Apocalypse Now ist ein Antikriegsfilm aus dem Jahr 1979, dessen Handlung während des Vietnamkriegs spielt. Er basiert auf einer freien Interpretation von Joseph Conrads Roman Herz der Finsternis.
Francis Ford Coppolas Produktionsfirma American Zoetrope produzierte den Kinofilm für United Artists.
Mitten im Vietnamkrieg erhält Captain Willard den Auftrag für eine abenteuerliche Mission: Er soll sich mit einigen Soldaten bis zum Lager des abtrünnigen Colonel Kurtz im kambodschanischen Dschungel durchkämpfen, der sich nicht mehr durch die Militärführung kontrollieren lässt und dort ein eigenes „Reich“ aufgebaut hat. Willard hat den ausdrücklichen Befehl, den Colonel zu liquidieren. Er macht sich auf seinen Weg durch den Dschungel. Die Reise der Männer mit ihrem Patroullienboot entwickelt sich zu einem Trip in die immer wirrere und absurdere Kriegswelt.
Die wohl bekannteste Szene des Films ist der Hubschrauberangriff der Luftkavallerie auf ein vietnamesisches Dorf zu den Klängen von Richard Wagners Walkürenritt, welche auch in Jarhead gezeigt wird. Doch auch die Eingangssequenz, hinterlegt mit The End von The Doors verdeutlicht die Inszenierungskunst, die Coppola betrieb.
Geheimagent Willards Wartezeit in Saigon, geprägt von Alkohol, Selbstverstümmelung und einem übergroßen Verlangen nach Rückkehr in den Dschungel, stehen am Anfang des Films. "Jede Minute, die ich in diesem Raum bin, werde ich schwächer. Und jede Minute, die Charlie im Dschungel verbringt, wird er stärker".(„Every minute I stay in this room, I get weaker. And every minute Charlie guards in the bush, he gets stronger.“) Im "Making Of" ist zu sehen, dass Film und Realität verschmelzen: Der herz- und alkoholkranke Hauptdarsteller Sheen entblößt sich vor der Kamera soweit, dass reale Verletzungen (Spiegelszene) in den Film übernommen werden. Der Realismus dieser Szenen ist so "erschreckend gut", dass Martin Sheen trotz langen Krankenhausaufenthaltes wegen Herzproblemen "den Zuschlag" für die Hauptrolle erhält. Zwei GIs holen Willard zu seinen Auftraggebern, beim Essen werden ihm erste Informationen über sein Ziel in Form von abgefangenen Funksprüchen präsentiert.
Nur in Teilen und immer wieder bruchstückhaft, ja beinahe ungewollt, erfährt der Zuschauer aus dem Dossier: Kurtz, ein militärischer Musterschüler mit Aspirationen auf die höchsten Posten, bat urplötzlich um einen Wechsel zu den Green Berets und wich schon bald von den Richtlinien der Streitkräfte ab. Dass er unautorisiert vier Doppelagenten erschoss, war für die Armeeführung Gelegenheit genug, seine Eliminierung zu befehlen und einen Attentäter auszusenden. Der erste Agent kehrte nicht zurück, also wird Willard ausgeschickt, der sich freiwillig für Geheimaufträge gemeldet hatte.
Bezeichnend für den gesamten Auftrag mag folgendes Zitat sein: "Charging a man with murder in this place is like handing out speeding-tickets at the Indy 500 …" – in der deutschen Synchronisation: "Einen Mann an so einem Ort wegen Mordes zu belangen, ist wie eine Verwarnung wegen überhöhter Geschwindigkeit beim Autorennen …"
Die Luftkavallerie (Hubschraubergeschwader), die Willards Boot den Fluß aufwärts eskortieren sollte, nähert sich mit einem Mal viel zu nahe der Position des Bootes. Die Hubschrauber landen unter leichter Gegenwehr in einem kleinen Dorf auf dem Weg des Bootes, hier steigt Willard aus um sich mit dem Battalions-Kommandeur der Luftunterstützung zu beraten. Coppola selbst spielt hier einen Anweiser für ein Team Kriegsberichterstatter die Filmmaterial drehen. Schließlich stellt sich heraus das der gar nichts von dem Eskortbefehl weiss. Wenige Minuten vorher verteilte der Befehlshaber des Batallions, Kilgore, noch gut gelaunt Spielkarten auf gefallene Vietcong. „Deathcards, lets Charlie know who did this“ (Coppola 02, 05 27:02).
