Ariel Sharon.jpg Ariel ("Arik") Scharon (he. אריאל שרון), geboren als Ariel Scheinermann (* 27. Februar 1928 in Kfar Malal in der Scharonebene), ist ein israelischer Politiker und ehemaliger General. Der ehemalige Vorsitzende des Likud und Gründer der Kadima war zweimal Verteidigungsminister Israels, einmal Außenminister Israels und von 2001 bis 2006 Ministerpräsident Israels.
Ariel Scharon hat aufgrund seiner Biographie und seines politischen Wirkens eine stark polarisierende Wirkung. Insbesondere in Israel betrachten ihn viele als Helden, der den Staat Israel vom Unabhängigkeitskrieg an stets bedeutend mitgeprägt hat. In der arabischen Öffentlichkeit und bei einigen Menschenrechtsgruppen gilt er hingegen als Kriegsverbrecher. Auf der anderen Seite sind seine Gegner in der israelischen Rechten der Meinung, er sei in seinem Amt als Ministerpräsident den Palästinensern gegenüber viel zu kompromissbereit.
Die Familie ging nicht in ein sozialistisches Kibbutz, sondern in das Moschaw Kfar Malal, wo die Entscheidungen zwar kollektiv getroffen wurden, aber jeder sein eigenes Land besaß. Die politische Einstellung der Mutter und die Tatsache, dass Scharons Vater sich als einziger studierter Landwirt und wenig kompromissbereiter Mensch über die Entscheidungen der Gemeinschaft hinwegsetzte, machten aus Ariel Scharon einen Außenseiter unter den Dorfkindern.
Nach dem Krieg wurde die Alexandroni-Brigade in den Reservestatus versetzt, und Scharon wurde Offizier der Aufklärung in der Golani-Brigade, wo er bald zum Hauptmann ernannt wurde und einen Bataillonskommandeurskurs besuchte. Im Jahre 1950 wurde er zum Aufklärungsoffizier für das gesamte Zentralkommando ernannt. Wegen der Folgen einer Malaria nahm Scharon 1951 eine mehrmonatige Auszeit und bereiste zum ersten Mal Europa und Nordamerika. Im November 1952 begann Scharon erstmals, unter der Führung von Mosche Dajan, mit Kommandoaktionen hinter feindlichen Linien. Am Ende des Jahres entschloss er sich jedoch dazu, sich aus dem aktiven Dienst zurückzuziehen.
Er begann ein Studium der Geschichte und Kultur des Nahen Ostens an der Hebräischen Universität Jerusalem, an der er sich schon einmal 1947 folgenlos für Landwirtschaft eingeschrieben hatte. Am 29. März 1953 heiratete er seine erste Frau Margalit (kurz Gali), eine Rumänin, die er 1947 kennengelernt hatte. Margalit starb im Jahre 1962 bei einem Autounfall, und auch ihr gemeinsamer Sohn starb 1967 durch einen Unfall mit einem Gewehr der Familie. Scharon heiratete später Margalits jüngere Schwester Lily, mit der er zwei Söhne, Omri und Gilad Scharon hat. Lily Scharon starb im Jahre 2000.
Scharon wählte das Personal sorgfältig aus, und im Oktober 1953 hatte die in Camp Sataf stationierte Einheit 45 Mitglieder, die einem harten Training unterworfen wurden. Die Einheit begann als ’’Abschreckungsoperationen’’ bezeichnete Aktionen im Feindesland. Bei ihren Kommandounternehmen im feindlichen Hinterland wurde nur wenig Rücksicht auf Zivilisten genommen. Bei einem gemeinsam mit einer Kompanie Fallschirmjäger unternommenen Angriff auf das jordanische Dorf Kibbija wurden 69 Menschen getötet. Die meisten Opfer waren Zivilisten, die sich trotz Räumungsbefehl in ihren Häusern versteckt gehalten hatten, die von den Israelis gesprengt wurden. In seiner Autobiographie schreibt Ariel Scharon:
In der Sueskrise spielte Scharons 202. Fallschirmjäger-Brigade eine entscheidende Rolle. Das 890. Fallschirmjäger-Bat. sicherte nach einer Luftlandung den Ostausgang des strategisch wichtigen Mitla-Passes. Der Rest der Brigade unter Scharon kämpfte sich in zwei Tagen auf dem Landweg die 200 km durch feindliches Gebiet zum Pass vor.
