Architekten befassen sich mit der technischen, wirtschaftlichen, funktionalen und gestalterischen Planung und Errichtung von Gebäuden und Bauwerken vorwiegend des Hochbaues. Ihre Kernkompetenz ist das über das Bauen hinausgehende Schaffen von Architektur.
Das Berufsbild der Architekten ist nicht klar definiert und auch länderweise verschieden. Es reicht von den
Universitäten (vor allem TU), Fachhochschulen und Kunstakademien in Ländern mit stärkerem Reglement, aber auch Colleges, technische Mittelschulen und völlig freie Bildungswege. In jedem Fall enthalten sie eine intensive Praxis-Ausbildung, die von Entwurfs- und Feldübungen bis zur Ausarbeitung konkreter Bauprojekte reichen.
Erst im 19. Jahrhundert, im Zuge des ökonomischen und technischen Fortschritts durch die Industrialisierung bildete sich der Beruf des Architekten als eigene akademische Disziplin heraus. Es gab enorme Fortschritte in der Bautechnologie, neue Bauaufgaben (Geschosswohnungen, Feuerwehrwachen, Schulen), die nicht mehr von handwerklich geprägten Baumeistern zu bewältigen waren. Es entstanden Architekturschulen und -akademien.
Zunehmend bildeten sich die Fachdisziplinen Architektur und Bauingenieurwesen heraus. Die Architekten beschäftigten sich schwerpunktmäßig mit der Gestaltung der Bauwerke des Hochbaues, die Bauingenieure erbringen sämtliche Leistungen für die Bauwerke des Tief- und Ingenieurbaues und planen das Tragwerk für Hochbauten, ebenso sind sie oft in der Bauleitung für Hochbauten tätig. Die Komplexität der Aufgaben nahm seitdem kontinuierlich weiter zu, so dass sich im 20. Jahrhundert weitere Fachdisziplinen etablierten: Städtebau, Landschaftsarchitektur, Innenarchitektur, Bauphysik etc...
Gegen Ende des 20.Jahrhunderts kommen viele Berufe dazu, die viele Aufgaben des klassischen Architekten übernehmen. Baumanagement und Facility-Management übernehmen die Koordination der Bauausführung, große Firmen bieten komplette Planung- und Ausführungspakete an, so dass sich traditionelle Aufgabenfelder der Architekten verlagern. In manchen Bereichen ist auch in Deutschland ein Rückzug der Architekten auf den Aspekt des Entwerfens zu beobachten, wie es in den USA zum Beispiel schon weit verbreitet ist.
Der Trend zur Spezialisierung macht heute auch vor dem an sich generalistisch angelegten Architektenberuf nicht halt. Neben dem Architekten, der sich hauptsächlich mit Hochbau beschäftigt gibt es in Deutschland noch die Berufsgruppen der Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten und Städtebauarchitekten. Weiterhin findet in den einzelnen Büros eine zunehmende Spezialisierung auf bestimmte Bauaufgaben (Verwaltungs- und Gewerbebau, Kulturbau, Wohnungsbau etc.) oder auf bestimmte "Leistungsphasen" der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (z.B. Entwurf, Ausführungsplanung, Ausschreibung oder Bauleitung) statt. Außerdem lässt sich noch eine Spezialisierung auf bestimmte Nischen feststellen, wie z. B. das Ökologische Bauen oder die Sanierung von Altbauten beobachten.
Nur noch wenige Architekten bearbeiten das komplette Leistungsspektrum der deutschen HOAI mit allen Leistungsphasen. Vielmehr befassen sich die Mitarbeiter mittlerer und größerer Büros i.d.R. schwerpunktmäßig mit Teilbereichen des Planungsprozesses, wie z.B. dem Entwurf, der Ausführungsplanung, der Ausschreibung und Vergabe von Bauaufträgen oder der Bauleitung. Auch eine Spezialisierung von Architekturbüros auf die jeweiligen Leistungsphasen 1-5 (Entwurf, Genehmigung und Planung) oder die Leistungsphasen 6-9 (wirtschaftliche und bauliche Umsetzung) ist inzwischen weit verbreitet.
Da bei jedem Bauvorhaben die Arbeit verschiedener Fachingenieure wie Statiker und Haustechniker, bei größeren Projekten zunehmend auch weiterer Experten wie Verkehrsplaner, Fassaden- und Landschaftsplaner oder Facility Manager, integriert werden muss, ist beim Architekten ein hohes Maß an Kommunikations- und Koordinationsfähigkeit sowie gleichzeitig Einfühlungs- und Durchsetzungsvermögen gefordert. Auf dem sich verändernden und insgesamt schrumpfenden Markt sind unter dem hohen Wettbewerbsdruck in zunehmenden Maße Qualitäten in der Projektpräsentation gegenüber privaten und öffentlichen Bauherren erforderlich.