Der Einzige, der den surfbegeisterten Kilgore zum Abbruch seiner Selbstinszenierung bringt, ist Lance B. Johnson, Vietnam-Neuling und junge Surfhoffnung Amerikas in Personalunion, der zufällig Teil von Willards Begleitcrew ist. Am Abend gibt es Lagerfeuer mit eingeflogenem Bier und Steaks. Kilgore klimpert auf einer Gitarre, doch glaubt der Agent: „The more they tried to make it just like home, the more they made everybody miss it.“
Für den nächsten Tag befiehlt Kilgore den Angriff auf ein kleines von den Nordvietnamesen besetztes Dorf, weil es vor dessen Küste sechs Fuß (2 Meter) hohe Wellen gibt. Hier soll Lance surfen und damit nicht nur ein Schauspiel bieten, sondern auch den Unterschied zwischen Vietkong und den US-Streitkräften herauskehren: "Charlie surft nicht!" („Charlie don’t surf!“) Als Kilgore dann aber Napalm anfordert, um ein gut verteidigtes Waldstück zu verbrennen, bringt das den Wind durcheinander und zerstört den Wellengang. Zuvor sagte Kilgore: „Napalm riecht nach Sieg.“ Vielen bekannt sein dürfte auch das Zitat von Kilgore: „Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen.“
Dieser Filmabschnitt ist eine der ersten Begegnungen mit dem Irrealismus und dem Wahnsinn der Beteiligten des Krieges, der Surrealismus der Szenen ist unübersehbar, so befiehlt Kilgore zwei seiner Soldaten das Surfen um den Wellengang zu nutzen, während am Strand noch immer Einschläge zu sehen sind und Kilgore mehrfach beinahe getroffen wird. Auch im Wasser kann man Einschläge erkennen die die Surfe nur knapp verfehlen. Willard und seine Begleiter fliehen schließlich unter den Bitten Kilgores um eine kleine Surfeinlage von Lance (“Lance, dass war der scheiss Napalm! Warte doch... nur 20 Minuten!„)
Perfektioniert wird die Niederlage (Charlie surft nicht, Lance ebenso wenig) durch den Diebstahl von Kilgores Lieblingssurfboard durch Capt. Willard, woraufhin Kilgore die ganze Einheit den Fluss absuchen lässt. (Nur in der „Redux“-Version enthalten.)
Das Patrouillenboot der US-Marine, auf dem Willard flussaufwärts Richtung Kambodscha gebracht wird, funktioniert als Spiegelbild der US-Armee. An Bord befinden sich :
Willard soll von der Crew Richtung Kambodscha geschifft werden, er bleibt somit ein Außenseiter im Mikrokosmos dieses Bootes, dessen Flussfahrt den roten Faden des Filmes ausmacht. Während die Crew ihrem 'Alltag' an Bord nachgeht (Drogenkonsum, Langeweile, Wache schieben) werden dem Zuschauer die Gedankengänge Willards mitgeteilt. Sehr einprägsam nach dem "Beachboys"-Abschnitt Willards Resumee: "Wenn Kilgore den Krieg auf seine Weise führen durfte, begann ich mich zu fragen was sie überhaupt gegen Kurtz einzuwenden hatten. Es war nicht nur Wahnsinn und Mord... davon gab es hier genug, dass für uns alle was abfiel."
An der Station zu Hau Phat trifft die Crew am richtigen Tag ein: Eine frisch eingeflogene USO-Show steht auf dem Veranstaltungskalender. Miss August, Miss May und das Playmate of the Year geben sich die Ehre und erscheinen in Cowboy- und Indianer-Kostümen auf der Bühne. Nachdem die Mädchen mit ihren Spielzeugrevolvern in die Zuschauermenge schießen, beginnt ein Tumult und die Frauen werden überstürzt ausgeflogen. Dies bringt sie in jene aussichtslose Lage, noch weiter flussaufwärts ohne Treibstoff in einem desolaten Lager notzulanden – und später bei Willard Treibstoff gegen Sex mit den deutlich verstörten Mädchen tauschen zu müssen.
