Die Aramäer sind eine vorderasiatische Völkergruppe, die seit der ausgehenden Bronzezeit in Syrien mehrere Stadtkönigreiche, wie Arad (Damaskus), Arpad (Aleppo) und Hamath (Hama) gründete, die meist unter die Herrschaft des Neu-assyrischen Reiches gerieten. Durch Umsiedlungen und die generellen Bevölkerungsverschiebungen in neuassyrischer Zeit wurde die aramäische Sprache mehr und mehr zur Verkehrs- und Diplomatensprache im vorderen Orient, unter den Parthern, Seleukiden und Römern. Sie wurde zur Amtssprache des neu-assyrischen und auch babylonischen Reiches. Seit parthischer Zeit sind die einzelnen aramäischen Stämme nicht mehr zu identifizieren.
Vermutlich handelt es sich bei den Aramäern zunächst um eine Sammelbezeichnung verschiedener Nomadenstämme, die seit dem 13. Jahrhundert vom Norden der arabischen Halbinsel nach Mesopotamien und Assyrien einzudringen begannen. Im Verlauf des jahrhundertelangen Konfliktes mit den altorientalischen Reichen und einer teils allmählichen, teils langsamen Sesshaftwerdung dürfte es zu einer Angleichung der Sprache und der Sitten gekommen sein (Ethnogenese).
Ahlamû, Halbnomaden, werden in assyrischen Quellen seit Rim-Anum (18. Jh) und in Texten aus Mari erwähnt. Teilweise sind mit diesen Ahlamû oder Sutû sicher die Amoriter gemeint. Einer der Teilstämme der Ahlamû Teilstämme waren die Aramu. Dieser Name wurde bald als Bezeichnung der ganzen Bevölkerungsgruppe verwendet. Der erste Beleg dieses Namens stammt aus dem 4. Regierungsjahr Tiglatpileser I.s, also von 1111 v. Chr. als ahlamû aramayya. Unter Aššur-bel-kala findet sich dann der Begriff aramayya alleine
Die Ahlamû waren jedoch nicht nur Räuber, sondern wurden auch als Viehtreiber und Karawanenführer eingesetzt. Sie lebten in Zelten, unter der Jurisdiktion eines Scheichs, rab zārāti, Herr des Zeltlagers. Im kassitischen Nippur dienten sie nach Ausweis der Rationenlisten als Wachpersonal. Manche trugen auch kassitische oder babylonische Namen.
Seit der Herrschaft Arik-den-ilis (1307-1296) kämpften die Ahlamû oft auf der Seite Mitannis oder der Hethiter gegen die Assyrer. Nach dem Fall von Hanigalbat gelang es Assyrien nicht, die Nomaden zu kontrollieren. Die meisten assyrischen Befestigungen lagen, wie Dur Katlimmu, östlich des Chabur. Die Siedlungsdichte auf der Dschesireh und im Tur-'Abdin ging wegen der unsicheren Zustände deutlich zurück, die zerstörten mitannischen Städte wurden nicht wieder aufgebaut. Vermutlich gingen Teile der bishlang seßhaften Bevölkerung in diesen unsicheren Zeiten zum Nomadismus über.
Vielleicht sind auch die Hirana, die in Briefen aus Dur-Kurigalzu auftauchen, zu diesen Völkergruppen zu rechnen. Diese Hirana hatten sich in Subaru niedergelassen und wohnten auch in Mari und Suhi am mittleren Euphrat. Manche Forscher sehen auch in den 'Army der Ugarit-Texte frühe Aramäer. In ägyptischen Texten werden sie P3-j-r'-m-w genannt und sind seit Amenhotep III. (1391-1353) belegt.
Sehr bald wuchsen sich die Ahlamû zu einer Bedrohung für Assur aus, die bald größer wurde als die durch die Lullubäer im Osten. Assur-reša-iši I. (1133-1116 v. Chr.) rühmte sich, sie die Ahlamû vernichtend geschlagen, "ihre weitverstreuten Horden getötet und ihre Truppen zerschmettert" zu haben, aber sein Sohn Tiglat-Pilesar I. (1115-1077 v. Chr.) musste insgesamt 14 Feldzüge gegen sie führen. Die Nomaden flohen vor seinem Heer über dem Euphrat. Es gelang dem König, sechs ihrer Städte einzunehmen, aber ein dauernder Erfolg blieb aus, die Nomaden zerstreuten sich, statt sich zur Schlacht zu stellen. Diese Feldzüge fanden im Gebiet zwischen Tadmor (Palmyra) und Dschebel Bisri statt (Hana), der vielleicht sogar den Namen "Gebirge der Ahlamû" bekam. Tiglat-Pilesar I. ließ die Euphratübergänge befestigen, in der Hoffnung, die Nomaden so westlich des Flusses halten zu können, was jedoch nicht gelangjedoch ohne Erfolg. Unter Aššur-rabi (1010-979) fielen Mutkinu am Euphrat und Pitru am Sagur an die Nomaden. Diese Festungen wurden erst unter Salmanasser III. (858-824 v. Chr.) wieder erobert.