Scharon bat mehrmals erfolglos darum, den Pass angreifen zu dürfen, erhielt aber nur Erlaubnis, ihn aufzuklären, um ihn, falls er unbesetzt sein sollte, später einzunehmen. In großzügiger Auslegung seiner Anweisungen schickte Scharon einen für reine Aufklärungszwecke sehr starken Spähtrupp, der in der Passmitte durch schweres Feuer festgenagelt wurde. Scharon schickte daraufhin auch den Rest seiner Brigade zur Unterstützung. In dem sich nun entwickelnden Gefecht konnten die Israelis den Pass zwar erobern, 38 israelische Soldaten kamen jedoch dabei ums Leben. Mehrere Jahre später gingen einige Teilnehmer der Schlacht an die Presse und warfen Scharon vor, er habe seine Aufklärer leichtfertig in Gefahr gebracht, um die Ägypter zu provozieren. Andere Veteranen der Aktion nahmen Scharon hingegen in Schutz. Es war das erste Mal, dass der Sinn einer Aktion der Israel Defense Forces in der israelischen Öffentlichkeit so intensiv diskutiert wurde.
Als Chef der militärischen Ausbildung begann er sofort nach dem Krieg, verschiedene Ausbildungszentren in das Westjordanland zu verlegen, um die Gebiete zu sichern. Am Ende hatte er beinahe alle ehemaligen jordanischen Militärlager und Kasernen, die an den wichtigen strategischen Punkten lagen besetzt. Er versuchte auch Dajan zu überzeugen, die Familien der Soldaten in der Nähe dieser Kasernen anzusiedeln, war jedoch zunächst nicht erfolgreich. Im Jahre 1969 wurde er Chef des Südlichen Kommandos der Tzahal.
In Folge der israelischen Besetzung des Süd-Libanons verübten die mit Israel verbündeten libanesisch-christlichen Falange-Milizen 1982 in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila Massaker an palästinensischen Zivilisten. Ein israelischer Untersuchungsausschuss, die Kahan-Kommission, gibt 460 Opfer als gesichert an, und geht aufgrund von Geheimdienstinformationen von etwa 800 zivilen und militärischen Opfern aus. Jenseits der israelischen Ermittlungen wird von ca. 1600 zumeist zivilen Opfern ausgegangen. Die Kahan-Kommission warf Scharon zwar nicht Komplizenschaft, aber doch fahrlässiges Unterlassen vor, und befand ihn daher 1983 als politisch indirekt schuldig am Massaker, wodurch er als Verteidigungsminister zum Rücktritt gezwungen wurde. Zu einer strafgerichtlichen Verurteilung kam es jedoch nicht. In Belgien wurde zwar 2002 wegen der Mitverantwortung Scharons an diesem Massaker zunächst ein Ermittlungsverfahren eröffnet, die Anklage wurde jedoch aufgrund der Immunität amtierender Regierungsmitglieder verworfen. Die Verfahrenseinstellung nahm zur Schuldfrage keinerlei Stellung und ist bis heute umstritten. In den folgenden Kabinetten blieb Scharon zunächst Minister ohne Geschäftsbereich (1983-84), von 1984 bis 1990 Minister für Handel und Industrie und Bauminister (1990-92). In dieser Zeit entwickelte er weitreichende israelische Siedlungspläne im palästinensischen Westjordanland mit dem umstrittenen Siedlungsring um Ostjerusalem, zu dem auch Maale Adumim gehört.
Nach dem Regierungswechsel 1992, bei dem die Arbeitspartei unter Jitzhak Rabin den Likud ablöste, war Scharon Mitglied der Knesset und dort Angehöriger der außenpolitischen und der Verteidigungskommission. Als schärfster innenpolitischer Gegner Rabins brandmarkte Scharon Rabin wegen des Friedensvertrags von Oslo als Verräter. 1996, im Jahr nach der Ermordung Rabins, errang der Likud unter Benjamin Netanjahu einen neuen Wahlsieg; Scharon wurde Minister für die nationale Infrastruktur und förderte als solcher massiv den Ausbau der jüdischen Siedlungen in den besetzten Palästinensergebieten. 1998 ernannte Netanjahu Scharon zum Außenminister. Als Außenminister fordert Scharon seine Landsleute auf, sich in den besetzten Gebieten "so viele Berggipfel wie möglich zu nehmen".