(nur in der „Redux“-Version enthalten)
Trotz aller Erwartungen, die der Zuschauer an eine amerikanische Frontlinie stellt, – die Do Lung Brücke wird sie nicht erfüllen. Der letzte Stopp vor dem Gebiet, in dem es keine US-Armee mehr, sondern nur noch Kurtz gibt, ist ein Halt im totalen Chaos, wo Verzweiflung und Grabenkampf das Bild beherrschen. Kaum kommt das Boot in die Nähe der Brücke, um die von fern Explosionen lodern während eine Lichterkette die Brücke selbst deutlich hervorhebt und Leuchtkugeln die Szene surreal beleuchten, versuchen Deserteure ihren Rückweg zu erschwimmen. Interessant an diesem Abschnitt dass man nicht einen einzigen Vietcong zu sehen bekommt und sich bald das Bild aufdrängt dass die Soldaten gegen Phantome kämpfen oder schon alle um den Verstand gekommen sind. Im Hintergrund hört man über Lautsprecher Schreie, psychedelische Geräusche und undefinierbare Klänge. Drogen, Desorganisation, Angst, Panik, Tod, Leiden und kopflose Militäraktionen bestimmen den Ort. Auf die Frage Willards, wer denn hier der kommandierende Offizier sei, antwortet ein hysterischer Soldat symptomatisch: "Nich sie?" („Ain’t you?“). Ein anderer feuert wild mit einem stationären MG immer wieder auf offenbar bereits tote Vietkong, aus einer Sandsackstellung heraus. Wieder sieht man jedoch nichts von den angeblichen Zielen. Willard findet trotz dem Chaos einen Kontaktmann, Leutnant Carlson, der ihm aktuelle Instruktionen zu seinem Auftrag überreicht und sich mit den Worten „sie glauben gar nicht wie glücklich ich jetzt bin, Sir.“ daran macht zu verschwinden. Als Willard nachfragt, spricht Carlson aus was man sich beim Anblick schon ohnehin dachte: „Jetzt kann ich hier raus!“ und „Wir sind hier am beschissenen Arsch der Welt, Captain!“ Krönender Abschluss dieser Szene ist das Einstürzen der beschossenen Brücke hinter dem abfahrenden Boot.
Aus dem Nebel tauchen Ruinen auf und schon steht die Besatzung vor französischer Übermacht. Mr. Clean, der bei einem Angriff auf die Nellie sein Leben ließ, wird hier bestattet. Beim gemeinsamen Abendessen mit den französischen Plantagenbesitzern kommt es zu heftigen Diskussionen unter den Gastgebern. Willard wird angefleht, aus den Fehlern der Franzosen zu lernen und diesen sinnlosen Krieg zu beenden.
(nur in der „Redux“-Version enthalten)
Zwischen bewaffneten Einheimischen – Leichen und Lebende halten sich hier die Waage – steigen Willard und Chef die Treppen hoch und treffen den zuerst ausgesandten Spion mit einigen Kameraden, umringt von Frauen und einer Schar Kindern. Willard wird allerdings schnell durch die abgehackten Schädel im Hintergrund abgelenkt. Also Rückzug zum Boot. Chef bleibt an Bord, um notfalls mittels „Code Almighty“ die gesamte Siedlung auszulöschen und Willard unternimmt mit Lance eine zweite Exkursion.
Der Agent wird gefangengenommen und zu Kurtz gebracht. Zwischen den beiden entwickelt sich ein langes Gespräch, in dem der Agent vom Oberst als ein „Laufbursche von Krämern, geschickt, um die Rechnung vorzulegen“ („You’re an errand boy, sent by grocery clerks, to collect a bill“) entlarvt wird. In einer sehr unbequemen Position sitzend gefesselt erhält Willard dann ein grauenerregendes Präsent von Kurtz in seinen Schoß: Chefs abgehacktes Haupt. Der Zuschauer erfährt die simple Dialektik des Col. Walter E. Kurtz: „Horror and moral terror are your friends, if they are not, then they are enemies to be feared.“
Während der folgenden Zeit kommt auch Willard der Wildnis näher, um dann auf Befehl des Dschungels Kurtz mit einer Machete zu töten. Nachdem Willard die wichtigsten Papiere und Aufzeichnungen Kurtz’ unter den Arm gepackt hat, erscheint er vor dem Tempel, um symbolisch die Machete hinzuwerfen, das Funkgerät auszuschalten und mit Lance auf der Nellie flussabwärts zu fahren.
Synchronregie: Christian Rode
Synchronregie: Andreas Fröhlich
Filmtitel | Filmtitel 1979 | US-amerikanischer Film | Anti-Kriegsfilm | Filmdrama | Literaturverfilmung | Vietnamkrieg (Film)
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