Je nach Arbeitsschwerpunkt des einzelnen Architekten sind verschiedene Qualifikationen gefordert. Benötigt der Entwurfsarchitekt vor allem herausragende Fähigkeiten konzeptioneller und darstellerischer Art, sind beim Ausführungsplaner ebenso gestalterische wie auch technisch-konstruktive und rechtliche Kenntnisse (Baurecht, Umweltschutz usw.) gefragt. In der Bauleitung sind vor allem organisatorische Fähigkeiten und detaillierte Kenntnisse des Bauablaufes und der Bauausführung durch Baumeister und Handwerker erforderlich.
Diese Spezialisierung ist jedoch nicht so zu verstehen, dass die an einem Bauvorhaben beteiligten Architekten isoliert voneinander arbeiten. Die verschiedenen Projektphasen sind stark miteinander verzahnt und voneinander abhängig. Ein Grundverständnis für den gesamten Planungsprozess ist daher auch für den Spezialisten unerlässlich, ebenso wie die Kooperation mit dem Bauingenieur und bei größeren Projekten mit dem Geodäten, weiteren Spezialisten und den zuständigen Ämtern.
Die digitale Revolution der letzten Jahrzehnte hat natürlich erst recht nicht vor planenden Berufen wie dem Architekten haltgemacht. Zwar werden im Planungsprozess immer noch traditionelle Mittel wie Skizzen oder Modellbau angewandt. Die endgültige Planung und Darstellung von Projekten wird allerdings fast ausschließlich mit Hilfe von CAD-Programmen am Computer erstellt. So ist die Beherrschung von mindestens einem CAD-Programm heute für Architekten unerlässlich. Oft werden aber auch Erfahrungen mit verschiedenen Programmen sowohl in der zwei- als auch dreidimensionalen Darstellung erwartet, die bei Entwicklungs- und Zeitreihen bisweilen sogar in die vierte Dimension geht.
Weit verbreitete CAD-Programme sind Nemetschek Allplan, VectorWorks, AutoCAD, ArchiCAD und im Visualisierungs-Bereich Cinema 4D und 3D Studio Max. Daneben gibt es unzählige spezialisierte Programme, wie zum Beispiel SketchUp für Präsentationsgrafiken. Für mehr Informationen siehe Artikel Computer Aided Design und die Liste_mechanischer_CAD-Lösungen
Aufgrund der mittlerweile stark schwankenden Auftragslage und des infolgedessen ungleichmäßigem Arbeitsaufkommens innerhalb der meisten Architekturbüros sind je nach Organisation flexible Arbeitszeiten unverzichtbar. Vor wichtigen Terminen, wie z.B. Abgaben von Wettbewerben, Bauanträgen oder Bauherren-Präsentationen, sind daher oft Überstunden sowie Arbeit am Wochenende unerlässlich. Bei vielen Großprojekten muss darüber hinaus der verantwortliche Architekt oder eine von ihm befugte Person ständig erreichbar sein.
Die Ursachen für diese Situation sind u.a.:
Als sehr kapitalintensive, auf Investitionen der freien Wirtschaft und der öffentlichen Hand angewiesene Branche wird die Bauwirtschaft in besonders starkem Maße von der gegenwärtigen Wirtschaftskrise und der prekären Finanzlage der öffentlichen Kassen in Mitleidenschaft gezogen. Der in Deutschland zu beobachtende Bevölkerungsrückgang führt außerdem zu einer nachlassenden Nachfrage im Wohnungsbau. Infolgedessen hat die Mehrheit der deutschen Architekturbüros mit erheblichem Auftragsmangel zu kämpfen. Für zahlreiche Büros hat diese Situation existenzbedrohende Züge angenommen.
Das Berufsbild des Architekten ist seit Jahren zunehmend Veränderungen unterworfen. Viele einst klassische Betätigungsfelder von der konzeptionellen Entwicklung von Großprojekten über die Ausführungsplanung bis zur Bauleitung werden inzwischen von Projektentwicklern, Baukonzernen oder anderen Konkurrenten angeboten. Infolgedessen hat sich das Betätigungsfeld solcher Architekturbüros, die nicht in der Lage sind, auf diese Entwicklung in angemessener Weise zu reagieren, in den letzten Jahren mehr und mehr eingeengt.