1999 besiegte die Arbeitspartei unter Ehud Barak den Likud, dessen Vorsitzender Netanjahu in den Strudel einer Finanzaffäre geraten war. Netanjahu trat als Parteichef zurück und Scharon wurde zunächst übergangsweise, im September 1999 dann endgültig sein Nachfolger.
Am 28. September 2000 besuchte Scharon in Begleitung von rund 1.000 Journalisten, Polizisten, Militärs und Politikern, den sowohl von Muslimen, als auch von Juden und Christen als heilig betrachteten Tempelberg in Jerusalem, um zu verdeutlichen, dass der Tempelberg auch den Juden gehört. Er wollte damit auch verdeutlichen, dass seiner Meinung nach Israel die Kontrolle über ein vereinigtes Jerusalem an jedem Ort behalten müsse. Bei seinem Besuch sagte Scharon, er sei mit einer Friedensbotschaft gekommen, er sagte außerdem:
Obwohl der Besuch ausdrücklich mit der moslemischen Verwaltung des Tempelbergs abgestimmt war, kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen; bei Demonstrationen im Anschluss wurde auch mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen und etliche verletzt und getötet. Der Tempelbergbesuch Scharons fällt zeitlich mit dem Beginn der 2. Intifada zusammen. Nach Meinung der meisten Beobachter hat er damit ihren Ausbruch ausgelöst. Die Palästinenser bezeichnen die zweite Intifada auch griffig als "Al-Aqsa"-Intifada, benannt nach der gleichnamigen Moschee auf dem Tempelberg. Andererseits gab es schon in der unmittelbaren Zeit davor tödliche Anschläge und weitreichende Pläne der Palästinenser für den bewaffneten Aufstand.
Ariel Scharon errang am 28. Januar 2003 mit seiner Likud-Partei einen neuen, großen Wahlerfolg. In der zweiten Amtszeit von Scharons Regierung wurde mit der Errichtung eines 720 km langen Trennungszaunes teilweise inmitten der Palästinensergebiete begonnen, der über eine Distanz von 20 km mit Beton verstärkt ist und dessen internationaler rechtlicher Status äußerst umstritten ist.
Am 23. März 2004 kündigte die Hamas zum wiederholten Male und als Reaktion auf die gezielte Tötung Ahmad Jassins an, Ariel Scharon ermorden zu wollen. Nur wenige Tage nach der Tötung Jassins geriet Scharon erneut unter Druck. Abgeordnete der Schinui-Partei, die an der Regierung beteiligt ist, forderten Scharons Rücktritt. Am 28. März hatte eine Staatsanwältin bekanntgegeben, dass sie gegen Scharon und seine Söhne Anklage erheben will. Mitte Juni 2004, nach monatelangen Ermittlungen, entschied der israelische Generalstaatsanwalt Menachem Masus, Regierungschef Ariel Scharon nicht wegen Korruption anzuklagen. Da der Verdacht nicht zu erhärten war und somit eine Verurteilung unwahrscheinlich erschien, wurde das Verfahren eingestellt. Scharon hatte zeitgleich mit Masus auch einen anderen Konflikt: Dieser hatte Scharon öffentlich getadelt, da er, in Bezug auf das Westjordanland und Gaza, von den „besetzten Gebieten“ sprach - in Abweichung zum offiziellen israelischen Sprachgebrauch, der „umstrittene Gebiete“ verwendet. Scharon legte trotz des schwebenden Ermittlungsverfahrens keinen gesteigerten Wert auf ein entspanntes Verhältnis zum Chefankläger, und bestand weiterhin auf seiner Wortwahl.
