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Apostrophitis.jpg | nudeln.jpg | Deppenapostroph.jpg Apostrophitis ist eine polemische Bezeichnung für die häufige falsche Verwendung des Apostrophs; den auf solche Weise falsch gebrauchten Apostroph bezeichnen manche als Deppenapostroph, seltener auch als Kapostroph. Kann auch als europäische Sprachharmonisierung interpretiert werden, da in vielen europäischen Sprachen (Englisch, Niederländisch, ...) Genitiv- oder sogar Plural-Apostrophe (Niederländisch vor Vokal) möglich und erlaubt sind.

Die griechische Endung -itis (-ίτις bzw. neueres Griechisch -ίτιδα) bezeichnet im medizinischen Sprachgebrauch eine Entzündung. In der Umgangssprache wird krankhaft gesteigertes Verhalten oft mit der Endung -itis versehen.

Ausprägungen


Falsche Apostrophe sind in folgenden Fällen anzutreffen:

  • Beim Genitiv: Die häufigste Form der Apostrophitis ist das abgetrennte Genitiv-s, der sogenannte (angel)sächsische Genitiv, wie bei Bio’s Bahnhof. Diese Schreibweise wird bei Personennamen in der neuen deutschen Rechtschreibung in Ausnahmefällen toleriert, wenn damit die Grundform des Namens hervorgehoben werden soll: Andrea’s Friseursalon (statt Andreas Friseursalon) zur deutlicheren Unterscheidung von Andreas’ Friseursalon. Nach den alten deutschen Rechtschreibregeln ist diese Schreibweise generell falsch. Geradezu grotesk wird die Abtrennung des Genitiv-S bei unregelmäßigen Genitiven, insbesondere Buchstabeneinschüben: Häufig steht dann vor dem Apostroph nicht mehr etwa der Nominativ, sondern eine so gar nicht mögliche Form; Beispiel: "Spezialität des Hause's"
  • Als Abtrennung des Fugen-S bei Komposita: In Dresden etwa gibt es ein Einkauf'seck, in Templin ein Bahnhof’s-Restaurant.
  • Beim Plural: Häufig werden Apostrophe auch fälschlicherweise bei der Mehrzahlbildung von Lehnwörtern und Abkürzungen gesetzt. Beispiele: Snack’s, CD’s. Dieses Problem besteht auch im englischen Sprachraum.
  • Beim Imperativ: Ebenfalls falsch ist der Apostroph bei der Befehlsform (z. B. Geh’ mit mir.), da die Form mit angehängtem e („Gehe“) nur eine – bei vielen Verben (z. B. „Lies“) gar nicht mögliche – Verlängerung der Grundform ist.
  • Bei Adjektiven, die von Personennamen abgeleitet sind: Diese sind nur dann richtig, wenn der Name besonders hervorgehoben werden soll und groß geschrieben wird. Nach alter deutscher Rechtschreibung wird der Name der Person stets ohne Apostroph geschrieben. Ursprünglich stand an dieser Stelle -i-, das später durch einen Apostroph ersetzt wurde, der aber seit langem als veraltet und regelwidrig gilt. Regelgerecht nach neuer deutscher Rechtschreibung ist also zipfsches Gesetz oder zur besonderen Betonung auch Zipf’sches Gesetz, nie jedoch zipf’sches Gesetz und auch nicht, wie nach der alten deutschen Rechtschreibung, Zipfsches Gesetz (außer natürlich am Satzanfang).
  • Vereinzelt treten auch willkürliche Apostrophe in anderen Fällen auf wie bei nicht’s, abend’s, recht’s oder samstag’s. Meist werden dabei Wortendungen aus Konsonant und s getrennt

Eine Nebenentwicklung der Apostrophitis ist, dass heute häufig eines der diakritischen Zeichen ´ (Akut) und ` (Gravis) anstelle des eigentlichen Apostrophs () gesetzt wird.

Geschichte


Die falsche Verwendung von Apostrophen ist keine neue Erscheinung, insbesondere beim Genitiv. Im 19. Jahrhundert war diese Schreibweise üblich. Der Duden missbilligte sie zunächst nur: Bei Genitiven sei es „nicht erforderlich“, einen Apostroph zu setzen. Sie wurde erst in der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1901 abgeschafft. In allen Epochen des 20. Jahrhunderts sind Fälle des fehlerhaften Apostrophengebrauchs belegt. Die erste nach der Eroberung durch die Alliierten erschienene Ausgabe einer deutschen Zeitung beispielsweise, die Aachener Nachrichten vom 24. Januar 1945, wies die Titelschlagzeile „Alliierte Flugzeuge zerschlagen Rundstedt’s Rückzugskolonnen“ auf. Traditionsreiche Handelsmarken mit Genitiv-Apostroph sind unter anderem Beck’s Bier, Kaiser’s Kaffeegeschäft oder Hoffmann’s Gardinenneu. Auch Thomas Mann verwendete regelmäßig den Genitiv-Apostroph: Baron Harry’s, Johnny’s, Amra’s

In Großbritannien bezeichnet man den fälschlichen Gebrauch des Apostrophs beim Plural-s als greengrocers’ apostrophe und unterstellt damit, der Gemüsehändler könne mit diesem Zeichen nicht richtig umgehen und würde den Plural mit dem Genitiv verwechseln (fresh carrot’s).

Der englische Genitiv als Ausnahme im Deutschen


Englische Handelsmarken und Franchise-Geschäfte enthalten als Markennamen gelegentlich einen Namen mit Apostroph und angehängtem Genitiv-s, wie beispielsweise McDonald’s. Dies ist im Englischen korrekt und stellt eine elliptische Veränderung von McDonald’s restaurant oder McDonald’s corporation dar. So heißt es auch korrekt im Englischen I’m going to the grocer’s.

Es liegt die Vermutung nahe, dass sich einige deutsche Restaurants bei ihrer eigenen Namensgebung entweder bewusst an dieser Schreibweise orientieren oder aber dies im fälschlichen Glauben tun, dass es sich dabei auch im Deutschen um die richtige Schreibweise handelt. Dabei handelt es sich zumeist um eine Form der Überanpassung, die auch schon das Deppenleerzeichen mitverbreitete.

Diskurs


Als Kritik am zusätzlichen Apostroph wird vorgetragen, dass er (wie auch das „Deppenleerzeichen“ Agovis) die Lesegeschwindigkeit verringere, da er zum Innehalten führe. Das heißt, er erschwert das Überfliegen von Texten, da die Aufmerksamkeit von den sinntragenden Wörtern weg zu sinnarmen Syntaxzeichen hin gelenkt wird. Zudem verändert der Apostroph das Schriftbild: Ein Apostroph hat eine Überlänge, ragt also aus den Buchstabenzeilen nach oben heraus und fügt zusätzliche Leerstellen zwischen Buchstaben ein. Beides führt zu einem unruhigeren, zerrissenen Schriftbild.

Andersherum betrachtet kann gesagt werden, dass schon seit Jahrhunderten immer wieder Tendenzen bestehen, den Genitiv-Apostroph in die deutsche Sprache einzuführen, beispielsweise nutzte Thomas Mann ihn häufig.

Siehe auch


Plenk, Klempen, Deppenleerzeichen

Weblinks


Typografie

Apostrophe (mark)#Greengrocers.27_apostrophes

 

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