Die Folge ist unter anderem eine im Vergleich zu anderen akademischen Berufen überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit. Die Bundesarchitektenkammer stellte Ende 2003 bei Hochbauarchitekten eine offizielle Arbeitslosenquote von 9,5% fest. Da in dieser Statistik arbeitslose Universitäts-Absolventen und die zahlreichen nicht sozialversicherungspflichtigen, erwerbslosen Freiberufler nicht berücksichtigt sind, ist aber von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Die tatsächliche Quote dürfte daher erheblich höher liegen. Für die von der ungünstigen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt besonders stark betroffene Stadt Berlin gibt die örtliche Kammer die Arbeitslosenquote mit über 20% an. Gerade Absolventen haben es besonders schwer: Um überhaupt den Berufseinstieg zu schaffen, bieten sich inzwischen Universitätsabgänger teilweise sogar als unbezahlte Praktikanten an. Viele Frischdiplomierte versuchen daher, im Ausland erste Erfahrungen zu sammeln oder in einer verwandten Branche Fuß zu fassen.
Der Arbeitsmarkt für Architekten ist in der freien Wirtschaft vollständig dereguliert und liberalisiert. Anders als etwa bei den Medizinern, die im Marburger Bund organisiert sind, gibt es keine Arbeitnehmervertretung der Architekten. Zwar ist die bis 1998 gängige Praxis, Architekten als Scheinselbstständige ohne Zahlung von Sozialleistungen zu beschäftigen, inzwischen nicht mehr die Regel. Die schlechte wirtschaftliche Situation der Branche seit nunmehr 10 Jahren hat dennoch zu einer dramatischen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen geführt. Dauerhafte Arbeitsverhältnisse sind keineswegs die Regel. Vielmehr sind viele Büros dazu übergegangen, je nach Auftragslage Architekten kurzfristig "zu heuern und zu feuern". Viele Architekten sind daher gezwungen sich in kurzen Abständen immer wieder neue Jobs zu suchen. Einer oft sehr hohen Arbeitsbelastung - Wochenarbeitszeiten von 50 bis 60 Stunden sind keine Seltenheit - steht daher verglichen mit Berufen ähnlich hoher Qualifikation ein verhältnismäßig geringer Verdienst gegenüber.
Das Internetmagazin Spiegel Online hat im Mai 2005 einen Gehaltsreport für Architekten veröffentlicht mit dem Ergebnis, dass deren Gehaltssituation weiter unter Druck steht. Es bestehen erhebliche regionale Unterschiede; die Situation in Bayern und Baden-Württemberg (Durchschnitt 36.400 Euro p.a. bis 46.722 Euro p.a.) ist wesentlich besser als in den östlichen Bundesländern (Durchschnitt 32.500 Euro p.a.). Junge Architekten mit bis zu zwei Jahren Berufserfahrung kommen auf 26.623 Euro; 30.600 Euro sind es bei einer Berufserfahrung von zwei bis fünf Jahren. Bei zehn und mehr Jahren Berufserfahrung liegt das Gehalt bei rund 41.700 Euro p.a. Zu einem noch schlechteren Ergebnis kam eine repräsentative Erhebung der Architektenkammer Berlin im April 2006. Demnach müssen etwa 60% der angestellten Kammermitglieder mit wenig mehr als 10.000 Euro Jahresbrutto auskommen. Der Durchschnittsverdienst aller Architekten liegt bei 27.000 Euro Jahresbrutto. Die Einkommenssituation des Berufsstandes wird von der Kammer als "besorgniserregend" bezeichnet.
Dies bestätigt auch eine im Mai 2005 veröffentlichte Studie der Zeitschrift stern, in der die berufliche Perspektive von 26 beliebten Studienfächern untersucht wurde. Der Studiengang Architektur erzielte hierbei das schlechteste Ergebnis und belegte noch hinter Philosophie den letzten Platz. Gleichwohl ist Architektur ein beliebtes Studienfach. Seit Jahren ist daher die Zahl der in das Berufsleben drängenden jungen Architekten erheblich höher als die der altersbedingt ausscheidenden. Der ohnehin negative Trend verschärft sich dadurch noch. Die Bundesarchitektenkammer diagnostizierte im Dezember 2005, dass ein großer Teil der auf den Arbeitsmarkt strömenden jungen Architekten voraussichtlich bis Mitte des nächsten Jahrzehnts nur geringe Chancen in den klassischen Betätigungsfeldern für Architekten haben wird und empfiehlt daher eine berufliche Umorientierung bereits während des Studiums.
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