Appenzeller Land heisst die hügelige, von Weideland und verstreuten Dörfern geprägte Landschaft zwischen dem Fluss Sitter im Norden und den Appenzeller Alpen mit Säntis, Speer und Churfirsten als höchsten Erhebungen im Süden. Bei Rorschach stösst das Appenzeller Land bis zum Bodensee vor. Die beiden Halbkantone Appenzells, Inner- und Ausserrhoden bilden das Herz der Landschaft. Hauptorte sind Gossau, Herisau, Urnäsch, Appenzell, Heiden und St. Gallen. Das mittlere Höhenniveau liegt bei 800 Metern.
Im Mittelalter gehörte das gesamte Appenzeller Land zur Fürstabtei St. Gallen, bis sich die Bewohner des heutigen Doppelkantons in einem Freiheitskampf im frühen 15. Jahrhundert selbständig machten. Die Aufteilung des Kantons Appenzell, der den Hauptteil der Landschaft einnimmt, besteht seit der Reformationszeit, genauer gesagt seit dem Jahre 1597. Das vorwiegend bäuerlich geprägte Innerrhoden blieb katholisch, während das über Jahrhunderte von der Handweberei dominierte Ausserrhoden zum protestantischen Glauben überging. Im Appenzeller Land haben sich viele alte Bräuche erhalten, an Feiertagen wie Fronleichnam tragen Frauen ihre traditionelle Tracht mit Flügelhauben aus Tüllstickerei. Die Stickerei gehört noch heute zu den bekanntesten Handwerksformen der Gegend, viele Erzeugnisse werden in Heimarbeit hergestellt.
Typisch für das gesamte Appenzeller Land sind die bunt bemalten Holzhäuser mit geschweiften Giebeln, die früher wohlhabenden Bürgern gehörten. Die mit kunstvollen Motiven bemalten, reihenförmig zwischen den Fenstern angebrachten Tafeln verzieren die Aussenfassaden der Bauwerke. Die einfacher gehaltenen Bauernhäuser verfügen über eine ebenerdige Fensterreihe, die die Kellerräume belichtete, in denen die Sticker ihre Arbeit verrichteten. Ein typischer Appenzeller Winterbrauch sind die Silvesterchlausen, eine besondere Variante des Chlausjagens. Der Umzug der Chläuse wird am 31. Dezember sowie am 13. Januar abgehalten und vereint maskierte und kostümierte Charaktere unterschiedlichster Art. Generell unterscheidet man zwischen Schöne, Wüeschte (Hässliche, "Wüste") und Schö-Wüeschte.
Im Süden des Landes nimmt der hügelige, spärlich bewaldete Landschaftstyp allmählich voralpinen Charakter an. Die Ebenalp ist ein von Alpweiden (=Almweiden) bedeckter Höhenzug, der von bizarren Felsformationen überragt wird. Die Alpengipfel von Säntis und Churfirsten bewegen sich auf einem Höhenniveau von zweieinhalbtausend Metern. Der Säntis bildet gemeinsam mit dem Altmann eine Doppelspitze, beide gehören zum Alpsteinmassiv. Im von Hochweiden bedeckten Vorgebirge prägen weit verstreute Gehöfte das Landschaftsbild. Dort liegt auch der Seealpsee mit seinem typisch dunklen Wasserspiegel.
Bei der Landsgemeinde im Dorf Appenzell (Innerrhoden), der Versammlung aller stimmberechtigten Bürger, tragen viele noch den althergebrachten Degen. Die Abstimmung erfolgt per Handzeichen. In Ausserrhoden fand die Abstimmung in geraden Jahren in Trogen, in ungeraden in Hundwil statt, ist inzwischen aber abgeschafft worden. Die Weidewirtschaft ist noch heute überall verbreitet. Der Alpauf- und -abtrieb der Rinderherden ist im südlichen Appenzeller Land immer noch ein grosses, von Feierlichkeiten eingerahmtes Ereignis, bei dem die traditionellen Trachten allgegenwärtig sind. Das Appenzeller Land erstreckt sich über den Doppelkanton Appenzell, Teile des Kantons St. Gallen und Randgebiete des Kantons Thurgau.
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