Unter Arbeiterbildungsverein ist ein Zusammenschluss von Arbeitern und Handwerkern zu verstehen, der deren Bildung dienen und im Vormärz zur Entwicklung eines proletarischen Klassenbewusstseins führen sollte.
Vor dem März 1848 sind folgende Arbeiterbildungsvereine nachweisbar:
Exemplarisch genannt werden kann hier die Hamburger "Bildungsgesellschaft - Bildungsverein zur Hebung der arbeitenden Klasse". Sie hatte 1847 450 Mitglieder, hauptsächlich Tischler, Schuster, Schneider. Es gab Vorträge und Kurse in deutsch, Fremdspachen, Geschichte, so wie technisches Zeichnen. Die Redeübungen dienten der politischen Bildung. Die Gesellschaft besaß einen Bibliothek so wie 17 Jorunalen mit den radikalen Blättern der Zeit.
Bekannte Gründer oder Mitglieder in Arbeiterbildungsvereinen waren:
Wie das politische Leben insgesamt begann mit dem Nachlassen der politischen Repression auch für die Arbeiterbildungsvereine eine neue Expansionsphase. In Berlin lebte der "Handwerkerverein" wieder auf und in Leipzig wurde 1861 der "gewerbliche Bildungsverein" gegründet. Ähnliches geschah auch in zahlreichen anderen deutschen Städten. Diese Vereine standen der liberalen Fortschrittspartei oder ihren entsprechenden Pendants auf der Ebene der Einzelstaaten nahe. Andere knüpften an die wenige Jahre zuvor verbotenen Vereine der "Arbeiterverbrüderung" an.
Am Beispiel Leipzigs läßt sich die Lösung des örtlichen Arbeitervereins aus der Tradition der demokratischen bürgerlichen Bewegung hin zur (sozialdemokratischen) Arbeiterbewegung beobachten. Dort spaltete sich eine Minderheit der Mitglieder ab, die sich vom Liberalismus distanzierten und eine stärker politische Ausrichtung forderten. Diese Gruppe bildete die Keimzelle des Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV). Dieser wurde am 23. Mai 1863 in Leipzig gegründet und gilt als die erste von mehreren Vorläuferparteien der späteren SPD. Nachhaltiger als im Vormärz und der Revolution von 1848/49 wurden die Arbeiterbildungsvereine zum Nukleus einer Parteibildung.
1863 wurde der Verbandes deutscher Arbeiterbildungsvereine gegründet.
In den folgenden Jahrzehnten gingen die meisten bestehenden Arbeiterbildungsvereine in das Lager der Sozialdemokraten über. Zunächst hat die Parteibildung die Bedeutung der Arbeiterbildungsvereine geschwächt. Aber unter dem Sozialistengesetz von 1878 bis 1890 erhalten die Arbeiterbildungsvereine wieder Zulauf. Unter der äußerlichen Form von Gesangs- und Lesevereinen wird das sozialistische Gedankengut weitergegeben und der politische Zusammenhalt der Arbeiter gesichert.
Nach dem Ende des Sozialistengesetzes verloren die Arbeiterbildungsvereine ihre politische Bedeutung im engeren Sinn und wurden zu Organisationen, die ihren Schwerpunkt tatsächlich in der Bildungsarbeit hatten. Indirekt freilich ihre Ausrichtung durchauch auch politische Bedeutung. In den letzten Jahrzehnten des Kaiserreichs und während der Weimarer Republik waren die Arbeitervereine ein wichtiger Bestandteil des breit gefächerten sozialdemokratischen Vereinswesens. Neben der nachwievor wichtigen allgemeinen und fachlichen Bildung, trugen sie durch Vermittlung des sozialistischen Weltbildes zur Reproduktion des Milieus über Generationen bei. In dieser Zeit hatten auch Frauen und Mädchen Zugang zu den Arbeiterbildungsvereinen. Ottilie Pohl, Rosi Wolfstein und andere engagierte sich in einem Arbeiterbildungsverein für Mädchen und Frauen.
Der Nationalsozialismus beendete seit 1933 diesen Traditionsstrang. Nicht zuletzt die Auflösung der "historischen" Milieus waren nach 1945 dafür verantwortlich, dass die Arbeiterbildungsvereine kaum noch eine nennenswerte Bedeutung hatten.
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"Arbeiterbildungsverein".
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