Im 11. Jahrhundert bekämpften die israelitischen Könige Saul, David und Salomo die Aramäer im Libanon. Die Bibel nennt die Stämme von Aram (Damaskus), Aram-Zoba (Beka'a), Geschur in Hauran, Aram-Ma'ka am (Hermon) und Aram-Bet-Rehob.
Im 10 Jh. bestanden zahlreiche aramäische Siedlungen im Euphratbogen südlich von Karkemisch. Das Königreich von Bit Adini mit der Hauptstadt Til Barsip (Tell Achmar) erstreckte sich bereits auf beiden Seiten des Flusses. Weitere Fürstentümer dieser Zeit waren Bit-Bahiani mit der Hauptstadt Guzana (Tell Halaf) am oberen Habur, Laqê an der Habur-Mündung, Suhi am Euphrat und Gidara (aram. Radammate) am Tigris. Auch am unteren Tigris um die Dijala-Mündung siedelten sich aramäische Stämme an.
Mit Adad-apla-iddin bestieg ein Aramäer den Thron Babylons.
Das Königreich von Aram leistete jedoch heftigen Widerstand und konnte verhindern, dass sich die assyrische Herrschaft weiter nach Süden ausbreitete. In der Schlacht von Qarqar 852 v. Chr. besiegte Salmanasser zwar angeblich eine Koalition von zwölf Stämmen unter der Führung von Irhuleni von Hama und IM-idri von Damaskus, konnte diesen Sieg aber nicht ausbauen. Seine Schiffsfahrt auf dem Mittelmeer war wohl eher eine Propaganda-Aktion. Auch 849, 848, 845, 841 und 838 misslang die Eroberung von Aram. Er konnte lediglich 841 und 383 den Tribut von Israel und Sidon eintreiben.
Schamschi-Adad V. hatte seine militärischen Aktivitäten vor allem auf Babylon konzentriert, erst sein Sohn Adad-nirari III. bez. seine Mutter Semiramis kümmerte sich wieder um die Verhältnisse in Syrien. 805 konnte er den Tribut von Aram entgegennehmen. Ferner führte er Feldzüge gegen den Nomadenstamm der Itu im Zab-Tal. Auch nach babylonischen Berichten richteten plündernde nomadisierende Aramäer im Süden, im Gebiet von Babylon und Borsippa große Schäden an. Erst Tiglat-pileser III. (744-727 v. Chr.) konnte die Nomadenstämme im Süden unterwerfen, er erreichte mit seinem Heer den persischen Golf. In Syrien konnte er Arpad , das unter Assur-nirari V. (754-745 v. Chr.) abgefallen war und ein Bündnis mit Meliddu, Kummuhu und Gurgum eingegangen war, nach zweijähriger Belagerung 740 einnehmen, obwohl Sardur versuchte, ihnen zur Hilfe zu kommen. 739 eroberte er Sam'al, übergab es aber einem einheimischen Herrscher. Aram fiel erst 732 unter Tiglat-pileser III. (744-727), die Bevölkerung wurde deportiert. Unter Tiglat-pileser III. fanden auch weitere große Deportationen statt, so wurden 30.000 Leute aus dem Königreich Hama nach Urartu und nach Mannai zwangsumgesiedelt, 150.000 Aramäer aus dem südlichen Babylonien mussten sich im östlichen Hochland niederlassen. Diese Maßnahmen sollten dazu dienen, den Widerstand der unterworfenen Bevölkerung zu brechen und die Bevölkerungsverluste durch die ständigen Kriege auszugleichen. Gleichzeitig führten diese Maßnahmen zu einer zunehmenden Aramäisierung des assyrischen Reiches.
Die unterworfenen aramäischen Stämme wurden zunehmend in das assyrische Reich eingegliedert. So war die Mutter von Assurbanipal (669-627) Naqi'a/Zakûtu (Nitokris) eine Aramäerin. Sie genoss am Hof großen Einfluss und war letztlich diejenige, die nach dem Tod von Assurhaddon die Thronbesteigung von Assurbanipal sicherte. Mit der zunehmenden Ausbreitung des aramäischen als Verkehrsprache im gesamten vorderen Orient verliert sich die Spur einzelner aramäischer Stämme.
Die aramäische Sprache wurde oder wird in der christlichen Liturgie verschiedener Kirchen verwendet:
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"Aramäer (Antike)".
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