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Applied Behavior Analysis (ABA) ist eine moderne Therapieform zur Behandlung von autistischen Störungen, die auf einem behavioristisch geprägten verhaltenstherapeutischen Ansatz basiert.

Sie wird vorzugsweise zu einem möglichst frühen Zeitpunkt bei Kindern mit Autismus / Asperger-Syndrom eingesetzt, kann aber auch noch bei erwachsenen Personen mit entsprechenden Störungen eingesetzt werden.

ABA ist auf den Prozess einer Verhaltensänderung im Sinne der Entwicklung von adaptivem, prosozialem Verhalten sowie der Verringerung von nicht angepasstem und unangemessenem Verhalten ausgerichtet.

Die wörtliche Übersetzung "Angewandte Verhaltensanalyse" bezeichnet demgegenüber meist einen wesentlich weiter gefassten Begriff einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Änderung von Verhalten bei Menschen und Tieren.

Lovaas / ABA


Die Grundlage der ABA-Methoden wurde durch Dr. O. Ivar Lovaas gelegt. Während seiner Arbeit in den frühen 1960er Jahren am „Neuropsychiatric Institute“ des UCLA entdeckte er, dass seine Patienten (autistische Kinder) von einer intensiven Verhaltenstherapie profitieren konnten.

Eine wichtige Erkenntnis von Dr. Lovaas ist, dass „normale“ Kinder ständig einer natürlichen Lernsituation ausgesetzt sind. Er versuchte seine Behandlung darauf auszurichten, ein das Lernen förderndes Umfeld zu schaffen. Grundlegend ist seine Veröffentlichung „Teaching Developmentally Disabled Children: The Me Book“ (1981).

Verbal Behavior


In den 1980er Jahren setzten sich u. a. Jack Michael, Mark Sundberg und James Partington mit B. F. Skinners Verbal Behavior bezogen auf die Unterrichtung sprachlicher Fähigkeiten auseinander.

Es gelang ihnen, die Effektivität der Methoden von Lovaas wesentlich zu verbessern und sie erweiterten in der Folge ABA zu „ABA/VB“ (ABA / „Verbal Behavior“). Die ursprünglichen, früher auch als „Lovaas“-Therapie bezeichneten Formen der Therapie werden inzwischen mehr und mehr durch ABA/VB abgelöst.

Häufig verwendet man auch den Begriff „Lovaas“ für die „klassische“ ABA-Therapie, und mit „ABA“ oder „VB“ wird die ABA/VB-Therapie bezeichnet.

ABLLS


Sundberg und Partington veröffentlichten unter anderem „Assessment of Basic Language and Learning Skills (the ABLLS)“. Die so genannten ABLLS (engl. wie „ables“ ausgesprochen, von „to be able to“ - fähig sein, also ABLLS = Fähigkeiten) werden zur Messung der verschiedenen Lern- und Sprachfähigkeiten des Patienten verwendet. Pro Fähigkeit wird dazu eine Einstufung über Tests, Beobachtung oder Befragung von Bezugspersonen durchgeführt. Auf der Protokollierung und Auswertung der ABLLS baut der jeweilige Therapieplan auf, der im Rahmen der Supervision somit kontrolliert, angepasst und weiterentwickelt wird.

Verfahrensweisen


Die Verfahrensweisen von ABA basieren im Wesentlichen auf Methoden des operanten Konditionierens. Lernversuche und -erfolge sowie erwünschtes Verhalten werden möglichst direkt verstärkt, wobei primäre Verstärker (z.B. Nahrungsmittel) und sekundäre Verstärker (z.B. Spielzeug) eingesetzt werden, um erwünschtes Verhalten zu belohnen. Vor allem soll eine Motivation zum Lernen erreicht werden, da ein Hauptproblem des Autismus die häufig stark eingeschränkte Lern- und Imitationsmotivation ist, welche normalerweise eine wichtige Komponente des Lernpotentials insbesondere bei Kindern darstellt.

In der Praxis werden die Methoden der ABA meist durch Elemente anderer gängiger Verfahren wie TEACCH und PECS angereichert, wobei PECS nur als kommunikativer Einstieg gesehen wird, der durch verbale Kommunikation oder Zeichensprache abzulösen ist.

ABA in Deutschland


Lange Zeit wurde ABA/VB in Deutschland wenig praktiziert, findet aber in letzter Zeit vermehrt Beachtung. Ein Grund für langanhaltende Skepsis im deutschen Raum dürfte auch die Nähe der eingesetzten Lernverfahren zum Behaviorismus sein.

Seit der Hinwendung der modernen Psychologie zum Kognitivismus und Konstruktivismus sowie der Kritik von „Verbal Behavior“ durch Chomsky gelten behavioristische Theorien als diskreditiert, da man den behavioristischen Ansatz als nicht übertragbar auf komplexes menschliche Verhalten betrachtet. Dass der negativ besetzte Begriff des "Verbal Behavior" in der modernen ABA-Therapie in einem Atemzug mit ABA, teilweise sogar als Synonym für die modernen Verianten der ABA genannt wird, dürfte die anfänglichen Vorbehalte von Psychologen eher begünstigen.

Generell neigt man im deutschen Sprachraum dazu, Methoden des wiederholenden Lernens mit Argwohn zu betrachten, zumal manche Elemente der ABA-Therapie auf den ersten Blick lediglich wie „Drill“-Methoden aussehen.

Trotzdem ist ABA bzw. ABA/VB eine der wenigen Methoden, deren Wirksamkeit als empirisch belegt gelten kannLovaas, O.I. (1987). Behavioral treatment and normal educational and intellectual functioning in young autistic children. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 55, 3-9.McEachin, J.J.; Smith, T. & Lovaas, O.I. (1993). Long-term outcome for children with autism who received early intensive behavioural treatment. American Journal on Mental Retardation, 97, 359-372.Verhalten.org zur Wirksamkeit der Methode und mit der deutliche Erfolge bei der Therapie von autistischen Störungen erzielt werden können.

Siehe auch


Autismus

Literatur


  • O. Ivar Lovaas: Teaching Developmentally Disabled Children: The Me Book, Pro-Ed, 1981, ISBN 0-936-10478-3
  • Ron Leaf, John McEachin, Jaisom D. Harsh: A Work in Progress: Behavior Management Strategies & A Curriculum for Intensive Behavioral Treatment of Autism, 1999, ISBN 0-966-52660-0 (deutsche Version bei pro-ABA erhältlich)
  • James W Partington, Mark L. Sundberg: The assessment of basic language and learning skills (the ABLLS), Behavioral Analysts, Inc., Pleasant Hill, CA, 1998
  • Molnár, Claire: Applied Behavior Analysis und die Frage nach Selbstbestimmung, Weidler Buchverlag Berlin, 2005, ISBN 3-89693-439-2
  • Maurice, Catherine: Ich würde euch so gern verstehen! Lübbe, 1995. ISBN 3404613260 (populär geschriebener Erfahrungsbericht der Mutter eines autistischen Kindes)

Quellen

Weblinks


Autismus

Applied Behavior Analysis | ABA

 

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