellata
Die Articulata bilden auch hier eine monophyletische Gruppe, allerdings innerhalb der Rhynchonelliformea. Sie umfassen die Klassen Strophomenata und Rhynchonellata, letztere bilden die einzige überlebende Gruppe der Rhynchonelliformea. Die Inarticulata werden als paraphyletische Gruppe aufgelöst in die Linguliformea und die Craniiformea.
Eine vollständigere Darstellung stellten Williams, Carlson und Brunton 2000 vor, die in der nebenstehenden Tabelle dargestellt wird.
Brachiopod | بازوپایان | Lonkerojalkaiset | Brachiopoda | Brachiopoda | 腕足動物 | Ramienionogi | Brachiopoda | Плеченогие | Ramenonožce | 腕足动物门
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