Blinddarm-01.jpg Als Appendektomie wird in der medizinischen Fachsprache die operative Entfernung des Wurmfortsatzes (Appendix vermiformis) bei Verdacht auf eine Appendizitis,d.h. eine Entzündung desselben, bezeichnet.
Davon abzugrenzen sind Krankheitsfälle, bei denen die Diagnose fraglich erscheint. Bestehen Zweifel an der Akutizität des Verlaufes und liegt möglicherweise eine subakute oder chronische (verzögerte, länger bestehende) Reaktion vor, sollte zunächst mit einer konservativen Therapie (Nahrungskarenz, lokale Kühlung, evtl. Schmerztherapie) unter stationärer Kontrolle begonnen werden.
Dennoch: "In dubio operare" - "Im Zweifelsfall operieren" ist eine alte Richtlinie, die bei der Blinddarmentzündung bis heute Gültigkeit hat.
Liegt die besondere Situation einer chronisch-rezidivierenden (wiederkehrenden) Appendizitis vor, kann über eine Appendektomie im sog. "freien Intervall" - einer beschwerdefreien Phase - nachgedacht werden (Intervallappendektomie). Durch diese zeitliche Verschiebung können einige Risiken des Eingriffs gemindert werden (Wundinfektion!).
Man unterscheidet zwei verschiedene Operationstechniken:
Beide Verfahren haben besondere Vor- und Nachteile. Das laparoskopische Verfahren ermöglicht durch die Platzierung der Kamera eine umfassendere Beurteilung des Bauchraumes (Ursachenforschung, Nebendiagnosen), führt zu einer geringeren postoperativen Schmerzbelastung und senkt das Risiko von Verwachsungen und Narbenbrüchen.
Die konventionelle Operation ermöglicht vor allem unter schwierigen Bedingungen (Verwachsungen, untypische Lage der Appendix, Perforation, Eiteransammlung, Blutung) einen besseren Zugriff auf das Operationsgebiet. Sie ist außerdem apparativ weniger aufwändig und preislich deutlich günstiger.
Nun wird mit der Durchtrennung des Bauchfells (Peritoneum) die Bauchhöhle eröffnet. Zunächst schafft sich der Operateur einen groben Überblick: Besteht eine Peritonitis? Liegt eine diffuse Abszedierung (Eiteransammlung) bzw. Zeichen einer Perforation vor? Bestehen Verwachsungen im Bereich der Darmschlingen? Im Allgemeinen wird ein mikrobiologischer Abstrich angelegt, der später eine gezielte antibiotische Therapie ermöglicht.
Jetzt wird der Blinddarm (das Caecum) mit dem vermeintlich entzündlichen Wurmfortsatz (die Appendix) aufgesucht. Das Caecum wird hervorgezogen, und es beginnt die Präparation der Appendix unter Klemmen und Ligieren der versorgenden bindegewebigen Strukturen und Gefäße. Der caecumnahe Abschnitt (Basis) wird nun gequetscht, geklemmt und ligiert (abgebunden) und eine sog. Tabaksbeutelnaht um die Appendixbasis vorgelegt. Jetzt kann die Appendix abgetragen und ihr Stumpf - nach Desinfektion und mit Hilfe der Tabaksbeutelnaht - im Caecum versenkt werden. Zur Sicherung wird oft eine Z-Naht über den versenkten Stumpf gelegt.
Es folgt die Spülung des Bauchraumes und wenn möglich die Abdeckung des Caecums mit einem Zipfel des großen Netzes (Omentum majus), eventuell Anlage einer Drainage. Die Bauchdecken werden schichtgerecht verschlossen, Anlage des Verbandes.
Nach Exploration der Bauchhöhle wird die Appendix aufgesucht und gefasst und die bindegewebigen Haltestrukturen sowie die Gefäße mit Hilfe eines Klammernahtgerätes (Stapler) oder durch Anbringen von resorbierbaren Clips durchtrennt. Anschließend wird die Appendix basisnah verschlossen und abgetragen.
Typische Komplikationen und damit Risiken der Appendektomie sind: Wundinfektion (v.a. bei Perforation der Appendix durch intraoperative Verschleppung von Erregern in die Bauchdecken), Verwachsungen/Darmverschluss (Ileus), (Nach-)Blutung, Verletzung von Darm, Harnleiter oder anderen Nachbarorganen, Narbenbruch u.a.
Die abschließende gewebliche Untersuchung der entnommenen Appendix erfolgt durch den Pathologen. Wichtig sind Angaben über Entzündungsfortschritt, Perforationszeichen, Fremdkörpern, Malignität (Tumor?).
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