Die Arabischen Dialekte oder das Neuarabische hat sich aus bereits im Altertum diversifizierenden altarabischen Varietäten entwickelt. Die arabischen Nationalgrammatiker, insbesondere Sibawayhi, haben uns zahlreiche regionale, umgangssprachliche Abweichungen vom klassischen Arabisch überliefert.
Im Folgenden eine kleine Auswahl dieser bereits im Altarabischen dokumentierten dialektalen Erscheinungen:
Mit den arabischen Eroberungen ab dem 7. Jahrhundert verbreitete sich das Arabische von seinem Stammgebiet, der Arabischen Halbinsel, nach Westen bis an den Atlantik, nach Osten bis nach Zentralasien, nach Norden bis in das Gebiet der heutigen Türkei und nach Süden bis Sansibar. Durch riesige Entfernungen voneinander isoliert und dem Einfluss von starken, weil verwandschaftlich recht nahe stehenden Substratsprachen ausgesetzt – z. B. dem Aramäischen – entwickelten sich die neuarabischen Dialekte. Der neuarabische Sprachtypus steht innerhalb der semitischen Sprachfamilie dem Aramäischen näher als noch der altarabische Sprachtypus, der seinerseits eine größere Affinität zum Akkadischen hatte.
Über 1.000 Jahre Sprachentwicklung haben zu einer Vielfalt von Dialekten geführt, die teilweise unverständlich untereinander sind. Dass die Verständigung innerhalb der arabischen Welt doch noch klappt, liegt an der Tatsache, dass eine auf dem klassischen Arabisch basierende Sprachform als gemeinsame Hoch- und Dachsprache genutzt wird. Der Unterschied zwischen Hochsprache und Umgangssprache ist gewaltig, man stelle sich etwa zum Vergleich vor, in Italien würde heute noch Latein als Hoch- und Mediensprache benutzt, während man ansonsten im Umgang miteinander italienische Dialekte spräche.
Das Neuarabische wird in der Regel nicht geschrieben, sondern ist der mündlichen Kommunikation vorbehalten. Dadurch, dass in allen arabischen Ländern die Hoch- und Schriftsprache von der ersten bis zur letzten Klasse an den Schulen gelehrt wird, gelingt es beispielsweise zwei Arabern aus Marokko und dem Irak sich nicht nur schriftlich, sondern auch mündlich zu verständigen, indem sie sich nämlich auf ihr Schularabisch besinnen und versuchen, sich im sprachlichen Level soweit in Richtung Schriftsprache hochzuschrauben, bis sie auf eine Ebene kommen, wo sie einander verstehen. Den Zustand, dass zwei zeitlich weit auseinander liegende Formen ein und derselben Sprache als Umgangs- und Hochsprache dienen bezeichnet man als Diglossie.
Eine Sonderstellung im arabischen Sprachraum nimmt Malta ein, dessen arabischer Dialekt zwar den Maghreb-Dialekten nahesteht aber sich doch schon so weit vom Arabischen wegentwickelt hat, dass manche Linguisten dem Maltesischen eine Sonderstellung nicht innerhalb des Arabischen, sondern neben dem Arabischen zuerkennen. Die Malteser benutzen eine aus ihrer Umgangssprache hervorgegangene Schriftsprache, die in einer modifizierten Lateinschrift geschrieben wird.
Das Hocharabische als Dachsprache fehlt auch meist in den arabischen Sprachinseln, wie etwa auf Zypern, in der Türkei, in Zentralasien und Teilen Schwarzafrikas.
Das wesentliche Kennzeichen aller Dialekte des neuarabischen Typs ist der Verlust aller Flexionsvokale und der Nunation. Beim Nomen bedeutet dies den vollständigen Verlust der Kasusflektion, wodurch die Wortstellung im Satz nicht mehr so flexibel wie im Altarabischen gehandhabt werden kann. Beim Verb geht die Modusunterscheidung – Indikativ, Subjunktiv und Apokopat – verloren, wofür sich die Dialekte mit Neubildungen behelfen mussten. Einige Dialekte, vor allem solche, die isoliert am Rand des arabischen Sprachraums überlebt haben, besitzen noch Reste von Flexion, doch dies ist nur ein schwacher Abglanz des einst mächtigen und überzeugend logischen grammatikalischen Instruments.
Daneben gibt es weitere Phänomene, die den meisten arabischen Dialekten gemein sind, darunter
Einige Phänomene, die in zahlreichen, aber bei weitem nicht allen arabischen Dialekten auftreten:
Die wesentliche Dialektgrenze verläuft im Arabischen Sprachraum nicht entlang geografischer Grenzen sondern entsprechend historisch-soziologischer Kriterien: Nomadendialekt und Ansässigendialekt. Hauptunterscheidungsmerkmal ist dabei die Realisation von altem q : Die Ansässigen realisieren den Laut stets stimmlos etwa als , k oder q, Beduinen stets stimmhaft, beispielsweise als g oder zum weichen Gaumen verschoben als g̣ , oder als ǧ , die (ehemaligen) Kamelnomaden gar in bestimmten Stellungen als ǵ .
Die Ansässigendialekte teilen sich nochmals auf in Stadtdialekte und Landdialekte. Typische Kennzeichen eines Stadtdialekts sind die Aussprache von q als Hamza und die Verschiebung der Interdentale zu Verschlusslauten, also ṯ > t, ḏ > d, ḏ̣ > ḍ. Dieser Dialekttyp wird gesprochen in Kairo, Jerusalem, Beirut, Damaskus und vielen anderen Städten der arabischen Welt. Nicht jedoch beispielsweise in Bagdad oder Tripolis, da deren Bevölkerung ursprünglich beduinischen Ursprungs ist. D. h., dass der beduinische Dialektyp auch in Städten und auf dem Land gesprochen werden kann, städtisches Arabisch findet sich besonders im Maghreb auch auf dem Land, das einzige, was bisher nicht entdeckt wurde, sind Beduinen, die städtisch sprechen. Die Bezeichnungen sind also historisch-soziologischer Natur und spiegeln nicht die jetzigen tatsächlichen Lebensverhältnisse wieder.
Abgesehen von dieser grundlegenden soziologischen Einteilung lassen sich die arabischen Dialekte geografisch folgendermaßen klassifizieren:
Eine Übersicht über das Verbreitungsgebiet des Arabischen mit ungefähren Sprecherzahlen findet sich in der Liste von Staaten mit indigener muttersprachlich arabischer Bevölkerung.
لهجات عربية | Yezhoù arabek | Varieties of Arabic | Árabe dialectal | گویشهای عربی | Arabe dialectal
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