Im Dezember 2003 legte Scharon den als „Scharon-Plan“ bekannten einseitigen Abzugsplan aus dem Gazastreifen und Teilen des Westjordanlandes vor, wonach alle Siedlungen im Gazastreifen und vier im Westjordanland aufgelöst werden sollen. Trotz internationaler Kritik daran, dass dieser Plan nicht mit den Palästinensern abgestimmt ist, sehen viele diesen Plan als Schritt in die richtige Richtung und Abkehr von der bisherigen Siedlungspolitik Israels. Andere sehen darin nur die Einsicht, dass der militärische Aufwand, die Siedlungen in Gaza auf Dauer zu halten, auf Dauer nicht tragbar war. Der Plan kostete Scharon Sympathien bei der Siedlungsbewegung und der politischen Rechten Israels, brachte ihm aber Zustimmung im gemäßigten und linken Spektrum. Um den Plan, der seiner früheren Politik widersprach, durchzusetzen, beendete er die Koalition mit Schinui und Schas und ging eine Große Koalition mit der Arbeitspartei ein. Viele sehen keinen echten Widerspruch zu seiner früheren Politik, sondern nur ein Ablenkungsmanöver, um die Grenzverschiebungen im Westjordanland durch den Trennungszaun zugunsten Israels der internationalen Aufmerksamkeit zu entziehen. Innerparteilich hatte er einen Machtkampf mit den Gegnern des Plans unter Finanzminister Benjamin Netanjahu zu bestehen, der im August 2005 kurz vor Vollzug des Gaza-Abzugs von seinem Amt zurücktrat.
Scharon kündigte am 21. November 2005 seinen Rücktritt vom Ministerposten und den Austritt aus dem Likud an. Er hat im selben Monat, nachdem der Widerstand im Likud gegen den Siedler-Abzug gewachsen war, eine neue Partei mit dem Namen Kadima („Vorwärts“) gegründet, die bei den folgenden Neuwahlen ihre gute Chance nutzte.
Am 18. Dezember 2005 erlitt Scharon einen leichten Schlaganfall. Dabei wurde ein offenbar angeborener Herzfehler entdeckt, der am 5. Januar 2006 operiert werden sollte. Am Vorabend der Operation wurden starke Gehirnblutungen festgestellt, vermutlich infolge eines weiteren Schlaganfalls. Scharon wurde in ein künstliches Koma versetzt und musste sich in den nächsten Tagen mehreren neurochirurgischen Operationen unterziehen. Die Regierungsgeschäfte wurden an den stellvertretenden Ministerpräsidenten Ehud Olmert übertragen. Ab dem 9. Januar begannen die behandelnden Ärzte, die Betäubungsmittel abzusetzen. Dieser Vorgang sollte ursprünglich innerhalb von 36 Stunden abgeschlossen sein. Bei Tests am Samstag, dem 14. Januar wurden zwar Gehirnaktivitäten in beiden Hirnhälften gemessen, es gab jedoch keine Anzeichen für ein Erwachen aus dem Koma. Daher wurde öffentlich die Befürchtung geäußert, das Koma könne tatsächlich eine Folge des Schlaganfalls sein. BBC-Meldung zur Erkrankung
Es gilt als sicher, dass Scharon sein Amt nicht mehr ausüben können wird. Dies bringt eine schwierige Situation für die israelische Politik mit sich, da insbesondere die in den letzten Jahren verfolgte Politik gegenüber den Palästinensern und die neue Partei Kadima mit der Person Ariel Scharons eng verbunden sind.
In der israelischen Öffentlichkeit wurde Kritik an der medizinischen Versorgung Scharons laut; man hätte ihm demnach nicht gestatten sollen, ohne ärztliche Begleitung auf seine abgelegene Farm zurückzukehren. Ein Journalist der Zeitung Ha'aretz formulierte: "Israel hat nun zwei Ministerpräsidenten verloren, weil sie nicht ausreichend geschützt wurden: Rabin vor Gewalt, und Scharon vor Krankheit."
Unter den zahlreichen Genesungswünschen waren auch solche von politischen Gegnern, aus der arabischen Welt und aus der PA; lediglich Mitglieder der Hamas und der iranische Präsident Ahmadinedschad wünschten Scharon öffentlich den Tod.
Am 11. Februar 2006 entschieden sich die Ärzte zu einer weiteren Notoperation, nachdem Untersuchungen Schäden am Verdauungstrakt des Politikers und Probleme bei der Blutversorgung der inneren Organe gezeigt hatten. Erklärungen der behandelnden Ärzte zufolge sei Scharons Zustand nach der Operation „kritisch, aber stabil“.
Anfang April 2006 erfolgte eine weitere Operation zur Schließung von Löchern im Schädel, die durch die vorherigen Operationen bedingt waren.
Am 11. April 2006 beschloss das israelische Kabinett, Scharon für dauerhaft amtsunfähig zu erklären. Sein Nachfolger im Ministerpräsidentenamt wurde sein Stellvertreter Ehud Olmert.
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