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Das Archivwesen ist das organisatorische Geflecht der Facharchive. Prägend sind im deutschsprachigen Bereich die öffentlichen Staats- und Kommunalarchive, in denen hauptamtliche Archivare mit fachlicher Ausbildung beschäftigt sind. Das Berufsbild wird in Deutschland traditionell stark bestimmt von Beamten des höheren Dienstes, Archivaren, die ihre Ausbildung auf den Archivschulen in Marburg und München erhalten haben.
Die Archivschulen bieten auch Weiterbildungsmaßnahmen an, ebenso die Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e. V.
Neben den 'öffentlichen' Archiven bestehen auch zahlreiche Privatarchive, z. B. Adels-, Familien-, Wirtschafts- und Firmenarchive. Hier sind häufig auch 'Seiteneinsteiger', also Archivare ohne spezifische Archivausbildung tätig, die sich beispielsweise aus persönlichem Interesse oder durch eine für das jeweilige Archiv fachspezifische Vorbildung als Historiker oder Ingenieur für diese Arbeit qualifiziert haben.
Als wichtigste Aufgabenfelder in den "klassischen" Archiven, den Staatsarchiven und Kommunalarchiven, gelten:
Die Archivische Bewertung entscheidet über die Archivwürdigkeit der in den Registraturen oder im Zwischenarchiv vorhandenen Unterlagen, die den Archiven angeboten werden. Unterlagen, die nicht bleibend aufbewahrungswürdig sind, werden vernichtet - man spricht im Archivwesen von Kassation, in Österreich von Skartierung. Eine wichtige Aufgabe der Archive ist die Beratung der Verwaltung bzw. der ihnen zugeordneten Provenienzstellen hinsichtlich der Organisation der Schriftgutverwaltung bzw. neuerdings der digitalen Unterlagen
Bei der Bestandserhaltung kooperieren Archive, Bibliotheken und Museen zunehmend. Konservierung und Restaurierung sollen die Langzeitarchivierung garantieren.
Ein Sicherheitsmanagement dient der Vorkehrung gegen Diebstahl von Archivgut oder Katastrophen.
Geht es um Ersatzdokumentation, gilt immer noch der Mikrofilm als Medium der ersten Wahl.
Übernommene Unterlagen werden nach dem Provenienzprinzip zu bereits bestehenden oder neu zu bildenden Beständen zusammengefügt. Die Gesamtgliederung der Archivbestände eines Archivs wird als Tektonik bezeichnet. Die Gesamtübersicht, die mitunter bereits im Internet einsehbar ist, dokumentiert die Tektonik und charakterisiert kurz die einzelnen Bestände.
Auf der Ebene der Bestände erfolgt die Erschließung durch Erstellung von Findmitteln, in denen der Inhalt der einzelnen Archivalieneinheiten durch eine Inhaltsangabe beschrieben wird. Traditionell dienten Repertorien oder Findbücher der Erschließung von Akten- oder Urkundenbeständen, während andere Unterlagen in Karteiform verzeichnet wurden. Das Erschließen wird auch Verzeichnen genannt.
Wichtige Elemente des archivischen Verzeichnens sind die Signatur, die Aufnahme des Titels und die Laufzeit. Mit der Signatur (auch Bestandssignatur) wird die Bestandseinheit eindeutig in der Tektonik des Archivs lokalisiert.
Heute werden in den meisten Archiven die Bestände mit EDV erschlossen, wobei Ausdrucke der mit Archivsoftware bzw. Archivprogrammen erstellten Datenbanken dem Benutzer vorlegt werden.
In der Regel gibt es in allen Archiven Sammlungen von Materialien, die das "klassische" Archivgut, das von den abgebenden Stellen übernommen wird, ergänzen, beispielsweise zeitgeschichtliche Sammlungen. Hierzu wird auch die Übernahme von Nachlässen gezählt. Fast alle Archive haben mehr oder minder große Dienstbibliotheken, die vor allem im Bereich landes- und regionalgeschichtlicher Literatur nicht selten hervorragende Bestände aufweisen.
Die Archive haben sich weitgehend für die allgemeine Benutzung geöffnet. Neben der Benutzung vor Ort im Benutzerraum oder Lesesaal ist die Auskunftserteilung via Post, Telefon oder Mail immer wichtiger geworden.
In welchem Umfang sich die Archive an der Auswertung und Vermittlung des Archivguts im Rahmen von Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit beteiligen sollen, ist umstritten. Als Oberbegriff der Bildungsarbeit hat sich Archivpädagogik etabliert. Öffentlichkeitsarbeit erfolgt meist durch Führungen, Ausstellungen, eigene Publikationen und zunehmend auch im Internet. Schwerpunkt der Publikationstätigkeit von Archivaren sind Quelleneditionen, Arbeiten zu den Historischen Hilfswissenschaften oder zur Archivgeschichte.
Nur in großen Archiven wird für den Archivberuf ausgebildet. Die Archivausbildung des öffentlichen Dienstes für den höheren und gehobenen Dienst erfolgt für die meisten Bundesländer traditionell überwiegend an der Archivschule Marburg, die auch ein Fortbildungsangebot anbietet. Daneben bietet der Fachbereich Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam seit 1993 eine verwaltungsexterne Ausbildung zum/zur Diplom-Archivar/-in. Grundlage der Ausbildung bildet die Integration der drei informationswissenschaftlichen Disziplinen Archiv-, Bibliotheks- und Dokumentationswissenschaft. der Fachbereich bildet Archivare für alle Archivsparten aus. Zum WS 2004/2005 erfolgt die Umstellung auf Bachelor. Zukünftig soll es auch ein Master-Programm geben. Der Diplom-Archviar kann in Potsdam auch im Fernstudium erworben werden. Die Ausbildung für den mittleren, gehobenen und höheren Archivdienst in Bayern erfolgt an der Bayerischen Archivschule in München.
Die Aufgabenerfüllung der Archive wirft eine Fülle von Rechtsfragen auf, die einige wenige Kenner des Archivrechts verwaltungsintern oder in Publikationen erörtern. Auch das Urheberrecht spielt, insbesondere bei Veröffentlichungen aus Archivmaterial, eine wichtige Rolle.
Die meist von den Staatsarchiven betriebene Archivische Denkmalpflege kümmert sich um wertvolle Privatarchive, etwa um Adelsarchive.
Archivsparten, Archivkunde, Verein Schweizerischer Archivarinnen und Archivare
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